Überraschung: der frühe Rudolf Schock

  • Überraschung: der frühe Rudolf Schock

    Was haltet Ihr eigentlich von Rudolf Schock?

    Ich hatte bisher keine allzu hohe Meinung von ihm. In meiner Jugend habe ich nur noch die Endphase seiner Karriere miterlebt, wo er des öfteren im Fernsehen in bunten Abenden mit leichter Muse auftrat. Ich mochte auch seine Stimme nicht allzu gerne, fand sie damals ein bisschen penetrant, seufzend und leicht heiser klingen.

    Trotzdem habe ich mir aus Interesse eine 10-CD-Box mit Aufnahmen von Rudolf Schock aus den 50er-Jahren zugelegt. Es war buchstäblich ein "Schock" für mich - im positiven Sinn! Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, so schön und bewegend sind viele dieser alten Aufnahmen mit viel Oper, aber auch Operette, Liedern und Filmmusik.

    Ich kann nicht sagen, dass Rudolf Schock meinen "Gott" Fritz Wunderlich vom Thron gestürzt hätte - aber der Abstand ist kleiner, als ich ich dachte. Wunderlichs Stimme und Gesang ist klar und frisch wie Quellwasser - aber auch entsprechend relativ kühl. Schocks Timbre ist wärmer und farbiger. Außerdem hat er sich, obwohl auch lyrischer Tenor, weiter in das dramatische Fach vorgewagt als Wunderlich. Und er hat in manchen Aufnahmen eine ganz zauberhafte Höhe.

    Ich bin eigentlich immer ein Verfechter der Originalsprache gewesen. Aber wenn ich Schocks und Wunderlichs Aufnahmen höre, die fast durchweg in deutscher Sprache sind, falle ich doch vom Glauben ab und genieße heimlich die "verbotenen Früchte". Beide artikulieren sehr deutlich. Wenn es halbwegs vernünftige Texte bzw. ordentliche Übersetzungen sind, trägt das Verstehen des Textes wirklich einiges zum - auch emotionalen - Verständnis der Stücke bei. Ich hatte beim Anhören so manchen Aha-Effekt und Gänsehautmoment...

    Lieber Sachs,
    auch aus der Moderation Gratulation zur schönen Threaderöffnung. Zur Information HIER unsere Forenregeln zum Einstellen von Coverbildern.
    Herzlicher Gruß
    AlexanderK

  • Lieber Sachs,

    ich kann Deine Überraschung und Deine nachfolgende Begeisterung gut verstehen. Kammersänger Rudolf Schock wird leider häufig nur auf seine späten Auftritte in volkstümlchen Sendungen reduziert. Ich hatte das Glück, in durch die Opernschallplatten meiner Eltern kennenzulernen und ihn in allen Rollen des italienischen Repertoires zu hören -- mit großer Begeisterung. Der warme, klangvolle, italienisch anmutende Klang hat mich sehr begeistert. Daher habe ich auch die von Dir oben gezeigte Box gleich erworben. In einigen Rollen ist für mich Schock absolut begeisterungswürdig, trotz mancher vokalen Eigenheiten.

    „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
    Herbert von Karajan

    „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
    Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.

  • Meine Lieben!

    Ich kannte Rudi Schock noch aus Zeiten wo im Theater an der Wien er die italienischen Partien in Deutsch sang - aber umso überraschter war als ich vor einiger Zeit einen Cavaradossi von ihm in Italienisch hörte und war ganz weg. Da sprach er mich total an. Dieser Schmelz, dieses Temperament, kaum zu erkennen.

    In den letzten Jahren hat ja die Firma Eurodisc viele Operetten mit ihm gemacht und da war er einfach nicht mehr in der Lage es glaubhaft zu bringen.

    In Wien hatte er immer Angst Mozart zu singen, da hatten wir einen Dermota und Kmentt und da war er gehemmt. Ich sagte zu ihm das machst du schon und er konnte es. Er war hier ein hervorragender Hoffmann oder Lenski. :juhu:

    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter. :wink:

  • hat ja die Firma Eurodisc viele Operetten mit ihm eingesungen

    Lieber Peter,

    hatte sie denn wenigstens eine schöne Stimme, die Firma Eurodisc? :hide: :hide:


    :wink: :wink: :wink: Kristin

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Liebe Kristin!

    Ich habe es schon ausgebessert und die DIVA war immer Margit Schramm, die Du ja besonders gern hast. :klatsch: :klatsch:

    Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:

  • - - - im legendären Furtwängler-Tristan ist er ja als Seemann plus Hirte zu hören...
    PAAHH da mußte man 50 Jahre werden, um (z.B.) in Erfahrung zu bringen, dass mal Furtwängler + FiDi + Rudolf Schock zusamm` in einem Schallplattenstudio waren...

    Lange davor hatte er (als 1.Gefangener im "Fidelio") im Stadttheater Duisburg erstmals auf sich aufmerksam gemacht (seinen eigenen Angaben zufolge)...
    ...ist ja nun auch eine "persönliche Erinnerung" irgendwie, denn keine 800m weg vom Duisburger Theater hab ich knappe 10 Jahre gewohnt - - -
    - - - und davor war ich mit dem Bus zur Genüge durch die Rudolf Schock Straße gefahren...
    (D i e war nach seinem Tod im Beisein der Schock-Witwe eingeweiht worden - an einer Ecke, die noch ein bissl gruseliger sein könnte als der Stadtteil nebenan zu Zeiten, als er dort aufwuchs - - - )
    (nun ja, er wird`s verschmerzen)

    :wink:

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott' Werner Schneyder Es ging aus heiterem Himmel um Irgendwas. Ich passte da nicht rein. Die anderen aber auch nicht. FiDi über die Teilnahme an seiner ersten (und letzten) Talkshow

  • Ach so, jetzt hab ich's. Natürlich singt er den Max in dieser Aufnahme:

    Ich finde ihn hier deutlich besser als den überforderten Peter Schreier in der Carlos Kleiber-Aufnahme.
    calisto

  • Gleichermaßen überraschend wie faszinierend ist sicherlich auch diese lohnende Aufnahme:

    Zudem hat Rudolf Schock wunderbare Liederzyklen eingesungen, die erst nach und nach wieder auf CD erscheinen. Viele Informationen bietet übrigens diese website:

    "http://tenorschock.blogspot.de/"

    Außerdem darf man gespannt sein, ob nicht 2015 noch mehr "Schock-Effekte" zu erwarten sind -- der Tenor wurde 1915 geboren...


    liebe Grüße

    „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
    Herbert von Karajan

    „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
    Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.

  • Rudolf Schock

    ... ist einer meiner grossen Tenor-Lieblinge. Kennengelernt habe ich seine Stimme auch zuerst in seinen späteren Jahren, wo die Probleme, die Schock dann hatte, nicht mehr zu überhören waren. Anscheinend hatte er sich doch mit manchem übernommen, was für seine Stimme nicht geeignet war. Das ist um so erstaunlicher, weil er in jüngeren Jahren sehr klug zu disponieren wusste und zum Beispiel solche Partien wie Lohengrin oder Walter von Stolzing (die dankenswerter Weise beide auch auf Tonträgern verfügbar sind) nicht allzu oft gesungen hat. Gerade seinen Lohengrin würde ich allen Schock-Freunden gerne empfehlen. Trotz der schon angesprochenen Eigenwilligkeiten verweist Schock mit dieser Aufnahme manchen Fachkollegen auf einen hinteren Platz. Auch der Max im "Freischütz" unter Keilberth kam für Schock zum richtigen Zeitpunkt. Das lässt sich besonders gut nachvollziehen, weil Schock diese Partie noch einmal, unter der Leitung von Lovro von Matacic, eingespielt hat - und die Stärke der früheren Aufnahme nicht mehr erreicht. War das bekannte Tonträgerrepertoire von Schock aus den 50er Jahren früher eher schmal bestückt (eine sehr stark gekürzte "Pique Dame" von Tschaikowsky gehört auf alle Fälle zu den hörenswerten Aufnahmen des Tenors aus seiner Frühzeit), hat die Öffnung der Archive es ermöglicht, Schock besser kennenzulernen. Cavaradossi ("Tosca"), Lenski ("Eugen Onegin") oder Duca ("Rigoletto"), eine Partie, die Schock auch live sehr oft gesungen hat, stehen somit in Gesamteinspielungen zur Verfügung. Angenehmer Nebeneffekt: manchmal war der Ausnahmebariton Josef Metternich der Partner von Rudolf Schock, so z. B. als Scarpia oder Rigoletto. Sicher bemerkenswert, mit welcher Souveränität Schock den Bacchus in der Zeitlupenwiedergabe durch Herbert von Karajan meistert. Und vielleicht eine der letzten noch gelungenen Aufnahmen, bevor die Stimme Schaden nahm: der Pedro aus dem "Tiefland" als Soundtrack einer Fernsehproduktion.

    Eine Aufnahme, die mir seit langen Jahren fehlt: "Die schöne Müllerin" von Schubert mit Gerald Moore am Flügel.

    Der Kunst ihre Freiheit

  • Lieber Alviano,

    bisher gab es nur die LP, (z.B. gebraucht bei amazon)

    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/81IP0W4qh5L._SL1500_.jpg]

    (normale Verlinkung funktioniert leider nicht):

    "http://www.amazon.de/Schubert-sch%C…21580659&sr=1-2"

    Mittlerweile ist die Aufnahme hier enthalten:


    (kaputten link repariert, 1 Leerzeichen zuviel! Q.)

    es gibt sie also doch! :jub:

    „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
    Herbert von Karajan

    „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
    Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.

  • Müllerin/Dichterliebe

    Lieber Boris,

    ganz herzlichen Dank für diesen Hinweis. Das Kästchen habe ich sofort bestellt. Die meisten der Aufnahmen kenne ich zwar, aber allein die Aufnahmen der "Müllerin" und der "Dichterliebe" sind mir die Anschaffung wert.

    :wink:

    Der Kunst ihre Freiheit

  • Nachklang

    Ich werde mir diese Box auch bestellen! Danke für den Hinweis!

    Der Rudolf Schock, den ich kenne, hat einen Mangel an (gesangs-)darstellerischem Potential. Oder anders ausgedrückt: man hört immer den Gesangsdarsteller Schock über der jeweiligen Rolle (so wie manche Schauspieler auch immer erstmal nur sich selbst spielen). Wo das zusammenpaßt (das beste Beispiel für mich ist der Freischütz-Max), gehört Schock zum besten, was es in seinem Fach gegeben hat.

    Wo das leider fast gar nicht zusammengeht, ist ausgerechnet Schocks liebstes Betätigungsfeld gewesen: die Operette! Ihm fehlt eigentlich immer das kleine Quentchen ironischer Distanz, das die oft hoffnungslos sentimental-kitschigen Sujets erst erträglich macht; das hat er ein wenig mit seinem jüngeren Tenorkollegen Fritz Wunderlich gemeinsam. Manchmal paßt es aber doch: wenn er zum Beispiel schnörkellos den fast schon tumben Draufgänger Oberst Schrenk (in Künnekes "Die große Sünderin") gibt; er gefällt mir da sogar noch besser als der stimmlich überlegene Wunderlich, vielleicht gerade weil er um das hohe C am Ende kämpfen muß (und gewinnt!).

    Leider habe ich Rudolf Schock zunächst fast ausschließlich in den scheußlichen Operettenverfilmungen der Sechziger und Siebziger kennengelernt. Bin gespannt auf den "anderen" Rudolf Schock!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Lieber Bernd,

    danke für die Reparatur des Links! :thumbup:

    Im Übrigen schätze ich ihn ebenfalls als Max, und, wie Peter erwähnt hat, als (deutschsprachigen) Hoffmann. Lesenswert sind übrigens auch seine Erinnerungen (die es bereits gebraucht ab 1 c gibt):

    "http://www.amazon.de/Ach-ich-hab-me…ck+erinnerungen"

    „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
    Herbert von Karajan

    „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
    Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.

  • Rudolf Schock

    Es ist wirklich schade, dass Schock seine Karriere als Opernsänger nicht konsequent fortgesetzt hat. Mit den Operetten hat er sich keinen Gefallen getan und mit dem Image als fröhlicher Wandersmann hat er sich klar unter Wert verkauft. Noch eine Aufnahme ist mir eingefallen, die ich auch wegen Schock gerne mag: die deutsch gesungene "Carmen" aus dem Jahr 1961. Schock ist da nochmal gut bei Stimme und Carmen Ludwig in Titelrolle (deren Timbre ich total gerne mag) und Hermann Prey als Escamillo stehen hinter Schock nicht zurück. Als Zuniga wirkt in dieser Aufnahme Hans-Rolf Rippert mit, der durchaus eine Opernkarriere hätte machen können, sich aber lieber als Kunstfigur Iwan Rebroff seinem Publikum präsentierte.

    Der Kunst ihre Freiheit

  • Lieber Alwiano,

    da gebe ich Dir Recht, die Carmen - Aufnahme ist klasse! Diese und andere Großtaten findet man günstig und wundervoll remastered hier:

    „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
    Herbert von Karajan

    „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
    Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.

  • RE Interessehalber!!

    Hallo,
    könnte jemand das mal zeitlich eingrenzen?

    Zitat

    Anscheinend hatte er sich doch mit manchem übernommen, was für seine Stimme nicht geeignet war. Das ist um so erstaunlicher, weil er in jüngeren Jahren sehr klug zu disponieren wusste und zum Beispiel solche Partien wie Lohengrin oder Walter von Stolzing (die dankenswerter Weise
    beide auch auf Tonträgern verfügbar sind) nicht allzu oft gesungen hat.

    Danke
    Gruß aus Kiel

    PS. Ich kenne nur den späten Schock (schockstarre!), als er mit Frau "Rotenbaumchaussee" das Traumpaar des rentnerseeligen ZDF war.

    "Mann, Mann, Mann, hier ist was los!"

    (Schäffer)

  • Ach so, jetzt hab ich's. Natürlich singt er den Max in dieser Aufnahme:


    Der Freischütz war die erste Oper, mit der ich überhaupt jemals konfrontiert worden bin: wir haben sie im Musikunterricht in der Schule durchgenommen. Ich kann nicht mehr mit Sicherheit sagen, welche Aufnahme unsere Lehrerin verwendet hat - aber ich glaube, dass es diese mit Rudolf Schock war. Das würde bedeuten, dass ich ihm persönlich sehr viel zu verdanken habe: ich war vom Freischütz begeistert und bekam Appetit auf mehr, was Oper betrifft. Das hat bis heute vorgehalten!

  • Angenehmer Nebeneffekt: manchmal war der Ausnahmebariton Josef Metternich der Partner von Rudolf Schock, so z. B. als Scarpia oder Rigoletto.


    Ja, in der von mir erwähnten CD-Box singt Schock zusammen mit Metternich die berühmten Duette aus den Perlenfischern, Don Carlos und Macht des Schicksals. Irgendwie kurios, diese auf Deutsch zu hören.

    Inzwischen habe ich mich weiter durch die CD-Box gehört und auch durchaus Gefallen an den Aufnahmen mit Operettenstücken und volkstümlichen Liedern gefunden. Letztere werden leider manchmal durch das zeittypische Arrangement und die (Chor-)Begleitung verkitscht. Schocks Gesang ist aber nicht kitschig.

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