Capriccio-Presseschau

  • Also so recht kauf ich dem Jordan seine plötzliche Epiphanie nicht ab. Die Kritik an so mancher Inszenierung teile ich sehr wohl, aber dass ihm das just zu dem Zeitpunkt einfällt, wo er keine Verlängerung erhält, halte ich für mehr als zufällig.

    Ungeachtet dessen, ob er mit solchen Äußerungen seinen Marktwert zumindest im deutschsprachigen Raum steigert (er ist noch nicht so alt, dass er sich auf ewig als altersweiser Gaststar durch die Welt treiben lassen kann), hat er sich jetzt in eine denkbar schwierige Position manvöriert.

    Auch ohne Retourkutsche aus der Staatsoperndirektion, wirft sein doch vernichtendes Statement, die Frage auf, warum er überhaupt noch einen Tag weiter solche Inszenierungen mit seinem Dirigat unterstützen will und nicht gleich hinschmeißt, was doch eher konsequent wäre. Jetzt steht er ein bisschen als Jammerlappen da (nochmals, die Kritik ist nicht unberechtigt, aber wirkt bei ihm vorgeschoben), der zwar alles scheiße findet, aber halt weitermacht, nur warum (Pflichtbewusstsein wird's ja kaum sein, das ist in der Branche ja selten geworden und dann hätte er es auch nicht an die Öffentlichkeit getragen)?

    Dass Roscic das nicht auf sich und dem Haus sitzen lässt, ist auch verständlich, schließlich sind die Äußerungen sowohl inhaltlich als auch im Ton sehr scharf und grenzen an Rufschädigung. Wenn Jordan jetzt beleidigt reagiert, weil seine Story unglaubwürdig wird und immer mehr durchsickert, dass ihn das schlicht Orchester nicht mehr wollte, dann ist das in erster Linie seine Schuld.

    Ich denke auch, dass das Verhältnis auch mit dem Orchester jetzt noch schlechter wird, was mich zweifeln lässt, ob Jordan das bis ans Ende seines jetzigen Vertrages mitspielen will (auch frühzeitiges Aussteigen aus Verträgen ist in der Branche ja Usus). Wenn sich der Chef lauthals über die Mistigkeit der Firma beklagt, wird er bei der Belegschaft nicht beliebter. Man kann ja Dinge fordern und bekommt sie dann oder nicht, aber wenn er dies aus einer geschwächten Position heraus macht und dann etwas ganz anderes als Grund heraufbeschwört, finde ich das unredlich. Interessant wäre bloß gewesen, ob Jordan schon vor den Verhandlungen gewusst hat, dass das Orchester nicht mehr will.

    Wenn es wirklich stimmt, dass er Exklusivdirigate für Strauss und Wagner haben wollte, wäre das etwas gewesen auf das sich die Staatsoper unmöglich einlassen hätte können, wenn man bedenkt, welche Erfolge hier Thielemann und Möst zuletzt gefeiert haben (Chefdirigentenposten hin oder her) und man überhaupt sagen muss, dass das in einem Haus wie der Staatsoper, wo er nur eine Ko-Direktion inne hat, eine Forderung ist, die schlicht überzogen ist.

    Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...

  • Ich verstehe ja sowieo nicht, warum man die Begründung nicht ernst nimmt, die Philippe Jordan vorgebracht hat.

    Es gibt einen ähnlich gelagerten Fall in München. Als die Suche nach einem neuen GMD als Nachfolger von Kirill Petrenko anstand, war Antonio Pappano ernsthaft im Gespräch. Eine Abordnung der Staatsoper ist bereits nach London gefahren.


    Markus Thiel vom MM schrieb damals: "Er wäre der Richtige"


    Leider hat er schließlich zurückgezogen. Die Begründung war letztlich, daß er das deutsche Regietheater nicht sehr schätzt. Ich habe das damals sehr bedauert.


    OT: Ich wurde ja in der Diskussion, die wir über Yuja Wang hatten, gemaßregelt, daß ich schrieb, ihr Spiel sei seelenlos. Bei der Suche nach dem Artikel über Sir Tony, in dem seine Äußerung über das RT thematisiert wird (leider habe ich den nicht gefunden), fiel mir dafür etwas anderes auf.


    Zitat

    Gerade neben der in einem atemberaubend geschlitzten pinkfarbenen Kleid und Stilettos spielenden Yuja Wang, die das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky effektvoll, aber auch ziemlich seelenlos in die Tasten hämmert, wirkt Pappano noch bodenständiger, zumal er der Chinesin beim Verbeugen aus Versehen auf die Schleppe tritt.


    Sic.


    "https://www.nzz.ch/feuilleton/…r-in-der-musik-ld.1289651"

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Zitat

    Der Versuch mancher, mich ins konservative Eck stellen zu wollen, ist bei meiner bisherigen Berufslaufbahn geradezu absurd", so Jordan. "Ich habe mit nahezu allen namhaften Regisseuren gearbeitet und ich bin in jede dieser Begegnungen offen und mit Neugierde gegangen."

    "https://www.diepresse.com/6198…philipp-jordan-wehrt-sich"

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Mal was ganz anderes.


    Momentan werden ja gerade Online-Medien von nicht-demokratischen Kräften unterwandert, um die Gesellschaft zu spalten und die politischen Systeme zu unterminieren.


    Kennt jemand die Kennzeichen, woran man eine solche tendenziöse Berichterstattung erkennt? Also so etwas wie:


    - einseitge, unausgewogene Akzentuierung der Beiträge

    - selektives Zitieren, um bei oberflächlich Lesenden einen schiefen Eindruck zu erzeugen

    - kontinuierliches Befeuern der betreffenden Medien mit immer neuen aus dem Zusammenhang gerissenen Fetzen

    - ...

    - ...


    Für jede Info wäre ich sehr dankbar!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vor allem sich nicht auf Online-Medien beschränken, und wenn - so vorhanden - Hirn einschalten.

    Und die ("langweiligen") öffentlich-rechtlichen anschauen, die ordentliche Redaktionen haben und einen Faktenchek betreiben. Und vor allem verschiedene seriöse Medien vergleichen. In der SZ kann man z.B. auf der Meinungsseite völlig unterschiedliche Stellungnahmen lesen.

    Wenn man so vorgeht, hat man einen guten Überblick.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Für jede Info wäre ich sehr dankbar!

    Vielleicht in einem eigenen Thread? Hier gehts ja eher um die Ansammlung aktueller Meldungen. Die von Dir aufgeworfene Frage (die ich wichtig finde - zumal viele unserer Diskussionen sich auf Online-Medien berufen, vgl. die zahlreichen Links!) spricht ja mehr Grundsätzliches an.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die von Dir aufgeworfene Frage (die ich wichtig finde!) spricht ja mehr Grundsätzliches an.

    Das finde ich nicht, denn ich verstehe Mauerblümchens Beitrag so, dass er sich ganz deutlich auf die Beiträge in diesem Thread zu den Vorgängen an der Wiener Staatsoper bezieht.


    Also so recht kauf ich dem Jordan seine plötzliche Epiphanie nicht ab. Die Kritik an so mancher Inszenierung teile ich sehr wohl, aber dass ihm das just zu dem Zeitpunkt einfällt, wo er keine Verlängerung erhält, halte ich für mehr als zufällig.

    Danke für den sehr durchdachten Beitrag, den ich im wesentlichen unterschreibe (hinzufügen würde ich, dass Dirigenten, die NICHT Thielemann oder Welser-Möst heißen, in den letzten Jahren deutlich größere Wagner-Erfolge als die beiden genannten in Wien hatten, ich denke hier beispielsweise an Peter Schneider, Simon Rattle und Axel Kober, das aber nur nebenbei).


    Insgesamt finde ich die Jordan-Vorgangsweise sehr seltsam: Schmutzwäsche wäscht man im Normalfall nicht in der Öffentlichkeit, und mir scheint, dass das "Regietheater" hier als Sündenbock herhalten muss, um eine -- für uns Außenstehende nicht transparente -- Entscheidung zu rechtfertigen. Jordan hat sich tatsächlich in eine für ihn sehr ungünstige Situation gebracht, sowohl für sein angekündigtes Wirken an der Staatsoper bis 2025, als auch für die Zeit danach.


    WENN das mit den Strauss-und-Wagner-Exklusivdirigaten tatsächlich stimmt, dann hatte die Staatsoper keine andere Wahl als ihn hinauszuschmeißen, eine solche Forderung darf sich das Haus keinesfalls bieten lassen.

  • denn ich verstehe Mauerblümchens Beitrag so, dass er sich ganz deutlich auf die Beiträge in diesem Thread zu den Vorgängen an der Wiener Staatsoper bezieht.

    Interessant! Wow1


    Ich versuche, Deine Gedankenführung nachzuvollziehen, muss allerdings zugeben, dass in mir beim Lesen sogleich das ungute Gefühl mitschwang, welches mich auch beschleicht, wenn ich Beiträge lese, deren Absicht eventuell nicht in der Information, sondern in der Beeinflussung der Leser*innen liegt. Ist freilich nur ein Gefühl - aber es geht ja darum, dies ein wenig zu erden.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vielleicht in einem eigenen Thread?

    Ja, guter Punkt. Ich suche einen angemessenen Ort und schreibe einen Startbeitrag. Danke für die Anregung!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Dann kannst Du natürlich auch sagen, dass jede Meinungsäußerung eine Beeinflussung ist. Wir sind hier in einem Forum!

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • In der SZ kann man z.B. auf der Meinungsseite völlig unterschiedliche Stellungnahmen lesen.

    Sehr richtig.


    Und trotzdem gibt es in meiner Wahrnehmung Menschen, die Quellen, welche an und für sich als seriös und ausgewogen gelten, selektiv zitieren, und auf diese Weise ihrer tendenziösen Auswahl das Etikett der Seriösität ankleben wollen.


    Das Bedürfnis, im Lichte anderer zu leuchten, ist wohl ungebrochen.

    Dann kannst Du natürlich auch sagen, dass jede Meinungsäußerung eine Beeinflussung ist. Wir sind hier in einem Forum!

    Ich meine, Du verwechselst jetzt zwei Dinge.


    Ich sprach von Berichterstattung, Du sprichst von Meinungsäußerung.


    Kann ja mal passieren.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich meine, Du verwechselst jetzt zwei Dinge.

    Nein tu ich nicht. Wenn ich z.B. aus einem Artikel ein Zitat herausziehe, dann will ich doch damit etwas sagen. Zumindest bei mir ist das so. Und dann ist es eine Meinung.

    Und trotzdem gibt es in meiner Wahrnehmung Menschen, die Quellen, welche an und für sich als seriös und ausgewogen gelten, selektiv zitieren, und auf diese Weise ihrer tendenziösen Auswahl das Etikett der Seriösität ankleben wollen.

    Wenn Du dazu noch sagen würdest, welche "Menschen" Du meinst, wäre Deine Aussage vielleicht etwas klarer.

    Wenn das z. B. in einem Forum passiert, ist es dann eben eine Meinungsäußerung.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Nein tu ich nicht.

    Ok, Du verstehst den Unterschied nicht.


    Weißt Du, Ira, wäre ich von Sendungsbewusstsein getrieben, so würde ich nun meine Energie einsetzen, Dir zu beweisen, dass Du falsch liegst, ohne dabei die Erfolgschancen in den Blick zu nehmen.


    Doch möchte ich viel lieber aus den Diskussionen aus dem Forum auch etwas für mich mitnehmen. Das treibt mich an. In einem unterkomplex geführten Diskussionsstrang ist die Wahrscheinlichkeit dafür leider ziemlich gering.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich könnte als Replik sagen, Du verstehst meinen Punkt nicht. Mache ich aber nicht.

    Es ist mir nämlich völlig egal, was Du denkst, oder sagst, oder schreibst. Jemand, der mit Beschimpfungen wie "Schmuddelkinder" um sich wirft, ist für mich

    unterkomplex

    und hat keine Erziehung.

    Das ist sowieso keine Basis für eine irgendwie geartete sinnvolle Diskussion.

    Das treibt mich an.

    Schön. Dann laß Dich mal antreiben, von was auch immer.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Wenn ich meinen Senf dazu abgeben darf.....zwei Gedanken - miteinander verwandt:


    1. Es ist hier zwar nun tatsächlich der Presse Thread, aber mich stört dieses Zukleistern diverser Threads mit irgendwelchen Artikeln und Zitaten daraus auch. Ein paar relevante Artikel hin und wieder...ok. Aber ich fände es schade, wenn dieses Forum sich hier in eine reine Sammelstelle für Meinungsäusserungen und Re-Postings von Kritikern und Kritiken entwickeln sollte. Erstens kann ich mir die selber zusammensuchen und finde es deshalb völlig überflüssig. Aber das ist sicher Ansischtssache. Manche mögen es bequemer so haben.


    Was mich jedoch viel mehr daran stört ist, dass wird doch wissen, wie unfrei manche Kritiker in manchen Situationen sind. Manchmal kommt noch Unwissen dazu, oder Teilwissen, oder insbesondere bei CDs einfach ein ganz anderes Ohr, ein anderer Geschmack. Ich persönlich fände es passender diese Platfom hier schwerpunktmässig für Äusserungen von Leuten zu verstehen, die nicht mit Rezensionen ihr Geld verdienen und deshalb in vieler Hinsicht freier sind. Aber selbstverständlich gebe ich hier nicht den Ton an, das ist klar, ich wollte es nur mal sagen.


    Weiterhin finde ich es persönlich einfach auch interessant mich von der Meinung anderer zu lösen, gerade auch der von von Fachleuten, und unabhängig davon eine eigene Meinung zu bilden und davon dann zu berichten. Interessant wäre alternativ dazu auch mal eine übernommene Rezension von Fachleuten ausführlich zu kritisieren.


    2. Mich erstaunt deshalb auch, ira , dass du bei den Aufführungen, deren links du hier einstellst, oft gar nicht gewesen bist. Der Eindruck ist jedenfalls bei mir enstanden. Es sieht für mich so aus, als wolltest du deinen eigenen Geschmack mit dem Geschmack von Kritikern belegen, bzw aus irgendwelchen Meinungsäusserungen anderer Berechtigung für deinen Geschmack finden. Das ist mir unverständlich.


    Irgendwie ist dein Link-posten auch widersprüchlich. Einmal wehrst du dich, wenn jemand dir daraufhin eine Meinungsäusserung "unterstellt", an anderer Stelle behauptest du dann aber, es seien doch Meinungsäusserungen, keine Berichte. Was denn nun?


    -----


    Das wars von mir dazu.

    Übergeordnet gilt natürlich : live and let live.

  • Irgendwie ist dein Link-posten auch widersprüchlich. Einmal wehrst du dich, wenn jemand dir daraufhin eine Meinungsäusserung "unterstellt", an anderer Stelle behauptest du dann aber, es seien doch Meinungsäusserungen, keine Berichte. Was denn nun?

    Ich habe nie von Links geschrieben, daß das meine Meinungsäußerungen seien. Wenn, dann sind es ZITATE daraus.

    Aber es wird ja nie wirklich gelesen, was man hier schreibt.


    2. Mich erstaunt deshalb auch, ira , dass du bei den Aufführungen, deren links du hier einstellst, oft gar nicht gewesen bist.

    Der Beitrag wurde redigiert. Die Moderation.


    Da gab es früher einen Foristen, der nannte sich "Zeitungsleser". Als der aufhörte, habe ich quasi dessen "Amt" übernommen und habe Zeitungslinks über Aufführungen eingestellt, die viele interessiert haben, ob gesehen oder auch nicht. Das wurde in diesem Forum geschätzt. Das kann natürlich hier anders sein, dann kann ich es auch lassen. So wie dieses Forum hier ganz anders geartet ist, das Hauptaugenmerk ist hier nicht Oper, sondern ein Gemisch von allem möglichen, was sich auch in den vequasten Thread-Titeln wiederspiegelt.

    Zumindest möchte ich Dich darauf hinweisen, daß, WENN ich in einer Aufführung gewesen bin, ich dann auch darüber schreibe, und zwar nicht wenig. Der einzige, der das auch so hält, ist Sadko.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

    Einmal editiert, zuletzt von Wieland ()

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