Daniil Trifonov - eine "singuläre Erscheinung am musikalischen Sternenhimmel"?

  • Wie oben jemand erwähnte, ist die Rede vom silbernen Zeitalter sogar in Nischen der Popkultur wie Comics üblich. Mir war es bzgl. Russland noch nie begegnet, zumal ich den Einschnitt 1917/18 als viel stärker gegenüber dem Unterschied zwischen 1870er-90er und den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jhd. gesehen hätte. Rimsky und Glasunov haben da ja auch noch gelebt.

    Moskau als drittes Rom war mir als Figur schon bekannt, es zeugt von Sendungsbewusstsein, aber es ist halt auch der einzige Kandidat :) Das westliche Reich hatte Rom immer noch als Sitz des Papstes, selbst wenn die weltlichen Kaiserstädte andere waren, d.h. Wien konnte kein drittes Rom werden, weil es ja im Bereich des ersten Rom war.
    Edit: Sehe gerade, dass die Idee tatsächlich schon aus dem frühen 16. Jhd. also relativ bald nach dem Untergang Konstantinopels stammt.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Die Einteilung in edelmetallene Zeitalter ist ursprünglich wohl ein römischer Topos, etwa eingangs bei Ovids Metamorphosen. Das mussten wir damals auswendig lernen... :ohnmacht1:

    Zum "Trjotyj Rym" vielleicht mal andernorts --> klares off-topic.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Soeben habe ich festgestellt, dass Daniil Trifonov sein angekündigtes Programm "geringfügig" geändert hat. Statt der angekündigten superspannenden Auswahl von Werken des 20. Jahrhunderts gibt es jetzt allen Ernstes (und als einziges Werk):

    Johann Sebastian Bach
    Die Kunst der Fuge BWV 1080

    Ohne mich. Ich lasse mir von diesen Künstlern und Konzertveranstaltern nicht mehr länger auf der Nase herumtanzen. Wenn man ein Programm ankündigt, dann sollte es auch so gespielt werden.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Wenn man ein Programm ankündigt, dann sollte es auch so gespielt werden.

    Oder einen triftigen Grund für die Änderung angeben. Eine Kürzung, weil Pause derzeit nicht möglich, wäre ja möglich. Doch ein derartiger Umbau --- der braucht schon eine triftige Begründung. Ich wäre vermutlich auch "leicht schäumend"!
    Hast Du schon einmal direkt nachgefragt beim Veranstalter?

  • Soeben habe ich festgestellt, dass Daniil Trifonov sein angekündigtes Programm "geringfügig" geändert hat. Statt der angekündigten superspannenden Auswahl von Werken des 20. Jahrhunderts gibt es jetzt allen Ernstes (und als einziges Werk):

    Johann Sebastian Bach
    Die Kunst der Fuge BWV 1080

    Oh, das ist ein extremer Kurswechsel - gleich ein Epochenwechsel miteingearbeitet... 8|

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Aber macht die Komponistentätigkeit einen Unterschied in der Interpretation aus? Es mag sein, dass er dadurch anders an Stücke herangeht, aber zählt das für den Rezipienten? Wird es dadurch besser?

    Das hängt m. E. von der Qualität der komponierten Musik ab. Kennt da jemand etwas? Wird das aufgeführt?

    Ich antwortete Euch beiden besser Im Daniil Trifonov-Thread, nicht im Igor Levit-Thread:

    Ich weiß nicht, ob sich Trifonov selbst in einer anderen Herangehensweise an Fremdkompositionen sieht, seitdem er komponierender Interpret ist und nicht nur Interpret. Ich könnte mir das schon vorstellen, aber da müsste man ihn selbst fragen.

    Von seinen Werken kenne ich die Suite für Klavier "Rachmaniana", die auf DG veröffentlicht wurde

    sowie sein Klavierkonzert (uraufgeführt 2013) und sein Klavierquintett (uraufgeführt 2019). Alles Werke, die mir sehr gefallen.

    Für die Uraufführung seines Doppelkonzerts für Klavier, Violine und Streichorchester mit Gidon Kremer und der Kremerata Baltica hatte ich Karten, aber durch den Fahrradunfall Trifonovs, infolgedessen er seine Füße nicht mehr ordnungsgemäß benutzen und somit nicht pedalisieren konnte, musste er leider absagen, sodass ich als Ersatz für sein Werk "Fratres" von Arvo Pärt zu hören bekam. Selten so gelangweilt...

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Noch bis zum 7. März gibt es auf
    https://www.ndr.de/orchester_chor…rifonov124.html
    einen Konzertmitschnitt aus der Elbphilharmonie in Hamburg vom 5. Februar 2021 mit Daniil Trifonov und dem NDR Elbphilharmonie Orchester, geleitet von Alan Gilbert, kostenfrei abzurufen.

    Trifonov spielt das Konzert für Klavier und Streichorchester von Alfred Schnittke sowie das Klavierkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofiew. Beide Werke hat Trifonov noch nicht auf Tonträger aufgenommen, sodass dieser Mitschnitt vielleicht auf Interesse stoßen dürfte.

    Besonders herrlich finde ich seine Zugabe, nämlich einen Satz aus einer Sonate von Johann Christian Bach. Kann mir einer von Euch weiterhelfen, um welches Stück es sich handelt? Auf der NDR-Homepage
    https://www.ndr.de/kultur/elbphil…rifonov126.html
    wird es leider nicht näher spezifiziert.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Weil du es bist : Sonata A-Dur op.17,5

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Emile Naoumoff hat mal alle Sonaten von Johann Christian Bach eingespielt . 3 CDs . Es war zuviel für mich .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Die Fisherman's friends unter den Klaviersonaten?

    Keineswegs . Ich muss damit leben , daß mir eine Überdosis Jean Chretien , von Emile verabreicht , nicht zuträglich ist . Ich mochte sowieso nur op.5 No.6 & op.17 No.5 . Also kein allzu herber Verlust .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Daniil Trifonov wird am letzten August-Wochenende mit zwei Konzerten im Kieler Schloss (28. und 29. August) die Abschlusskonzerte des diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festivals bestreiten. Er spielt - was vielleicht nicht gerade einen Preis als originellste Programmgestaltung des Jahres gewinnen wird - Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2:
    https://www.shmf.de/de/veranstaltu…l-trifonov-1197
    https://www.shmf.de/de/veranstaltu…l-trifonov-1198

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Am 8. Oktober 2021 erscheint ein neues Doppelalbum von Daniil Trifonov:

    Die von mir in der Interpretation Trifonovs sehr geschätzte

    Sonata A-Dur op.17,5

    von Johann Christian Bach ist glücklicherweise auf diesem Album enthalten.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Das aktuelle Programm der USA-Tournee von Daniil Trifonov lautet:

    Karol Szymanowski Sonate Nr. 3 op. 36

    Claude Debussy Pour le Piano

    Sergej Prokofiew Sarkasmen op. 17

    Johannes Brahms Sonate Nr. 3 f-moll op. 5

    (Quelle: https://www.hjseries.org/events/2022/04…cIbGVNm5GYxbcm8)

    Und das nächste Recital-Programm Trifonovs steht auch schon fest. Jedenfalls in Hamburg - aber sicherlich auch in anderen europäischen Städten - wird Daniil Trifonov in der kommenden Saison folgende Werke zu Gehör bringen:

    Pjotr Tschaikowsky Kinderalbum op. 39

    Robert Schumann Fantasie C-Dur op. 17

    Wolfgang Amadeus Mozart Fantasie c-moll KV 475

    Maurice Ravel "Gaspard de la nuit"

    Alexander Scriabin Sonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53

    (Quelle: https://www.proarte.de/de/veranstaltungen/6337850/)

    Die nächste CD-Veröffentlichung wird sein:

    Auch insoweit wird es flankierende Konzerte geben.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

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