Verherrlichung des Bösen in der Literatur: Wie geht Ihr damit um?

  • Gleiches gilt aber auch für einen (überwiegenden?) Teil der gesamten Weltliteratur

    Ich denke es ist genau umgekehrt, das "Gute" setzt eine gewisse Intelligenz voraus, sich der Aggression einigermaßen zu entziehen und nicht jedem Trieb nachgeben zu "müssen"
    Konrad Lorenz nannte die Aggression das sogenannte Böse und die steckt in jedem Lebewesen, mehr oder weniger, der Unterschied zwischen Mensch und Tier, in gewissen Formen sogar den Pflanzen, besteht eben nur darin das Menschen (zumindest theoretisch) ihre Aggression "beherrschen" können---wie gesagt, theoretisch!


    Der Mensch ist irgendwie das böseste Tier von allen- denn er müsste es besser wissen


    Da steckt mir ehrlich gesagt zu viel Aufklärung drin. Der Mensch als Vernunftwesen? So rein verhaltensbiologisch hat er im Mittel weniger Verstand, als er gerne hätte!


    Die Frage nach Gut und Böse besteht im Prinzip aus zwei Fragen:
    1. Was will ich erreichen? Und
    2. Ist es zu dieser Zielerreichung besser zu kooperieren oder mich egoistisch über über andere hinwegzusetzen, wobei deren Schädigung billigend in Kauf genommen wird oder gar als Mittel zum Zweck dient?


    Das läßt sich in alle Richtungen ohne Verlust an Gültigkeit verallgemeinern. Dazu brauchen wir noch eine Definition von "Böse": Zielerreichung unter Schädigung anderer. "Gut" ist nur das Antonym dazu, wobei es dazwischen eine graduelle Abstufung gibt, was es ja nicht unbedingt einfacher macht. Auch die Antwort auf die Frage nach der Schädigung ist unscharf und kann je nach Sichtweise unterschiedlich ausfallen. Wenn man früher Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat, dann ist das nach heutiger Sicht "böse". Klarer Verstoß gegen die Menschenrechte. Die Täter sahen das damals anders: Sie retteten dadurch andere, die sonst seelisch zu Schaden (!!!) gekommen wären, und wenn jemand ohnehin eine Ewigkeit in der Hölle braten muß, dann macht es nichts aus, wenn der ein paar Jahre früher dorthin kommt und die Zeit auf dem Scheiterhaufen fällt dann gar nicht mehr ins Gewicht. Wenn die Opfer dann einer anderen Kultur entstammten (z.B. bei der gewaltsamen Christianisierung der mittelamerikanischen Indianer) dann gibt es für die selbe Tat zwei komplett konträre Sichtweisen: "Gut" aus der Sicht der Missionare, "Böse" aus der Sicht der Indianer.


    Es ist also nicht alles so eindeutig schwarz-weiß, sondern oft eine Frage der eigenen Position.


    Warum sollte jemand kooperieren, der die Macht hat, andere zu schädigen (unabhängig von einer subjektiv möglicherweise abweichenden Sichtweise) und keinerlei negativen Sanktionen für sein Handeln fürchten muß und nicht anderweitig auf die Unterstützung des "Opfers" angewiesen ist? Tiere tun das nicht (das wäre die natürliche Variante) und beim Menschen wird so ein Handeln auch nur durch eine moralische (das ist kulturbedingt) Selbstkontrolle in Schach gehalten. Bei den einen funktioniert das und bei anderen nicht, und letzteres scheint der Normalfall zu sein, wenn eine übergeordnete Kontrollinstanz wegfällt oder diese sogar ein entsprechendes Verhalten belohnt. Kollektiver Völkermord wäre anders nicht zu erklären. Die Geschichtsbücher quellen von entsprechenden Negativ-Beispielen über. Das ist der Unterschied zwischen Gut und Böse.


    Interessante Gedanken, aber ist Aggression denn wirklich ausschließlich "böse"? Manchmal ist Angriff die beste Verteidigung.
    Und auch das so genannte Gute ist ein Trieb. Eigentlich wollen die meisten Menschen doch Liebe und Frieden. Und - um es auf die Spitze zu treiben: bitte schön nicht unangenehm auffallen. Jedenfalls in "zivilisierten" Gesellschafften.


    Wenn der Bezug zwischen Aggression und "böse" eineindeutig wäre, dann würden Gretel, Schneewittchens Prinz und der einschlägige Drachentöter nicht zu den "Guten" zählen...
    Das "Gute" ist nur insofern ein Trieb, als es uns nutzt. Siehe oben Pkt.2.: ist es besser zu kooperieren? Für Hordenwesen wie die Gattung Homo eine u.U. überlebenswichtige Frage - innerhalb der eigenen Horde. Die andere Horde ist Futterkonkurrent. Wenn ich mir die Tagesschau ansehe, hat sich daran bis heute wenig geändert.

    viele Grüße


    Bustopher



    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Ich sehe das in beinahe allen Punkten genauso wie Du, lieber Bustopher.
    Bleibt die Frage : wie gehen wir denn nun mit dem "Bösen" in der Literatur um?
    Da wirds menschlich interessant

  • Ach, KALEVALA, in 100000 Jahren sind wir höchstwahrscheinlich ausgestorben. Wahrscheinlich schon früher. Das Modell "Mensch" wird sich nicht langfristig bewähren. Das wahrhaft BÖSE an der ganzen Misere ist doch, dass Homo Sapiens von seiner Anlage her keinen Sinn in nachhaltigem Denken und Handeln sieht.



    :(
    vor diesem Hintergrund ist die Verherrlichung des Bösen in der Literatur eigentlich nur eine neckische Gedankenspielerei.

  • Lieber bustopher,
    im großen und ganzen muss ich Deinen Ausführungen (leider ) beipflichten, jedoch gibt es in allen Zeiten Menschen die sich gegen das "Böse" gestellt haben,
    erinnert sei z.B. an Friedrich Spee, welcher sich in den Zeiten des Hexenwahns mit seiner Cautio criminalis gegen Folter und Hexenglauben wandte,
    oder Georg Elser, Die Weiße Rose,.....
    oder Menschen die sich selbstlos vor Bedrohte stellen, Lebensmüde sind die meisten von denen wohl nicht und als "Lohn" droht eher Gefahr für das eigene Leben und auch das Paradies scheint als Option nicht im Vordergrund zu stehen....
    Das "Gute" hat einen schweren Stand---aber es ist da.

    Ach, KALEVALA, in 100000 Jahren sind wir höchstwahrscheinlich ausgestorben. Wahrscheinlich schon früher. Das Modell "Mensch" wird sich nicht langfristig bewähren. Das wahrhaft BÖSE an der ganzen Misere ist doch, dass Homo Sapiens von seiner Anlage her keinen Sinn in nachhaltigem Denken und Handeln sieht.

    Liebe Dezibella,
    leider werden wir nicht alleine aussterben, und da gebe ich mich mal als Hausprophet, wir reißen gleich noch eine Menge Arten mit in den Abgrund.
    Ich glaube im übrigen nicht an das oft zitierte "Der Mensch ist die Krone der Schöpfung"( das wäre doch etwas erbärmlich), eher so ein Zwischenglied zwischen Einzeller und -----das wüsste ich gern!?!
    Ich vertraue da ganz auf die gute alte Evolution!



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Zitat

    Der aufgeklärte Franzose ist daher immer auch Libertin.

    Solche Verallgemeinerungen liebe ich! (und gleich möchte ich fragen: was ist denn die aufgeklärte Französin?).
    Das Libertinage als Reaktion gegen die Autorität ist im Frankreich des 17ten Jht entstanden. Paradebeispiel war Molières Dom Juan, der auch den Sinneswandel eingeläutet hat. Denn der Libertin vom 17ten Jahrhundert war nicht in erster Linie erotisch fixiert. Dies hat sich, in der Nachfolge Dom Juans, im folgenden Jahrhundert nach und nach kristallisiert. Und das Libertinage, wie es heute verstanden wird, hat viel mehr mit Marivaux und besonders Crébillon als mit Voltaire, Diderot oder Rousseau, den eigentlichen Vertretern der Aufklärung zu tun.
    Der Libertin des 18ten Jhts war ein salonfähiger Abklatsch der Aufklärung. Das Libertinage hatte schon längst Eintritt in die Kreise des Adels gefunden, als die Revolution losbrach. Dies konnte den Graf von Artois, den Bruder Ludwigs des XVIten und künftigen Restauration-König Karl den Xten dazu verleiten, in Beaumarchais Figaros Hochzeit "du foutre, du foutre, rien que du foutre" (Bumsen, Bumsen, nichts als Bumsen) zu sehen. Restif de la Bretonne ist irgendwie die Schnittmenge zwischen Libertinage und Aufklärung.


    In diesem Sinne war (damals, vielen Dank an Magus dafür, daß er mich aufgeklärt hat, wie es auf immer und ewig ist) nicht unbedingt der aufgeklärte Franzose immer Libertin sondern der Libertin konnte auch eine spanische Wand sein (spanische Wände sind ein unabkömmliches Accessoire des Libertinage), hinter sich aufklärerische Tendenzen verbergen konnten.


    Wozu es gebracht hat, kann man in Mussets Komödien sehen, die mit leichtem libertinischen Touch Seelenabgründe aufreißen können.
    Zwischen Marivaux und Musset hat's, scheinbar unbemerkt aber doch unverkennbar, eine Revolution gegeben

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Die Frage nach Gut und Böse besteht im Prinzip aus zwei Fragen:
    1. Was will ich erreichen? Und
    2. Ist es zu dieser Zielerreichung besser zu kooperieren oder mich egoistisch über über andere hinwegzusetzen, wobei deren Schädigung billigend in Kauf genommen wird oder gar als Mittel zum Zweck dient?

    Kann man so sehen. Aber was ist mit dem "Bösen" als Selbstzweck? Etwa im Sinne der Hexen in Purcells "Dido & Aeneas":
    "Harm's our delight and mischief all our skill."


    Grüße


    Magus


    Philbert
    Der Mensch liebt nun mal Verallgemeinerungen (die Menschin im übrigen auch).



    "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972

  • Wenn man nun das Böse versucht zu definieren, kommt man mE eher vom Thema weg, denn es geht ja darum, wie man mit der Bejahung des Bösen umgeht, wenn man sie lesen muss, nicht darum, in welchen Gesellschaften was als böse empfunden wurde, oder warum es das Böse gibt.


    Offenbar wird von manchen die Bejahung des Bösen als angenehme Befreiung wahrgenommen vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Drucks, bestimmte Dinge zu verurteilen. Das ist so ähnlich wie die jugendliche Protestbewegung in Form von Neonazi-Gebaren: Der maximale Tabubruch und die Bejahung des inzwischen als personifiziertes Böses dargestellten Nazi-Tums. Der andere Vertreter Satans in unserer heutiger Gesellschaft wäre der Pädophile, ihn in der Auslebung seiner Wünsche zu bejahen wäre die zweite Möglichkeit, heute Tabubruch zu begehen und das Böse zu verherrlichen. Passenderweise hat Algabal auch lediglich ein nationalsozialistisches Erzeugnis als "übelkeitserregend" eingestuft, alle anderen Bosheiten sind sozusagen "zu schwach".


    Wie weit wollen wir gehen in unserer Abstumpfung - oder andersherum wie weit wollen wir gehen in der Sensibilisierung? Oder geht es uns nur um die Schönheit in der Kunst, und was da verherrlicht wird, ist egal?


    Für mich durchaus offene Fragen.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Offenbar wird von manchen die Bejahung des Bösen als angenehme Befreiung wahrgenommen vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Drucks, bestimmte Dinge zu verurteilen. Das ist so ähnlich wie die jugendliche Protestbewegung in Form von Neonazi-Gebaren: Der maximale Tabubruch und die Bejahung des inzwischen als personifiziertes Böses dargestellten Nazi-Tums. Der andere Vertreter Satans in unserer heutiger Gesellschaft wäre der Pädophile, ihn in der Auslebung seiner Wünsche zu bejahen wäre die zweite Möglichkeit, heute Tabubruch zu begehen und das Böse zu verherrlichen.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dich richtig verstehe. Dennoch: Die dargestellte Ähnlichkeit ist für meine Begriffe überhaupt keine. Ich ziehe zwischen fiktionaler Darstellung und Realität einen äußerst scharfen Trennungsstrich.
    Zudem stellt sich mir hier weiterhin die Frage, ab wann du und andere von "Verherrlichung" oder auch nur "Bejahung des Bösen" sprecht.

    ...schreibt Christoph :wink:

  • Ich ziehe zwischen fiktionaler Darstellung und Realität einen äußerst scharfen Trennungsstrich.
    Zudem stellt sich mir hier weiterhin die Frage, ab wann du und andere von "Verherrlichung" oder auch nur "Bejahung des Bösen" sprecht.

    Meistens wird durch eine Fiktion doch eine weltanschauliche oder moralische durchaus reale Botschaft transportiert.


    Bejahung des Bösen ist mE deutlich im Maldoror zu finden (siehe Eröffnungsbeitrag). Da wird u.a. das Quälen eines Menschen mit bleibenden gesundheitlichen Schäden für den Menschen als Lustgewinn beschrieben und bejaht. Das Ganze durch den Titel auch als explizites Bejahen des Bösen ("Vergolden").

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  • Meiner Ansicht nach sind in der Literatur doch oft die Situationen interessant, in denen jemand einen echten Konflikt ausstehen muss, z.B. einen moralischen zwischen persönlicher Loyalität und Befolgen eines Gesetzes. Und interessante Charaktere sind oft ambivalent. Ein eiskalter Macchiavellist, der ohne Zögern über Leichen geht und überhaupt keine Skrupel oder nicht einmal persönlich-emotionale Bindungen hat, mag als Extremgestalt mal ganz faszinierend sein, aber m.E. eher selten.


    Die Angst vor Entdeckung und die Gewissensqualen Raskolnikovs mitzuerleben, führt kaum zu einer "Verherrlichung des Bösen".


    Tom Ripley ist ein interessanter Fall. M.E. ist zumindest der erste Roman (die anderen habe ich größtenteils auch gelesen, aber nicht mehr so präsent), eine Art "mörderischer Schelmenroman". Den Schelm alten Stils wie Simplicissimus schätzen wir, weil er den Autoritäten eins auswischt, immer irgendwie durchkommt, dabei zwar nicht zimperlich in den Mitteln ist, letztlich aber meistens sympathischer (und oft auch moralischer im traditionellen Sinne) als seine Gegner.
    Highsmith schafft es Ripley so darzustellen, dass er erstmal sympathisch ist. Ich habe die Details nicht mehr so genau in Erinnerung, aber als Leser hat man zunächst den Eindruck, Ripley sei da, beinahe gegen seinen Willen, in etwas "reingerutscht", und es ist gut nachvollziehbar, dass er so glimpflich wie möglich herauskommen will. Dabei geht er freilich zunehmend über Leichen und besonders in den nachfolgenden Büchern zeigt er sich als ziemlicher Soziopath. Zwar fiebert man auch dort immer wieder mit, wie er nun aus der brenzlichen Situation herauskommen wird, aber die Sympathie ist meiner Erinnerung deutlich weniger als im ersten Band. Dazu kommt freilich auch durchweg, dass die Gegner oder Opfer Ripleys meistens ziemliche Unsympathen sind.


    Die Kunst eines Autors, einen moralisch oder überhaupt fragwürdigen Charakter nachvollziehbar oder gar sympathisch zu machen, führt ohne Zweifel oft zu faszinierenden Leseerlebnissen (spontan fällt mir hier z.B. noch Humbert Humbert ein). Aber Brutalität, Ekel und Tabubruch per se stoßen mich häufig ab oder langweilen mich letztlich (wie bei dem Mitte/Ende der 1990er so populären Irvine Welsh, vielleicht ist der aber einfach auch kein ausreichend guter Schriftsteller und hat außer widerwärtiger Milieuschilderung nicht genug zu bieten).
    Bzw. überwiegt, selbst bei einer reinen (von der Verherrlichung weit entfernten) Schilderung abstoßender Vorgänge bei mir irgendwann die Abstoßung das ästhetische Erlebnis. Wie etwa bei den für mich schwer erträglichen Filmen (die Buchvorlagen kenne ich nicht) "Letzte Ausfahrt Brooklyn" oder "Die Klavierspielerin".

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Das Thema wird inzwischen so komplex, dass es schwierig ist, einen Ansatzpunkt zu wählen um mitzudiskutieren. Zuerstmal fand ich Kalevalas erste Anmerkung zu de Sade als Sexualaufklârer, der Türen geöffnet habe und den prüden Zeitgenossen gezeigt habe, was man so Alles machen könne um mehr Spass zu haben, fast rührend. Zum einen war das in Frankreich, zumindest in de Sades adeligen Kreisen, eher ûberflûssig, zum Anderen gibt es wohl kaum ein Werk dass so wenig erotisch variabel ist wie Juliette oder Justine. Es gibt wohl Wenige, die diese endlosen Wiederholungen des immergleichen analbrutalen Themas nicht sehr schnell langweilig finden. Wer wirklich erotische Literatur sucht, findet viel raffinierte, subtilere und "schönere" Werke bei de Sades Zeitgenossen.
    Aber wie oben gesagt wurde, um Sexualität oder gar Erotik geht es bei de Sade überhaupt nicht, es geht um Destruktion der Strukturen, es geht um unbändigen Hass auf die Macht und um geistige Guillotine. (Wobei die Guillotine dagegen sehr human ist) Und es geht wahrscheinlich auch um einen Psychopathen.


    Was die Ausführunbgen von Bustopher und Dezibella angeht, habt ihr sicher Recht mit euren sehr pessimistischen Prognosen, wenn man sich als Beobachter in die Welt stellt und das aufnimmt, was die Medien verbreiten, kommt man zu diesem Schluss.
    Der Mensch hat aber bei aller erschlagenden darwinistischen und macchiavellistischen Übermacht auch einen Funken in sich, mehr oder minder bewusst, mehr oder minder entwickelt, der in eine ganz andere Richtung weist. Man kann das nennen wie man will, in diesem Thread vielleicht am Passendesten "das altruistisch Gute". Eine Aspiration zum Guten und Schönen, die nichts mit dem eigenen Vorteil zu tun hat. Auch nciht damit, wie Zyniker jetzt einwenden können, durch sein Verhalten in ein wie auch immer geartetes Paradies zu kommen. Man findet Spuren davon durch alle Jahrhunderte und Kulturen, von denen wir Zeugnisse haben, es gehört zum Menschen dazu. Nichts kann bekanntlich überleben, wenn es keine Nahrung bekommt. Wenn das dominante "Böse" ständig gemästet wird, kann es solche Dimensionen annehmen, aber man kann auch die andere Seite füttern und wachsen lassen. Z.B. gerade in der Kunst und Literatur, was ja auch immer und immer wieder getan wurde und wird. Gottseidank gibt es nciht nur das böse in der Literatur sondern azuch das Gute. Und besonders interesqzant sind die werke in denen Beide miteinander zu kämpfen haben und die ganze Komplexität der menschlichen Natur in ihren diversen Schattierungen und Nuancen deutlich wird. Da kann ich Kater murr nur recht geben. Wir sind weder nur gut noch nur böse, das ist das Spannende und das ist auch die Freiheit. Und Literatur hat die Aufgabe diese Komplexitât zu spiegeln und nicht eine Seite auszublenden. :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Man sollte vielleicht noch anmerken, dass es sich dabei um Grenzüberschreitungen handelt, die der Konsument bewusst(!) ins Reich der Fantasie legt.


    Welchen Sinn haben Grenzüberschreitungen, zumal solche, die gar nicht real sind?


    Möglicherweise gar keinen. Der Mensch ist einfach so. Gott hat ihn so erschaffen. Am Anfang war der Mensch im Paradies. Die einzig mögliche Grenzüberschreitung war, vom "Baum der Erkenntnis zu essen". Man wusste, dass dies mit dem Rausschmiss aus dem Paradies enden würde. Und doch tat man es. Man konnte einfach nicht anders.


    Und so werden eben "sinnlos" Berge bestiegen, diverse Rekorde gebrochen. Und wenn die Grenzüberschreitung allzu großen Schaden anrichtet (bei sich, bei anderen), beschränkt man sich auf das Virtuelle.


    Das gilt für Pornos, de Sade, Bushido, Ballerspiele, etc. Oder auch Drogen aller Art.


    Dass eine Minderheit Probleme damit hat, die notwendigen Grenzen zu erkennen, ist leider so. Aber generelle Verbote helfen da nicht weiter, weil man der Natur des Menschen nicht mit starren Verboten beikommt.



    Thomas


    PS: Als Jugendlicher hatte ich eine Horrorfilm-Phase. Die Inhalte waren teilweise wirklich "krank". Aber es ging vorüber und hat definitiv keinen Schaden angerichtet. Bei meinen damaligen Freunden offensichtlich auch nicht. Hatte es irgendeinen positiven Effekt? Immerhin hatte man einen Bereich zum "Austoben", also ohne Grenzen, die einem gefühlt willkürlich von anderen gesetzt werden. Vielleicht helfen solche "virtuellen Exzesse", das seelische Gleichgewicht zu behalten...

  • Die einzig mögliche Grenzüberschreitung war, vom "Baum der Erkenntnis zu essen". Man wusste, dass dies mit dem Rausschmiss aus dem Paradies enden würde. Und doch tat man es. Man konnte einfach nicht anders.


    Man kann seine Zweifel haben, ob man vorher vom Rausschmiss wusste. Vielleicht musste man für dieses Wissen erst vom Baum der Erkenntnis (von Gut & Böse) essen.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • Was die Ausführunbgen von Bustopher und Dezibella angeht, habt ihr sicher Recht mit euren sehr pessimistischen Prognosen, wenn man sich als Beobachter in die Welt stellt und das aufnimmt, was die Medien verbreiten, kommt man zu diesem Schluss.
    Der Mensch hat aber bei aller erschlagenden darwinistischen und macchiavellistischen Übermacht auch einen Funken in sich, mehr oder minder bewusst, mehr oder minder entwickelt, der in eine ganz andere Richtung weist. Man kann das nennen wie man will, in diesem Thread vielleicht am Passendesten "das altruistisch Gute". Eine Aspiration zum Guten und Schönen, die nichts mit dem eigenen Vorteil zu tun hat. Auch nciht damit, wie Zyniker jetzt einwenden können, durch sein Verhalten in ein wie auch immer geartetes Paradies zu kommen. Man findet Spuren davon durch alle Jahrhunderte und Kulturen, von denen wir Zeugnisse haben, es gehört zum Menschen dazu. Nichts kann bekanntlich überleben, wenn es keine Nahrung bekommt. Wenn das dominante "Böse" ständig gemästet wird, kann es solche Dimensionen annehmen, aber man kann auch die andere Seite füttern und wachsen lassen. Z.B. gerade in der Kunst und Literatur, was ja auch immer und immer wieder getan wurde und wird. Gottseidank gibt es nciht nur das böse in der Literatur sondern azuch das Gute. Und besonders interesqzant sind die werke in denen Beide miteinander zu kämpfen haben und die ganze Komplexität der menschlichen Natur in ihren diversen Schattierungen und Nuancen deutlich wird. Da kann ich Kater murr nur recht geben. Wir sind weder nur gut noch nur böse, das ist das Spannende und das ist auch die Freiheit. Und Literatur hat die Aufgabe diese Komplexitât zu spiegeln und nicht eine Seite auszublenden.

    Liebe Fairy,
    Worte, so schön wie die Rose in Deinem Profilbild! Genauso dachte ich, als ich 16 war. Danke, dass Du mich daran erinnert hast! :kiss:
    :wink:


    Tara


  • Man kann seine Zweifel haben, ob man vorher vom Rausschmiss wusste. Vielleicht musste man für dieses Wissen erst vom Baum der Erkenntnis (von Gut & Böse) essen.


    Es wurde ihnen sogar gesagt, dass sie sterben würden, falls sie vom Baum der Erkenntnis essen würden. Aber sie mussten es tun. Es lag in ihrer Natur. Gott wusste das übrigens, er hatte sie ja eigenhändig erschaffen. Und dass die Erde (mit Ausnahem des "perfekten" Paradieses) in vielen Punkten unvollkommen ist, war natürlich auch Absicht. Der Mensch sollte nicht faul herumlungern, sondern was tun. Auch wenn öfter mal etwas schief geht. Z.B. aufgrund von Grenzüberschreitungen.



    Thomas

  • Der Mensch hat aber bei aller erschlagenden darwinistischen und macchiavellistischen Übermacht auch einen Funken in sich, mehr oder minder bewusst, mehr oder minder entwickelt, der in eine ganz andere Richtung weist. Man kann das nennen wie man will, in diesem Thread vielleicht am Passendesten "das altruistisch Gute". Eine Aspiration zum Guten und Schönen, die nichts mit dem eigenen Vorteil zu tun hat.


    ich weiß nicht recht. ist es nicht ein großes MIßverständnis, daß das Gute und Schöne dem "eigenen Vorteil" entgegengesetzt sei?
    oder gar - kapitalistische Propaganda?


    Den eigenen Vorteil - mal etwas weiter als platt materialistisch verstanden - im Ausgleich, im für alle Guten zu suchen, ist das nicht der Anfang des Guten?

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht


  • ich weiß nicht recht. ist es nicht ein großes MIßverständnis, daß das Gute und Schöne dem "eigenen Vorteil" entgegengesetzt sei?


    Von ca. Platon bis Dante (oder noch ein paar hundert Jahre länger) war die verbreitete Ansicht, dass es eigentlich keinen Gegensatz zwischen dem wirklich Guten und dem eigenen Wohlergehen geben kann. Nur verkennen viele Menschen eben sowohl, was überhaupt gut ist, als auch was für sie gut ist (zB egoistische Tyrannen). Inzwischen kommt uns das ziemlich fremd vor, aus allen möglichen Gründen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Liebe Fairy Queen,

    Zuerstmal fand ich Kalevalas erste Anmerkung zu de Sade als Sexualaufklârer, der Türen geöffnet habe und den prüden Zeitgenossen gezeigt habe, was man so Alles machen könne um mehr Spass zu haben, fast rührend.

    ich bezog mich nicht auf die "Liebesspielchen" des Marquis sondern eher auf seine Vorreiter-Rolle in der entperversionierung von Homosexualität, Bisexualität, Freier Liebe, etc.....,
    die Schriften de Sades werden ja seit der jüngeren Vergangenheit durchaus differenzierter wahrgenommen!
    Ganz so "rührend" sehe ich meine Anmerkungen eigentlich nicht, eher etwas missverständlich ausgedrückt---aber eigentlich doch ganz verständlich ^^

    Am Anfang war der Mensch im Paradies. Die einzig mögliche Grenzüberschreitung war, vom "Baum der Erkenntnis zu essen". Man wusste, dass dies mit dem Rausschmiss aus dem Paradies enden würde. Und doch tat man es. Man konnte einfach nicht anders....

    Das "Böse" existiert nicht nur in der Bibel, andere Religionen definieren "wie das Böse in die Welt kommt" ganz anders....
    so übernehmen im Hinduismus die Menschen mit ihrer "Bosheit" sozusagen eine "Blitzableiter-Funktion" für die Götter, auf das diese "Gut" bleiben können und die Menschen als Sündenböcke herhalten müssen.
    Im Buddhismus gilt praktisch jeder als per se böse der nicht meditiert, da er durch das nicht meditieren die Erleuchtung blockiert und somit das "Nicht-Tun des Bösen"...


    Und überhaupt sind die Frauen an allem Schuld, diese üblen und bösen Verführerinnen die denn armen Männern nur die edlen Gedanken verwirren...
    Die Büchse der Pandora---na klar, war wieder eine Frau an allem Schuld...
    Ich glaube der Menschheit ginge es besser wenn deren männlicher Teil nicht permanent versuchen würde die Hälfte des gesamten geistigen Potenzials dieser Menschheit auszuschalten, zu unterdrücken oder zu diskreditieren!



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Ich glaube der Menschheit ginge es besser wenn deren männlicher Teil nicht permanent versuchen würde die Hälfte des gesamten geistigen Potenzials dieser Menschheit auszuschalten, zu unterdrücken oder zu diskreditieren!

    Ja. "Woman is the nigger of the world" (J. Lennon)
    Warum ist das bloß so? Wie kam es dazu? Das frage ich mich ziemlich oft.

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