Einmal richtig leben - Die Meisterwerke des Akira Kurosawa

  • Zitat
    Zitat von Garcia Bei Kagemusha - ein stark stilisiertes Werk auch hier - bringt die Personenzeichnung vor allem des "Schattens" (der ja auch ein Heiliger Narr ist) eine andere Leichtigkeit hinein.

    Interessanter Punkt, der 'Heilige Narr' und die Leichtigkeit. Da werde ich beim nächsten Sehen mal verstärkt drauf achten.

    Zitat
    77-c9626960ea2096e8cb3c0581b89e888a6afd10d2.webp Zitat von Garcia bloß nicht vergleichen, das führt zu wenig: es sind zwei Meisterwerke.

    Das ist wohl wahr. :)

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Es muss bald 50 Jahre her sein, dass ich ihn einmal im deutschen Fernsehen gesehen habe und danach bis heute nie wieder. Ich erinnere mich noch, dass ich damals, als Jugendlicher, schwerst begeistert war. Und ich fürchte, diese Begeisterung ist heute noch um ein Vieles größer. Ein Film, der mich von der ersten Einstellung an quasi mit offenem Mund dasitzen ließ.

    Ein Film über die Unmöglichkeit eine Wahrheit zu erkennen, über den Verlust von Gewissheiten, über eine scheinbare Endzeit, über das Leben, das Hölle ist, über den Menschen und die Menschlichkeit, aber auch ein Film über Film, über die vermeintliche Objektivität der Kamera, über den Schein und die Realität, die wiederum auch nur ein Schein ist.

    Wo soll man anfangen, 'Rashomon' zu preisen? Beim Inhalt? Bei der Dramaturgie? Bei den Bildkompositionen und Einstellungen, die man immer wieder anhalten möchte, um sie ganz in sich aufsaugen zu können? Bei den grandiosen schauspielerischen Leistungen? Bei der fulminanten Kamera, beim Schnitt, bei der Musik? - Bei allem!

    Sehen muss man ihn und gerade in einer Zeit der so selbstsicher geäußerten Wahrheiten immer und immer wieder!!!

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Heute habe ich meine Kurosawa-Box geöffnet und heraus sprang dieser hier:

    (Japan 1948)

    Der Film, der Mifune in Japan zum Star machte, den Beginn einer langen Zusammenarbeit mit dem Regisseur markierend. Aber natürlich nicht nur deswegen ist der Film mehr als bemerkenswert.

    Kurosawa greift hier die alte Stummfilmtradition der japanischen Gangsterfilme wieder auf, gibt ihm aber eine ganz andere inhaltliche Ausrichtung. Die Geschichte zweier Kranker, des alkoholabhängigen Arztes und des TBC-kranken Kriminellen, zweier in Hassliebe Verbundener, auch von einander Abhängiger, weil sich gegenseitig bedingend, ergänzend, auch spiegelnd.

    Das alles wird poetisch, realistisch, surrealistisch, expressionistisch erzählt, sehr von westlicher Filmtradition geprägt (Poetischer Realismus, Neorealismus, Film Noir, deutscher Stummfilm, aber auch Referenzen an Welles' 'The Lady from Shanghai') und ist gleichzeitig durch und durch japanisch. Die US-Besatzung mit ihren Auswirkungen lastet auf allem, wenn auch nie erwähnt. Japan hat sich verändert, ist wie der Teich in diesem Slum-Gebiet, der alles vergiftet, sozusagen umgekippt. Die (japanische) Welt ist aus den Fugen, in der 'unten' regiert das Verbrechen und in der 'oben' fahren die Luxuskarossen, flanieren die Damen.

    Einzig der Arzt, verbiestert, wütend, sarkastisch wie er (geworden) ist, zeigt noch menschliche Züge und - erstaunlicherweise - der Kriminelle im Angesichts seines Todes. Die Maske fällt bei ihm, die selbst in dieser atavistischen Welt alles beherrscht. Und dann ist da noch die Kellnerin, die die Beerdigung bezahlt, die heraus möchte, die helfen wollte. 'Wenn wir doch nur mehr geredet hätten.'

    Ich habe diesen 'kleinen' (im Vergleich zu seinen weltweiten Erfolgen) Film geschaut, mit offenem Mund sozusagen und fragte mich: Wie hat er das gemacht? Was braucht es mehr? Geht es besser?

    Natürlich geht es immer besser, mindestens gleichwertig, jedenfalls auch anders oder wie auch immer. Aber beim Ansehen interessierte mich das nicht mehr. Das ist ein Film, der mich bis zum Schluss in seinen Bann zog, der für mich plötzlich zu einem Universum wurde, der im Moment des Schauens die Erinnerung an andere große Filme verblassen ließ. Ich weiß nicht, ob das eine Kategorie ist, sicherlich nicht, aber für mich irgendwie doch. Mein erster Nicht-Samurai-Kurosawa und es war ein Erlebnis!

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • So weit erst einmal mit dem Herüberkopieren aus dem anderen Thread. Ich hoffe, Garcia und wes.walldorff sind damit einverstanden.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Lieber Wolfram,

    Ich hoffe, Garcia und wes.walldorff sind damit einverstanden.

    Einverstanden?! Dankbar trifft es besser!

    Vielen lieben Dank für deine Mühe, auch mir war nicht bewußt daß ein Kurosawa-Thread schon existierte. Schön daß du ihn aus der Versenkung gehoben und auf Hochglanz poliert hast. Damit werden wir viel Freude haben!


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Wein auf Bier, das rat' ich dir. Dann stoß ich also gleich nochmal an. ;)

    :cincinsekt:

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • (Japan 1949)

    Einem jungen Kriminalbeamten wird seine Dienstwaffe gestohlen und zusammen mit einem älteren Kollegen macht er sich auf die Suche danach.

    Ein Gangsterfilm, eine Geschichte von Meister und Schüler, eine über Japan im Schatten des Krieges, über Verwahrlosung, Wunden, Hilflosigkeit - und über Hitze.

    Ein Film, über den ich eigentlich nicht urteilen möchte, denn ich bin nicht in ihn reingekommen. Phasenweise erschien er mir zu lang, zu verworren, aber genau weiß ich nicht, was genau mich relativ unbeteiligt ließ. Ich bin mir aber sicher, dass das eher an mir liegt und weniger an dem Film. Von daher werde ich nach geraumer Zeit noch einmal einen Versuch starten. Mal schauen, was er dann in mir auslöst.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Kurosawa war ja auch nicht zufrieden damit, andererseits hat er unglaublich gute Momente, filmisch wie inhaltlich.

    Aber es beruhigt mich schon mal, dass ich mit dem Eindruck nicht alleine bin.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Das Sujet ist uns inzwischen viel zu entfern. Außerdem muss man die Sprache können, um einigermaßen hineinzukommen. Auch dann ... nein. Frühes ist da, um zu lernen.

  • Das Sujet ist uns inzwischen viel zu entfern.

    Das ist wirklich ein Punkt. Bei der Verzweiflung ob der gestohlenen Pistole spielt sicherlich ganz viel japanischer Ehrbegriff mit hinein, was uns einfach fremd ist.

    Ich habe den Film im Original (von dem ich nichts verstehe) mit englischen Untertitel gesehen, hatte aber häufiger den Eindruck, dass die nicht so richtig passten, wohl auch verkürzt waren. Halt nur eine Ahnung, aber auch das ist natürlich ein Hinderungsgrund.

    Andererseits - welch eine filmisch tolle Verfolgungsjagd am Beginn des Films (nur leider zu lang), welch eine filmisch witzig-tolle Verfolgungsjagd der Dame später (wenn auch wiederum leider zu lang), welch tolle Dreierkonstellationen in den Einstellungen, welch ein tolles Verhältnis zwischen 'Meister' und 'Schüler' und so weiter. Es gibt ganz viele Details, die sich lohnen. Aber leider insgesamt...

    (Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. ;) )

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Der Meister zeigt sich immer früh im Detail. Die Sprache ist hier wirklich ein großes Hindernis. Ich weiß aber auch, dass das Verständnis hierfür auch schon im heutigen Japan fehlt. Dann doch lieber Shogun aus Sicht der Amerikaner...

  • Dann doch lieber Shogun aus Sicht der Amerikaner...

    Na, da gibt es zum Glück noch ein paar andere japanische Filme, die ich vorher sehen will. Grins1

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Meine Empfehlung für 'vorher' ist Nagisa Ōshima.

    'Im Reich der Sinne'? Da bin ich schon damals nicht ins Kino gegangen, weil Messer und Schneiden (geht noch nicht einmal um's Abschneiden) nicht so mein Ding sind. Aber andere von ihm müsste ich mir wirklich mal anschauen.

    Oh, es ist ein weites Feld das japanische Kino. Und all die anderen auch, die mir noch fehlen. Ich befürchte, das wird teuer. ^^

    :wink:Wolfram

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    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Mit Gohatto wurde Nagisa Ōshima sanft ;) . Nun ja, man kann auch nicht alles kaufen. Vor allem geht es bei Japan wirklich ins Geld. Durbridge ist natürlich wesentlich billiger.

  • Bestimmt. Durch Deine Intention schaut ich mir 'Die Kette' nach unendlichen Zeiten wieder an. Und ich ich wusste wieder, was mich an dem Film schon als Kind befremdlich stimmte - die Filmmusik: Die Kättä, sieht du sie, hörst du sie ... OmG.

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