• Mich hat "Black Tie White Noise" von Bowie gestern in eine Art Nostalgie für das Jahr 1993 versetzt (boah, war ich da noch jung). Daher habe ich spontan entschieden, ein anderes Album aus diesem Jahr zu hören, nämlich Memorial Beach von a-ha.



    Mit den Synthie-gestählten a-ha der 80er Jahre hat das nicht mehr viel zu tun, sondern es ist ziemlich melancholisch daherkommender Pop-Rock, der sich teilweise nicht unbedingt beim ersten Hören erschließt. Warum das Album damals in der öffentlichen Wahrnehmung so schlecht weggekommen ist (nach diesem Flop haben a-ha sieben Jahre lang kein neues Album veröffentlicht), weiß ich nicht.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Jedenfalls das Titelstück gehört zu den paar Sachen die ich von Bowie wirklich sehr mag, mehr noch in der Live-Version. Mit dem Stück "Heroes" hat er eh seinen Sitz im Olymp sicher. Aber sonst gibt es für mich einfach viel zuviel Mittelmaß und Geschmacksverirrungen in diesem Gesamtwerk. Spricht mich nicht an.


    Aber Bach spricht mich auch nicht an, ohne daß ich behaupten würde der Mann hätte nicht komponieren gekonnt - es ist doch meist nur ("nur") eine Herzsache mit der Musik und dem was man mag oder eben nicht, alles andere wäre ja fatal :cincinsekt:

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Aber sonst gibt es für mich einfach viel zuviel Mittelmaß und Geschmacksverirrungen in diesem Gesamtwerk.


    Geschmacksverirrungen? =O Welche sind das Deiner Meinung nach?


    Mir würden spontan nur zwei einfallen: 1) ca. die Hälfte des Albums "Tonight" von 1984, und hierbei insbesondere Bowies Version von "God Only Knows"; 2) seine Version von "Dancing in the Streets" mit Mick Jagger (IIRC von 1985). Beides sind für mich Uff-Momente.


    Es gibt eine recht lange Geschichte, wie es zu dem Desaster namens "Tonight" gekommen ist, aber für "Dancing in the Streets" fällt auch mir als Bowie-Verehrer keine plausible Entschuldigung ein. ^^


    LG :wink:

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  • Für mich fällt vieles unter "Geschmacksverirrungen", aber nicht vergessen: Geschmack ist eine hoch subjektive Sache und was ich so empfinde mögen andre Menschen gerade besonders toll finden, aus ihren eigenen Gründen und mit Recht. Das ist ja wie mit der Liebe.


    Für mich fallen darunter etwa sein hilfloser Versuch an Rockmusik wieder anzuschließen mit seiner Thin Machine Band - vielleicht das unterbelichtetste was ich in diesem Bereich je gehört hab ;) seine Kollaborationen mit Queen (eh was Geschmacksverirrungen angeht die Weltmeister), aber auch Kostümkitsch wie die Ziggy Stardust und die früheren 70er insgesamt (nicht vergessen: ich rede über meine Gefühle und will keine Urteile fällen), und auch sein Todesalbum " Dark Star" ,. dem ich auf YT eine mehrmalige Chance gegeben habe, finde ich eine uninspirierte Nullnummer.


    Eigentlich kann ich nur seiner Berlinzeit was abgewinnen, und auch das nur partiell.


    Aber das liegt nicht an Bowie, das liegt an mir. Dies hier ist eine Inkompetenzerklärung meinerseits, denn wenn man keinen Zugang hat liegts an einem selbst, immer. Er hat halt Musik für ganz andre Menschen als mich gemacht, und denen gefällt er, und das ist gut so.


    Ist ja etwa mit Grateful Dead ganz genau so...



    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Geschmack ist eine hoch subjektive Sache


    Klar.


    Für mich fallen darunter etwa sein hilfloser Versuch an Rockmusik wieder anzuschließen mit seiner Thin Machine Band - vielleicht das unterbelichtetste was ich in diesem Bereich je gehört hab ;) seine Kollaborationen mit Queen (eh was Geschmacksverirrungen angeht die Weltmeister), aber auch Kostümkitsch wie die Ziggy Stardust und die früheren 70er insgesamt (nicht vergessen: ich rede über meine Gefühle und will keine Urteile fällen), und auch sein Todesalbum " Dark Star" ,. dem ich auf YT eine mehrmalige Chance gegeben habe, finde ich eine uninspirierte Nullnummer.


    Hier möchte ich etwas genauer darauf eingehen. Beginnen wir mit ein paar offensichtlichen Dingen: die Band hieß "Tin Machine", und Bowies letztes Album zu Lebzeiten hieß "Blackstar". Außerdem waren die Kollaborationen mit Queen eine, der Plural ist also unangebracht.


    "Tin Machine" war weniger Bowies Versuch, an Rockmusik anzuschließen, sondern eher eine Art musikalische Therapie, nachdem er mit seinen vorangegangenen Veröffentlichungen in den 80ern musikalisch einen Art Sackgasse erreicht hatte. Ich finde das Projekt ziemlich geil (besonders die Gitarrenparts von Reeves Gabrels), aber es gibt sogar eingefleischte Bowie-Fans, die Tin Machine nicht mögen. Bowie selbst hat übrigens darauf bestanden, das als eigenständiges Band- und nicht als Bowie-Projekt zu verstehen.


    "Under Pressure" (sein Song mit Queen) ist m. E. eines der besten Queen-Stücke der frühen 80er (v.a. auch wegen des merklichen Bowie-Einflusses), aber das kann man natürlich so oder so sehen. Auf jeden Fall konnte der Song knapp zehn Jahre später noch für eine sehr erfolgreiche Rap-Nummer samplerisch verwurstet werden.


    Bowies Glam-Rock-Phase muss man m. E. als Zeitphänomen sehen, insbesondere was die Optik betrifft (seine Musik aus dieser Periode hat sich als ziemlich zeitlos erwiesen). Natürlich kann man das aus heutiger Sicht gewschmacklos finden, aber ähnliche Aussagen könnte man über viele Moden vergangener Tage treffen.


    Dies hier ist eine Inkompetenzerklärung meinerseits


    Finde ich nicht, da ich es spannend finde, was andere zu etwas denken, von dem man sich bereits eine Meinung gebildet hat. Mich wundert, dass Du die beiden von mir genannten Geschmacklosigkeiten ausgelassen hast, denn das wären sozusagen die "low hanging fruits" für Dein Argument gewesen. ^^


    LG :wink:

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  • Hi,


    ich höre grad "Tin machine". Was für eine Überraschung - ein richtig rockiges Album mit Bowie. Und Reeves Gabrels ist sehr schön subtil an der Gitarre.

    Helli

  • Es ist zwar nicht mein persönliches Lieblingsalbum von ihm, aber zum 75. Geburtstag des Meisters muss das einfach sein:



    LG :wink:

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  • Hi,


    ich höre grad "Tin machine". Was für eine Überraschung - ein richtig rockiges Album mit Bowie. Und Reeves Gabrels ist sehr schön subtil an der Gitarre.


    Ich frage mich, warum das Tin-Machine-Projekt von vielen Leuten so negativ gesehen wird. Ich finde, dass das richtig guter Garagen-Rock mit höherem Budget und Veredlung durch den Bowie-Touch war. In gewisser Hinsicht waren Bowie et al. (also die Tin Machineler) ihrer Zeit damit sogar voraus, denn nur etwa zwei Jahre nach dem ersten Tin-Machine-Album (also 1991) gab es eine dicke Erfolgswelle von härterer Rockmusik, mit dem Durchbruch von Grunge (Nirvana, Pearl Jam), den beiden "Use Your Illusion"-Alben von Guns N' Roses und dem schwarzen Album von Metallica.


    LG :wink:

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  • Ja, die "Tin Machine"-Alben müsst' ich auch mal wieder hören ... Ich fand sie zwar nicht schlecht, aber so richtig gepackt haben sie mich damals nicht. Vielleicht ändert sich das ja mal ...

    Don' t feed the troll!



  • Ich höre das (Tin Machine) gerade und frage mich nach jedem Titel, ob ich nicht lieber umswitchen soll. Ich glaube, mein erster Versuch damit vor Jaaahren endete auch so.

    warum das Tin-Machine-Projekt von vielen Leuten so negativ gesehen wird

    Gerade darum:

    richtig guter

    Garagen-Rock

    Ja, was denn nun?


    OK, mit

    Nirvana, [...] Guns N' Roses und [...] Metallica

    kann ich auch nichts anfangen. Bei Pearl Jam sieht's etwas anders aus.


    Zuvor übrigens The Man Who Sold the World. War mir vorher gar nicht so aufgefallen, wie eklektisch das ist. Oft hört man die Wishbone-Ash-Gitarren, dann wieder eine Cream Revival Band, dann Jethro-Tull-Anklänge und noch was eindeutiges, wo ich aber gerade nicht drauf komme. Nur den Titelsong empfinde ich als "echt Bowie"; ist auch der weitaus beste Song des Albums (das mit aber auch insgesamt ganz gut gefällt).


    Und jetzt versuch ich's noch (erstmalig) mit Bowie der 90er (Black Tie White Nose).

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Weiter geht es mit dem Geburtstags-Hören:



    "Baby, I've been, breaking glass in your room again

    Listen

    Don't look at the carpet, I drew something awful on it

    See

    You're such a wonderful person

    But you got problems

    [...]"


    Groß!


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Machst Du jetzt aufgrund von Fanverblendetheit auf Pippi Langstrumpf? Hör Dir das verlinkte Tin Machine-Album (das als solches tatsächlich gar nicht schlecht ist) doch nochmal an und dann erklär nochmal, inwiefern es Nirvana, Pearl Jam oder auch nur das dämliche Black Album von Metallica “vorwegnimmt”. Also bitte. Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf und Bowie im abgesicherten Art-Popmusikmodus. “Härtere Rockmusik”. Tin Machine? Naja.


    Ich habe gerade Black Star gehört. Das ist wirklich gute Musik. :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:


    Aber das jetzt laufende jüngste NMA-Album (From Here) ist dagegen ein echter Kracher. Ist naklar alles Geschmackssache …


    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ich frage mich, warum das Tin-Machine-Projekt von vielen Leuten so negativ gesehen wird. Ich finde, dass das richtig guter Garagen-Rock mit höherem Budget und Veredlung durch den Bowie-Touch war. In gewisser Hinsicht waren Bowie et al. (also die Tin Machineler) ihrer Zeit damit sogar voraus, denn nur etwa zwei Jahre nach dem ersten Tin-Machine-Album (also 1991) gab es eine dicke Erfolgswelle von härterer Rockmusik, mit dem Durchbruch von Grunge (Nirvana, Pearl Jam), den beiden "Use Your Illusion"-Alben von Guns N' Roses und dem schwarzen Album von Metallica.

    Machst Du jetzt aufgrund von Fanverblendetheit auf Pippi Langstrumpf? Hör Dir das verlinkte Tin Machine-Album (das als solches tatsächlich gar nicht schlecht ist) doch nochmal an und dann erklär nochmal, inwiefern es Nirvana, Pearl Jam oder auch nur das dämliche Black Album von Metallica “vorwegnimmt”. Also bitte. Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf und Bowie im abgesicherten Art-Popmusikmodus.


    Wo habe ich "vorwegnimmt" geschrieben? Ich habe geschrieben: "In gewisser Hinsicht waren Bowie et al. (also die Tin Machineler) ihrer Zeit damit sogar voraus".


    Machst Du jetzt aufgrund von Irgendwas auf Wutbürger? ^^ Oder ist Dir der Unterschied nicht klar? ;)


    Ich habe aber ein paar echte Pippi Langstrümpfe für Dich. Aus der englischsprachigen Wikipedia:


    Zitat

    One critic suggested that part of the reason for its poor reception was that Tin Machine's music was somewhat ahead of its time, and that the band "explored alternative and grunge before the styles were even widely known to exist."[37] Another critic agreed,[38] with yet another suggesting that Tin Machine and Bowie were "merely ahead of the curve. A prophet, a voice in the desert predicting the coming of Nirvana. At the time, Nirvana was toiling in Seattle obscurity, pushing its debut Bleach on Sub Pop at every dive it played."[39] Tim Palmer, after producing Tin Machine's two studio albums, would go on to mix Pearl Jam's grunge album Ten in 1991,[40] and later recalled to Gabrels that he had come into the studio one day to find Pearl Jam listening to Tin Machine's "Heaven's in Here".[14]


    Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Tin_Machine


    LG :wink:

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    2 Mal editiert, zuletzt von Symbol ()

  • Black Tie White Nose fing gar nicht mal schlecht an. Aber bei I Feel Free hab' ich abgeschaltet. Unerträglicher Sch*** wäre noch ein Euphemismus. Kann man an einem Stück noch weiter vorbei covern?


    Das



    hat es wieder in Ordnung gebracht.


    Und jetzt läuft sein (für mich) weitaus bestes Album:



    Das ist die erweiterte (zweite) CD-Fassung, da muss ich "Be My Wife" und den "Alabama Song" skippen. Der Rest ist erste Sahne!

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Wo habe ich "vorwegnimmt" geschrieben? Ich habe geschrieben: "In gewisser Hinsicht waren Bowie et al. (also die Tin Machineler) ihrer Zeit damit sogar voraus".

    Ja klar, “waren ihrer Zeit voraus” ist naklar was gaaaaanz anderes als “vorwegnehmen”. Der Interpretationsspielraum ist richtig eng. Lassen wir das also besser. Ich finde “Tin Machine” gar nicht schlecht. Ist so wie Boas “Voodoocult” als brutales Acting Out (bei Bowie naklar weniger brutal) mit Erneuerungseffekt für den je künstlerischen Werdegang wichtig gewesen. Bowie hat danach wieder ein paar richtig gute Platten machen können. Also: das Projekt hat seine Schuldigkeit getan. Und gut war’s.


    Adieu

    Algabal

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    Einmal editiert, zuletzt von Algabal ()

  • Also bei Metallica kenne ich mich aus (zumindest bis Mitte 90er) und das schwarze Album war wegen zweier Rockballaden im Schmusestil allgemein erfolgreich, nicht wegen der harten Nummern. Im Heavy Metal Bereich war Metallica natürlich schon vorher ein dicker Fisch. Im vorhergehenden Justice for Album gibt es auch schon eine Ballade, "One", aber mit hartem zweitem Teil - deshalb für die meisten unverdaulich.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

    Einmal editiert, zuletzt von Felix Meritis ()

  • Quasimodo :

    Oh, den "Alabama Song" mag ich sehr. Der gute alte Kurt Weill ... Die späteren Live-Versionen (z. B. 2002) sind, wie ich finde, klasse. Bowie hatte sichtlich Spaß an diesem Song.

    Ich habe gerade Black Star gehört. Das ist wirklich gute Musik. :verbeugung1: :verbeugung1:

    Hab' ich vorhin noch im Auto gehört. :verbeugung1: Ja, für mich ein Gänsehaut-Album ...

    Don' t feed the troll!



  • Ich habe aber ein paar echte Pippi Langstrümpfe für Dich.

    Jaja, Historiker:innen (und die Schreiber:innen bei Wiki versuchen ja solche zu sein) bauen schonmal merkwürdige goldene Brücken, wenns denn dem gewünschen Narrativ zupasskommt. Da kenne ich mich ganz gut aus. :)


    Adieu

    Algabal

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