Kirill Petrenko - Der König Midas unter den Dirigenten?

  • Also Rihms IN-SCHRIFT ist schon toll (man kann ja in der Pause gehen bevor das Gebruckner losgeht). Gubaidulinas Der Zorn Gottes ist ein tolles Werk - habs vor längerer Zeit im Konzerthaus Dortmund gehört (gekoppelt mit ihrem Violakonzert und Weinbergs 16. Symphonie), wirklich sehr eindringlich und beeindruckend.

    Vareses Arcana würde ich tatsächlich gern mal live erleben und die UA Srnkas (kenne den Komponisten nicht) Superorganisms schreckt mich nicht. Auch hier die Option in der Pause zu gehen, um die schreckliche Pastorale zu vermeiden.

    Das Konzert mit Korngolds Violinkonzert und Dvorak 7. finde ich - zwar nicht atemberaubend aufregend - aber doch ganz interessant. Dafür würde ich nicht nach Berlin pilgern, aber wenn ich schon mal dort wäre ...

    Ja, und Mahler 9 - ja bitte!

    Unterschreib (zu Rihms IN-SCHRIFT und zu Varèses Arcana - den Rest kenne ich leider noch nicht).

    So bezeichnet er die Sinfonia domestica im Interview zum entsprechenden Konzert als sein liebstes Orchesterwerk von Strauss, eine Einschätzung, die viele sicher nicht teilen würden.

    Besondere Künstler haben nun mal besondere Vorlieben. Liegt vielleicht daran, dass ihre Antennen weiter reichen als bei anderen, wer weiß ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • So bezeichnet er die Sinfonia domestica im Interview zum entsprechenden Konzert als sein liebstes Orchesterwerk von Strauss, eine Einschätzung, die viele sicher nicht teilen würden.

    Aber wer - wie ich - das Werk mit ihm im Konzert erleben durfte, war von den Socken.

    Das ist doch mal ein Feedback!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Kann man sagen

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst"

    und gleichzeitig kritisieren, dass Petrenko die "Madama Butterfly" programmiert?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Hat jemand in Erfahrung gebracht, warum ein so intelligenter Dirigent wie Petrenko ausgerechnet den Schmachtfetzen "Madama Butterfly" programmiert?

    Oder erweist sich das potenzielle Publikum des geplanten Programms durch Selbstdisqualifikation als unwürdig? :versteck1:

    Gibt zwei Möglichkeiten: entweder Petrenko wirft Perlen vor die Säue oder jemand hat keine Ahnung von den Qualitäten der "Butterfly"

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Es scheint irgendwie so zu sein, dass Petrenko auch Aushandelprozesse durchlaufen muss. Er gibt vielleicht vor, wo die Reise hingeht aber wenn die Instrumentalist:innen mitentscheiden und sich mehr Kernrepertoire wünschen (was konstituiert sowas eigentlich?) und dann natürlich wirtschaftliche Interessen...


    Ist er denn wirklich so umjubelnswert, wie viele sagen? Ich fand viele Sachen von ihm gut aber wenig herausragend. Lieblingseinspielungen habe ich von ihm keine. Ist das live vielleicht anders? Oder trifft er einfach meinen (perfekten und fehlerfreien) Geschmack nicht so 100%ig?

  • Gibt zwei Möglichkeiten: entweder Petrenko wirft Perlen vor die Säue oder jemand hat keine Ahnung von den Qualitäten der "Butterfly"

    Nicht ganz: Entweder wirft Petrenko Bitterkräuter vor die Könige oder ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Bei der Butterfly scheint es jede Menge geläuterte Verächter zu geben, wie der Blick ins Forum zeigte. Unter diesen befindet sich - Achtung Spoiler - Radikalneutöner Amfortas09!

    Zauberton
    22. Mai 2009 um 12:35

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich hoffe zunächst, Petrenko wird bald wieder gesund. In Wien ist Thielemann für ihn eingesprungen.

    Das hoffe ich auch! Die Absage ist ja schon ein paar Tage her und seitdem ist nichts weiter gemeldet worden, von daher hoffe ich, dass es eine ganz "normale" kurzzeitige Erkrankung ist, die einen halt mal erwischen kann.

  • Bei der Butterfly scheint es jede Menge geläuterte Verächter zu geben, wie der Blick ins Forum zeigte.

    Hm, jetz sag nicht, ich muss der Sache noch ne Chance geben... ich muss doch den ganzen Tag sacre hören :(

    Vorher ist noch Dauerbeschallung mit dem "Trompeter von Säckingen" nötig...

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Zum Puccini: in München waren alle diejenigen, die unter meinen Bekannten den Trittico unter Petrenko gehört, restlos begeistert davon, wie intensiv und überbordend begeisternd er die ausgewrungene Musik interpretiert hat. Vielleicht schafft Petrenko ja das auch mit MB ...

    Gruß Benno

    Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)

  • Jetzt beißen mir vermutlich viele den Kopf ab...

    Nichts da, zu pickelhaubig! Aber: Lasst mal Eure Ohren justieren, Butterfly ist große Klasse!

    Spielt er wenigstens die Urfassung? Die ist der späteren dramaturgisch überlegen. Aber konzertant ist das ziemlich egal, das ist eh nur was für Leute, die Oper nicht mögen.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Spielt er wenigstens die Urfassung? Die ist der späteren dramaturgisch überlegen. Aber konzertant ist das ziemlich egal, das ist eh nur was für Leute, die Oper nicht mögen.

    ^^ Da würd ich aber vorsichtig widersprechen. Unter Petrenko habe ich konzertant ziemlich begeistert schon Pique Dame, Frau ohne Schatten und Elektra erlebt, davor u.a. Parsifal unter Rattle. Ich würde konzertante Aufführungen nie als (besseren) Ersatz für szenische Aufführungen propagieren (wie dies RT-Gegner gerne tun), aber als zusätzliches Angebot, um einmal ganz die Konzentration auf die musikalische Seite auszurichten, begrüße ich sie sehr. Adorno hatte sich schon konzertante Aufführungen des 3. Siegfried-Akts gewünscht, weil nur die dessen musikalisch komplexem Gewebe gerecht werden könnten und diesen Wunsch empfand ich vor einigen Jahren bei einer entsprechenden Aufführung als sehr nachvollziehbar.

  • Ich habe mal eine herausragend dirigierte und überwiegend sehr gut gesungene konzertante Elektra unter Semyon Bychkov erlebt (WDR-SO, Kölner Philharmonie) und kann das nachvollziehen. Trotzdem fehlt ja die Hälfte des Ganzen! Dass die in vielen Inszenierungen trotzdem weitgehend fehlt, steht auf einem anderen Blatt.

    Eine andere WDR-Aufführung war Dvořáks "Wanda" unter Gerd Albrecht; bei einer solchen Ausgrabung und einem möglicherweise dramaturgisch ziemlich blutleeren Stück kann ich das noch eher akzeptieren.

    Ich würde es begrüßen, wenn Orchester wie die Berliner Philharmoniker oder die Rundfunk-Sinfonieorchester sich mal für eine Handvoll Aufführungen in ein Opernhaus einmieten würden.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Ich würde es begrüßen, wenn Orchester wie die Berliner Philharmoniker oder die Rundfunk-Sinfonieorchester sich mal für eine Handvoll Aufführungen in ein Opernhaus einmieten würden.

    ... oder die Wiener Philharmoniker oder die Staka Dresden oder das Gewandhausorchester ... ach, wäre das toll, so ein Orchester mal in der Oper hören zu dürfen ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wiener Philharmoniker oder die Staka Dresden oder das Gewandhausorchester ... ach, wäre das toll, so ein Orchester mal in der Oper hören zu dürfen

    Also, das ist ja in allen drei Fällen nicht so schwierig! Oder verstehe ich da was falsch?

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

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