albanberg.resampled.de - die bislang umfassendste Gesamtaufnahme: Ein Berg ist immer mehr als sein Gipfel

  • albanberg.resampled.de - die bislang umfassendste Gesamtaufnahme: Ein Berg ist immer mehr als sein Gipfel

    Liebe Capriolen und Kulturforinten,
    Hiermit möchte ich euch herzlich einladen zur Eröffnung meiner kürzlich komplettierten Alban Berg Gesamtaufnahme.("http://albanberg.resampled.de")


    Selbst wenn ich mir aufgrund des mir derzeit geläufigen Standes der Technik noch verkniffen habe, auch die beiden Opern Wozzeck und Lulu zu in vollständiger Inszenierung zu realisieren (hier habe ich mich daher auf Bergs eigenen Opern-Exzerpte für den Konzertgebrauch beschränkt), stellt dieses Projekt mit 12 Stunden Musik in 428 mp3s (darunter wohl 146 Erstaufnahmen) die bislang wohl umfassendste Repräsentation und Realisation des musikalischen Schaffen Alban Bergs dar und dürfte damit in aller Bescheidenheit so einiges (sprich eigentlich alles) zurecht rücken, was sich in Bezug auf Alban Berg - wie mir scheint doch samt und sonders eher voreilig - an den Begriff "Gesamt" heranwagte.


    Was also gibt es zu entdecken?
    - Vielleicht, dass auch bei diesem "Berg" der "Weg zum Gipfel" ein nicht unwesentlicher und in meinen Augen viel zu oft übersehenen Teil seiner Größe ausmacht?
    - Vielleicht, dass Bergs Moderne keine Revolution gegen irgendetwas ist, sondern eine Hochromantik, die einfach immer weiter über sich hinauswächst - und in diesem Sinne vielleicht auf diese Weise nur noch besser erkennbar bis zu den expressionistischsten und konstruktivistischsten Werken dem Wesen nach tief empfundene Romantik ist und bleibt?
    - Vielleicht, dass manche von Bergs Ideen Fragment blieben, weil die Idee so hoch zielte, dass musikalische Form und Geanken nicht mehr folgen konnten. (auch das ist in meinen Ohren kein Scheitern, sondern eher ein ästhetischer Akt der Kraft, die eben weiter zielt, als bloß in den gewohnten Bahnen zu kreisen.
    - Vielleicht, dass es durchaus sinnvoll sein kann Bergs Tempi und Interpretationsangaben konsequent zu folgen, statt ihn noch zusätzlich durch spätromantische Interpretationsgewohnheiten und Klischees so zu verseifen dass man sich wieder ganz wie im Hause Wagner fühlt - wie das nicht wenige in der Interpretationsgeschichte der Werke Berg immer wieder tun.


    Auch wenn ich nun einmal nicht mehr und nicht weniger bieten kann als mir nach besten Wissen und Gewissen mit meinen Mitteln möglich ist, war mir das ein ausgesprochen spannendes anregendes Projekt, an dessen nun hörbaren Ergebnissen ich euch hiermit gerne teilhaben lassen möchte.
    Es würde mich frreuen, wenn der eine oder andere Interessent an Bergs Musik darin auch für sich die eine oder andere Anregung zum Schaffen Bergs entdecken würde.


    Wen es interressiert siehe hier: "http://albanberg.resampled.de"


    Es gibt natürlich bei zahlreichen Teilaspekten des Werkes und seiner Realisation noch etliches zu berichten, mit dem ich wohl eher Buchdeckel als Forenspalten füllen könnte. Aber ich halte mich da mit etwaigen Detaildiskussionen mal besser solange zurück, bis jemand entsprechend konkrete Nachfragen stellt, auf die ich mich natürlich herzlich freue.


    mit besten Grüßen
    fahl5

  • Vielleicht könnten wir mal den Teufelskreis durchbrechen, der darin besteht das jemand das Vorgehen von Steffen Fahl kritisiert und dann prompt die Gegenreaktion kommt, die auch nicht freundlicher ausfällt. Über die Methodik und unterschiedlichen Ansichten zu der gewählten Technik ist ja bereits hinlänglich gestritten worden, so dass wir diesen Punkt nicht wieder aufwärmen sollten. Was zählt ist das Resultat.


    Und damit habe ich mich einmal bei den Vokalkompositionen beschäftigt. Hier zeigt sich, welche fundamentalen Schwächen diese Methode der Musikreproduktion hat. Die menschliche Stimme besteht nicht nur aus nachformbaren Klangpartikeln, sondern gehört immer zu einem Individuum. Die Person hinter der Stimme prägt den Gesang ganz entscheidend. Diese Komponente fehlt hingegen in der Realisierung von Steffen Fahl vollkommen. Die Stimmen wirken roboterhaft, unpersönlich und entstellt. Auch wenn das vielleicht abgedroschen klingt, es fehlt die Seele in der Musik. Ich kann das nicht ohne Schaudern anhören, und es ist überhaupt keine Alternative zu echtem Gesang. Es bereitet mir sogar physisches Unbehagen. Es gibt bestimmt Menschen die das interessant finden, und ich habe großen Respekt vor der enormen Leistung die dahinter steckt. Aber für mich ist das ein Irrweg. Eine entmenschte Musik. Sorry dass ich das so deutlich sagen muß, aber es ist meine Meinung, von der ich weder erwarte das sie geteilt werden muß, noch dass sie einen Anspruch auf Repräsentanz hat.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Hallo Eusebius,
    Mal abgesehen davon dass ich nicht sehen kann hier auf nur irgendetwas in irgend einerWeise unangemessen reagiert zu haben und daher weniger einen "Teufelskreis" sehe, als vielmehr viel Verständnis dafür habe, dass die Moderation die letzten wenig sachbezogenen Beiträge in den Splitter geschoben hat, kann ich deine Vorbehalte gegenüber meinen Ergebnissen gerade im Bereich des Klavierliedes vollkommen nachvollziehen.


    Ich sehe da selbst eine der größten Schwachstellen der mir verfügbaren Technik. Gerade beim Klavierlied bei dem die mesnchliche Stimme mit all ihrer Artiklations- und Nuancierfähigkeit so vollkommen "ungeschützt" im Mittelpunkt steht empfinde ich selbst auch die größte Unzufriedenheit mit den derzeit erreichbaren Resultaten.
    Natürlich habe ich daher ich von Anfang an betont, dass "ich nun einmal nicht mehr und nicht weniger bieten kann als mir nach besten Wissen und Gewissen mit meinen Mitteln möglich ist," (Auch ist das ein Grund, weshalb ich mich bei den Opern dann doch vorerst zurück gehalten habe.)


    Allerdings sein wir mal ehrlich: fast 10 Stunden also über 3/4 des Projektes sind überhaupt keine Klavierlieder, als Pars pro toto scheinen mir persönlich diese Einwände daher schon rein Quantitativ nicht so tragfähig. Ehrlich gesagt habe ich aus eben dem selben Unbehagen auch mit mir gerungen, ob ich mich überhapt mit den Klavierliedern befassen sollte. Ich will Dir sagen welche Aspekte mich dann doch dazu haben entschließen lassen: Ein nicht unwesentlicher Aspekt meines Projektes besteht ja darin eine Übersicht zu geben was überhaupt alles da ist. Das ist angesichts der geringen Anzahl späterbereits im Musikbetrieb kanonisierter Werke und der doch recht beträchtlichen Anzahl von Werken und Versuchen, die Berg mit nicht mindern großem Ernst auf dem Weg zu diesen Werken geschaffen hat zumindest in meine Augen ein durchaus spannender Moment an meinem Projekt. Ich denke daher dass dieses Projekt schon viel erreicht hat wenn es den einen oder anderen Interpreten anregen kann:
    a) sich auch mit der Interpretation weniger bekannter Werke Bergs anzunehmen, von deren Existenz er möglicherweise noch gar nicht gewusst hat. So sind von den durchaus beliebten Jugendliedern Bergs seit Jahren immer nur jene Interpretiert worden, die in den 80ern in den beiden Bänden der UE herausgegeben worden waren, obwohl es noch gut 25 weitere teils noch bessere Jugendlieder im Manuskript gibt, von denen bislang offfenbar kaum jjemand ausserhalb der Alban Berg Stiftung nennenswert Notiz genommen hatte.
    b) Es würde mich ausrücklich freuen, wenn meine ersten Versuchen diesen Liedern mit meinen Mitteln eine Stimme zu verleihen in deinem Sinne denn leidenschftlichen Wunsch nach versierteren Interpreten hervorrufen nach aber auch das wäre mir ehrlich gesagt doch weit lieber, als dass sie weiter in den Archiven der ÖNB versttauben, woran die bestenfalls pauschalen Hinweise auf etliche unveröffentliche Jugend und Studien Werke allein bislang offenbar nicht das geringste ändern konnte. Nicht viel besser sieht das aber selbst bei der tatsächlich überwiegend schon seit Jahrzehnten in der Gesamtausgabe vorgelegten Kammermusik und Klaviermusik des frühen Berg aus, die mal abgesehen von ersten Stippvisiten des LasalleQuartetts und J.J.Dünki kaum Berücksichtigung gefunden haben, obgleich Berg in meinen augen auch da immer wieder für ihn jeweils hohe kompositorische Ansprüche umsetzen konnte.
    c) bei einigen tatsächlich bereits im Konzertbetrieb etablierten Werken, fand ich es dennoch spnnend zu sehen, was eine tatsächlich konsequente Interpretation des tatsächlichen Patiturtextes hervorbringt. z.B. das viele Werke doch deutlich langsamer genommen werden als dies von Beg vorgesehen ist, zum teil dadurch in meinen Augen überromantisiert werden. Teils ist es auch einmal interessant den Notentext präzise zu hören, wo auch die Grenzen versierter traditioneller Interpreten erreicht bzw, überschritten werden. Das soll keine Leistung anderer Interpreten herabwürdigen, die sicher alle ihr jeweils bestes geben, sondern lediglich vorstellen welche Möglichkeiten im tatssächlichen Partiturtext noch verborgen sein könnten. Wieso sollte auch dies nicht den einen oder anderen versierten Interpreten in der Entwicklung seiner Deutung eines Werkes Alabn Bergs anregen können.


    Kurz: dieses Projekt stellt eine Bestandsaufnahme der mir zugänglchen Werke Bergs dar, die ich nicht wie andere (leider bislang wie mir scheint duch gängig eher unvollständige Werkverzeichnisse) mit mehr oder weniger treffenden Titeln auflistenn sondern mit meinen Mitteln bis in das Detail der klanglichen Möglichkeiten hinein soweit vorstellen möchte wie mir das eben möglich ist. Dass hinter diesem Projekt tatsächlich eine ganze Menge Arbeit steckt, die zumindest in meinen Augen nie geleistet worden wäre, wenn da nicht eine Seele dahinter stünde, die es für Wert schätz sich dieser Aufgabe in dem hier erforderlichen Maße hinzugeben, macht es mir schon manchmal schwer, Verständnis für die eine oder andere besonders in diesem Forum übliche mit Seelenterminologie argumentierende digitophobe Auslassung zu finden. In meinen Augen unterschätzt jemand die Möglichkeiten der mennschlichen Seele doch fundamental, der damit glaubt sie eigne sich nur dazu seine Angst vor neuem und sein Beharren auf Gewohntem zu legitimieren. Ich denke wer sich der Kommuniktion mit der Gegenwart und ihren Möglichkeiten nicht verschließt kann und wird auch erkennen, welche Hilfe und Anregung daraus für die Pflege unserer reichen Tradition ausgehen kann.


    Ich hoffe Eusebius respektvoll ernsthaft und vielleicht sogar auch in einigen abweichenden Punkten nachvollziehbar reagiert zu haben. Auch ich will die leidigen Diskussionen darum ob wir im 19. oder 21. Jahrhundert leben hier nicht zum xten Mal aufkochen. Für mich zumindest war diese Befassung mit Alban Bergs tatsächlich Schaffen in vielen Punkten aufschlussreich und freue mich für jeden, dem ich damit vielleicht auch die eine oder andere Anregung zu geben vermag. Nicht mehr und nicht weniger. Ich denke in diesem Sinne sollte es eigentlich auch hier möglich einen einigermaßen zivilisierten, unemotionalisierten Austausch darüber zu führen, zu dem ich hoffentlich auch mit diesem Post etwas beitragen konnte.
    Gruß
    Steffen

  • Lieber Steffen


    Ich habe leider nicht die Zeit in ähnlich ausführlicher Weise zu antworten, daher nur kurz meine grundsätzliche Einstellung zu dem Thema.


    Meine Bemerkungen zu der Vokalmusik waren nur ein Beispiel, und zugegebener Maßen das krasseste. Aber ich habe grundlegende Vorbehalte gegen das Verfahren, weil es nach meinem Verständnis nichts mit Musik zu tun hat. Musik kommt für mich nur durch menschliche Aktion und Interaktion zu Stande, es sei denn sie ist explizit für eine Maschine konzipiert (wie etwa die Player Piano Stücke von Conlon Nancarrow). Ein Streichquartett ist für 4 Musiker mit jeweils einem Streichinstrument geschrieben. Ich kann den Klang der Instrumente synthetisch erzeugen, aber nicht die Interaktion. Und das hört man Deinen Realisierungen deutlich an. Sie wirken mechanisch und roboterhaft. Da klingt eine Violine vielleicht wie eine solche, aber sie wird nicht gespielt sondern gesteuert.


    Deine Intention, die Aufmerksamkeit auf Unentdecktes zu lenken, kann ich hingegen ausdrücklich befürworten. Das ist aber mehr ein philologischer Aspekt. Das Klangresultat ist in jedem Falle einer realen Aufführung klar unterlegen, und für eine Rezeption ungeeignet. Ein versierter Musiker ist jedoch in der Lage das Stück aus der Partitur zu erfassen. Sollte sich jemand also ernsthaft mit der Realisierung unveröffentlichter Werke von Alban Berg beschäftigen wollen, so leistet das Partiturstudium ähnliches wie Dein Umsetzungsverfahren. Ich bin auch skeptisch, ob sich ein Musiker durch Deine Realisierungen anlocken lässt. Aber das möge jeder für sich selber entscheiden. Es ist sicher einen Versuch wert. Ob sich dafür der enorme Aufwand lohnt musst Du Dir selber beantworten.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Lieber Eusebius,
    Es steht mir weder an noch habe ich den dazu nötgen missionarischen Eifer irgendwelche Glaubensdinge zu beeinflussen, zumal das etwa bei den auf meiner Seite von Nutzern teils sehr gut beuteilte Streichquartetten ganz offenbar doch eine ganz unterschiedlich beurteilte Geschmacksfrage ist in die ich ebenso niemandem hineinreden möchte wie ich mir selbst auch mein subjektives Urteil ganz nach meiner Facon erlaube.


    Zu Recht erwähnst du den durchaus Philologischen Aspekt meines Projektes. Und ich muss gestehen, dass mich persönlich schon immer jene Musiker mehr interessaiert haben, die auch die nötige philologische Neugier auufgebracht haben um ihre eigene musikalische Praxis vor der Routine des ewig gleichen zu bewahren. Andererseits habe ich von Seiten der Philologie immer bedauert, dass sie ab einem gewissen Punkt beim Apell stehen blieb, auf all das hinzuweisen, was dann die oft eher auf Routine bedachten Praktiker dann doch nicht umgesetzt haben. Da ich nun in beiden Bereichen durch meinen Werdegang leidlich beschlaggen bin. bietet sich mir die Möglichkeit konkreter zu werden als mit der Aufstellung von doch immer troockenen Werklisten und Katalogen und Vielfältiger als mit dem Abspulen des einmal erarbeiten Repertoires.


    Sollte sich also wie du befürchtest, auch von mir kein Bühnenarbeiter dazu anregen lassen sich um diese unbekannteren Schätze zu bemühen, dann bin ich ehrlich gesagt froh, dass wenigstens ich diese Werke einmal nach meinem besten Wissen und Möglichkeiten hörbarer gemacht habe als dies jede bisherige Werkliste je konnte (wobei auch diese Listen angesichts des von mir präsentierten sich durchaus zu einigen Nachkorrekturen ihrer Inhalte "anregen" lassen könnten.)


    Dass ich hier tatsächlich eine dreistellige Zahl an Aufnahmen von bislang gänzlich ungehörter Musik von Alban Berg präsentieren kann, zeigt zumindest, dass die bestehenden Listen und Philologien die Insttumentalisten dieser Welt ganz offenbar auch nicht dazu bewegen konnten der Musikwelt etwas von diesen ungehobenen Schäzen zukommen zu lassen. Das gilt z.B. tatsächlich auch für eine erkleckliche Zahl der bereits seit Jahrzehnten publizierten wunderbaren instrumentalen Jugendwerke Alban Bergs, wo es sicher nicht an der wirklich eindruckvoll sorgfältigen Ausgabe aus den 90ern liegt.


    Kurz das Spiel "ich höre was, das du nicht hörst" rechtfertigt bei Kompositionen vesierten Komponisten vom Range eines Alban Berg zumindest in meinen Augen durchaus einige Anstrengung. Und wenn die musizierende Zunft sich dazu offenbar aus eigenem Antrieb nun mal nicht aufraffen kann, bin ich doppelt froh, dass wenigstens meine Seele bereit ist sich dieser Herausforderung zu stellen :)

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