Sieben Konzerte der Brüder J.G.Graun (1703-1771) und C.H.Graun (1704-1759) auf Klassik-resampled.de

  • Sieben Konzerte der Brüder J.G.Graun (1703-1771) und C.H.Graun (1704-1759) auf Klassik-resampled.de

    Ich habe mich die letzten Wochen etwas mit den Brüdern Graun befasst und mich vor allem für deren ebenso musikalisch wie musikantisch sehr erfreulichen Konzerte begeistert. Die Noten stammen durchwegs von der IMSLP.


    Hinsichtlich der Konzerte ist Johann Gotttlieb Graun sicher der produktivere Komponist:


    siehe: "http://klassik-resampled.de/jg-graun"


    Meinnes Wissens gibt es bislang von nur dem Doppelkonzert für Altblockflöte und Violine GWV:B:XIII96 und dem Oboenkonzert GWV:B:XIII144 schon andere Aufnahmen.


    Obwohl ich den Verve der Bolette Roed mit den polischen Arte dei Sounatori unter Aureluiz Golinski schätze irritiert es mich persönlich schon etwas, wenn da die tatsächlich ausführlich eingetragenen Phrasierungsbögen im langsamen Satz einfach fast völlig ignoriert werden. Die herrliche Lebendigkeit der Ecksätze ist bei Bolette Roed mit den Arte dei sounatori Ensemble aber auch bestens zu hören. Im Langsamen Satz ber habe ich schon versucht die vorgaben der Phrasierung etwas konsequenter zu berücksichtigen und komme da schon zu ziemlich anderen ergebnissen. Wen schließlich was anspricht aber bleibt letztlich die Entscheidung des Geschmacksurteils, dem dieser Hinweis weder vorgreifen kann noch will.


    Dagegen scheint mir Xenia Löffler im Oboenkonzert sehr viel stärker zergliedernd zu phrasieren, als dies tatsächlich unbedingt zwingend aus der Partitur hervorgehen muss. allerdings finde ich Xenia Löfflers Deutung in sich durchaus musikalisch überzeugend, wenn auch nicht unbedingt notwendig. Tatsächlich erkenne ich in der Partitur etwas mehr gelegenheit zu größerem melodischem Atem. Aber wer das wie überzeugend findet, könnte man sicher ganz genauso diskutieren.


    Noch keine anderen Aufnahmen dagegen sind mir von den anderen Konzerten bekannt, von denen ich hier Aufnahmen produziert habe:


    Neben dem Fagottkonzert GWV:B:XIII:66 hat mir natürlich auch das Violinkonzert des Tartinischülers J.G.Graun schon ziemlich Spaß gemacht. Von dem Cembalokonzert ion A-Dur war leider nur eine unvollständige Quelle in der IMSLP, bei der die Cemabloparts des zweiiten und dritten Satzes fehlte.


    Zwei Cembalokonzerte des jüngeren Bruders Carl Heinrich Grauns findet man hier:


    siehe: "http://klassik-resampled.de/ch-graun"


    Während das c-moll-Konzert GWV:C:XIII:50 schon das eine oder andere Mal gespielt und aufgenommen wurde (Bei Youtube u.a. von den"Sofia Chamer Soloists"), ist das Bb-Dur-Konzert GWV:C:XIII:45 bislang noch nicht aufgenommen worden ). In der IMSLP fand ich nur eine Bearbeitung für zwei Cembali, aus der sich aber wie mir schien relativ unproblematisch eine Orchesterfassung rekonstruieren ließ.


    Ich hoffe meine Aufnahmen kann den Eindruck der konzertanten Musik der Brüder Graun etwas bereichern helfen.


    Gruß


    fahl5

  • Hallo fahl,


    schön dass du wieder da bist!


    Ich habe mir gleich den 1. Satz des Oboenkonzertes aus deinem ersten Link angehört, und fand das durchaus überzeugend. Positiv finde ich auch, dass jetzt auf der rechten Seite die Kritiken und die neuen Werke anklicken kann und sie nicht mehr von alleine wechseln.


    Bei welchem Werk hast du denn am längsten gesessen?

  • Hallo Merkatz, Danke für deine nette Reaktion.

    Bei welchem Werk hast du denn am längsten gesessen?

    Gefühlsmäßig an den langsamen Sätzen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das mit der tatsächlich benötigten Zeit irgendetwas zu tun hat oder das einfach daran liegt, dass man mehr am einzelnen stehenden Ton zu tun hat als sonst. Außerdem geht es gefühlsmäßig immer deutlich langsamer, wenn ich erste beginne mich in einen neuen Satz einzudenken. Aber das ist wahrscheinlich nicht so sonderlich überraschend.


    beste Grüße
    fahl5

  • Lieber fahl,


    ich habe mir vorher den ersten Satz des Fagott-Konzertes angehört. Besonders schön fand ich die Streicher, die meiner Meinung nach sehr natürlich klingen.


    Vielleicht zwei Punkte: das Fagott erschien mir teilweise zu leise, besonders bei den virtuosen schnellen Läufen, da übertönt das Cembalo das Fagott beinahe. War das absichtlich? Auch habe ich das Gefühl, dass die Stereopositionen etwas zu weit auseinander sind. Das fällt besonders auf, wenn man mit Kopfhörern hört; die Violinen sind dann nur ganz links zu hören, dazwischen ist nichts mehr.


    Auf jeden Fall ein schönes Ergebnis, das sich hören lassen kann!

  • Hallo Merkatz

    bei den virtuosen schnellen Läufen, da übertönt das Cembalo das Fagott beinahe. War das absichtlich?

    Tatsächlich entspricht es schon meines Wissens den akustischen Eigenschaften des Fagotts, dass es in diesen wirklich virtuosen Passagen seinen Klang weniger voluminös entfalten kann, als bei langsamer getragenen Passagen. Ich bin vielleicht ein bisschen zu sehr der Nobless dieses ehrwürdigen Instruments verfallen, als dass ich darauf verfiele es noch mehr in den Vordergrund drängeln zu wollen. "beinahe" klingt für mich in diesem Sinne eigentlich gerade richtig.

    Auch habe ich das Gefühl, dass die Stereopositionen etwas zu weit auseinander sind

    Es gibt eine ähnlich lautende Kritik an einer ganz frühen Grieg-aufnahme von mir. Da ist allerdings wirklich alles völlig anders. Damals habe ich meine ersten Erfahrungen mit einem noch vergleichsweise schlichten Convolution-Reverb gesammelt. Heute verwende ich VSL-MIR.
    Anders als bei der Griegaufnahme ist das bei Graun kein symphonisches Orchester mit den 1.+2. Geigen auf der einen und den Bässen und Celli auf der anderen Seite. Ich habe mich hier etwas an einer Ensembleaufstellung orinetiert die ich bei einem Barockensemble gesehen habe, dass aber noch spartanischer besetzt war. Bei mir sind die Geigen sind sowohl rechts als auch links (4 X 1. Geigen rechts, 4X 2. Geigen Links mittig daneben drei Bratschen in der Mitte das Cembalo und dahinter zwei Celli. Ich habe die bei der Aufstellung schon alle bewusst eng aneinander gequetscht.
    Das mögen alles theoretische Erwägungen sein, aber ich hoffe eben einfach dass es trotzdem nicht allzu schlimm klingt.


    gruß
    fahl5

  • Hallo fahl,


    als Hobby-Oboistin musste ich mir eben mal das Oboenkonzert anhören und der Klang hat mich wirklich positiv überrascht. 8+)


    Aber dennoch fehlt mir da was: die unterschiedlichen Klangfarben, die man alleine durch die Veränderung des Ansatzes erreichen kann ... und ein wenig Ausdruck und Gefühl ...

    Viele Grüße - Allegro


    "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés

  • Hallo fahl,


    als Hobby-Oboistin musste ich mir eben mal das Oboenkonzert anhören und der Klang hat mich wirklich positiv überrascht. 8+)


    Aber dennoch fehlt mir da was: die unterschiedlichen Klangfarben, die man alleine durch die Veränderung des Ansatzes erreichen kann ... und ein wenig Ausdruck und Gefühl ...


    Hallo Allegro,
    Vielen Dank für deine nette und aufgeschlossene Reaktion. Ich bin bescheiden genug um mich schon darüber zu freuen, wenn dir nur "ein wenig Ausdruck und Gefühl" fehlt.


    Ich mag die Musik und hoffe einfach mit meinen Mitteln mich dafür einsetzen zu können zu zeigen, dass diese Musik etwas zu sagen hat. Dass jemand der sich musikalisch ausschließlich mit der Oboe beschäftigt natürlich noch viel mehr aus dem Instrument herausholen kann ist mir durchaus klar.


    Ich freue mich aber auf diese Weise an einem interessanten Repertoire aktiv teilhaben und mich dafür einsetzen zu können. Für das Oboenkonzert hat Xenia Löffler überhaupt das erstemal mit einer Aufnahme auf das Konzert hingewiesen, beim Cembalokonzert, dem Fagottkonzert oder dem Violinkonzert dagegen, könnte es durchaus sein, dass sich jemand durch meine Aufnahmen angeregt fühlt seine eigene Instrumentalistenerfahrung in diese spielenswerte Musik zu investieren.


    beste Grüße
    Fahl5

  • Zitat

    Für das Oboenkonzert hat Xenia Löffler überhaupt das erstemal mit einer Aufnahme auf das Konzert hingewiesen...


    Nur am Rande bemerkt: Das stimmt schlicht und einfach nicht. Ich kenne das Konzert schon seit über dreißig Jahren in einer sehr überzeugenden DG-Archiv-Produktion mit Heinz Holliger.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Nur am Rande bemerkt: Das stimmt schlicht und einfach nicht. Ich kenne das Konzert schon seit über dreißig Jahren in einer sehr überzeugenden DG-Archiv-Produktion mit Heinz Holliger.


    Viele Grüße


    Bernd


    Danke für den Tipp, dann bin ich also "schon" der dritte der in den letzten dreißig Jahren eine Aufnahme davon gemacht hat. Wow!
    Aber so schlecht finde ich das nicht, als dass da eigentlich ruhig noch mehr Leute Aufnahmen von der Musik produzieren könnten.
    Da bleiben immer noch genug anderen von mir prodzierte Konzerte der Brüder die ich nach meinem derzeitigen Wissensstand doch wohl als erster zu Ohren gebracht habe.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!