Capriccio-Presseschau

  • Aber auch das ist ein Irrweg.

    Warum?

    Und wer darf das warum für andere bzw. die Gesamthörerschaft entscheiden?

    Was würdest du der Einschätzung entgegnen, dass so ein dezidiertes Urteil mit Vertretungsanspruch für die Gesamthörerschaft letztlich vielleicht chauvinistisch ist?

    ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...

  • Aber auch das ist ein Irrweg.

    Warum?

    Also gut, ich präzisiere: Ich halte das für einen Irrweg.

    Klassische Musik ist ein komplexer Gegenstand. Mit einer oberflächlichen Heransgehensweise wird man/frau eben auch nur die Oberfläche wertschätzen können (oder eben nicht).

    Das wäre so ähnlich, als wenn ein Mann eine Frau auf Grundlage einer Fotografie beurteilen würde und es nicht für nötig hielte, mal mit ihr zu reden und sie näher kennenzulernen.

    Und jetzt sag mir bitte nochmal, was an meinem Ansatz chauvinistisch ist. ;)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich freue mich über das rege Interesse an dem geteilten Artikel - das mal vorweg.

    Vielleicht ist es nicht schlecht, zu fordern, diese Fragestellung von mehreren Seiten gleichzeitig anzugehen, Musik-, Medien- und Sozialwissenschaft klären zu lassen, ob es denn wirklich ein in dieser Art real existierendes Problem gibt, Künstler (einschließlich Komponisten) vertieft in der Diskussion (und im Selbstbekenntnis) zu fördern, was die Intention von Musik im Hinblick auf diese Fragestellung sein kann (neue Wege, breite Ausgewogenheit (vgl.Mozart) etc.), und - last not least - Gesellschaft, Pädagogen und Politiker auf die Erwartungen und die Machbarkeit im Hinblick auf eine breiter angelegte Schulbildung zu fordern. Das Ganze wird naturgemäß wohl nur ergebnisoffen Sinn machen, denke ich ...

  • Ich finde es ungeheuerlich allen in diesem Sinne "nicht-gebildeten" Hörer:innen die Legitimität der (ästhetischen) Erfahrung von Freude durch Musik abzusprechen.

    Fände ich auch nicht gut. Aber wer macht das denn? Im Artikel kann ich dies nicht finden.

    Herr Lütteken plädiert für eine allgemein bessere Musikbildung. Was ist daran verkehrt? Ich hätte mir auch einen besseren Musikunterricht gewünscht.

    Wahlspruch des Gewandhausorchesters: Res severa est verum gaudium (Wahre Freude ist eine ernste Sache).

  • Wahlspruch des Gewandhausorchesters: Res severa est verum gaudium (Wahre Freude ist eine ernste Sache).

    Oder umgekehrt: Eine ernste Sache ist die wahre Freude.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich finde den Artikel grotesk. Er erhebt die Forderung Kunstmusik zugleich elitär zu verrätseln und einer breiten Rezipient:innenschicht zugänglich zu machen. Die Argumentation ist verstiegen: Sich anstrengen macht Spaß!

    Nö, so lese ich das nicht. Er sagt, die Beschränkung nur auf das Emotionale werde der Klassischen Musik nicht gerecht. Es gibt auch eine komplexe Struktur. Aber die intellektuelle Durchdringung dieser Struktur erfordert Mühe, und die bedarf einer beharrlichen Haltung. Sie kann nicht einfach aus sich heraus erfaßt werden.

    Ich halte es für einen Irrweg, der Klassik neue Zuhörerschaft zuführen zu wollen, indem man sie nur in ihrer kunstvollen Komplexität gelten lässt.

    Das ist auch ein Irrweg, aber - wie gesagt - Lütteken schreibt davon gar nicht. Doch er hat natürlich auch kein Patenrezept, wie man neue Hörerschichten heranziehen kann. Das Problem sitzt tiefer.

    Andersherum wird doch ein Schuh daraus: Wer Freude an Musik hat, wird irgendwann vielleicht verstehen wollen, warum ihm etwas gefällt. Er wird nach analytischem Zugang zu seiner ästhetischen Erfahrung suchen. Und dadurch zu einem vom Autor so herbeigesehnten gebildeten Hörer.

    Und das erfordert eben Arbeit, Mühe, Schweiß, Beharrlichkeit. Das Wort Spaß würde ich ersetzen durch Antrieb oder Bereitschaft.

    --

    Ich bin generell immer wieder irritiert, wieso es immer so verbissen wird, wenn die Forderung aufkommt, daß man sich anstrengen muß. Noch nie in einer Epoche der Erdgeschichte ging es jemals ohne Anstrengung, um sich wenigstens behaupten zu können. Wieso sollte das bei einer musikalischen Tradition, die schriftlich seit gut tausend Jahren fixiert wird, nun überflüssig sein? Das ergibt doch keinen Sinn.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Was Deutsche von Bayern und Österreichern trennt, war früher mal die gemeinsame Sprache. Auch das ist vorbei.

    George Bernhard Shaw ist immer gut ("The English and the American have a lot in common except for the language").

    Heute befaßt sich im SZ Feuilleton fast eine ganze Seite mit der schönen österreichischen Sprache (ich bin mit einem halben Österreicher verheiratet):

    Beste Sprache der Welt: Österreichisch

    Verknappen, Schwadronieren, Aufschneiden - eine Eloge auf meine Heimat, wo schon die Kleinen mit Gedichten geweckt werden.

    von Teresa Präauer

    Zitat

    Das Österreichische tut sich sprachlich leicht mit Ausflüchten, Ausreden und Terminverschiebungen. Es ist dabei, macht mit oder nimmt sich aus dem Spiel, je nachdem, wie es ihm gerade taugt. Es lässt sich ganz undeutlich sein damit. Man sagt: Etwas geht sich aus. Und man sagt auch bedauernd : Etwas geht sich nicht aus. Mit dieser Phrase ist man im Österreichischen entschuldigt, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen oder jemandem die Schuld zuweisen zu müssen. Es bedarf keiner weiteren Erklärung: Es geht sich aus oder es geht sich eben nicht aus.

    (Anm.: Diese Floskel ist in meiner Familie gang und gäbe, sie erleichtert so manches)

    und: Die Print-SZ titelt:

    Die Posaunen von Wien

    Zitat

    Daß man Österreicher ist, fällt einem ja erst in Deutschland so richtig auf.

  • Die allerwichtigste Phrase in Österreich - Deutsche bitte aufpassen! - ist: "Schau ma mal". Das heißt so viel wie: "höchstwahrscheinlich nein, mit einer winzigen Restchance auf ein ja".

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Das Pendant auf Bayrisch heißt "Schaumermal", das heißt eher "nein". Die Chance auf ein "ja" hat homöopathische Werte.

    "Schaumermaldannsengma'sscho" ist ergebnisoffen.

  • Ich sehe, Ö und Bayern sind sich sehr nahe!

    Es ist sehr wichtig den Ausdruck zu kennen, denn sonst fühlt man sich ermutigt, zu glauben, die Person, die sich so äußert, würde ein an sie gestelltes Ansinnen ernsthaft erwägen. Dem ist indessen keineswegs so.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Die allerwichtigste Phrase in Österreich - Deutsche bitte aufpassen! - ist: "Schau ma mal".

    Zitat von Teresa Präauer / SZ

    Bei uns wird der Wortwitz kultiviert. Wir essen unsere Mahlzeit mit Reimen, leiten den Nachmittag mit Epen ein. Im Schatten riesiger Bücher genießen wir die Freizeit, erwarten den Abend mit dem Klang des Akkordeons. Schaun wir mal! Überhaupt sagt man: in etwa, ungefähr, wir schauen einmal. Kaum ein Ja, kaum ein Nein. Ein Ja und ein Nein sind in unseren Ohren wie Ohrfeigen, die man hier Watschen nennt.

    SZ: Teresa Präauer, geb. 1979 in Linz, ist Schriftstellerin. Im März erschien ihr Roman "Kochen im falschen Jahrhundert" (Wallstein).

  • Es ist sehr wichtig den Ausdruck zu kennen, denn sonst fühlt man sich ermutigt, zu glauben, die Person, die sich so äußert, würde ein an sie gestelltes Ansinnen ernsthaft erwägen. Dem ist indessen keineswegs so.

    Genauso ist es in Bayern auch mit "Schaunmermal".

  • Das Pendant auf Bayrisch heißt "Schaumermal", das heißt eher "nein". Die Chance auf ein "ja" hat homöopathische Werte.

    "Schaumermaldannsengma'sscho" ist ergebnisoffen.

    gut zu wissen, danke für die Nachhhilfe!

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Die allerwichtigste Phrase in Österreich - Deutsche bitte aufpassen! - ist: "Schau ma mal".

    Zitat von Teresa Präauer / SZ

    Bei uns wird der Wortwitz kultiviert. Wir essen unsere Mahlzeit mit Reimen, leiten den Nachmittag mit Epen ein. Im Schatten riesiger Bücher genießen wir die Freizeit, erwarten den Abend mit dem Klang des Akkordeons. Schaun wir mal! Überhaupt sagt man: in etwa, ungefähr, wir schauen einmal. Kaum ein Ja, kaum ein Nein. Ein Ja und ein Nein sind in unseren Ohren wie Ohrfeigen, die man hier Watschen nennt.

    SZ: Teresa Präauer, geb. 1979 in Linz, ist Schriftstellerin. Im März erschien ihr Roman "Kochen im falschen Jahrhundert" (Wallstein).

    Die gute Frau sollte bald nach Hause kommen, offensichtlich leidet sie sehr an Heimweh! Da scheint manches sehr durch die rosarote Brille gesehen zu werden! Meines Wissens gehören die Ösis zu den faulsten Lesern in den OECD Staaten, und der Wortwitz, den bei uns v.a. der Chef der FPÖ bei allen möglichen Gelegenheiten bemüht, geht oft mit einer maladen Grammatik einher.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Da lerne ich lieber Boarisch! Wien und Salzburg: "das geht sich nicht aus".

    Ich weiß!

    Meine Lieblingsstadt ist allerdings Wien (nach München natürlich). "Da fühl i mi z'haus". ;) Nach Berlin dagegen zieht es mich nicht.

    Das Lustige ist ja: in Wien fragen mich die Leute manchmal, ob ich Salzburgerin sei. Warum, weiß ich auch nicht. Es könnte sein, durch meinen Mann, denn dessen Familie väterlicherseits stammt aus Gmunden im Salzkammergut.

    Wenn ich das dann berichtige, und sage, daß ich aus München komme, habe ich das Gefühl, das kommt besser an.....

  • Wenn ich das dann berichtige, und sage, daß ich aus München komme, habe ich das Gefühl, das kommt besser an.....

    Glaub ich sofort! Wobei die umgekehrte Situation, nämlich als Wiener in Salzburg, ist wirklich brutal. Klein machen und auf Zehenspitzen gehen ist da die Devise. :D

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Da scheint manches sehr durch die rosarote Brille gesehen zu werden!

    Ich denke mal, der Artikel war ja keine wissenschaftliche Abhandlung über die österreichische Sprache. Ich habe ihn eher als "g'spaßig" gesehen. Ansonsten hätte ich ihn auch als einigermaßen euphemistisch empfunden.

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