Mozart, der "Donnerblitzbub"

  • Mozart, der "Donnerblitzbub"

    Dieses Buch habe ich vor einigen Jahrzehnten - ich war etwa 15 - verschlungen, es machte mich auf Mozart und seine Musik neugierig. Allerdings ist die Lektüre so lange her, daß ich mich nicht mehr an Einzelheiten erinnere. Soviel: Ich fand es damals spannend, anschaulich und lebendig geschrieben.

    Rotraut Hinderks-Kutscher: Donnerblitzbub Wolfgang Amadeus. Mozarts Jugend, Stuttgart 1945


    Das Jugendbuch erschien auch in der Nachkriegszeit in vielen weiteren Auflagen; es war also recht verbreitet und beliebt, ist das vielleicht auch heute noch. Über die Autorin findet sich hier etwas: "https://de.wikipedia.org/wiki/Rotraut_Hinderks-Kutscher". Demnach illustrierte und schrieb sie in der NS-Zeit und auch später viele Kinder- und Jugendbücher, darunter auch Musikerbiographien.


    Möglicherweise ist der Bestseller von R. Hinderks-Kutscher aus heutiger Sicht auch kritisch zu sehen. Ein knapp 5 Jahre altes Zitat:

    Die Versuche des Dritten Reiches, Bach als Deutschen zu integrieren in ihre arische Geschichtsschreibung ging andere Wege. Bei Mozart zum Beispiel war es der Kampf gegen das Welsche um eine deutsche Oper (so etwa in dem in der NS-Zeit beliebten Buch "Donnerblitzbub Mozart").


    Stimmt das so? Handelt es sich um NS-Propaganda?


    Wer kennt das Mozart-Jugendbuch außerdem noch? Was gibt es darüber zu sagen?


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • kenne das Buch nicht. In dieser kommentierten Bibliographie von Kinder- u. Jugendliteratur:


    Was soll ich ihnen nur zu lesen geben? / Elizabeth M. Mayer, in: Die Unterrichtspraxis, Vol. 6, No. 2, S. 69


    wird der "Donnerblitzbub" etwas rätselhaft kommentiert: "Kindergestalten sprechen Dialekt".

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • kenne das Buch nicht. In dieser kommentierten Bibliographie von Kinder- u. Jugendliteratur:


    Was soll ich ihnen nur zu lesen geben? / Elizabeth M. Mayer, in: Die Unterrichtspraxis, Vol. 6, No. 2, S. 69


    wird der "Donnerblitzbub" etwas rätselhaft kommentiert: "Kindergestalten sprechen Dialekt".


    Enträtselndes Beispiel:


    Zitat

    Die große Schwester und ihre Freundinnen, die zwickten ihn manchmal auf mit seiner Empfindlichkeit: "I mog di nimmer!"
    "Geh! Wieder lieb sein, Nannerl!
    "Mog net!"
    "Komm! I bind dir nie mehr's Haarmascherl auf!"


    Zitiert nach der Ausgabe: Stuttgart (62.-74.Tausend) 1952, S. 9f.


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Wenn das Buch 1945 erschienen ist, wie wikipedia sagt, hatte es jedenfalls nicht viel Zeit, im NS-Staat beliebt und erfolgreich zu werden (sofern es überhaupt vor Mai erschienen ist). Dass dialektsprechende Kindergestalten ungeachtet dessen grauenvoll sein können, ist eine andere Sache ;+)

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Dieses Buch habe ich vor einigen Jahrzehnten - ich war etwa 15 - verschlungen, es machte mich auf Mozart und seine Musik neugierig.


    Das ging bei mir durch spielen seiner Klaviersonaten. Mozart für Kinder zurechtgemacht finde ich ehrlich gesagt schrecklich :hide:


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Dass dialektsprechende Kindergestalten ungeachtet dessen grauenvoll sein können, ist eine andere Sache


    In diesem Falle würde ich dringend davon abraten, von Giessen aus jemals Richtung Süden zu fahren, denn was Dich da erwarten würde, kannst Du Dir gar nicht ausmalen. Dass Mozart als Kind Dialekt sprach ist wohl zu 100% wahrscheinlich. Sein Vater kam zwar aus Augsburg, aber ob gerade das hilft.... :D

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Wenn das Buch 1945 erschienen ist, wie wikipedia sagt, hatte es jedenfalls nicht viel Zeit, im NS-Staat beliebt und erfolgreich zu werden (sofern es überhaupt vor Mai erschienen ist).


    Es ist zuerst 1943 erschienen - da bleibt trotzdem nicht gerade viel Zeit, zu einem »in der NS-Zeit beliebten Buch« zu werden. Die Erstauflage ist in einer Stückzahl von 10.000 Exemplaren aufgelegt worden - das ist ganz ordentlich, aber zunächst auch nicht weltbewegend! Wenn ich recht sehe, hat es aber noch 1943 mindestens zwei Nachauflagen gegeben, so dass sich die Gesamtauflage im Erscheinungsjahr auf 27.000 Exemplare belaufen hat. Ob es dann vor Kriegsende noch weitere Auflagen gab, konnte ich jetzt nicht definitiv feststellen. Aber es muss jedenfalls zwischen 1943 und 1947 weitere Nachdrucke oder zumindest eine weitere Auflage (es ist sehr wahrscheinlich, dass es nur eine weitere Auflage war, denn es geht nur um 10.000 Exemplare) gegeben haben, denn die Auflage von 1947 ist als »38. - 42.Tsd.« deklariert.

    Ab 1947 geht's dann Schlag auf Schlag weiter mit den Nachauflagen (zudem in mehreren Verlagen, die dann die Auflagenexemplare neu zählen) - und das bis mindestens 1998.


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Wenn das Buch 1945 erschienen ist, wie wikipedia sagt, hatte es jedenfalls nicht viel Zeit, im NS-Staat beliebt und erfolgreich zu werden (sofern es überhaupt vor Mai erschienen ist).


    Bei Amazon habe ich noch dies gefunden: http://www.amazon.de/gp/produc…16659-4124608?ie=UTF8&me=. Also 1943. Die Erstauflage? Vgl. "http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=265677166&b=1".


    :wink:


    PS: Sehe erst nachträglich, daß Algabal die Editionsgeschichte genauer dargelegt hat (s. o.).

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hier gibt's auch eine 2004 erschienene Lehreinheit »Donnerblitzbub Wolfgang Amadeus Mozart« für den Grundschulunterricht (3. + 4. Klasse) - hat aber offenbar nur bedingt mit dem Hinderks-Kutscher-Buch zu tun:


    "http://www.info.school-scout.de/55710-donnerblitzbub-wolfgang-amadeus-mozart-3-4-klasse"


    Einblick ins Material gibt's hier:


    "http://www.info.school-scout.de/extract/55710/1-Vorschau_als_PDF.pdf"


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ich hab das Buch im Grundschulalter gelesen, und meine mich auch vierzig Jahre später noch an die erste Szene zu erinnern. Da sucht sich der putzige Hemdenmatz auf dem heimischen Tasteninstrument einen Dreiklang zusammen und sagt "Horch. Ahso geht's" (oder so ähnlich, aber auf jeden Fall allerliebst). Die Sprache fand ich glaube damals schon etwas artig bemüht, aber Interesse am Thema hatte das Buch trotzdem geweckt.


    Nach Polen wollte ich nach der Lektüre nicht unmittelbar einmarschieren.

  • Nach Polen wollte ich nach der Lektüre nicht unmittelbar einmarschieren.


    :mlol:


    Ich auch nicht.
    Ich erinnere mich dunkel an gewisse Betonungen der "deutschen" Oper bzw des "deutschen Singspiels", aber auch mir hat das Buch vor Allem ein Gefühl für die Zeit und für Mozart vermittelt. Mag sein ein schiefes Bild, und es ist sicher interessant, nach nationalistischen Anhaftungen darin zu spüren.


    Die Tendenz, in jeder Form verniedlichender Komponisten-Benennung den Nazi-Ungeist zu wittern, finde ich trotzdem übertrieben. Das Phänomen, daß verstorbene Künstler von der Gesellschaft auf recht zugeschnittene Art adaptiert werden, ist sicher kein explizit nazi-spezifisches.


    Wenn der Respekt vor dem Künstler erfordert, zu verschweigen, daß er klein, häßlich und von teilweise schwierigen Umgangsformen war, geht es auch nicht nur um Verniedlichung.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Nach Polen wollte ich nach der Lektüre nicht unmittelbar einmarschieren.

    "Don't mention the war!"


    :D


    Magus

    "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972


  • In diesem Falle würde ich dringend davon abraten, von Giessen aus jemals Richtung Süden zu fahren, denn was Dich da erwarten würde, kannst Du Dir gar nicht ausmalen. Dass Mozart als Kind Dialekt sprach ist wohl zu 100% wahrscheinlich. Sein Vater kam zwar aus Augsburg, aber ob gerade das hilft.... :D


    Ich meinte hauptsächlich eine solche bemühte Darstellung wie in den Buch.
    Es gibt auch Dialektsprecher außerhalb des bairischen oder des alemannischen Raums, wenn auch wohl weniger systematische Pflege.
    Zu meiner Schulzeit gab es noch vereinzelt Kinder, die (auch) lokalen Dialekt sprachen und meine Mutter fällt, wenn sie mit Cousinen u.ä. telephoniert, oft ebenfalls in Dialekt. Ich verstehe den normalerweise auch ganz gut, flüssig sprechen kann ich ihn aber nicht.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Es gibt auch Dialektsprecher außerhalb des bairischen oder des alemannischen Raums, wenn auch wohl weniger systematische Pflege.


    Na hoffentlich, sonst sprechen wir alle nur noch gleich langweilig hochdeutsch. Ich kann beides, bayrisch und hochdeutsch und so finde ich es in Ordnung. Das gilt übrigens auch für meine Kinder und Enkel. Den Vogel darf man wirklich auch ein bisserl "am G'sang" erkennen.



    :wink: :wink: :wink: Kristin aus München

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Ich habe das Buch im Alter von vielleicht elf Jahren gelesen und kann es leider nicht mehr finden. An eines erinnere ich mich aber noch deutlich: Mich hat schon als Kind irritiert, dass es in der Mozart-Familie offenbar nie Streit gab. Alle hatten sich immer ganz furchtbar lieb, auch tagelange Kutschfahrten quer durch Europa waren das reinste Vergnügen, die einzige Eintrübung kam von außen durch eine Blattern-Epidemie, und die schweißte die Familie - was sonst? - noch dichter zusammen. So ungefähr sind jedenfalls meine Erinnerungen, und ich habe mich instinktiv schon ein wenig über diese pure familiäre Harmonie gewundert, weil ich, glücklich aufgewachsen mit drei Brüdern, doch von anderen Spannungen und Auseinandersetzungen wusste. Wahrscheinlich war ich ein bisschen neidisch. Der Musik hat mich das Buch keinen Millimeter näher gebracht, aber das lag wohl vor allem daran, dass ich im selben Alter in der Hamburger Musikhalle in Mozarts Konzert für drei Klaviere spielen durfte, und gegen dieses überwältigende Erlebnis wäre natürlich kein Buch der Welt angekommen.

    Nach Polen wollte ich nach der Lektüre nicht unmittelbar einmarschieren.

    Ich denke auch nicht, dass sich der Vortrag, den Peter erwähnt hat (Hans-Werner Boresch, "Donnerblitzbubs deutscher Weg - Versuch zur Mozart-Rezeption im Nationalsozialismus zwischen Harmonisierung und Heroisierung") auf diese These zusammenfassen lässt. Das Buch vom Wupptertaler Symposium gibt es in unserer Hochschulbibliothek, ich werde mir den Artikel in den nächsten Tagen mal besorgen.


    Christian

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Ich hab das Buch heute (in der Auflage von 1952) mal aus der Germanistik-Bib hier in Bochum ausgeliehen und gelesen - das geht ja sehr fix, da die Lektüre nicht sonderlich anspruchsvoll ist und der Text auf den gut 160 Seiten durch zahlreiche Abbildungen und Notenbeispiele eingekürzt wird.


    Ja, die Familie Mozart ist hier ein harmonisches Idyll! Aber es sind nicht nur die Blattern (an denen die Mozartkinder allein deshalb erkranken, weil sich der Vater weigert, diese neumodischen Impfungen vornehmen zu lassen - ist ja grad jetzt wieder hochaktuell! ;+) ), die für Unbill sorgen. Das Wundersöhnchen ist alle Naselang krank (kein deutscher Heros sondern eine kränkliche Künstlernatur mit schwächlicher Konstitution) und wird von Fieber geschüttelt. Außerdem wird der Vater Leopold durchaus nicht nur als positive Figur gezeichnet - es zeigt sich schon eine gewisse Kritik daran, dass er seine begabten Kinder, insbesondere den Sohn quer durch Europa scheucht, um möglichst viel Erfolg und letztlich auch Geld aus deren Talenten zu schlagen (Maria Theresia-Szene).


    Ja, und das mit der deutschen Oper, die Mozart dann irgendwann unbedingt schreiben will? - nun ja. Das hat eher was vom romantischen Kulturnationalismus des frühen 19. Jahrhundert als vom völkischen Radikalnationalismus des NS. Das ganze "Kulturkonzept", das sich in dem Textchen Bahn bricht, ist eher Adam Müller oder Friedrich Schlegel als Rosenberg oder Goebbels. Womit ich keinesfalls sagen will, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.


    Ein antifranzösischer Impetus, so er sich denn tatsächlich im Buch ausspricht, wendet sich übrigens eher gegen das Ancien Regime als gegen das "Franzosentum" als solches - das zeigt sich im Verständnis, das für die heraufziehende Revolution geäussert wird ebenso wie ganz explizit im Dialog von Joseph II (der als aufgeklärter Monarch erscheint) mit seiner gänzlich im volksverachtenden Aristokratismus gefangenen Schwester Marie Antoinette.


    Naklar: das deutsche Barock in Bayern ist echter und natürlicher als das artifizielle französische - und die Franzosen des Ancien Regime sind noch mehr gepudert als alle anderen. Aber sonst?


    Also: ich muss - leider! - berufsbedingt eine ganze Masse NS-kontaminierter Literatur lesen, aber das hier nimmt sich im Vergleich mehr als harmlos aus. Das hätte genau so auch 30 Jahre früher oder 15 Jahre später geschrieben werden können (so gesehen wundert es nicht, dass das Buch eigentlich ein Jugendbuch der Nachkriegszeit geworden ist). Am erschreckendsten ist vielleicht am ehesten, dass ein so harmlos-hübsches und wirklich sterbenslangweiliges, weil in der Erzählstruktur total redundantes Buch im Jahr 1943 geschrieben worden ist.


    Die Autorin hat übrigens nach 1945 auch Jugendbücher über Schubert ("Franzl aus dem Himmelpfortgrund", 1955) und Haydn ("Papa Haydn", 1957) geschrieben. Die Titel versprechen ebenso harmlos verniedlichende Erzählungen....


    Auf die Argumentation des Vortrags/Aufsatzes von Boresch bin ich tatsächlich gespannt. Der Sammelband mit dem Text ist leider in Bochum nicht vorhanden und fernleihen mag ich den nicht - dafür sind mir die TAN-Marken zu teuer ... ;+)


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ich denke auch nicht, dass sich der Vortrag, den Peter erwähnt hat (Hans-Werner Boresch, "Donnerblitzbubs deutscher Weg - Versuch zur Mozart-Rezeption im Nationalsozialismus zwischen Harmonisierung und Heroisierung") auf diese These zusammenfassen lässt.


    Bitte um Nachsicht; als alter Woody-Allen-Fan versuche ich gelegentlich, mir eine seiner Pointen unter den Nagel zu reißen (mit mehr oder minderem Erfolg).


    Danke insbesondere an Algabal für die differenzierte Darstellung und Einordnung verschiedener Aspekte des Texts; hab ich mit Gewinn gelesen.

  • Ich habe das Buch im Alter von vielleicht elf Jahren gelesen und kann es leider nicht mehr finden. An eines erinnere ich mich aber noch deutlich: Mich hat schon als Kind irritiert, dass es in der Mozart-Familie offenbar nie Streit gab. Alle hatten sich immer ganz furchtbar lieb, auch tagelange Kutschfahrten quer durch Europa waren das reinste Vergnügen, die einzige Eintrübung kam von außen durch eine Blattern-Epidemie, und die schweißte die Familie - was sonst? - noch dichter zusammen. So ungefähr sind jedenfalls meine Erinnerungen, und ich habe mich instinktiv schon ein wenig über diese pure familiäre Harmonie gewundert, weil ich, glücklich aufgewachsen mit drei Brüdern, doch von anderen Spannungen und Auseinandersetzungen wusste. Wahrscheinlich war ich ein bisschen neidisch. Der Musik hat mich das Buch keinen Millimeter näher gebracht, aber das lag wohl vor allem daran, dass ich im selben Alter in der Hamburger Musikhalle in Mozarts Konzert für drei Klaviere spielen durfte, und gegen dieses überwältigende Erlebnis wäre natürlich kein Buch der Welt angekommen.

    Ich denke auch nicht, dass sich der Vortrag, den Peter erwähnt hat (Hans-Werner Boresch, "Donnerblitzbubs deutscher Weg - Versuch zur Mozart-Rezeption im Nationalsozialismus zwischen Harmonisierung und Heroisierung") auf diese These zusammenfassen lässt. Das Buch vom Wupptertaler Symposium gibt es in unserer Hochschulbibliothek, ich werde mir den Artikel in den nächsten Tagen mal besorgen.


    Christian


    Ja gut, Du darfst natürlich den Wunderkind-Faktor nicht kategorisch ausblenden. Wir - also andere - wissen inzwischen, dass W. A. M. seine Kompositionen [nahezu] fertig im Kopf hatte, bevor er sie zu Pergament brachte.
    Gemessen an der Anzahl seiner Kompositionen - relativ zu den wenigen Lebensjahren, die ihm gegeben waren - eine sehr ansprechende Leistung. Du darfst deshalb nicht neidisch sein, denn die "Prämissen" waren grundsätzlich verschieden und sind deshalb nicht vergleichbar. Man hatte dort einfach nur Musik und Bestimmung im Kopfe, auch wenn die Kutsche auch noch so ruckelte...


    J.

    "You speak treason" - "Fluently"
    "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"

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