Könnt Ihr Noten lesen?

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Könnt Ihr Noten lesen?

    Liebe Capricciosi!


    In verschiedenen Threads wurde über die unterschiedlichen musikalischen/musiktheoretischen Vorkenntnisse der Capricciosi geredet. Mich interessiert die folgende Frage:


    Könnt Ihr Noten Lesen?


    Für diese Frage starte ich keine Umfrage mit vorgegebenen Antworten zum ankreuzen. Ich halte nämlich kurze Kommentare für brauchbarer.


    Bei denen, die Noten lesen können, interessiert mich auch Folgendes:


    Besitzt Ihr Noten, die Ihr nicht zum eigenen Musizieren braucht (z.B. Orchsterpartituren)?
    Studiert Ihr Noten "am Schreibtisch", d.h. ohne die Musik zu hören?


    Die Liste dieser Fragen könnt Ihr gerne erweitern...


    Beste Grüße,
    Falstaff

  • Ich habe Klavier spielen gelernt, und dabei natürlich das Noten lesen. Ich habe schon immer hauptsächlich Orchestermusik und Opern gehört. Von Anfang an habe ich dabei Noten mitgelesen: Partituren und Klavierauszüge aus der elterlichen Sammlung. Oft sind es Dover-Reprints. Bei gemeinfreien Noten bediene ich mich zunehmend dem Internet.


    Besitze ich Noten zu einem Werk, so lese ich die Noten zunächst beim Hören mit. Man "hört" eben viel mehr, wenn man die Noten optisch vor sich hat, vor allem sind Mittelstimmen besser herauszuhören. Auch fällt es leichter, die größeren Spannungsbögen zu erfassen: Man hört immer nur eine Stelle. Optisch hat man jedoch stets eine längere Passage vor sich. Besonders bedeutende oder schöne Stellen schaue ich mir dann genauer an, ohne dass die Musik läuft. Vor allem interessiert mich dann die Harmonik. Die Harmonien suche ich mir am Klavier zusammen, erhalte also das "Harmonische Grundgerüst" des Werkes und versuche dieses, anhand meiner Grundkenntnisse in Harmonielehre zu analysieren. Jedoch, wie gesagt, nur bei einzelnen Stellen. Um eine ganze Sinfonie derart zu erarbeiten, fehlen mir Zeit, Motivation und analytische Fertigkeiten. Gerne lese ich auch Werkbeschreibungen und Werkmonographien. Sind meine analytischen Fähigkeiten auch nicht allzu hoch, so reichen sie doch aus, um die Ausführungen Anderer nachvollziehen zu können.


    Beste Grüße,
    Falstaff

  • Ja, ich kann es, aber nur bei Stücken mit maximal drei bis vier Vorzeichen. ;+)


    Als ich vor vier Jahren Klavierspielen im Selbststudium gelernt habe, wollte ich möglichst früh ab Blatt spielen.


    Von meinen Lieblingswerken habe ich mir auch schon Partituren beschafft.


    Gruss Beat

  • Was soll diese alberne Umfrage? :D

    Hallo Andi,



    ich finde die Umfrage nicht albern. Sie interessiert mich wirklich. Viele Beiträge setzen Kenntnisse im Notenlesen voraus. Ich denke, dass es dem Zusammenhalt in diesem Forum durchaus dienlich ist, wenn sich die Verfasser solcher Beiträge im klaren darüber sind, wieviele von uns die Texte prinzipiell verstehen bzw. nicht verstehen können.


    Falstaff

  • ich finde die Umfrage nicht albern. Sie interessiert mich wirklich. Viele Beiträge setzen Kenntnisse im Notenlesen voraus. Ich denke, dass es dem Zusammenhalt in diesem Forum durchaus dienlich ist, wenn sich die Verfasser solcher Beiträge im klaren darüber sind, wieviele von uns die Texte prinzipiell verstehen bzw. nicht verstehen können.

    Du hast den Smiley übersehen.


    Andi

  • [...] ich finde die Umfrage nicht albern.

    Ich auch nicht (Andi vermutlich ebenfalls nicht, wenn ich seinen Grinsesmiley richtig deute).


    Was mich angeht: Ich kann Noten lesen, habe mich früher einmal Klarinette versucht und Unterricht gehabt. Seit Jahren singe ich im Chor und habe Gesangsunterricht, allerdings ist meine Fähigkeit, vom Blatt zu lesen, begrenzt. Das gilt auch für das Mitlesen von Partituren, sauschwer beispielsweise bei Mahler-Symphonien (habe mir kürzlich Taschenpartituren der 4., 5. und 7. Symphonie besorgt): Es kegelt mich da immer wieder raus, auch erfordert es für mich eine so hohe Konzentration, daß der Hörgenuß sich nicht immer einstellt. Doch lohnend kann das schon sein, z. B. schärft es den Sinn für die Proportionen eines Werks.


    Vielleicht muß man den Terminus "Noten lesen können" auch deutlich relativieren, gerade bei Orchesterpartituren: Daß der Fachmann/die Fachfrau da viel mehr sieht als der interessierte Laie (wie ich), das ist klar. Und ich kenne einige Leute, die Noten gar nicht lesen können, doch ein wirklich feines Sensuarium für Musik haben. Das gilt z. B. für einen guten Freund, der es nicht kann und von dem ich "trotzdem" schon viel über Musik erfahren habe.

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Zitat von »Falstaff«
    ich finde die Umfrage nicht albern. Sie interessiert mich wirklich. Viele Beiträge setzen Kenntnisse im Notenlesen voraus. Ich denke, dass es dem Zusammenhalt in diesem Forum durchaus dienlich ist, wenn sich die Verfasser solcher Beiträge im klaren darüber sind, wieviele von uns die Texte prinzipiell verstehen bzw. nicht verstehen können.


    Du hast den Smiley übersehen.


    Andi

    Hmmm, stimmt ... sorry ... (wo ist der Beschämt-in-die-Ecke-schau-Smiley?)


    Falstaff

  • Lieber Falstaff,


    das humoristische Gesicht deines Avatars lässt den Rückschluss zu, dass auch DU gerne zu einem Späßchen bereit bist und diese Frage vielleicht eher zum Spaß gestellt hast? -


    Deine Frage sollte sicherlich auch nicht voraussetzen, dass alle Foristen und Leser hier Notenkenntnisse haben. Dem ist sicherlich nicht so! - Aber heißt das denn nun auch, dass der Notenkenner entsprechend flott a prima vista das Gelesene auf das Instrument oder die Singstimme übertragen kann?? - Ich denke NICHT! - Zwar habe ich sichere Notenkenntnisse, bin aber nicht in der Lage, alle Notenwerte mit und ohne Punktierung, Rhythmus, Intervalle, einschließlich Triolen und Hemiolen....... und Text auf einen Schlag richtbig zu übertragen! - Da fehlt mir die Routine! Wohl aber kann ich ein normal schnelles Tempo mitlesen! - Dabei lese ich nicht alles mit, sondern selektiere!


    Wie ergeht es in diesem Punkt den Lesern und Foristen, besonders den Profis? -


    Ich hatte einmal einen jungen Pianisten in meinem Hause, dem ich eine Gigue von Bach vorlegte. Meine Frage, ob er sie kenne, beantwortete er mit "nein". - Er legte los, so als ob er bereits das Werk fast in den Fingern gehabt hätte! - Beim zweiten Anlauf war die Gigue annähernd perfekt gespielt! - Was sind die Kriterien für solch ein begnadetes Können? - Seine pianistische Erfahrung, sein absolutes Gehör?? Ich glaube nicht! -Letzteres dürfte eher hinderlich sein!


    Wie ergeht es euch dabei? (Meine Frage von oben) ;+)


    Musikalische Grüße,


    Hemiole :wink:

    "Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken."


    (Unbekannt)

  • Hallo Falstaff,


    Bei mir ist fast genauso wie bei dir: Klavierspielen gelernt, auch im Schul- und Universitätschor gesungen - so hab ich Noten lesen gelernt. Ich habe schon einige Noten , zwar nicht viele (eigentlich nur zwei: Vespro und Orfeo von Monteverdi; in einigen Tagen werden noch die Rosenkranzsonaten dazugesellen), aber eine Menge habe ich mir auch vom Net untergelanden - freilich nur gemeinfreie Partituren (imslp und cpdl sind meine Hauptquellen).


    Ich studiere schon manchmal die Noten auch ohne die Musik, manchmal bereite ich mich so vor, z.B. auf einen Konzertbesuch.


    Wenn ich dazu die Möglichkeit (und die Lust) habe, verfolge ich was ich mir anhöre, auch aus der Partitur. Meine Gründe sind dabei ähnlich, wie du es geschildert hast.
    Ich muss aber zugeben, dass bei größeren Symphonischen Werken, wo also mehr als 5-6 Stimmen sind, ich meistens nur schwer mithalten kann, vor allem, wenn ich mich nicht vorher in die Partitur einstudiert habe.


    Grüße


    Tamás

    "Vor dem Essen, nach dem Essen,


    Biber hören nicht vergessen!"



    Fugato

  • Lieber Falstaff,


    das humoristische Gesicht deines Avatars lässt den Rückschluss zu, dass auch DU gerne zu einem Späßchen bereit bist und diese Frage vielleicht eher zum Spaß gestellt hast? -


    Sicher bin gerne mal zu einem Späßchen bereit. Aber diese Frage ist voll und ganz ernst gemeint. Ich hoffe doch sehr, dass meine Beiträge nicht wegen meines Avatars als immer humoristisch abgetan werden ... (ich finde gerade leider keinen besonders ernst dreinschauenden Smiley, also denkt euch bitte einen solchen...).


    Liebe Hemiole, bitte schließe nicht allzu viel von meinem Avatar auf mich zurück: Ich bin nämlich weder so alt noch so dick ... :wink:.


    Falstaff

  • Lieber Falstaff,


    ich kann Noten lesen und habe auch mal drei Jahre Klavierunterricht gehabt. Aber das ist lange her und hängen geblieben ist leider nicht mehr viel, jedenfalls kann ich keine komplizierteren klassischen Stücke spielen. Was ich gut kann (und was bei meinen Kindern, als sie noch kleiner waren, heiß begehrt war): einfache Stücke (Kinderlieder, Folk-Songs u.ä.) aus dem Kopf nachspielen (mit einfacher Begleitung). Musikalisches Gehör ist also da, nur das Spielen nach Noten ist mir immer recht schwer gefallen, was irgendwann zum Frust führte, und dann habe ich es gelassen.


    Noten (die ich also nicht zum Musizieren brauche) besitze ich für einige Werke, die ich nicht nur gern höre, sondern bei denen ich auch ein bisschen dahinter kommen möchte, welche Mittel der Komponist eingesetzt hat. Bei Sinfonien u.ä. wäre das für mich wohl zwecklos, aber bei Klavierauszügen für Kunstlieder oder bei kleineren Werken klappt es manchmal schon ganz gut. In erster Linie sind es Werke meiner Lieblingskomponisten Schubert und Britten, aber so sehr viel habe ich da auch noch nicht.


    Das "trockne" Notenlesen, also Notenlesen am Schreibtisch und sich das Gelesene vorzustellen, ohne dass ich das Musikstück dabei schon einmal gehört hätte, klappt bei mir leider gar nicht. Ich brauche schon gleichzeitig den Eindruck des Gehörten dazu. Wenn ich es allerdings einmal gehört habe, kann ich es dann aber auch anhand der Noten nachvollziehen.


    :wink: Petra

  • Könnt Ihr Noten Lesen?

    Ich habe als Schüler Geige gelernt, Musikunterricht habe ich bis zum Abitur gehabt und viele Jahre habe ich in diversen Chören gesungen – großen wie sehr kleinen.


    Ich kann Noten lesen, gelernt habe ich das aber erst auf dem Gymnasium in der 5. Klasse. Und dann habe ich so im Laufe der Jahre meine Fähigkeiten ausgebaut, bin sogar mal fähig gewesen, das "Harmonische Grundgerüst" eines Werkes zu erfassen. Allerdings habe ich diese Fähigkeiten nach dem Abitur nicht mehr praktisch angewendet, sodass ich sicher mal gewußt hätte, was z.B. eine "plagale Kadenz" ist, dies aber – bis zur Erklärung durch Christian – völlig vergessen hatte. Eine Partitur zu lesen und mir vorzustellen, wie das klingen könnte, dazu war ich aber auch während meiner Schulzeit nicht in der Lage.


    Letztens habe ich das erstemal seit dem Abitur meine Eulenberg-Taschenpartitur von Beethovens 9. wieder hervorgekramt, um zu versuchen, nachzuvollziehen, wer welche Wiederholungen spielt und wer nicht: eine echte Herausforderung, ich habe einige Durchgänge gebraucht, aber es hat ungemein viel Spaß gemacht, aber im allgemeinen höre ich Musik eher ohne Blick in die Noten. Außer ich versuche, mich etwas intensiver in eine Diskussion einzubringen.


    Viele Grüße,
    Wolfgang

    Die Wahrheit zu sehen müssen wir vertragen können, vor Allem aber
    sollen wir sie unseren Mitmenschen und der Nachwelt überliefern,
    sei sie günstig oder ungünstig für uns. (August Sander)

  • Laß es mich so sagen:


    Ich kann Noten "verfolgen", und ich kann Noten auf dem Cello in Töne umsetzen.


    Als Kind hatte ich erst Klavierunterricht, was mir aber keinen Spaß gemacht hat, später dann Cello, was mir ziemlichen Spaß gemacht hat.
    Als Kind und Jugendlicher habe ich die Live-Übertragungen aus Bayreuth mit den Klavierauszügen (in denen die Motive deutlich markiert waren und auch mit Namen versehen waren), verfolgt. Und habe Ähnliches dann später mit Mahler-Sinfonien gemacht.


    Bei Klavierauszügen fällt es etwas leichter als bei Partituren, weil weniger Zeilen parallel zu verfolgen sind, und ja primär die Haupt-"Melodien" berücksichtigt sind.


    Wenn ich mir nun aber nur eine Partitur vor mich lege, so habe ich in der Regel nicht die blasseste Ahnung, wie das Ganze klingen wird, daher oben meine Aussage zu "verfolgen" oder "umsetzen". "Lesen" würde da für mich sehr viel mehr bedeuten, nämlich nur vom Notenbild ausgehend eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es dann klingen sollte. Kann manchmal klappen, ist aber eher selten der Fall (mein bestes Aha-Erlebnis hierzu: Mahler 5, 4. Satz... ;) Da stehen so wenig Noten, daß es mir unglaublich erscheint, daß es dann so klingt, wie es klingt... ;) ). Noch weniger würde ich also "plagale Kadenzen" aus dem Notenbild rauslesen können... ;)


    Im Übrigen setzt das "Mitlesen" ja eine gewisse Freiheit beim Zuhören voraus, die ich selten so habe. Ich höre Muisk mehr "nebenbei", wenn auch konzentriert (meistens im Auto)...


    Matthias

    "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
    "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
    "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
    "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

  • Lieber Falstaff,


    Ich mußte mit 10 Jahren Musikunterricht in der Dorfmusik nehmen, das sagte mir damals aber überhaupt nicht zu. Außerdem mußte ich die Klarinette wählen (ich wollte lieber Saxophon, aber es war keines mehr übrig) so daß ich mich zwei Jahre durch den Unterricht mogelte. Hängengeblieben ist nicht viel. :shake:


    Natürlich tut mir das jetzt sehr leid. :troest: Heute liebe ich Musik so sehr, daß ich sogar einige Partituren (Bruckner 4, 9, Beethovens Violinkonzert, etwas von Chopin) beseitze und es macht mir Spaß zu versuchen diese ‘mitzulesen’ oder eher gesagt mitzuverfolgen.


    Aber Noten lesen? Nein, höchstens die C-Dur-Tonleiter. :thumbup:


    Mann kann sich auch ohne Notenkenntnisse mit Musiktheorie beschäftigen. Ich besitze einige Bücher wie zB. ‘Elementare Musiklehre’, die ich immer zur Hand habe, das reicht mir dann auch schon. Den Mut und die Lust (und die Zeit) noch einmal von vorne anzufangen habe ich nicht.


    viele Grüße
    romain

    Dieser Thread muß weitergeführt werden!!!

  • Hallo Falstaff,


    Noten habe ich zu Hause mit dem ersten Klavierunterricht gelernt. Ich habe als Kind auch einige Zeit im Chor gesungen, so dass ich relativ früh aus Noten mir vorstellen konnte, wie eine Melodie verläuft. Später habe ich mir als erste Taschenpartitur Dvoraks Cellokonzert gekauft, es war meine erste Erfahrung mit einer Orchesterpartitur. Auf einen Blick lesen und erfassen kann ich eine Orchesterpartitur keineswegs.


    Von den Schlüsseln beherrsche ich sicher Sopran, Tenor und Bass, weil man alles als Cellist braucht, mittlerweile auch, aber nur, wenn das Musikstück langsam ist, zum Spiel auf dem Cello den Altschlüssel. Aber z.B. mit Klarinette in B oder Horn in F, also den transponierenden Instrumenten tue ich mich doch schwer. Dann fang ich an zu rechnen.


    Ich lese ab und an gerne in einer Streichquartettpartitur, insbesondere in denen der Mozartschen Streichquartette, die so schön durchsichtig geschrieben sind, oder in der Klavierstimme der Klaviertrios. Kenne ich das Stück, habe ich anhand der Noten eine gute Klangvorstellung. Kenne ich es nicht, wird es schwierig, wenn es nicht gerade einfachste Literatur ist.


    Paulus

  • Ich habe das Gefühl, der Begriff "Noten lesen" wird hier sehr unterschiedlich verstanden, oder irre ich mich da?


    Für mich bedeutet Noten lesen, sagen zu können, das da in den Noten ist ein fis', das ist ein c''', was auch immer, und möglicherweise auch, das hier ist ein F-Moll-Dreiklang.
    Das kann ich, da ich es erstens in der Schule gelernt habe, zweitens eine Zeitlang Klavier gespielt habe und drittens seit Jahren in Chörenund Ensembles sowie solistisch singe. In den Noten mitlesen, während ich ein Musikstück höre, kann ich auch. Klavierstücke vom Blatt spielen kann ich nur im Schneckentempo :D Hatte aber auch nur ein oder zwei Jahre Unterricht als Kind und brauche es seitdem nur, um mir schwierige Stellen in Chorstücken o.ä. vorzuspielen.Dafür reichts :D
    Vom Blatt singen geht bei einfachen Harmonien meist relativ fließend, bei schwierigeren nur mit Stocken und Herumprobieren.


    Besitzt Ihr Noten, die Ihr nicht zum eigenen Musizieren braucht (z.B. Orchsterpartituren)?


    Nein.

    Zitat

    Studiert Ihr Noten "am Schreibtisch", d.h. ohne die Musik zu hören?


    Nein. Nur manchmal mit Mitsummen, aber das gilt wohl nicht, weil es eher dem Einstudieren von neuen Stücken dient ;)


    Ansonsten stimme ich mit Hemiole überein:

    Aber heißt das denn nun auch, dass der Notenkenner entsprechend flott a prima vista das Gelesene auf das Instrument oder die Singstimme übertragen kann?? - Ich denke NICHT! - Zwar habe ich sichere Notenkenntnisse, bin aber nicht in der Lage, alle Notenwerte mit und ohne Punktierung, Rhythmus, Intervalle, einschließlich Triolen und Hemiolen....... und Text auf einen Schlag richtbig zu übertragen! - Da fehlt mir die Routine! Wohl aber kann ich ein normal schnelles Tempo mitlesen!


    Zitat

    Ich hatte einmal einen jungen Pianisten in meinem Hause, dem ich eine Gigue von Bach vorlegte. Meine Frage, ob er sie kenne, beantwortete er mit "nein". - Er legte los, so als ob er bereits das Werk fast in den Fingern gehabt hätte! - Beim zweiten Anlauf war die Gigue annähernd perfekt gespielt! - Was sind die Kriterien für solch ein begnadetes Können? - Seine pianistische Erfahrung, sein absolutes Gehör?? Ich glaube nicht! -Letzteres dürfte eher hinderlich sein!


    Also m.E. ist das einfach die Übung. Ich konnte früher kein bisschen vom Blatt singen und jetzt gehts schon recht gut, einfach durchs Üben. Bei einem Pianisten, der ja wahrscheinlich täglich viel übt, ist es nur logisch, dass er die Noten durch das häufige Einstudieren neuer Stücke immer schneller in Töne umsetzen kann.

    Canto, ergo sum.

  • Es ist auch für Klassikhörer keine Schande, Noten nicht lesen (oder besser: "verfolgen") zu können. (Ich höre über 95% der Musik, die ich höre, natürlich auch "blind")


    Notenlesen autodidaktisch zu erlernen mag dem einen leicht fallen, dem anderen schwer - auch das ist keine Schande.


    Wenn man kein Klavier/Keyboard zur Verfügung hat, wird das Erlernen vielleicht etwas schwieriger.


    Man kann in einem Klassikforum auch viel zum Geniessen der Musik dazulernen, auch wenn man nicht anstrebt, das Notenlesen und Grundfundamente der Harmonielehre zu lernen. Man kann in diesem Stadium auch hochgradig wertvolle Beiträge schreiben! (mindestens zwei derartige User sind mir bekannt, bestimmt gibt es deren noch deutlich mehr)


    Ich möchte jedem dazu raten, das Notenlesen zu erlernen. So schwer ist es nicht [strategisch sinnvolles Schachspiel zu erlernen erscheint mir himmlhoch schwieriger] (enweder alleine oder mit Anleitung) - und es öffnet einem doch ganz neue Horizonte (schliesslich beinhalten die meisten Konzertführer knappe Notenbeispiele, die man mit leich erlernten Grundkenntnissen schnell in echte Musik umsetzen kann)


    Nur Mut!


    :wink:

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • 1. Ja, kann ich. Sogar in zwei Sprachen, weil die hier do re mi fa sol la si do/ut heissen.


    Und das Umlernen in den letzten vier jahren war schweineschwer!


    2.Ich lese nur die Noten bei Stücken mit, die ich lernen muss, alles Andere trübt meinen unmittelbaren Musikgenuss erheblich.


    3. Ich besitze etliche Klavierauszüge von Opern und Oratorien und überhaupt fast nur Gesangsnoten von Alter Musik über Oratorium bis Lied und Chansons. Davon aber reichlich!


    Notenlesen ist viel leichter als Schach spielen. Letzters hab ich nämlich nie kapiert, obchon mein Bruder serh erfolgreich war und mir sehr geduldig Unterricht gab, hingegen habe ich die Musiktheorie-Prüfung sogar im Ausland bestanden!


    F.Q.

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Ich kann Noten lesen und beherrsche Grundzüge der Harmonielehre, habe aber nie ein Instrument gespielt oder gesungen. Ich bin kein besonders schneller Notenleser - bevor ich mir, wie von Falstaff geschildert, eine Harmonie am Klavier zusammengesucht habe (gar eine aus einer Orchesterpartitur destillierte), vergeht einige Zeit. Transponierte Notation, Tenorschlüssel und ähnliche Dinge nerven mich. Für mich ist es ein Wunder, wie jemand nicht ganz unkomplizierte Stücke vom Blatt spielen kann.


    Trotzdem bin ich leidenschaftlicher "Mitleser" in Noten und Partituren. Das ist eine ganz merkwürdige und sehr unvollkommene Form des Lesens ("Verfolgen" wurde hier ja auch schon gesagt): ich mache mir selten die Mühe, die Noten oder gar die Harmonien zu entziffern, aber weiß trotzdem immer genau, an welcher Stelle ich bin. Und ich glaube auf diese Weise viel über das Stück zu erfahren: über seine Struktur und Machart, über die Instrumentation bei Orchesterwerken usw.


    Interessant fand ich das, was etwa Gurnemanz und Potzi ( ;+) ) über die Probleme beim Mitlesen in Orchesterpartituren geschrieben haben. Ich weiß noch, wie ich mit 15 Jahren zum erstenmal versucht habe, mit einer Taschenpartitur in der Hand ein Werk zu hören: es war Beethovens Zweite und ich bin dauernd aus der Kurve geflogen (trotz Klemperer-Tempi! :D ). Aber bald war ich weiter und heute macht mir auch das Verfolgen von Mahler- oder Schostakowitsch-Sinfonien oder auch von Strawinskys Sacre oder der Vierten von Ives keine Mühe. Die gleichzeitige Konzentration auf Vertikale und Horizontale ist reine Übungssache. Meine Grenzen werden allerdings bei Lachenmanns Mouvement erreicht, das ist wirklich teuflisch... :D


    Ich gucke mir auch gerne vor dem ersten Hören die Noten bzw. die Partitur an und versuche mir vorzustellen, wie das Stück klingen könnte. Faszinierend finde ich die Koinzidenz zwischen Notenbild und akustischem Ereignis: auch ohne auch nur eine Note "gelesen" zu haben, hat man z.B. bei Debussy gleich ein bestimmtes Klangbild im Kopf. Und Noten/Partituren können rein visuell großartige Kunstwerke sein: der Orchestersatz beim ersten Brangäne-Ruf im zweiten Tristan-Akt, manche Ravel-Partitur, aber auch einfach nur die Noten des zweiten Satzes von Beethovens op. 111...


    Ansonsten kann ich mich den letzten Postings nur anschließen: Notenlesen ist keine Hexerei und auch keine Kunst. Das kann man lernen.



    Viele Grüße


    Bernd

    .

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