Capriccio-Presseschau

  • Inzwischen wurde auch in Frankfurt nachgelegt

    Pussy Riot will wegen Anna Netrebko doch nicht in Wiesbaden auftreten
    Nur wenige Stunden, nachdem das Hessische Staatstheater den Auftritt der Gruppe Pussy Riot bei den Maifestspielen angekündigt hatte, sagt diese nun ab. Der…
    m.faz.net

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Falls jemand in den nächsten Wochen noch nach Stuttgart kommt…

    Aus für Institution in Stuttgart: Kult-Plattenladen Einklang schließt Ende Mai
    Stuttgart muss Abschied von einer Institution nehmen. Nach einem Vierteljahrhundert schließt der Plattenladen Einklang Ende Mai seine Pforten. Die Gründe für…
    www.stuttgarter-nachrichten.de

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Dass der Einklang schließt, ist sehr schade, war aber absehbar. Ich habe bei meinen seltenen Stuttgart-Besuchen dort immer gerne gestöbert. Vielleicht schaffe ich es vor Ende Mai ja nochmal hinzukommen. Danke für die Info.

  • Vielleicht schaffe ich es vor Ende Mai ja nochmal hinzukommen. Danke für die Info.

    Ich habe beim letzten Mal noch ordentlich Geld dort gelassen, und da sie Ausverkauf machen, sollte man, wenn man kann, nochmal hinschauen.

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Ich war zwar nur mäßiger aber immerhin regelmäßiger Kunde beim Einklang. Nächste Woche werde ich sicher noch einmal dort vorbeischauen. Danach bin auch ich aus Stuttgart weg. In HH gibt es wohl nichts vergleichbares, bestenfalls ein, zwei gute Second Hand Läden und bei mir um die Ecke Albert Schallplattenversand.

    Albert Schallplattenversand | Klassische Musik, Klassik CDs und DVDs

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Tja... Tja, er hat ja vollkommen Recht. Aber was nutzt das Rechthaben, wenn die Konzertsäle trotzdem leer bleiben und das Interesse nachlässt?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Wann warst Du denn zuletzt in einem leer gebliebenen Konzertsaal. Ich kann mich an sowas nämlich für die letzten 50 Jahre nicht erinnern. Gelegentlich nur zu zwei Dritteln besetzte Opernhäuser, aber "leer" (oder sowas ähnliches)? Ich halte diese immer und immer in der Presse wiedergekäute Nachricht für den Versuch, das angeblich so teure Kulturwesen zu diskreditieren und für unnütz zu erklären. Im marktwirtschaftlichen Sinne ist es das ja auch irgendwie.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Grundsätzlich bin ich mit dem Artikel einverstanden.

    Der Reichtum einer komplexen Angelegenheit wie einer Sinfonie des 19. Jhds. wird sich nicht mit einem naivem Zugang à la "Für mich ist nur entscheidend, welche Gefühle es in mir auslöst" erschließen. Die Emotionen mögen ein Köder sein, aber sie sind nicht das Ganze.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wann warst Du denn zuletzt in einem leer gebliebenen Konzertsaal. Ich kann mich an sowas nämlich für die letzten 50 Jahre nicht erinnern.

    Ich auch nicht. Konzerte sind mal voller und mal leerer, aber nie wirklich leer. Aber was bleibt dann von diesem kulturpessimistischen Artikel von Laurenz Lütteken?

    Die Schlusspointe des Beitrages besteht doch darin, dass er vorrechnet, in München gebe es knapp 138000 Studierende, "wenn es gelingen würde, auf diesem Weg auch nur ein Prozent dieser Klientel zum vierzehntägigen Konzertbesuch zu ermuntern wäre der Münchner Herkulessaal alle zwei Wochen nur durch sie restlos ausverkauft Das mag wie eine fromme Illusion erscheinen". Offenbar geht es also darum, junge Menschen in klassische Konzerte zu bringen. Der erwähnte Weg besteht darin, den potentiellen Konzertbesuchern frei mit Udo Bölts und Jan Ullrich zuzurufen: "Quäl dich, du Sau".

    Und das halte ich dann tatsächlich - Herr Lütteken hat es schon selbst erkannt - für eine fromme Illusion. Nein, die Konzertsäle sind nicht leer, damit könnte man Lüttekens Klage abtun. Ja, jüngere Menschen findet man dort in der Tat nicht. Das kann man ändern wollen. Aber dafür muss man dann schon etwas anderes zu bieten haben, als nur zu sagen, wie schwer, anspruchsvoll und anstrengend das alles ist.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Wenn ich hier in London in die Royal Festival Hall oder die Wigmore Hall gehe, bin ich immer wieder erstaunt, wieviele junge Leute anwesend sind. Es wimmelt nur so an jungen Leuten. Ich könnte mir vorstellen, dass es Musikstudenten sind. Ja, es gibt auch immer wieder mal (aber nicht jedes Mal) erstaunlich viele leere Plätze,

    In der Oper sehe ich weniger junge Leute, aber die sitzen wenn dann wahrscheinlich im Olymp.

  • Das passt zu der Diskussion, die sich hier entwickelt hat, auf ein Interview von Alice Sara Ott beim BR hin. Die sieht's wohl anders...

    viele Grüße

    Bustopher


    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Ich auch nicht. Konzerte sind mal voller und mal leerer, aber nie wirklich leer. Aber was bleibt dann von diesem kulturpessimistischen Artikel von Laurenz Lütteken?

    Ich finde den Artikel grotesk. Er erhebt die Forderung Kunstmusik zugleich elitär zu verrätseln und einer breiten Rezipient:innenschicht zugänglich zu machen. Die Argumentation ist verstiegen: Sich anstrengen macht Spaß!

    Ich habe nichts gegen Anstrengung. Aber Musik ist für die allermeisten Rezipient:innen nicht in erster Linie eine intellektuelle Fingerübung, sondern ein Vergnügen. Ich halte es für einen Irrweg, der Klassik neue Zuhörerschaft zuführen zu wollen, indem man sie nur in ihrer kunstvollen Komplexität gelten lässt. Andersherum wird doch ein Schuh daraus: Wer Freude an Musik hat, wird irgendwann vielleicht verstehen wollen, warum ihm etwas gefällt. Er wird nach analytischem Zugang zu seiner ästhetischen Erfahrung suchen. Und dadurch zu einem vom Autor so herbeigesehnten gebildeten Hörer.

    Ich finde es ungeheuerlich allen in diesem Sinne "nicht-gebildeten" Hörer:innen die Legitimität der (ästhetischen) Erfahrung von Freude durch Musik abzusprechen.

    Mir ist übrigens auch egal, warum die Leute ins Konzert gehen. Von mir aus dürfen sie auch aus niedrigsten Motiven kommen. Hauptsache, die Buden sind voll - das erleichtert die gesellschaftliche Legitimierung der Subventionen. Und Hauptsache, die Künster:innen haben ein Publikum, das sie trägt. Welche Bildungsprozesse dadurch beim einzelnen Rezipienten stattfinden, kann m.E. kein Maßstab sein.

    Und das Wehklagen, dass die Säle immer leerer würden und das Publikum vergreise, kann ich auch nicht mehr ertragen. Ich erlebe nach Corona gerade volle Häuser mit neuen Leuten, viele Junge dabei. Dass Brahms-Bruckner-Programme besser laufen als Ligeti-Stockhausen, darüber kann ich mich ebenfalls nicht ärgern, solange das nicht dazu führt, dass nur noch Brahms-Bruckner-Programme gespielt werden. Beobachte ich aber nicht. Die deutsche Kulturförderlandschaft ist stark und lebendig und erzeugt enorme Pluralität in der Kunstmusikproduktion und -wiedergabe. Es gibt keinen Anlass zu Abgesängen.

    ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...

  • Aber Musik ist für die allermeisten Rezipient:innen nicht in erster Linie eine intellektuelle Fingerübung, sondern ein Vergnügen.

    Mag sein. Aber auch das ist ein Irrweg.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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