J. S. Bach erfahren ...

  • ich denke wer sich für klassische musik interessiert kommt an js bach kaum vorbei. da muss man sich nicht eigens einarbeiten wollen er ist überall präsent. die beiden passionen das weihnachtsoratorium die h-moll-messe die kantaten sind allesamt permanent zu hören ebenso die kammermusik mit den berühmten suiten etc. für violine oder cello und natürlich die werke für tasteninstrumente gbv kdf wtc. da dürften auch diskographisch einige rekordhalter dabei sein. man sagt wer mahlers adagio der neunten nichts abgewinnen kann sollte von ihm lassen. wer von den genannten bachwerken nicht angesprochen wird sollte es ähnlich halten.

  • Selbst in einem kleinbürgerlichen Haushalt und normalem Musikunterricht kann man sich Bach doch kaum entziehen, oder?
    ...


    Vielleicht liegt darin das Problem. Die kleinbürgerliche Seichtigkeit und die Langeweile des "normalen" Musikunterrichts halte ich nicht für wirksam, wenn es darum geht, für Bach (oder irgendeinen anderen Komponisten) zu begeistern. Wenn jemand etwas über das Meer erfahren will, sind Übungsfahrten mit dem Tretboot auf dem Dorftümpel ebenso wenig hilfreich, wie es der Ausflug auf den benachbarten Mittelgebirgshügel für den ist, der ein Erlebnis vom Hochgebirge sucht.


    Wer Bach hören möchte, sollte bereit sein, sich auf das Schwierige und das Aufregende einzulassen. Wer das nicht sucht, ist bei Bach falsch.


    Meine - antipädagogische - Empfehlung wäre daher z.B. das Musikalische Opfer: Entweder das sechsstimmige Ricercare löst die Gänsehaut aus, die einen auch auf die scheinbar spröden anderen Teile des Werks neugierig machen - bis hin zum "Schock" über die eingängige Melodik der Triosonate - oder man ist eben bei Bach falsch.


    Und wenn es um "ideologische" (in diesem Fall religiöse) Voreinstellungen geht, die man nicht teilt, dann rate ich auch nicht dazu, sich dem zu entziehen, sondern mit der h-Moll Messe anzufangen: Von den einleitenden Takten des Kyrie, die so fremdartig klingen, wie die zeitgenössische Avantgarde, bis hin zur brandaktuellen Forderung des "dona nobis pacem". Wenn es um Musik geht, die mehr ist als seichte Unterhaltung, muss sie verstören. Wer das nicht will und auch nicht sucht, ist eben bei Bach falsch.


    (Nur zur Vermeidung von Missverständnissen: ich bin sicher, dass "Kater Murr" das im Ergebnis nicht anders sieht).

  • schwer zu sagen. bwv 1079 hielte ich nun gerade nicht für idealen einstieg. ansonsten aber stimme ich zu dass man berührt oder fasziniert sein sollte. wer von den eingangspassagen der großen geistlichen werke nicht bewegt wird von den kosmischen harmonien und intimität der gbv nicht geläutert von den cellosuiten nicht im mark erschüttert der taugt eben eher für andere musik.

  • ich denke wer sich für klassische musik interessiert kommt an js bach kaum vorbei. da muss man sich nicht eigens einarbeiten wollen er ist überall präsent


    man kann allerdings schlecht von anderen Leuten erwarten , wie deren musikalische Sozialisation gewesen zu sein hat.

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Zitat

    ich denke wer sich für klassische musik interessiert kommt an js bach kaum vorbei

    Wie kommst Du darauf? Ich habe sehr lange einen großen Bogen um ihn gemacht, da ich nichts mit ihm anzufangen wusste. Das ist heute nur geringfügig anders, aber immerhin finde ich einige Werke für MICH hörenswert. Bitte nicht falsch verstehen, es hat nichts mit Abwertung zu tun, ich finde seine Musik einfach ZU genial und überfrachtet. Mir ist das einfach "to much".

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • ansonsten aber stimme ich zu dass man berührt oder fasziniert sein sollte. wer von den eingangspassagen der großen geistlichen werke nicht berührt wird von den kosmischen harmonien der gbv nicht geläutert von den cellosuiten nicht im mark erschüttert der taugt eben eher für andere musik.


    pardon, aber jetzt anfangen Kanon-Listen aufzustellen mit Werken, von denen man bitte erschüttert zu sein hat, sonst hat man sich disqualifiziert, finde ich keine gute Idee.


    Es gibt sogar die ehrenwertesten (auch musikalisch ehrenwertesten) Personen mit Bach-Abneigung.

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Zitat


    Davon bin ich nun eher erschüttert als von Bachs Werken. Seit wann bestimmt jemand, wann man Gefühle oder Erschütterung zeigen muss bei bestimmten Werken? Das ist doch Unsinn.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • ansonsten aber stimme ich zu dass man berührt oder fasziniert sein sollte. wer von den eingangspassagen der großen geistlichen werke nicht bewegt wird von den kosmischen harmonien und intimität der gbv nicht geläutert von den cellosuiten nicht im mark erschüttert der taugt eben eher für andere musik.


    Die "kosmischen Harmonien der Goldbergvariationen"? Das verstehe ich nicht. Welche Harmonien meinst Du genau?


    Das Hören der Cellosuiten bewirkt bei mir eher so etwas wie eine geistige Reinigung denn eine Erschütterung. Vor allem in der Aufnahme von Fournier. Ist das auch eine legitime Reaktion, Deiner Meinung nach? Oder andersherum: Welche Stellen findest Du besonders erschütternd?


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vielleicht liegt darin das Problem. Die kleinbürgerliche Seichtigkeit und die Langeweile des "normalen" Musikunterrichts halte ich nicht für wirksam, wenn es darum geht, für Bach (oder irgendeinen anderen Komponisten) zu begeistern.


    Naja, ich meinte das eher so, dass Bach (anders als vermutlich Bruckner oder Stravinsky) ein Komponist ist, von dem man normalerweise auch als Noch-nicht-Klassikhörer halt einige Stücke gehört hat bzw. der einfach "dazu gehört", so dass großartige Initiationen oder Erweckungserlebnisse eher selten sein dürften. Begeisterung ist weitgehend unverfügbar, ist aber auch nicht notwendig als unmittelbare Reaktion, um Musik kennen- und schätzen zu lernen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Mir hat viel geholfen, in der Kindheit schon Klavier gelernt zu haben. Als ich die 1. zweistimmige Invention üben musste, habe ich vorgeblättert und bin auf die 8. gestoßen, in F-Dur. Das war einer der Top Hits meines Möchtegernklavierspiels der Anfangszeit. Allein nur dieses kleine Stück Musik hat mich für alle Zeit für Bach geöffnet.
    "https://www.youtube.com/watch?v=8_naxLJr1yg"

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand generelle Vorbehalte gegenüber der Musik von JS Bach hat, der gleichzeitig von sich behauptet ein Freund klassischer Musik zu sein. Das Werk von Bach ist derart universell und in großen Teilen zeitlos, dass eigentlich für jeden etwas dabei sein müsste. Wer lieber den einfachen Zugang sucht hört sich die "Kaffeekantate" an und der anspruchsvollere Hörer "Die Kunst der Fuge", um einmal die extremen Fixpunkte zu nennen. Dazwischen läge möglicherweise das "Magnificat".
    So viele nachfolgende Musiker haben sich auf Bach bezogen, dass er auch in zahlreichen Schöpfungen bis zur Gegenwart präsent ist. Bach ist das alpha et omega der Musik. Ein Leben ohne seine Musik wäre vielleicht möglich, aber für mich nicht lebenswert.


    Seit ich mit 12 Jahren seine 2stimmigen Inventionen geübt habe, gab es kaum Zeiten in denen ich seine Musik nicht gehört oder gespielt hätte. Und die Entdeckungsreise ist noch lange nicht zu Ende, und wird auch nur durch mein Ableben einen unfreiwilligen Abbruch erfahren.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Mein persönlicher Einstiegsjoint für Bachmucke bildete das WTK I & II ..... seither ist seine Mucke einer der Fixsterne.

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Bitte nicht falsch verstehen, es hat nichts mit Abwertung zu tun, ich finde seine Musik einfach ZU genial und überfrachtet. Mir ist das einfach "to much".


    Zu dem Thema gabs vor paar wenigen Wochen in einem unserer Nachbarforen eine ganz interessante Diskussion:


    "http://www.eroica-klassikforum.de/index.php?page=Thread&threadID=1928&pageNo=1"

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Seit ich mit 12 Jahren seine 2stimmigen Inventionen geübt habe, gab es kaum Zeiten in denen ich seine Musik nicht gehört hätte.


    Der selbstspielende Zugang zu Bach bekam für mich erst mit ca 28 Jahren neuen Drive, als mir ein Freund lauter Gitarrennoten von Sätzen aus Cellosuiten etc hinlegte und ich richtig Feuer fing. Seitdem ist gerade der Bach der tänzerischen Suitensätze für mich ein Fixpunkt und immer wieder eine Herausforderung im Suchen und Finden von Fingersätzen, die eine ausdrucksvolle Phrasierung unterstützen...

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Um das "Bach erfahren" geht es.
    Interpretation spielt eine Rolle dabei.


    Seit meinem achten Lebensjahr höre ich Musik, natürlich auch Bach.
    Oft tat ich mich schwer mit seiner Musik, manchmal musste ich als Kind darum kämpfen, ihn im Elternhaus hören zu dürfen.
    Dazwischen liegen jetzt vierzig Jahre Beschäftigung, aber ein "absolutes Bach- Bild" habe ich bis heute nicht errungen.


    Aus meinen Kindheitserfahrungen heraus würde ich argumentieren: jeder solle die Suche zu Bach unterstützen.
    Vielleicht sind bloße Werkaufzählungen ja gar nicht hilfreich, nicht mal erwartet?
    Vielleicht Beschreibungen von Erlebnissen, die eine Art "Aha" auslösten beim einen oder anderen?


    Vielleicht auch habe ich nicht viel übrig dafür, Bach auf diesem Sockel zu sehen, als unantastbare Größe per se, als wasweißich wievielten Evangelisten, sondern seine Musik sehe im Rahmen derer seiner Zeitgenossen und Kollegen.


    Da kann dann schon passieren, dass ich eine Orchestersuite höre und finde, dass Telemann das aber überzeugender gemacht hat.
    Hörte gerade gestern Graupner-Kantaten: der findet auch sehr schlüssige und anrührende Löungen für Lehm- Texte.


    Vielleicht ist es das Anrühren. Vielleicht fällt das so schwer, weil Bach zu uns zu stehen scheint wie die Sonne zur Erde.
    Vielleicht war aber auch er jemand, der mal eben zuviel Bier getrunken hat? Der eine Familie hatte mit vielen Kindern- also eigentlich so anders gar nicht war als wir?
    Und seine Musik im Grunde kaum anderes als Ausdruck seiner Fähigkeiten und oft auch nur Alltägliches bediente?


    Die immense Leistung seines Werkes und Wirkens wird um so deutlicher, ihn im Rahmen anderer zu sehen.


    Telemann gilt heute oft immer noch als...naja, nicht so ganz seriös...wieso nicht mal beginnen bei Kantaten aus dem BWV-Anhang, die von Telemann stammen?
    Nimmt Berührungängste!
    Ja! Bach hat "abgeschrieben"! Er fiel nicht vom Himmel.


    Ganz persönlich an die Thread- Eröffnerin: lass Dir bloß keine Angst einjagen vom "Übervater" der Musik!
    Der hat geatmet, getrunken und gegessen wie Du und ich- vielleicht mehr, grins.
    Und seine Musik ist auch irdisch und kein göttlicher Odem.
    Sie kann Spaß machen, richtig großen sogar.
    Und sie ist vergessen worden für ca. 100 Jahre- oops?
    Sagt nichts über ihre Qualität, sehr wohl aber was über die Rezeption.
    Und die heutige, ihn als Monument zu sehen, ist nicht immer so gewesen.


    Also: keine Angst! Nicht zuviele Gedanken!
    Und dann drauflos! Da ist eine Arie "Ach mein Sinn, wo willt du endlich hin" aus der Johannes- Passion ja eigentlich keine Geistliche Musik, sondern eigentlich Oper.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Liebe Newbie, meine ersten Begegnungen mit den Werken von J.S. Bach waren auch eher unfreiwillig. Nach besonders feierlichen Messen wurde in der Pfarrei meiner Kindheit häufig BWV 565 gespielt (war jeweils in jeder Hinsicht Musik in meinen Ohren).
    Bach komponierte das Werk zwar für Orgel, es gibt jedoch sehr viele Adaptationen und Transkriptionen (Klavier (Busoni), Geige (sehr schöne Einspielung mit A. Manze), Guitarre, Harfe, Orchester etc). Vermutlich bist Du dem Werk auch schon begegnet ohne es Bach zugeordnet zu haben. Bei Wikipedia findest Du eine kurze Einführung; auf Youtube hat es neben …. auch recht gute Aufnahmen.
    Einen Zugang zu Bachs Vokalmusik können Dir auch seine “Glückwunschkantaten" (wie BWV 213 und 214) vermitteln (kleiner Hinweis: die Texte sind zwar “weltlich”, für unsere Zeit teilweise jedoch auch eher etwas befremdlich). Auch zu diesen Werken findest Du näheres bei Wikipedia und Youtube.
    Gruß, minuetto

  • Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand generelle Vorbehalte gegenüber der Musik von JS Bach hat, der gleichzeitig von sich behauptet ein Freund klassischer Musik zu sein. Das Werk von Bach ist derart universell und in großen Teilen zeitlos, dass eigentlich für jeden etwas dabei sein müsste.


    Das geht nun aber wieder in Richtung des "Und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesen Bund" [derer, die von sich behaupten, Freunde, klassischer Musik zu sein].
    Es müssen ja keine generellen Vorbehalte, sondern könnte auch die Feststellung nach dem Anhören konkreter Stücke sein, dass das nichts für einen ist.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Es müssen ja keine generellen Vorbehalte, sondern könnte auch die Feststellung nach dem Anhören konkreter Stücke sein, dass das nichts für einen ist.


    Das habe ich ja damit zum Ausdruck bringen wollen. Das es einzelne Werke gibt mit denen man Probleme hat halte ich für normal. Nur wenn jemand die Musik von JS Bach komplett ablehnt hätte ich Schwierigkeiten demjenigen ein Engagement für klassische Musik zu glauben.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Warum?
    Es gibt meinem Eindruck nach gar nicht wenige Hörer, die wenig Begeisterung für Musik vor ca. Beethoven aufbringen können. Ob die zB Bachs Musik nun ablehnen oder mit wohlwollender Indifferenz ignorieren (egal wie intensiv sie sich vorher damit befasst haben), halte ich für zweitrangig.
    Ich finde das zwar schwer nachvollziehbar (genauso wie den auch nicht seltenen umgekehrten Fall, dass jemand Musik nach 1750 weitgehend ignoriert). Aber warum sollte ich solchen Hörern Begeisterung für die Musik, die sie eben begeistert, und in diesem Rahmen eben auch Engagement für klassische Musik absprechen?


    Was wäre, wenn jemand die Musik Mozarts,Haydns, Beethovens, Wagners, Brahms' usw. (oder mehr oder weniger) komplett ablehnt)? Ist mir annähernd alles schon begegnet. Etliches davon kann man hier im Forum nachlesen ;+)


    Für Bach, gerade angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte seines Schaffens mehr oder minder gottesdienstliche (also auf einen bestimmten äußeren Zweck gerichtete) Musik ist, eine besondere "Zeitlosigkeit", auf die jeder positiv reagieren sollte, zu beanspruchen, leuchtet mir nicht ein.

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    (B. Pascal)

  • Für Bach, gerade angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte seines Schaffens mehr oder minder gottesdienstliche (also auf einen bestimmten äußeren Zweck gerichtete) Musik ist, eine besondere "Zeitlosigkeit", auf die jeder positiv reagieren sollte, zu beanspruchen, leuchtet mir nicht ein.


    Naja, das würde ich aber schon so sagen... wie übrigens auch bei anderen großen Komponisten (aber bei Bach vielleicht noch ein bisschen mehr ;)).
    Zum einen waren einige seiner "gottesdienstlichen" Kompositionen bekanntermaßen zuerst für einen weltlichen Rahmen gedacht und entsprechend textiert. Die Texte stammten in den meisten Fällen auch nicht aus seiner Feder...
    Ich finde, wenn man den Text außen vor lässt, die Musik schon sehr "zeitlos" - wenn man das so sagen kann. Immerhin wird sie heute immer noch gehört, ist aber natürlich trotzdem ein "Kind ihrer Zeit" und bricht gleichzeitig alte Grenzen auf.
    Bach hat es schon meisterhaft verstanden, Wort und Musik zu kombinieren und aufeinander zu beziehen, aber deswegen sind seine Vokalkompositionen auch ohne Text immer noch voll musikalischer Qualität.
    Ich stelle mir gerade diverse Arien auf "La la la" oder "Dubi du" vor.... ;)

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