dig. real. Erstaufnahme von Robert Kahn: Heldengesang "An Alvensleben" - wie schön kann/darf ein historischer Irrtum sein?

  • dig. real. Erstaufnahme von Robert Kahn: Heldengesang "An Alvensleben" - wie schön kann/darf ein historischer Irrtum sein?

    Servus Capricetti,
    Ich habe ein im Vorfeld des ersten Weltkrieges entstandenes Manuskript von Robert Kahn eines Heldengesanges "An Alvensleben" nach Wildenbruch realisiert. (Alvensleben hat um 1870 in der Schlacht bei Mars la Tour wohl ziemlich Schlachtentscheiden mit herum berserkert (eine dieser Schlachten an denen an einem Tag eine satte 5stellige Zahl an jungen Männern "auf dem Feld blieben"!)


    Ich denke ich gehe nicht zu weit, wenn ich vermute, dass auch die leiseste Duftnote von euphorischem Militarismus dem bei weiten größeren Teil unserer Zeitgenossen doch eher mehr als weniger stinkt,
    zumal wo es in das Vorfeld des voll überflüssigen "WW 1" gehört.


    Nehme ich aber mal an, dass vor 1914 unsere Vorfahren trotz ziemlich weit verbreiteter gnadenloser Obrigkeitshörigkeit und 1870 gedopte Militärüberschätzung Menschen waren wie wir, auch wo sie falsch lagen, kann es dann sein, dass sie auch dann noch etwas schönes hinkriegen wenn es einen Militäreuphorischen Rückenwind hat, der uns leicht mal die Haare zu Berge stehen lassen kann?


    However: Es scheint als wenn die Emphase des Brahmsschützlinges für militärische Ehrgefühle auch in seiner Zeit offenbar selbst irgendwie nicht so ganz das war, was die 1914 Jubelmassen an Tschingderassebumm Getöse gesucht haben. Vielmehr habe ich den Eindruck, als wenn der Ernst, der große fast symphonische Atem mäglicherweise auch seinerzeit schon genauso unpassend gewesen sein mag, wie mir ein Schumann, Brahms oder Joseph Joachim mit Pickelhaube erscheinen würde.


    Wie gesagt, das Stück ist - soweit ich das hören kann - eigentlich eigentlich ganz schön geabeitet. Es gehört aber mit drei nur als Klaviermanuskripte erhaltenen Militärmärschen trotzdem zu den wenigen Werken Kahns aus dem Kaiserreich, die nicht gedruckt worden waren.


    Meine Theorie: Wenn ein versierter Brahmsianer ernsthaft Musik macht, ist das auch dann noch kein Military-Platitüde, wenn der vermutlich seinerzeit immer weiter um sich greifende Hurra-Patriotismus kaum noch irgend etwas anderes übrig lässt als Drill und Gardeuniformen zu feiern.


    Höre sich - wen das Stück interessiert - einfach einmal an was Kahn da komponiert hat. Ich bin gespannt was Ihr davon haltet.


    ihr findet es hier:


    "http://klassik.s-fahl.de/alvensleben"


    grruß
    fahl5

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