Musik und Essen

  • Gibt es - unter dem Aspekt, dass Futter ja eigentlich das Thema Nr. 1 auf der Welt ist - nicht trotzdem relativ (!) wenige Stücke darüber?

    Naja, bisher unterhalten wir uns ja nur über das Thema Essen und Trinken in der Klassik. Würde man die U-Musik mit einbeziehen, fändest Du hunderte von entsprechenden Titeln: von Herbert Grönemeyers "Currywurst" bis zu "Griechischer Wein" von Udo Jürgens. Besonders erwähnenswert ist natürlich das bitterböse Lied "Die heiße Schlacht am kalten Büffet" von Reinhard Mey.

  • weil oben der Otto Nicolaische Falstaff genannt wurde - im Verdischen wird natürlich ebenfalls gleich zu Anfang reichlichst ...

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • In der Musik ist Sex (oder kein Sex) Thema Nr.1. Zu alkoholischen Getränken dürfte sich aber jedenfalls auch noch ziemlich viel finden lassen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Zu alkoholischen Getränken dürfte sich aber jedenfalls auch noch ziemlich viel finden lassen.

    ...und auch zu anderen berauschenden Substanzen, erinnert sei da vor allem an Eric Claptons "Cocaine".

    dann muss (zur Not) auch mal der "Alkohol" reichen (der ist dann aber wirklich von Grönemeyer)


    P.S. nee, ich seh gerad´der Alkohol ist von Mrotzek/Hamm.


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    Vor jedem guten Essen bedarf es einer gut sortierten Küche,
    Bohuslav Martinu hat dazu die passende Musik komponiert, in seinem Ballett für sechs Instrumente: La Revue de Cuisine (Küchenballett) haben diverse Küchenutensilien ihren Auftritt.
    Auch Ralph Vaughan Williams behandelt selbiges Thema in ähnlicher weise, in seinem Werk The Wasps (Aristophanic Suite) geht es eher nicht um Wespen und auch nicht so sehr ums alte Griechenland, stattdessen findet sich ein Marsch der die Vergangenheit der Küchenutensilien zum Thema macht (March Past of the Kitchen Utensils).


    Getrunken wird dann wiederum in Verdis Traviata (Freund leeret in vollen Zügen den Kelch den die Schönheit kredenzt...)


    ....






    Herzliche Grüße und Wohl bekomm´s:
    KALEVALA :wink:




    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Zitat von »music lover«
    Herbert Grönemeyers "Currywurst"


    Das Lied ist von Horst-Herbert Krause, Diether Krebs und Jürgen Triebel. Ehre, wem Ehre gebührt.

    Das wusste ich gar nicht! Wenn ich mal wieder in Bochum bin, werde ich zu Ehren der Urheber bei Dönninghaus im Bermudadreieck eine essen. Ach, dann gebense gleich zwei!


    Christian

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Mit einem gesunden Nahrungsmittel hat sich Erik Satie befaßt: Trois Morceaux en forme de poire für Klavier zu 4 Händen.


    :-OOOO-

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Wagner wurde anscheinend noch nicht ausgewertet:


    Der fliegende Holländer : Matrosengelage Anfang 3. Aufzug


    Die Walküre, 1. Aufzug : Sieglinde labt Siegmund mit Wasser, dann "seimigen Met"; später verabreicht sie Hunding "betäubenden Trank".


    Siegfried, 1. Aufzug :


    Mime [...]
    Doch speisen magst du wohl?
    Vom Spieße bring' ich den Braten:
    versuchtest du gern den Sud?
    Für dich sott ich ihn gar.


    Siegfried
    Braten briet ich mir selbst:
    deinen Sudel sauf allein!


    später:
    durch Saugen des Blutes von Fafner versteht Siegfried den Waldvogel


    Mime versucht, Siegfried mit einem vergifteten Trank zu töten.


    Mehr als "Randphänomene" die verschiedenen Tränke:
    Vergessenstrank in der Götterdämmerung, Liebes- und Todestrank in Tristan und Isolde,


    in der Götterdämmerung dann noch Blutsbrüderschaft trinken, sowie das Hochzeitsmahl, zu dem Hagen die Mannen ruft:


    Hagen
    Starke Stiere sollt ihr schlachten;
    am Weihstein fließe Wotan ihr Blut!


    Mannen
    Was, Hagen, was heißest du uns dann?
    Was soll es dann?
    Was heißest du uns dann?


    Hagen
    Einen Eber fällen sollt ihr für Froh!
    Einen stämmigen Bock stechen für Donner!
    Schafe aber schlachtet für Fricka,
    daß gute Ehe sie gebe!


    Mannen
    Schlugen wir Tiere,
    was schaffen wir dann?


    Hagen
    Das Trinkhorn nehmt,
    von trauten Frau'n
    mit Met und Wein wonnig gefüllt!


    Mannen
    Das Trinkhorn zur Hand,
    wie halten wir es dann?


    Hagen
    Rüstig gezecht, bis der Rausch euch zähmt!
    Alles den Göttern zu Ehren,
    daß gute Ehe sie geben!



    In den Meistersingern bietet David dem Hans Sachs von dem Kuchen und der Wurst, die er von Lene bekommen hat an, als ihm einfällt, daß Hans Sachs Namenstag hat.


    Der Gral bzw. das Abendmahl im Parsifal ?

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Würde man die U-Musik mit einbeziehen, fändest Du hunderte von entsprechenden Titeln

    Ich habe einige Aufnahmen rumänischer Zigeunermusik (Achtung: ich verwende das Wort hier und im folgenden keineswegs abfällig oder mit dikriminierendem Unterton; sie nennen sich im übrigen dort selber Tigani - gesprochen "Tzigani"...); besonders ein Lied hatte es mir angetan: herzzerreißender Gesang über einer sehr melancholischen Melodie.


    Als ich einen rumänischen Freund fragte, was da so Furchtbares besungen werde (eine vergebliche Liebe? Tod? Weltschmerz?), fing er nach einigen Takten an zu lachen und meinte nur: "Ah, die Tzigani (auch das nicht abwertend gesprochen!): es geht ums Essen.....ein schöner Braten...dazu köstlicher Wein...u.s.w."


    :faint:


    Magus

    "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972


  • Dass Orff das Gastmahl des Trimalchio ausgelassen hat, verwundert ein wenig. Von Bernstein gibt es ein Stück zu Platons Symposion.


    Es gibt aber die Oper "Satyricon" von Bruno Maderna, die in der musikalischen Form den fragmentarischen Zustand von Petrons Meisterwerk abzubilden scheint. Darin leider keine detaillierte Essensbeschreibung, aber immerhin ein Abschnitt "Trimalchio e le flatulenze".



    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • J.S. Bach, Matthäus-Passion, BWV 244:


    Nr. 15. Rezitativ und Chor (Evangelium)
    … Und die Jünger täten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Osterlamm.
    Und am Abend satzte er sich zu Tische mit den Zwölfen; und da sie aßen, sprach er: „Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: „Herr, bin ichs?“



    Nr. 17. Rezitativ (Evangelium)
    …Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankete und brachs und gabs den Jüngern und sprach: „Nehmet, esset, das ist mein Leib.“ Und er nahm den Kelch und dankete, gab ihnen den und sprach: „Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.“

    Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."

  • Besonders üppig gespeist wurde natürlich am Hofe Ludwigs XIV. in Versailles. Die festlichen Gelage wurden auf das Prachtvollste untermalt durch die eigens zu diesem Zweck komponierten Suiten des Hofmusikus Michel Richard de Lalande: "Musique pour les Soupers du Roi"


    Nicht zu verwechseln mit dem 1966 entstandenen Werk ""Musique pour les Soupers du Roi Ubu" von Bernd Alois Zimmermann, bei dem es inhaltlich weniger um Essen und Trinken geht. Die Musik entstand zu der gleichnamigen grotesken Satire von Alfred Jarry (Merdre!)


    Beide Werke gehören zu meinen Lieblingen.


    Albert Roussel schrieb 1912 die Musik zu einem verhinderten Schmaus der unappetitlichen Art: Das Festmahl der Spinne/Le festin de l'arraigne. Die Szene dieser Ballettpantomime spielt in einem Garten. Im Hintergrund sitzt eine mächtige Spinne in ihrem Netz und hält Ausschau nach potentieller Beute. Es nähert sich eine Ameise, die ein Rosenblatt transportiert, und zwei Mistkäfer tanzen beschwippst quer durch den Garten. Ein Schmetterling verfängt sich und verendet. Eine Frucht fällt vom Baum. Zwei Würmer krabbeln drauf zu und suchen einen Weg, hineinzugelangen. Zwei Gottesanbeterinnen bekämpfen sich, geraten aus Unvorsichtigkeit ins Netz und eine beschuldigt die andere der Nachlässigkeit. Ein kurzlebiges Insekt wird geboren und stirbt sogleich wieder. Die Spinne macht sich auf die Beine, um ihr grausiges Festmahl zu verzehren. Die beiden Mistkäfer haben jedoch eine der beiden Gottesanbeterinnen befreit, welche der Spinne den Kopf abbeißt. Damit ist das blutige Bankett beendet. Gemeinsam beerdigt man die Eintagsfliege und den Schmetterling. Nacht senkt sich über das Insektendrama und den Garten.




    Cheers,


    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Auf die Schnelle:
    In Alban Bergs Wozzek verordnet der Doktordem armen Wozzek eine Diät aus Schöpsenfleisch ( Schafsfleisch) und grünen Bohnen.
    Orffs Carmina burana wurde zwar schon genannt, aber nicht das Olim lacus colueram in dem ein Schwan, der gerade auf einem Spieß gebraten wird, sein Schicksal beklagt.
    Und dann natürlich Handkäs mit Musik nicht vergessen. :)
    Ein Gruß aus der Küche
    K-B


  • Besonders üppig gespeist wurde natürlich am Hofe Ludwigs XIV. in Versailles. Die festlichen Gelage wurden auf das Prachtvollste untermalt durch die eigens zu diesem Zweck komponierten Suiten des Hofmusikus Michel Richard de Lalande: "Musique pour les Soupers du Roi"


    Dieses Werk nahm sich 1941/42 der Ravel-Schüler (und -Biograf) Manuel Rosenthal zum Vorbild und komponierte seine "Musique de table". Gerade der deutschen Kriegsgefangenschaft entkommen, musste er sich als MItglied der Résistance in Marseille vor der Gestapo und der frz. MIliz verstecken. Er litt offenbar dabei furchtbaren Hunger und komponierte sich ein imaginäres Festmahl. Bei den Satzbezeichnungen läuft einem das Wasser im Munde zusammen:


    I. Entrée des convives, salade russe
    II. Matelote d'anguilles
    III. Quenelles Lyonnaises
    IV. Filet de boeuf
    V. Jardinière de légumes
    VI. Cuissot de chevreuil
    VII. Salade de saison, Fromage de montagne
    VIII. Bombe glacée, Corbeille de fruits, Café, Liqueurs, Cigares, Conversation d'après diner


    Hier kann man das Werk hören: "https://www.youtube.com/watch?v=2vgeZXxU6KY"


    Cheers,


    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Danke, lieber Lavine, für diesen letztgenannten Hinweis! Während Essen in vielen Werken ja eher "am Rande" eine Rolle zu spielen scheint, steht es bei diesem Beispiel offenbar wirklich im Zentrum. Ich werde es in Ruhe studieren. :)


    (Übrigens eine ganz wunderbare Signatur, die du da hast! :D)


    Viele Grüße
    Fanny

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