Klassik am Computer (2. Versuch mit etwas anderen Vorzeichen)

  • So, jetzt gibt es noch genau einen Beitrag von mir in diesem Thread:

    Ausgangspunkt der Überlegungen war die These, ein Computer, den man manuell mit Informationen füttert, sei ein Musikinstrument wie jedes andere. Das ist er aus besagten Gründen nicht: Die ältesten bekannten Musikinstrumente sind ca. 35000 Jahre alt. In all dieser Zeit war Musik eine Kunst, die in der Gegenwart entstand und ablief. Mindestens 35000 Jahre lang wurde Musik unmittelbar von Menschen gleichzeitig geschaffen und ausgeübt. Man kann daher meines Erachtens aus guten Gründen sagen, dass man auf Wesentliches verzichtet, wenn man diesen unmittelbaren, in der Gegenwart ablaufenden Prozess durch einen vorher programmierten Ablauf ersetzt. Meine (und ich behaupte: nicht nur meine) Erfahrungen mit aufgezeichneter Musik im Vergleich zu live dargebotener bestätigen das ohne Zweifel, obwohl diese aufgezeichente Musik ja wenigstens mal live war. Wer diesen Schritt tut, und auf das verzichtet, was seit Beginn der Menschheit zum Wesen der Musik gehörte, sollte nicht so tun, als wäre das kein nennenswerter Schritt und als hätte das keine Folgen. Das englische Adjektiv "live" heißt soviel wie "lebend", "lebendig". Das sagt alles.

    Christian

  • Danke Christian

    Das war doch jetzt ein gutes Schlusswort. Es gibt doch noch so viele lohnende Themen, da können wir doch das jetzt hier gesagte einfach mal abhaken, und nicht wieder alles hervorkramen. Im Verzicht liegt schließlich auch eine gewisse Größe.

    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • [...]
    Hallo Christian,
    Wir hatten im Verlauf dieses Threads bereits die Debatte darüber, inwiefern ein Neandertaler mit einer Keule noch sinnvoll mit dem Nanotechnologen gleichgestellt werden kann, auf grund der Annahme, dass beide sich einfach nur der ihnen zu gebote stehenden Technik bedienen.
    Dein Hinweis auf die ersten Knochenpfeifen als Wertmaßstab für Musik toppt diesen Vergleich tatsächlich. Ich bin gespannt, welche Bedeutung solche früheste Funde musikbezogen gedeuteter Artefakte überhaupt für die Interpretation auch nur eines Brahmsklavierstückes haben könnte. Ich zumindest assoziere schon mit dieser Musik schon einen etwas höheren Entwicklungsstand als den Übergang von den Jägern und Sammlern zu ersten Formen agraischen Wirtschaftens und würde da nicht gerne auf die von Brahms freudig genutzten technischen Errungenschaften seiner Zeit verzichten wollen, wie z.B. den damals sehr jungen modernen Konzertflügel.
    Ich persönlich zumindest sehe daher auch keine Notwendigkeit wegen der ersten vorzivilisatorischen Musizierexperimenten mich von der Erschließng heutiger Möglichkeiten die musikalische Welt zu bereichern abhalten zu lassen. Wenn überhaupt sähe ich mich in deren Entdeckergeist beflügelt dem Geist immer neue Möglichkeiten für sein musikalischen Denken zu erschließen.

    Hallo Miguel54
    Vielen Dank für dein wirklich den wohl zentralen Punkt dieser Debatte zusammenfassendes Resüme:

    Wie gesagt, aktive Toleranz ist heutzutage ein seltenes Gut geworden.

    gruß
    fahl5

  • In all dieser Zeit war Musik eine Kunst, die in der Gegenwart entstand und ablief

    Da muß man widersprechen, auch wenn schon gebrachte Argumente wiederholt werden.

    Mit der Schriftlichkeit des Musik, der Existenz von Partituren, von "Komposition" in der europäischen Kunstmusik ist die Aufführung von Musik nur noch ein Teil "der Musik", und zwar in dieser Tradition der abhängige. Mit diesem Teil passiert allerdings mit dem Übergang zur Resample-Produktion etwas bemerkenswertes, der Meinung bin ich auch. Aber das "Wesen der Musik" ist nicht etwas, was wir mithilfe eines historischen Rückblickes in der Tasche hätten.

    (Übrigens höre ich durchaus etwas, wenn ich in eine Partitur blicke, leider ist die Wiedergabequalität extrem besch..., aber andere haben ja wohl eine bessere Soundkarte im Hirn).

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Hallo zabki

    Mit der Schriftlichkeit des Musik, der Existenz von Partituren, von "Komposition" in der europäischen Kunstmusik ist die Aufführung von Musik nur noch ein Teil "der Musik", und zwar in dieser Tradition der abhängige.

    Das sehe ich ganz genauso. Tatsächlich ist (im Gegensatz zu praktisch allen anderen eher mündlich bzw. aufführend tradierten musikalischen Praktiken anderer Kulturen) mit der Verschriftlichung nicht nur eine fundamentale Asynchronität von Konzeption und Aufführung entstanden.

    Diese fundamentale Asynchronität war als zusätzliche Reflexionsebene zugleich überhaupt die Grundlage weshalb sich unnsere Musiklkultur struktrell in einem nirgendwo anders vergleichbaren Maße entwicklen konnte.

    Das beginnt bereits mit der Theoretischen Durchdringung der Mehrstimmigkeit, die nicht nur in einzelnen Kompositionen entfaltet sondern immer wieder auch versucht wurde in tonsatztechnische Regelwerke zu fassen die als solche praktisch bis hin zu den Konzepten der Musik im 20. Jahrhundert immer ein wesentlicher und per se völlig asynchroner Bezugspunkt jeder musikalischen Schöpfung waren.

    Warum also sollte es, wo sich mit Samplen und Sequenzern zunmehmend auch die Details einer musikalischen Interpretation der detaillierten Beschreibung und Definition öffnen nicht auch hier eine entsprechende durchaus hilfreiche und anregende Reflexionseben ergeben, von der unsere Tradition und Praxis durchaus profitieren könnte?

    gruß
    fahl5

  • [...]

    Ich behalte meinen Standpunkt, daß Aufnahmen einen Schatten der Musik darstellen, daß sie im Vergleich zur live-Darbietung "tot" sind, auch wenn ich selbstverständlich viel Freude daran habe und gerne meherere Aufnahmen meiner Lieblingswerke habe. "Tot" ist ein Qualifikativ, keine Beleidigung. Mozart ist tot, Shakespeare ist tot, Latein ist eine tote Sprache, in der Auvergne gibt es tote Vulkane, es gibt Höhlen mit toten Tropfsteinformationen, in Mexiko und anderswo bewundert man Denkmäler toter Kulturen ... All dies ist keineswegs minderwertig.

    [...]

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Hallo Philbert,
    Das ist eine wirklich anregende Formulierung

    Ich behalte meinen Standpunkt, daß Aufnahmen einen Schatten der Musik darstellen,

    Das klingt einfach zu verlockend nach dem Höhlengleichnis, als dass wir uns das hier entgehen lassen dürften. In deiner Formulierung könnte man meinen das eigentliche Licht ginge von der sinnlich erfahrbaren Aufführung aus, deren "Schatten" die digits des jeweligen mp3'Files lediglich repräsentieren würden.
    Also im Prinzip:

    Aufführung = Original = Licht
    Aufnahme = Reduktion dieses Originals = Schatten

    Wie steht es nun aber genau mit dem Verhältnis von Komposition und Aufführung???
    Ich würde da doch die Abhängigkeit ganz ähnlich sehen:

    Komposition = Ursprünglicher musikalischer Gedanke = Licht
    Aufführung = in die sinnliche Erfahrbarkeit geholte Reduktion des ursprünglichen reinen musikalischen Gedankens = Schatten

    Was hilft uns das hier?
    Nun aus dieser Sicht gäbe es einfach nur ganz verschiedene Weisen erfahrbar machbarer "Schatten", weil das ursprüngliche "Licht" eben nicht erst auf den Podien dieser Welt leuchtet, sondern in der musikalischen Eingebung des jeweiligen Komponisten. Damit wären wenn auch ihrem Wesen nach sicher ganz unterschiedlich aber doch alle Formen der Realisation von Musik (ob beim gedanklichen Partiturlesen, der Analyse, dem Unterricht, einer Aufführung oder der Produktion einer Aufnahme mit welchen technischen Mitteln auch immer) nicht allein abhängig vom Interpreten sondern in erster Linie alle gleichermaßen abhängig von der Komposition, die sie nun einmal alle auf ihre Weise interpretierend zu vergegenwärtigen suchen.

    Mir scheint diese Sichtweise nicht nur dem "Wesen" der Klassischen Musik und ihrer Interpretation von Meisterwerken näher zu sein als irgend eine vorzivilisatorische Knochenflöte. Diese Sichtweise könnte auch einen Beitrag zur Entschärfung aus dieser Sicht völlig unnötiger Oppositionen leisten.

    Wie gesagt keiner wird die eigenen Vorzüge und Probleme jeder der genannten Repräsentationsformen von Musik bestreiten wollen. Aber mir scheint es gerade wegen ihrer jeweils ganz unterschiedlichen Möglichkeiten und Probleme nicht nötig auch nur eine davon gegen eine andere Abzuwerten, schlicht weil es eben ganz unterschiedliche Dinge sind, die lediglich der Bezug auf die gleichen Musikalischen Gedanken verbindet und in meinen augen auch durchaus fruchtbar gegenseitg bereichern könnte.

    gruß
    fahl5

  • "Tot" ist ein Qualifikativ, keine Beleidigung.

    All dies ist keineswegs minderwertig.

    Aus anderer Perspektive wurde allerdings auch schon der Tod des Konzertsaals vorausgesagt, was ja durchaus Sinn macht, wenn man sich als Künstler eine Arbeitshaltung zu Eigen macht, die davon geprägt ist, dass flexible Detailaufnahmen auch der Erforschung eines Werkes dienen können, indem man gegenüberstellt, analytisch vergleicht, Alternativen/Varianten entdeckt, schließlich montiert. Ich denke, ich kann mir den Hinweis ersparen, von wem hier die Rede ist.

  • Man kann daher meines Erachtens aus guten Gründen sagen, dass man auf Wesentliches verzichtet, wenn man diesen unmittelbaren, in der Gegenwart ablaufenden Prozess durch einen vorher programmierten Ablauf ersetzt.

    Ja, aber man kann dafür auch etwas gewinnen, nämlich musikalische Vorstellungen verwirklichen die live gar nicht realisierbar sind. (schon bei den elektronischen Werken von Stockhausen war das, wie oben erwähnt, nicht der Fall).

    Um das Theater-Beispiel aufzugreifen: Die Unterschiede sind in diesem Fall nicht die zwischen "Live-Theateraufführung" und "Videoaufnahme einer Theateraufführung" sondern zwischen "Live-Theateraufführung" und Kinofilm (der ja auch nicht live realisiert werden kann, und dem das auch niemand zum Vorwurf macht).

    Dieser Aspekt geht natürlich in dieser Debatte um Computernachstellungen von Orchestermusik (die ja gerade eine Live-Aufnahme simulieren und folglich an dieser gemessen werden), ziemlich unter, und diesem Fall (inklusive Fahls hier vorgestellten Produktionen) würde ich selbstredend auch das Livekonzert oder die Aufnahme mit "echten" Instrumenten der Simulation immer vorziehen.

    Gruß,

    Normann

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • Hallo EinTon,
    Das folgende kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen:

    würde ich selbstredend auch das Livekonzert oder die Aufnahme mit "echten" Instrumenten der Simulation immer vorziehen

    Zu behaupten, eine Realisationsform einer Komposition (z.B. mit Samples) simuliere eine andere (z.B. mit Orchester) geht schon an der Tatsache vorbei, dass immer allein in Bezug auf die Partitur also die Komposition realisert wird und nicht in Bezug auf irgend eine Aufführung oder irgend eine Aufnahme einer Aufführung und schon gar nicht wenn es diese Aufführung oder Aufnahme sowieso gar nicht gibt. derlei also lediglich theoretisch behauptet wird, denn eine Simulation einer nicht existenten Aufführung oder nicht existenten Aufnahme derselben hieße zu simulieren, dass es keine Aufführung oder Aufnahme gäbe - man würde also einfach "nichts" hören.

    Kurz hier wird mit einem lediglich theoretisch in den Raum gestellten Vergleich argumentiert, den es für viele Aufnahmen auf Klassik-resampled sowieso gar nicht gibt. Es gibt da also überhaupt gar keine Alternative und nichts was man vorziehen könnte, wenn es denn überhaupt irgend einen Sinn machen sollte eine Realisationssform von Musik einer anderen vorzuziehen.

    Ich fürchte diese Sicht läuft darauf hinaus, sämtliche dieser theoretisch behaupteten tatsächlich nicht existenten Aufführungen und Aufnahmen derselben dann eben auch theoretisch vorzuziehen und diese dann demnach auch theoretisch zu hören und in ihrer theoretischen "Echtheit" und Simultaneität theoretisch zu genießen.

    Jeder halt auf seine Weise....
    gruß
    fahl5

  • Zu behaupten, eine Realisationsform einer Komposition (z.B. mit Samples) simuliere eine andere (z.B. mit Orchester)

    Faktisch tut sie das, und es wurde Dir auch schon ausführlich klargemacht, warum. Aber wenn man halt kritikresistent ist...

    zwischen nichtton und weißem rauschen

  • Kurz hier wird mit einem lediglich theoretisch in den Raum gestellten Vergleich argumentiert, den es für viele Aufnahmen auf Klassik-resampled sowieso gar nicht gibt. Es gibt da also überhaupt gar keine Alternative

    Hallo fahl5,
    wie schonmal gesagt, halte ich es für einen Nebenaspekt, daß die resampl-Produktionen teilweise sonst völlig unbekannte Musik zu Gehör bringen. Das Hauptinteresse geht hier tatsächlich auf das "wie", nicht auf das "was" - im "wie" stecken die brisanten Implikationen.

    Ich halte die Begriffe "Imitat" etc, auch für wenig hilfreich, aber bei dem Versuch, sich klar zu werden, was warum befriedigend klingt, steht man natürlich zwangsläufig im Zusammenhang der gesamten Hörerfahrung, die vorwiegend aus selber Musizieren, Aufführungen und Tonaufnahmen herrührt.

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • fahl5, anscheinend hast Du das Höhlengleichnis nicht richtig verinnerlicht. Ein Schatten ist nämlich nicht der Schatten eines Lichtes. Es ist der Schatten eines Objektes, eines Wesens, das von einer Lichtquelle beleuchtet wird.
    Um einen Schatten zu bekommen, bedarf es
    - einer Lichtquelle
    - eines Objektes (eines Wesens)
    - einer Projektionsfläche

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Hallo EinTon

    Faktisch tut sie das, und es wurde Dir auch schon ausführlich klargemacht,

    Oft behauptet ist nicht identisch mit "faktisch" oder auch nur "klar gemacht" und die Nachfrage auf welches "Faktum" man sich da berufe abgesehen von der Tatsache, dass "mein" digitaler Instrumentenbauer wie jeder andere Streich- und Blasinstrmentenbauer sein Instrument nach bestimmten Klangvorstellungen entwickelt gibt es keinerlei "Faktum" das die mit diesen Instrumenten hervorgebrachten Interpretationen von Partituren irgend eine Aufführung oder Aufnahme einer Aufführung "imitieren"

    Es gibt weder irgend einer konkrete Vorlage irgend einer meiner Aufnahmen, die dieses auch nur im Ansatz "faktisch" belegen ließe noch in meinem Vorgehen irgend einen Punkt, an dem zwischen die Partitur und ihre Umsetzung mit meinen Mitteln auch nur irgendetwas anderes träte das in irgendeiner Weise simuliert wäre.

    Dass ioch wiederholt daarauf Hinweise ist ein bislang nicht entkräftetes Argument und dieses mit "Kritikresistenz" zu verunglimpfen finde ich weder nett noch der Diskussion zuträglich. Zumal in dieser Behauptung rein gar nichts thematisiert wäre was ich tatsächlich nachvollziehbar gemacht hätte, sondern lediglich die Hörgewohnheiten jener Hörer zu worte kommen, die eben offenbar von diesem Vergleich nicht loskommen.

    Hallo zabki,

    Oh es wäre vielleicht nicht uninteressant wenn die Diskussion tatsächlich weniger grundsätzliches zu definieren suchte, als konkret das eine odr andere reale was und wie anspräche.

    Allerdings sehe ich die "Brisanz" da ehrlich gesagt wirklich nicht.

    Dass ich nicht mehr mache und vermag, als mit meinen Mitteln so gut es geht zu Arbeiten habe ich bereits ebenso betont, wie ich Verständnis für eine Reihe Einzelbeobachtungen an einzelnen Aufnahmen gezeigt habe, weil ich es überhaupt nicht nötig habe, die ganz eigenen Problemen der Produktion mit Samplen zu bestreiten noch es nötig hätte irgendeine Perfektion zu behaupten, die ich ohnehin grundsätzlich nie und von keiner Realisationsform von Musik für vollständig erreichbar halte.

    Dass es aber überhaupt Dinge zu kritisieren gibt, hat in der Klassischen Musik und ihren Interpretationen schon seit Jahrhunderten ganze Berufstände ernähren und Regalwände füllen können. Das ist also auch weder neu noch irgend wirklich brisant, zumal das auch nie loslösbar vom subjektiven Geschmacksempfinden steht, dessen Freiheit ich nicht nur achte, sondern für dessen unvoreingenommene Freiheit ich mich auch mit meinen hier vertretenen Standpunkten einsetze.

    gruß
    fahl5

  • Hallo Philbert,

    fahl5, anscheinend hast Du das Höhlengleichnis nicht richtig verinnerlicht. Ein Schatten ist nämlich nicht der Schatten eines Lichtes. Es ist der Schatten eines Objektes, eines Wesens, das von einer Lichtquelle beleuchtet wird.
    Um einen Schatten zu bekommen, bedarf es
    - einer Lichtquelle
    - eines Objektes (eines Wesens)
    - einer Projektionsfläche

    Nun denn, was also ist dann das Objekt (Idee), die im Lichte (des Guten) seine Schatten an die Höhlenwand der sinnlichen Erfahrung projeziert?

    Meinst du ernsthaft die Interpretation wäre mit den "Dingen an sich" gleichzusetzen die ihre Schatten werfen und nicht die Komposition?
    Das scheint mir wenig plausibel, als die Sonne als Idee des Guten an sich auch im Höhlengleichnis deshalb als Licht taugt, als sie nicht wie die "Dinge an sich" aber auch die musikalische Komposiition an konkreten Strukturen gebunden ist. Die Interpretation dagegen hängt wie ein Schatten vom Ding von eben diesen Strukturen der Komposition vollständig ab und das meiner Meinung nach eben unabhängig in welcher Form diese Interpretation vollzogen wird.
    Gruß
    fahl5

  • Die Interpretation dagegen hängt wie ein Schatten vom Ding von eben diesen Strukturen der Komposition vollständig ab und das meiner Meinung nach eben unabhängig in welcher Form diese Interpretation vollzogen wird.


    Nein, zwar ist selbst die schlechteste, unzureichendste Interpretation abhängig von der Komposition, weil diese ihr logisch vorangeht. Aber auch wenn man Schlamperei und Willkür ausschließt, lässt sich die Interpretation nicht aus den Strukturen der Komposition 1:1 ableiten.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)


  • Nein, zwar ist selbst die schlechteste, unzureichendste Interpretation abhängig von der Komposition, weil diese ihr logisch vorangeht. Aber auch wenn man Schlamperei und Willkür ausschließt, lässt sich die Interpretation nicht aus den Strukturen der Komposition 1:1 ableiten.

    Auch darin sind wir uns völlig einig.
    Die Interpretation schafft aber auch in ihrem eigenen Verständnis nicht neue unabhängige Formen (Dinge an sich), sondern versucht aus den in der Partitur enthaltenen Hinweisen den Sinnzusammenhang der Komposition nachzuschaffen. Dass es da kein 1:1 Verhältnis geben kann beruht sowohl in der Unvollkommenheit der im Notenbild immer nur andeutenden Zeichen im Vergleich zur eigentlichen Idee, als auch in der individuell immer wieder anderes gelagerten Fähigkeit aus diesen Hinweisen eine in sich stimmige Interpretation hervorzubringen.
    Diese grundsätzlich (zumindest in meinen Augen) jede Interpretation und jede Interpretationsform kennzeichnende Unvollkommenheit, macht ja gerade das Nebeneinander verschiedener Interpretationen aber auch verschiedener Formen überhaupt zu interpretieren interessant, da dies zur Kommunikation und zum Austausch über mögliche sinnvolle Auffassungen beiträgt.
    Auch aus diesem Grunde fehlt mir das Verständnis für auch nur irgendeine Ausschluss, Ersetzungs etc. Debatte.

  • Hallo EinTon

    Oft behauptet ist nicht identisch mit "faktisch" oder auch nur "klar gemacht" und die Nachfrage auf welches "Faktum" man sich da berufe abgesehen von der Tatsache, dass "mein" digitaler Instrumentenbauer wie jeder andere Streich- und Blasinstrmentenbauer sein Instrument nach bestimmten Klangvorstellungen entwickelt gibt es keinerlei "Faktum" das die mit diesen Instrumenten hervorgebrachten Interpretationen von Partituren irgend eine Aufführung oder Aufnahme einer Aufführung "imitieren"

    Es gibt weder irgend einer konkrete Vorlage irgend einer meiner Aufnahmen, die dieses auch nur im Ansatz "faktisch" belegen ließe noch in meinem Vorgehen irgend einen Punkt, an dem zwischen die Partitur und ihre Umsetzung mit meinen Mitteln auch nur irgendetwas anderes träte das in irgendeiner Weise simulien

    So weit ich das sehe, hat doch nie irgend jemand behauptet, deine Arbeiten wären eine Simulation einer bestimmten Aufführung oder Interpretation. Sondern die Simulation eines Orchesters. Und zu bestreiten, dass es sich um Orchestersimulationen bzw. -imitationen handelt, ist wirklich albern. Denn genau dafür ist diese Sample-Library ja schließlich gemacht. Zur Orchestersimulation, und nichts sonst.

    VSL hat sich bei der Erstellung des Klanges mit der Bezeichnung "Cello" nicht "eng an dem Klang eines echten Cellos angelehnt", wie du irgendwo gechrieben hast, sondern es ist ein Cello. So gut es eben geht. So gut es sich eben simulieren lässt.

    Es wäre für die Diskussion sicher hilfreich, wenn du dich von dieser eigenartigen Argumentation, es handele sich nicht um Orchestersimulationen, verabschieden würdest. Sie verfängt nämlich nicht. Nicht hier und wahrscheinlich auch nirgendwo sonst.

  • VSL hat sich bei der Erstellung des Klanges mit der Bezeichnung "Cello" nicht "eng an dem Klang eines echten Cellos angelehnt", wie du irgendwo gechrieben hast, sondern es ist ein Cello. So gut es eben geht. So gut es sich eben simulieren lässt.

    Das klingt mir etwas widersprüchlich. Man könnte vielleicht sagen, nicht der Celloklang, sondern das Cellospiel wird simuliert (wenn man nicht a la Celi jede Reproduktion las Simulation bezeichnen will).

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

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