Musik und Essen

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Musik und Essen

    Hallo allerseits,


    ich bin neu hier und würde gern gleich mal eine Frage in die Runde werfen:


    Fallen euch Musikstücke ein, die irgendwie mit dem Thema Essen und/oder Trinken zu tun haben? Am spannendsten fände ich ja Werke, die ohne Text auskommen - sofern es sowas überhaupt gibt ...


    Ich freue mich auf Ideen!


    Fanny

  • Hallo Fanny,


    erst einmal herzlich willkommen!


    Zitat

    Am spannendsten fände ich ja Werke, die ohne Text auskommen - sofern es sowas überhaupt gibt ...


    So etwas gibt es durchaus!


    In der Orchestersuite "Der Bürger als Edelmann" von Richard Strauss trägt der letzte Satz die Überschrift "Das Diner". Wie die einzelnen Gerichte mit Zitaten aus anderen Werken musikalisch in Szene gesetzt werden, kannst du hier nachlesen:


    https://books.google.de/books?id=d8QIAQAAMAAJ&pg=PR4&lpg=PR4&dq=strauss+der+bürger+als+edelmann+salm+vom+rhein&source=bl&ots=569NvJI4JF&sig=-Vs306xdyM9ZWUQux-Fc9c2STcs&hl=de&sa=X&ei=IXkzVeXtNsfnavemgJAO&ved=0CCgQ6AEwAQ#v=onepage&q=strauss%20der%20b%C3%BCrger%20als%20edelmann%20salm%20vom%20rhein&f=false


    Herzliche Grüße


    Bernd

  • in der "Herberge" aus den Waldszenen von Schumann ist mächtig was los, und man hört, wie sich die Leut zuprosten.


    "https://www.youtube.com/watch?v=jE3IrjtDEGc"
    ab 9:36

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Da gibt es nur eines:


    Georg Philipp Telemann - Tafelmusik



    Alles instrumental - und für alle Geschmacksrichtungen zu empfehlen... :D



    Nun im Ernst:
    mir fällt im Augenblick nur das ein



    Das sind CDs, die umfassen Stücke, die mit Essen zu tun haben - die meisten sind aber Lieder (also mit Text), zumal es Musik aus der Renaissancezeit ist.



    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • das Trio aus dem Scherzo von Bruckners 4. Sinfonie trug ursprünglich den Titel:
    Tanzweise während der Mahlzeit auf der Jagd


    s. engl. Wikiped.
    "http://en.wikipedia.org/wiki/Symphony_No._4_%28Bruckner%29"

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • mit Text natürlich Mahler, 4. Sinfonie, letzter Satz - handelt von fast nichts anderem:


    [...]
    Johannes das Lämmlein auslasset,
    Der Metzger Herodes d'rauf passet.
    Wir führen ein geduldig's,
    Unschuldig's, geduldig's,
    Ein liebliches Lämmlein zu Tod.
    Sankt Lucas den Ochsen tät schlachten
    Ohn' einig's Bedenken und Achten.
    Der Wein kost' kein Heller
    Im himmlischen Keller;
    Die Englein, die backen das Brot.


    Gut' Kräuter von allerhand Arten,
    Die wachsen im himmlischen Garten,
    Gut' Spargel, Fisolen
    Und was wir nur wollen.
    Ganze Schüsseln voll sind uns bereit!
    Gut' Äpfel, gut' Birn' und gut' Trauben;
    Die Gärtner, die alles erlauben.
    Willst Rehbock, willst Hasen,
    Auf offener Straßen
    Sie laufen herbei!


    Sollt' ein Fasttag etwa kommen,
    Alle Fische gleich mit Freuden angeschwommen!
    Dort läuft schon Sankt Peter
    Mit Netz und mit Köder
    Zum himmlischen Weiher hinein.
    Sankt Martha die Köchin muß sein.

    [...]

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Ich hätte noch etwas ohne Text: Der Grazer Komponist und Theorieprofessor Gerhard Präsent (guxu auch mal bei Wikipedia nach), der ein ausgewiesener Freund edler französischer Rotweine ist, hat 1995 ein später preisgekröntes Werk für Streichorchester mit dem Titel "La Tâche" komponiert.


    Bei "La Tâche" handelt es sich um eine Monopollage der Domaine de la Romanée-Conti (Côte-d’Or, Burgund). Hier wächst einer der teuersten und angeblich auch besten (ich selber konnte ihn leider noch nie probieren) Rotweine weltweit.


    Viele Grüße


    Bernd

  • J. S. Bach, Kaffee-Kantate?
    Carl Orff, Carmina burana, vor allem der Teil "in taberna"?
    Paul Dessau, Die Verurteilung des Lukull? (Na ja, nur peripher ...)


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Dallapiccola "Ulisse" 1. Akt: Ulisse bei den Lotophagen (dramaturgisch als Flash-Back bei Alkinoos) : ein Teil seiner Gefährten essen von den Früchten, so dass sie zurückbleiben.


    Mozart: Don Giovanni am Ende des 2. Aktes; Leporello frisst heimlich von der Tafel....


    B.A. Zimmermann: Die Soldaten: 4. Akt Stolzius vergiftet Desportes mit Hilfe einer sehr leckeren Weinsuppe.


    Aribert Reimann: Lear 1. Teil: Lear und sein Gefolge fressen. saufen und nerven damit Regan und Goneril.
    (Lear: "Sauft, freßt, reißt Witze...")


    Humperdinck: Hänsel und Gretel, da geht es häufig ums Essen.

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Sehr skurril: Leonard Bernstein, La bonne cuisine, interpretiert z.B. auf dieser niedlichen CD:



    :vv:



    B.A. Zimmermann: Die Soldaten: 4. Akt Stolzius vergiftet Desportes mit Hilfe einer sehr leckeren Weinsuppe.


    Sowas gibts natürlich auch öfter, z.B. das Pilzgericht von Katerina in "Lady Macbeth von Mzensk". Gilt auch die Marmelade, die Madame Larina am Anfang von "Eugen Onegin" einkocht?


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • auch Mangel an Nahrung wird in Opern thematisiert:

    Humperdinck: Königskinder:
    Im 3. Akt essen beide vom verzauberten tödlichen Brot.


    Zemlinsky: Kleider machen Leute: Im Vorspiel (Prolog): Aus Strapinskis "Schneiderlein-was-machst-du-Monolog":
    "..und wünscht sich, ach Gott, einen Wecken, bleibt das Liedel im Magen stecken.."

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Mangel an Nahrung


    diese Thematik wiederum auch bei Mahler, "Das irdische Leben":
    Mutter, ach Mutter! es hungert mich,
    Gib mir Brot, sonst sterbe ich.

    (also direkt das Gegenstück zu dem "himmlischen Leben" in der 4. Sinfonie)

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Von Mozart gibt es das Klavierstück "Das Butterbrot":
    "http://de.wikipedia.org/wiki/La_tartine_de_beurre"


    Und da Du - im Gegensatz zum Threadtitel, der sich nur auf Essen bezieht - auch nach Musik zum Thema Essen und/oder Trinken fragst: Von Alban Berg gibt es die Konzertarie "Der Wein". Erhältlich z.B. von Jessye Norman und Pierre Boulez:


    Und beim Thema Wein fällt mir natürlich auch gleich "Vivat Bacchus! Bacchus lebe" aus dem 2. Akt von Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" ein. Oder die Champagner-Arie aus Mozarts "Don Giovanni" ("Fin ch' han dal vino").

  • Na, zu dem Thema fällt mir einiges (spontan) ein.
    Zuerst ohne Gesang:
    Geirr Tveitt: Hundrad Hardingtonar opus 151 (Hundert Volkslieder aus Hardangar)
    in der (orchestralen) Suite Nr.4 Nummern 46-60 wird teils recht deftig gegessen und (vor allem) getrunken und am Ende passiert was oft passiert wenn Leute zu viel essen und (Bier) trinken
    (Triller des Fagotts führen es deutlich vor Augen und zu allerletzt setzt die Tuba mit einem herzhaften Fis den "Schlusston"---Fis ist auch das Norwegische Wort für Furz).


    Cornelis Dopper: Symphonie Nr.6 "Amsterdam"
    der Komponist beschreibt hier im letzten Satz, unter anderem, grölende Trunkenbolde.


    Und dann gibt es da doch noch den unerschöpflichen Johann Strauss: in der Fledermaus wird doch auch ständig getrunken (Champagner hats verschuldet.....)
    oder Otto Nicolai: Falstaff lässt sich in den Lustigen Weibern von Windsor doch von der "Braunen Hanne" immer wieder den "Schlauch" füllen.
    Wo viel getrunken wird, da wird auch meist (viel) gegessen...




    Herzliche Grüße, Prost und Guten Appetit:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Vom dänischen Komponisten Knudager Riisager (1897-1974) gibt es das ultimative Essen und Trinken Werk, Slaraffenland ein sehr hörenswertes Ballett von 1940.
    Denn wo, wenn nicht im Schlaraffenland, gehts mehr um Essen und Trinken!?!
    (und geraucht wird auch noch---vollendet!!!)



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Mir fällt dazu ein:


    Johann Sigismund Kusser (auch: Cousser *1660 in Preßburg - +1727 in Dublin).


    Sein Suitenzyklus "Festin de Muses" - "Das Festessen der Musen" (ed. um 1700), der diese beliebte barocke Musikform in opulentem Französischen Stil darbietet:




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    Gruß


    Magus

    "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972

  • Die Süßigkeiten und Getränke im Divertissement des Nussknacker-Balletts (die entsprechenden Stücke sind alle in der bekannten Suite); ich weiß nicht, wie das auf russisch heißt, aber auf deutsch findet man dieses Zauberland als "Königreich der Süßigkeiten", "Zuckerburg", besonders hübsch finde ich "Confiturembourg"




    Und gibt es nicht irgendwo einen Dr. Barolo ;+)


    Und vom späten Rossini ein Klavierstück über Abführmittel :hide:


    Dass Orff das Gastmahl des Trimalchio ausgelassen hat, verwundert ein wenig. Von Bernstein gibt es ein Stück zu Platons Symposion.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Verflixt noch mal, seid ihr gut! :thumbup: Danke!!


    Meine These wäre ja eigentlich gewesen, dass die Essensthematik in der Musik nicht allzu häufig verarbeitet wird - jedenfalls weniger häufig als z. B. in der Literatur oder Malerei. Eure vielen Hinweise scheinen meiner Wahrnehmung aber zu widersprechen ... Oder stimmt es doch? Gibt es - unter dem Aspekt, dass Futter ja eigentlich das Thema Nr. 1 auf der Welt ist - nicht trotzdem relativ (!) wenige Stücke darüber?


    Ich bin übrigens auch noch über etwas ziemlich Schräges gestolpert: die Vertonung von Marinettis Kochbuch "La cucina futurista" durch Mike Patton. Kennt das zufällig jemand??


    Lg
    Fanny

  • Meine These wäre ja eigentlich gewesen, dass die Essensthematik in der Musik nicht allzu häufig verarbeitet wird - jedenfalls weniger häufig als z. B. in der Literatur oder Malerei. Eure vielen Hinweise scheinen meiner Wahrnehmung aber zu widersprechen ... Oder stimmt es doch?


    Ohne gezählt und prozentgerechnet zu haben, denke ich doch, daß etwa in der Malerei das Thema eine ganz andere Rolle spielt (vieles in der Musik hat ja in dem Sinne überhaupt kein "Thema"). Nur zu denken an die niederländischen Essensstücke, von denen es Unmengen geben muß ...

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

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