Wilhelm Furtwängler - der Komponist

  • Danke für diesen Hinweis, lieber Wieland! Da werde ich doch mal eine Bestellung aufgeben.

    Übrigens frage ich mich, wie bei einer erst am 24. Mai erscheinenden CD (heute schreiben wir den 22. Mai) bereits zwei Kundenrezensenten ihre Meinung bei jpc in Form von Sternebewertungen abgeben konnten: Der eine gab die Maximalbewertung von 5 Sternen, der andere die Minimalbewertung von 1 Stern. Beides natürlich ohne ein Wort der Begründung. Wollen sich da nur irgendwelche Pappnasen wichtig machen?

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Die kommentarlosen Bewertungen bei jpc kann man vergessen, da spielen irgendwelche Leute blöde Spielchen. Ich ignoriere die.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Die 1. Symphonie von Wilhelm Furtwängler erlebt mit der neuen cpo-Aufnahme natürlich nicht ihre Ersteinspielung. Ich besitze schon seit dem Erscheinen vor zwei Dekaden die Aufnahme mit George Alexander Albrecht und der Weimarer Staatskapelle. Die gibt es übrigens derzeit gebraucht für wenige Euronen. Albrecht hat alle drei Symphonien eingespielt und dürfte als Herausgeber der Partituren ein ausgewiesener Kenner der Materie sein.

    Die 1. Symphonie beeindruckt und erschreckt erst einmal durch ihre Ausmaße. 84 min dauert sie in der Albrecht Einspielung. Die Neuaufnahme dürfte etwas kürzer sein, da sie auf eine CD passt. Allein der Kopfsatz dauert 30 min. Der ist vielleicht auch der dickste Brocken, was das Erfassen der Strukturen angeht. Das Scherzo ist recht überschaubar und auch das Adagio macht wenig Probleme. Der Schlußsatz erinnert dann in gewissem Sinne an Schlußsätze bei Mahler (6. und 7.). Wenn man Mahler als Maßstab nimmt, dann muß man aber feststellen, dass Furtwängler zwar die Orchestrierung beherrscht ähnlich wie dieser, aber dass es an prägnanten Themeneinfällen mangelt. Insofern ist ein Vergleich mit Mahler oder Bruckner auch nicht zielführend, sondern man sollte die Furtwängler'sche Sinfonik im Umfeld von symphonischen Werken von Richard Wetz, Felix Woyrsch, Joseph Marx, ja vielleicht sogar Havergal Brian betrachten. Wer mit den genannten Komponisten nichts anfangen kann, wird vermutlich auch bei Furtwängler nicht fündig.

    Ich bin mir nicht sicher, ob mir das Werk gefällt und ob ich eine 2. Aufnahme benötige. Ich warte mal ab, was die Reviewer sagen. Herr Meiernberg wird sich ja sicher zeitnah äußern.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Fast 40 Jahre hat er an ihr herumgebastelt, um dann nach einem Probedurchlauf des 1. Satzes mit den Worten an die Gattin "ich hatte die Probe und bin sehr deprimiert" das Werk beiseite zu legen und sich an die 2. Symphonie zu machen. So schlimm ist es aber um die 1. Symphonie von Wilhelm Furtwängler IMO nun allerdings nicht bestellt. Die Neuaufnahme mit der Reutlinger Philharmonie unter Fawzi Haimor für cpo jedenfalls zeigt das monumentale Werk von seiner besten Seite und wurde von der Kritik allseits gelobt. Man muß sich allerdings Zeit und Muße nehmen (88'14 min), wofür die Rauhnächte ja aber auch die beste Voraussetzung bieten.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Wilhelm Furtwänglers 3. Symphonie entstand zwischen 1951 und 1954, den letzten Satz konnte er nicht mehr vollenden. Dementsprechend sind die ersten Aufnahmen nur von der 3-sätzigen Version, die mit einem Adagio enden. Diese Version haben u.a. Joseph Keilberth und Wolfgang Sawallisch eingespielt, letzterer am 7. Januar 1980 mit dem Bayerischen Staatsorchester. Später erlaubte Furtwänglers Witwe auch die Aufführung der viersätzigen Version. Ob und ggf. von wem das Finale vollendet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Die 4-sätzige Version kenne ich auch noch nicht. Die 3-sätzige unter Sawallisch spricht mich auf durchaus an, vor allem das abschliessende Adagio, wunderschöne Musik ist das. Wie bei Bruckner 9 vermisse ich auch gar keinen Finalsatz.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Ich habe zu Furtwänglers Kompositionen ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Alle drei Werke sind mMn nur mit einem Orchester zu bewältigen, was hervorragend im Blech besetzt ist. Es ist auch der mir einzig bekannte Komponist, der seine Sinfonien ausschließlich in Moll-Tonarten geschrieben hat.

    Auch wenn er nur drei Sinfonien geschrieben hat, hat sich bisher nur George Alexander Albrecht daran gewagt, alle drei Werke mit einem Orchester einzuspielen, nämlich der Staatskapelle Weimar. Diese hat die Qualität, die Musik auch so umzusetzen, dass im hohen Blech kein Leistungsabfall zu erwarten ist. Das ist Dirigent und Orchester gelungen. Trotzdem konnten sie nicht verhindern, den Kompositionen dauerhaft Leben einzuhauchen, dafür sind sie einfach nicht auf dem Level etwa der Sinfonien von Mahler, Bruckner, Rott, Franz Schmidt oder Hans Pfitzners oder Erich Wolfgang Korngolds jeweils einziger Sinfonie.

    Die 1.Sinfonie liegt mir bis heute nicht in einer wirklich zufriedenstellenden Einspielung vor. Und ich zweifele daran, dass die hier bereits erwähnte CPO-Einspielung dies vermag, weil mich das bisher von der Württembergischen Sinfonie Reutlingen gehörte gerade im Blech nie hat überzeugen können. Vielleicht wurde das Problem beseitigt, wenn man den Rezensionen trauen kann. Von dem Dirigenten habe ich auch noch nie etwas gehört. Den musste ich erst al googlen, Dort lese ich auch, dass er bereits nach drei Jahren das Orchester aus Reutlingen wieder verlassen hatte wegen der Corona-Krise. Da wird also wohl kaum eine weitere Aufnahme stattfinden.

    Von der 1.Sinfonie hatte ich mal die Einspielung von Alfred Walter mit einem Orchester aus der Tschechoslowakei, also auch nicht gerade ein Orchester, was ich dafür auswählen würde. Zudem eben jene unter George Alexander Albrecht aus Weimar, die durch die nicht so gute Klangtechnik auch kein Highlight ist, aber auch in den beiden langen Sätzen eine gewisse Leere und damit Langeweile verhindern konnte.

    Die 2.Sinfonie scheint seine populärste zu sein. Neben Albrecht wurden hier Furtwängler selbst (ich besitze seine Live-Einspielung aus dem Jahre 1953 mit den Wiener Philharmonikern), Walter (der hier zum Glück das BBC Symphony Orchestra zur Seite gestellt bekam, entsprechend ist diese Einspielung in meinen Ohren als gelungen zu bezeichnen), Barenboim (er hatte natürlich mit dem Chicago SO DAS Parade-Orchester, was das Blech angeht zur Verfügung. Und er nutzte diese Chance und hat eine mMn exzellente Einspielung hinterlassen. Das Blech stellt alle anderen Einspielung hier voll in den Schatten. Kein Wunder, hatte er doch die Trompeten-Legende Adolph" Bud" Herseth als 1.Trompeter im hohen Blech sitzen).

    Dazu besitze ich noch die Einspielung von Eugen Jochum und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahre 1954, ebenfalls live. Die Mono-Einspielung Ich halte sie für stringenter als Furtwänglers mir zur Verfügung stehende 1953er Live-Aufnahme, eben in sich geschlossener.

    Die 3.Sinfonie liegt mir in der viersätzigen Fassung vor, die George Alexander Albrecht eingespielt hatte. Auch hier scheint mir das Orchester einen sehr guten Job zu machen, Albrecht gelingt eine geschlossene Einspielung, das Blech bricht nicht weg, bewältigt das Ganze hervorragend. Leider hatte aber auch hier Arte Nova bei der Auswahl der Techniker keine glückliche Hand. Man hätte das wirklich transparenter einfangen müssen.

    Sonst scheint es nur Sawallisch und Furtwängler selbst zu geben, die das Werk eingespielt haben zu dem Arte Nova-Zyklus.

    Stilistisch ist das Spätromantik. Harmonisch bleibt er im Rahmen der Werke von Mahler, und damit meine ich nicht dem Mahler der 10.Sinfonie mit seinen heute vervollständigten Skizzen der Sätze 1,3 und 4. Die Einflüsse wurden bereits genannt: Bruckner, Mahler, Wetz. er kannte nicht Hans Rotts Werke oder gar seine Sinfonie in E, die heute die direkte Linie von Bruckner zu Mahler bildet.

    Fazit für mich: Wäre Furtwängler nur Komponist geblieben, dürfte er an Verarmung gestorben sein. Grundsätzlich hat er sein Handwerk verstanden, aber als Sinfoniker waren andere Dirigenten eine Klasse besser, etwa Bruno Walter, Rafael Kubelik, Felix von Weingartner, Alexander von Zemlinsky, oder Emil Nikolaus von Reznicek.

    Hätte Furtwängler seine langen Sätze an den richtigen Stellen gekürzt, würde man heute vielleicht anders darüber denken. Hier hat es berechtigte Gründe, dass man sich nicht näher mit seinen Sinfonien beschäftigt hat. Da gab es wichtigere Komponisten, selbst in der zweiten Reihe noch.

    Falls mit jetzt jemand zur CPO-Aufnahme raten möchte, so ist das nicht nötig. Sie steht auf meiner Liste drauf, hat aber keine Priorität. Mein Bedarf an CDs ist die nächsten Monate gedeckt. Hier steht genug herum zum Anhören. Das dauert manchmal Jahre. Immer wieder kommt was Aktuelles dazwischen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Des Weiteren gibt es eine Furtwängler-Gesellschaft, "http://www.furtwaengler-gesellschaft.de/

    (...) Hier die Direktlinks zu den beiden Verzeichnissen der oben schon genannten Seiten:
    (...)
    "http://www.furtwaengler-gesellschaft.de/diskographie.html

    Witzigerweise führen diese beiden Links aus dem Eröffnungsposting inzwischen auf eine Website, auf der Kettensägewerke, Äxte, Gummihammer, Gartenschläuche und LED-Ersatzlampen inseriert werden.

    Die Startseite des Internetauftritts der Wilhelm-Furtwängler-Gesellschaft findet sich hier
    https://furtwaengler.org/index.html
    und die Diskografie aller Kompositionen Wilhelm Furtwänglers, um die es in diesem Faden geht, hier
    https://furtwaengler.org/diskographie.html

    Unerwähnt in diesem Faden blieb bisher das Buch von Klaus Lang "Wilhelm Furtwängler und die Tragik seines Komponierens" aus dem Jahr 2013:

    Ich als Furtwängler-Sammler habe es seit seinem Erscheinen im Regal stehen, bislang aber noch nicht gelesen.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!