Liszt: Klavier solo

  • Liszt: Klavier solo

    Soeben gehört: 12 Etudes d'exécution transcendante (Claudio Arrau)


    Sind beeindruckend und schön zugleich. Kein Kitsch.


    Jetzt wären die üblichen Fragen zu diskutieren, und am Ende sind sämtliche 45378 Klavierwerke von Liszt aufgezählt. Das ist auch gut so. Mich interessiert aber speziell:


    Welche Werke haltet ihr für besonders wichtig bzw. hochwertig?
    Die h-Moll-Sonate wird da wohl am meisten genannt. Was kommt dann: Sind die o.g. Etüden unter den Top 5? Und auch die Paganini-Etüden?


    Welche Werke - von denen, die öfter gespielt werden - haltet ihr am ehesten für überflüssig, und warum?
    Ich kenne z.B. die 19 Ungarischen Rhapsodien, da sind auch einige langweilige darunter...



    Thomas Deck

  • Also ich habe von diesen 45378 Klavierwerken, eine Konzertetüde (un sospiro) lange eingeübt, bis sie saß (Liszt ist Gold für die Finger, sagt man), hab die aber nie besonders lieb gewonnen, und bis dato auch kein anderes Werk von Liszt für Klavier. Für mich klingt immer noch der französische Salon durch, eben beim Klavier, das ja das Salonmusikinstrument per excellence ist. Ich wollte mich schon lange den symphonischen Werken von Liszt nähern, ist leider noch nicht dazu gekommen, die Auswahl ist ja nicht gering.
    Alles in allem schätze ich Liszt schon sehr hoch ein und von Kitsch würde ich nicht sprechen, eher vom damaligen Zeitgeschmack.
    Robert


    PS: die transzendentalen Etüden kenne ich, finde sie ähnlich angelegt, wie die Konzertetüden.

  • Mit Liszt hab' ich's nicht so (auf einen Nenner: kühl und technisch), daher findet sich bei mir wenig, z. B. dies:


    Franz Liszt (1811-1886)
    Années de Pèlerinage (Gesamtaufnahme)
    Jenő Jandó, Klavier
    3 CDs, Naxos 1991



    Soweit ich mich erinnere, eine recht gelungene Einspielung (Jandó schätze ich vor allem als Mozart-Interpreten), müßte es mal wieder auflegen.

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Welche Werke haltet ihr für besonders wichtig bzw. hochwertig?
    Die h-Moll-Sonate wird da wohl am meisten genannt. Was kommt dann:


    Die h-moll-Sonate verdient einen eigenen Thread möchte ich meinen.


    Aber es gibt ja nicht nur die h-moll-Sonate: da wären die Annees de Pelerinage, die späten Klavierstücke etc.


    Welche Werke - von denen, die öfter gespielt werden - haltet ihr am ehesten für überflüssig, und warum?


    Um die Frage definitiv beantworten zu können, kenne ich von Liszt nicht genügend Stücke- da hat er einfach zu viel komponiert ;+)



    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Die h-Moll-Sonate braucht einen eigenen Thread, da herrscht wohl Konsens.


    Frage also: Welche weiteren Werke benötigen einen eigenen Thread?


    Un sospiro habe ich soeben gehört. Das ist aber schon schön, und auch bekannt. Nicht so schwierig wie die Mazeppa-Etüde, oder?


    Ok, sowas wird wohl häufig gespielt, um einen äußeren Effekt zu erreichen. Da kann das Werk aber nichts dafür. Oder meint ihr, die Etüden passen gar nicht in ein "seriöses" Konzertprogramm? Werden die 12 Etudes d'exécution transcendante auch komplett aufgeführt? Wenn nein, sollte man das tun?


    Wie schätzt ihr die Paganini-Etüden ein?



    Thomas Deck

  • Frage also: Welche weiteren Werke benötigen einen eigenen Thread?


    Einen eigenen Thread würde ich für die Anneés vorschlagen, ebenso für das Spätwerk Liszts.


    Werden die 12 Etudes d'exécution transcendante auch komplett aufgeführt? Wenn nein, sollte man das tun?


    Persönlich gehört habe ich sie im Konzert vollständig noch nie- ob mal eine einzelne Etüde dabei war? Da lässt mich meine Erinnerung im Stich :D Ich würde aber einfach mal die These in den Raum stellen, dass man im Zweifelsfall Chopins Etüden-Zyklen häufiger im Konzertsaal begegnet. Gestern habe ich mir eine Neuaufnahme der Etüden zu Gemüte geführt, von Alice Sara Ott:



    Ott hat die Etüden für ihr Debutalbum bei der DG eingespielt. Wobei man Debut hier in Anführungszeichen setzten muss. Aufgenommen hat Ott die Etüden nämlich schon einmal: im Jahr 2004 für ihre erste CD - sie dürfte damals 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein. Es wäre sicher einmal reizvoll, beide CD´s zu vergleichen. Mein erster Eindruck: Technisch hat Alice Sara Ott die Etüden auf jeden Fall "drauf"- was ich schon für eine beachtliche Leistung halte. Und auch gestalterisch kann sich das hören lassen- aber für ein genaueres Fazit müsste ich die CD noch einige Mal hören. Eines ist sicher: Einfach heruntergedonnert ist das nicht. Wobei man als eine mögliche Referenz bei den Etüden immer noch Cziffra nennen sollte:



    Aber zu Cziffra müsste uns Cosima mehr sagen können, wenn sie aus dem Urlaub zurück ist. ;+)


    Zu Deiner Frage Thomas:


    Man muss die Etüden sicherlich nicht komplett spielen (das könnte den Hörer ermüden)- wobei meiner Meinung nach nichts dagegen spricht. Es kommt doch letztlich darauf an, was für ein Konzept der Interpret bei seiner Programmgestaltung im Sinn hat- und ob er den Etüden technisch und interpretatorisch gewachsen ist- wobei von Wilhelm Backhaus die Bemerkung überliefert ist, dass ein Pianist die sogenannte Campanella-Etüde jederzeit verfügbar haben müsse, als Reserve sozusagen (Ich zitiere jetzt aus dem Gedächtnis)


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Als Lisztspieler, würde ich zu Cziffra raten, warum?
    Er ist reifer, und Liszt war Ungar und dies darf man durchaus hören, wobei die Ott sehr schön spielt, ohne Manierismus, aber für meinen Geschmack etwas zu akrobatisch, wie es heute leider üblich ist, während Cziffra noch ein Ohrenschmaus ist, und wie ich sehe ist er selbst Ungar. Etwas Paprika darf bei Liszt schon drin sein.
    Michael

  • Liszt war Ungar


    Der dem Vernehmen nach, aber kein Wort Ungarisch konnte ;+)


    aber für meinen Geschmack etwas zu akrobatisch, wie es heute leider üblich ist


    Lieber Robert,


    eine Frage: Wenn Du hier schreibst "akrobatisch"- was meinst Du damit genau, ihre Gestik oder ähnliches?


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Mit Liszt hatte ich es - was das Soloklavier betrifft - ebenso wie Gurnemanz "auch nicht so". Auch die h-moll-Sonate, die sicherlich ihren eigenen Faden bekommen wird, gehört nicht zu den Stücken, die ich oft und gerne höre, obwohl sich mittlerweile einiges an verschiedenen Interpretationen (Argerich, Groh, Anda etc.) angesammelt hat. Liszt kam mir immer wie um des Effektes willen komponiert vor, Technik und Virtuosität verlangend, aber irgendwie seelenlos.


    Das änderte sich, als in einem anderen Forum diese CD empfohlen wurde



    Das ist Musik, die mich sofort emotional gefangen genommen hat, teilweise - aber nicht nur - von einer Sanftheit, die ich nie mit Liszt in Verbindung gebracht hätte. Froh bin ich, dass ich diese Musik mit Osborne kennengelernt habe. Danach habe ich mir nämlich auch noch diese CD



    zugelegt, die mich wesentlich weniger gefangen nimmt. Amoyel vermag es nicht, ein Gefühl von Harmonie oder gar religiöse Empfindungen zu vermitteln. Ich kann mich täuschen weil ich erstens kein aktiver Musiker bin und mich zweitens noch nicht übermäßig lange mit Soloklavierkompositionen beschäftigt habe, aber ich glaube, dass Amoyel zu sehr mit der technischen Bewältigung beschäftigt ist als dass er viel mehr als den Notentext vermitteln könnte.


    Die bereits von Gurnemanz genannten Années..... haben sich mittlerweile zu einer meiner Lieblingsklavierkompositionen entwickelt. Wenn ich mich von Stimmungen treiben lassen will um dem Alltag zu entfliehen und in Traumwelten abzutauchen, höre ich Debussy, Albéniz oder eben die Années. Danach fließen die Gedanken wieder unbelastet und frei (nein, ich werfe die drei Komponisten nicht in einen Topf und bin mir der Unterschiede bewusst, ich spreche alleine an, was die Musik bei mir, rein subjektiv, bewirkt).


    Ich habe diese beiden Aufnahmen


     


    Mein persönlicher Favorit ist die Angelich-Aufnahme, Brendel aber auch Kocsis empfinde ich als sachlicher und etwas unterkühlter als Angelich, ohne dass ich gegen Brendel/Kocsis nachhaltige oder gar schwerwiegende Bedenken geltend machen könnte. Für diejenigen, die die Komposition kennenlernen möchten, ist sicherlich auch bedeutsam, dass man die Brendel/Kocsis-Aufnahme - speziell auf dem Zweitmarkt - sehr billig fast zu Naxos-Preisen erhält während Angelich, wie ich gerade gesehen habe, auch heute noch mit recht hohen Anschaffungskosten verbunden ist.


    Die Einschätzung, ob die beiden von mir bevorzugten Werke zu den "Wichtigen" gehöre überlasse ich mal getrost den in diesem Forum sicherlich vorhandenen Lisztkennern


    Gruß
    Henning

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • Hallo Christian,
    mt akrobatisch meine ich hier wie oft bei Asiatinnen, leicht übertrainiert, also es läuft mir alles ein wenig zu sehr am Schnürchen, kein Gedonnere, bei Gott, aber es fließt alles so dahin, und endet ohne, daß man viel mitbekommen hat.


    Christian ich fürchte Liszt ist und bleibt Ungar, wenn auch Burgenländer, aber das haben bereits die Esterházys im Blut, Burgenland ist schon die ungarische Ebene.


    Zur Ott meine ich, sie mag vielleicht nie in Asien gewesen sein als gebürtige Münchnerin, aber das liegt im Blut, finde ich, und sie spielt mir ein wenig zu perfekt und man kann ruhig sagen "zu schön"


    LG Robert

  • Zunächst einmal herzlichen Dank für die Erläuterung Robert!


    Christian ich fürchte Liszt ist und bleibt Ungar, wenn auch Burgenländer, aber das haben bereits die Esterházys im Blut, Burgenland ist schon die ungarische Ebene.


    Auf jeden Fall, nur mit der Sprache soll er so seine Probleme gehabt haben- ich meinte das auch nicht völlig ernst ;+)


    @ Henning


    Zitat

    Das ist Musik, die mich sofort emotional gefangen genommen hat, teilweise - aber nicht nur - von einer Sanftheit, die ich nie mit Liszt in Verbindung gebracht hätte.


    Die Harmonies Poétiques et Religieuses gehören auch zu den Liszt-Stücken, die ich am meisten schätze, mein Lieblingsstück daraus: Benediction de Dieu dans la solitude- mein Eindruck von Pacals Amoyels Einspielung war ein anderer, allerdings kenne ich Osbornes Einspielung nicht. Amoyel müsste ich einfach noch mal hören- es ist schon eine Weile her.


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • @Christian


    Vielleicht muss auch ich noch mal bei Amoyel hineinhören: wie das so ist wenn man eine größere Musiksammlung hat habe ich die Aufnahme einmal - ich glaube auch nicht vollständig - gehört um mir dann zu sagen, warum noch mal hören wenn mir Osborne eh so viel mehr zusagt und es darüberhinaus so viel anderes zu erhören gilt - Es ist auch nicht so, dass ich Amoyel grundsätzlich nicht schätzen würde, ein paar Duo/Trio-Aufnahmen mit Emmanuele Bertrand und Antje Weithaas kenne ich - zumindest als MP3 - und da mir gefiel was ich gehört habe, stehen auch einige CDs (insbesondere Olivier Greif - Sonate de Requiem) auf meiner "Einkaufsliste" - Vielleicht ist ja Osborne, den ich allgemein sehr schätze, so ausnehmend gut......


    Gruß
    Henning

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.


  • Zitat von »robert«
    Christian ich fürchte Liszt ist und bleibt Ungar, wenn auch Burgenländer, aber das haben bereits die Esterházys im Blut, Burgenland ist schon die ungarische Ebene.



    Auf jeden Fall, nur mit der Sprache soll er so seine Probleme gehabt haben


    Nun, der Möchtegern-Ungar Liszt Ferenc ist kläglich am Erlernen seiner "Muttersprache" gescheitert. Als ihm in Pest eine hohe nationale Auszeichnung durch Überreichung eines silbernen Säbels zuteil wurde, sah er sich veranlaßt, vor versammelten magyarischen Würdenträgern schwärmerisch-pathetisch seine nationalen Gefühle zum Ausdruck zu bringen - auf französisch!


    Was wiederum Heinrich Heine veranlasste zu ätzen:


    "Auch Liszt taucht wieder auf, der Franz,
    Er lebt, er liegt nicht blutgerötet
    Auf einem Schlachtfeld Ungarlands;
    Kein Russe, noch Kroat’ hat ihn getötet.


    Es fiel der Freiheit letzte Schanz’,
    Und Ungarn blutet sich zu Tode –
    Doch unversehrt blieb Ritter Franz,
    Sein Säbel auch – er liegt in der Kommode.


    Er lebt, der Franz, und wird als Greis
    Vom Ungarnkriege Wunderdinge
    Erzählen in der Enkel Kreis –
    „So lag ich und so führt’ ich meine Klinge!“


    Wenn ich den Namen Ungarn hör’,
    Wird mir das deutsche Wams zu enge,
    Es braust darunter wie ein Meer,
    Mir ist, als grüßten mich Trompetenklänge!"



    Ich finde das hier begonnene Unterfangen, die Lisztschen Klavierkompositionen in Perlen und Tand aufzuteilen, sehr sinnvoll und sehr interessant. Als Schüler habe ich ein Konzert besuchen dürfen, in dem der große Jorge Bolet Liszt spielte. Seitdem ich mir einige seiner Decca-Aufnahmen zugelegt habe, konnte ich zahlreichen Liszt-Werken wirklich sehr viel abgewinnen. Insbesondere für die "Années", in denen für mich die Petrarca-Sonette, "Sposalizio", "Les Jeux d'Eau de la Villa D'Este" und "Au Bord d'une source" die Höhepunkte bilden, werden von Bolet mit unvergleichlicher Noblesse gespielt, die zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Fünkchen von Salonhaftigkeit zuläßt.




    Ein weiteres sehr interessantes und wertvolles Werk aus dem Jahr 1853 ist die Ballade Nr. 2 h-moll, die etwa gleichzeitig mit der Sonate in der gleichen Tonart entstand. Dies ist reinste Programmusik: Ihr liegt der Mythos von Hero und Leander zugrunde. Mit wellenartigen chromatischen Läufen wird Leander beim Durchschwimmen des Hellespont auf dem Weg zu seiner Geliebten Hero begleitet. Die Wellen schwellen im Sturm immer mehr an, bis Leander ertrinkt und Hero sich verzweifelt aus ihrem Turm stürzt. Ich habe eine Aufnahme mit Alfredo Perl, den man gewiß zu den besten heutigen Liszt-Interpreten zählen muß. Er hat z.B. äußerst bezwingende Darstellungen der zukunftsweisenden Spätwerke wie "Unstern" und "Schlaflos", aber auch der Etudes d'execution transcendantes eingespielt.



    Cheers,


    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Zwei Werke von Liszt möchte ich in diesem Kontext noch erwähnen:


    Zwei Legenden, bei denen Liszt wie häufig ab den 1860er Jahren, religiöse Themen behandelt:


    Der heilige Franziskus von Assisi. Seine Predigt an die Vögel


    Der heilige Franziskus von Paul, auf den Wassern gehend


    Liszt "erzählt" hier Begebenheiten aus dem Leben der beiden Heiligen. Für die Predigt an die Vögel nutzt Liszt sehr schön die Lagen des Klaviers aus: Die "Vogelstimmen" im Diskant kontrastieren mit den "Worten" des Heiligen in der Mittellage und im Baß. Ähnlich verfährt Liszt in der zweiten Legende: Um den hohen Wellengang darzustellen nutzt Liszt die ganze Klaviatur, dazwischen mit kräftigen Akkorden das Schreiten des Heiligen über die bewegten Fluten.


    Noch eine Plattenempfehlung dazu:



    Francois Duchable hat ja leider seinen Flügel im wahrsten Sinne des Wortes inzwischen versenkt und seine Karriere beendet, aber sein Liszt Recital ist jeden Cent wert: Man bekommt neben den beiden Legenden auch noch eine herausragende Interpretation der h-moll-Sonate geboten und als Dreingabe noch die Benediction de Dieu das la Solitude


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Offensichtlich stimmt mit meinen Ohren etwas nicht, die Zeitschrift Grammophone hat zu der oben genannten Amoyel-Aufnahme eine uneingeschränkt positive Meinung:


    "With this richly comprehensive two-CD album Pascal Amoyel finds his
    truest métier, playing with an extraordinary richness and intensity of
    expression. …his way with the Harmonies poétiques et réligieuses subtly
    and boldly conveys, whether in austerity or elaboration, the full
    complexity of Liszt's religious life, his alternative exultation and
    despair
    "


    Ich habe gestern nochmal in die Aufnahme von Amoyel und in die von Osborne hineingehört - in meinen Ohren bleibt es so, dass ich "extraordinary richness and intensity of expression" Osborne weit mehr zusprechen möchte - aber was soll´s, jeder hat eh seine eigenen Ohren und kann nicht andere für sich selbst empfinden lassen


    :wink:

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • in meinen Ohren bleibt es so, dass ich "extraordinary richness and intensity of expression" Osborne weit mehr zusprechen möchte - aber was soll´s, jeder hat eh seine eigenen Ohren und kann nicht andere für sich selbst empfinden lassen


    Lieber Henning,


    mit CD-Kritiken ist es wie mit den Beschreibungen von Weinen :D Blumig sind meist beide und nachvollziehbar auch nicht immer :D


    Ein "Werk" Liszts was man ebenfalls kennen sollte, sind die "Six Grandes Etudes apres Paganini"- in der Fassung aus dem Jahr 1851. Paganini hat ja auf die Musikwelt seiner Zeit großen Einfluss ausgeübt- und unter anderem auch den jungen Liszt sehr nachhaltig beeindruckt. Eine Frucht dieses Einflusses sind die sechs Etüden. Sie gehen mit einer Ausnahme auf die 24 Capricen Paganinis zurück, die Liszt hier auf das Klavier übertrug. Nur die dritte Etüde weicht ab, hier griff Liszt auf ein Thema aus dem zweiten Violinkonzert Paganinis zurück. In ihrer ersten Fassung erschienen die sechs Etüden bereits 1838. Wie aber häufig bei Liszt, überarbeitete der Komponist die Etüden erneut im Jahr1851. In dieser Fassung bekommt man sie heute in der Regel zu hören.


    Am häufigsten zu hören dürfte die dritte Etüde sein, die den Beinamen "La Campanella" trägt. Die technischen Schwierigkeiten sind enorm, aber dazu können Praktiker wie Robert sicher mehr sagen: Sprünge, Doppelgriffe, Tremoli etc... Liszt versuchte- mit Ausnahme der dritten Etüde- die Kompositionen Paganinis so genau wie möglich auf das Klavier zu übertragen. Wenn man es genau nimmt, ist die Bezeichung Etüden eigentlich nicht ganz korrekt- im Prinzip handelt es sich hier um Transkriptionen ;+) Besonders die letzte Etüde in a-moll wird einem bekannt vorkommen: Das gleiche Thema verwendete zum Beispiel Rachmaninov für seine Rhapsody über ein Thema Paganinis.


    Aufnahmen, insbesondere der Campanella-Etude gibt es einige- empfehlen möchte ich hier die Einspielung von Marc Andre Hamelin:




    Wie nicht anders zu erwarten wird Hamelin den Etüden technisch völlig gerecht- ohne sie deswegen aber als Virtuosenfutter zu mißbrauchen. Er donnert die Stücke nicht zu Tode. Alles klingt bei Hamelin leicht und transparent. Als Abrundung finden sich auf der CD noch drei Transkriptionen von Märschen Schuberts. Liszt schätzte die Lieder Schuberts außerordentlich und so nimmt es auch nicht weiter wunder, dass er eine ganze Reihe von Liedern Schuberts für das Klavier transkribierte. Kennengelernt habe ich diese Trankriptionen in einer Aufnahme Jorge Bolet- die ich immer noch sehr schätze. Aber zu den Liedtranskriptionen ein andernmal mehr.


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Liszt: Späte Klavierwerke

    Dann nehme ich diesen Thread mal zum Anlass, einen weiteren älteren Beitrag von mir (leicht verändert) in dieses Forum zu transferieren - ein Plädoyer für das grandiose Spätwerk Liszts, das mir neben der h-moll-Sonate besonders am Herzen liegt.



    Zu Beginn drei Zitate mehr oder weniger anerkannter Autoritäten:


    „Liszt sagt in seinen Werken, verstreut zwischen viele Schablonen, mehr Neues als viele andere Komponisten, die das Durchschnittspublikum häufig höher schätzt.“ (Béla Bartók)


    „Liszts Spätwerk ist in seiner Kompromißlosigkeit wie in seiner künstlerischen Bedeutung dem Spätwerk Beethovens, und wohl überhaupt nur diesem musikalischen Spätwerk, im Rang gleichwertig.“ (Wolfgang Dömling)


    „Liszts späte Klavierstücke sind eine Entdeckung unserer Zeit. Daß sie den mephistophelischen Abbé als den Vater der Musik unseres Jahrhunderts ausweisen, war einigen Kennern bereits aufgefallen. Daß man diese Stücke nicht nur lesen, sondern auch spielen und einem hörenden Publikum vermitteln kann, entdecken wir, mit fast hundertjähriger Verspätung, erst heute.“ (Alfred Brendel, 1980)



    Ich habe das Spätwerk Liszts durch eine LP kennengelernt, auf der Alfred Brendel 1980 einige dieser Stücke eingespielt hat (keine Ahnung, ob die überhaupt als CD wiederaufgelegt worden ist – ich finde sie jedenfalls bei keinem Anbieter). Dieser LP war ein Essay Brendels (Liszts „Bitternis des Herzens“) beigelegt, den ich jedem Interessierten ans Herz lege (wiederveröffentlicht im Brendel-Band „Nachdenken über Musik“). In relativ wenigen Worten gelingt es Brendel hier, Faszination für diese Musik zu wecken. Einige wenige Auszüge:


    „Die Auflösung der Tonalität hat Liszt in seinen Werken wohl als erster erfahren, und er hat sich ihrer Herrschaft als erster entledigt. Liszt vermeidet nun die traditionelle Kadenz, er moduliert kaum mehr, stellt vielmehr Tonarten oder Melodien nebeneinander, läßt sie chromatisch, modal oder als Folge der Zigeunertonleiter ineinandergleiten. […] An die Stelle von Symmetrien, Durchführungen und Reprisen setzt Liszt die einfache Gegenüberstellung äußerster Gegensätze oder das Nebeneinander zweier Tonartkomplexe. Andere Stücke scheuen sich nicht, zufällig zu wirken, fragmentarisch zu sein, zu erstarren, zu versickern, zu vergessen, wo sie begonnen hatten, wenn sie aufhören. […] In vielen späten Stücken Liszts scheint mir bereits etwas vorausgenommen, was in der europäischen Malerei dann um die Jahrhundertwende stattfindet: die Entdeckung des „Primitiven“ oder „Barbarischen“. […] Fast unabhängig von Wagners Tristan-Chromatik, konsequenter als alle seine Zeitgenossen kündigt Liszt die Musik des zwanzigsten Jahrhunderts an. Was uns an diesen Stücken aber vor allem interessieren sollte, ist nicht, was sie vorwegnehmen oder vorbereiten, sondern was sie sind. […] Die Einheit dieses Stils, aber auch die Vielfalt innerhalb dieser Einheit, lassen sich erst begreifen, wenn man eine ganze Reihe dieser Stücke fortlaufend auf sich wirken läßt, allerdings in Aufführungen, die nicht von fixen Ideen einer lähmenden Langsamkeit und Farblosigkeit ausgehen. Noch in die sprödesten Klänge dieser Musik wirkt die Differenziertheit der pianistischen Mittel herein, die Liszt sich in langer Erfahrung erworben hatte. Ein ungeheurer Vorrat an Nuancen sollte selbst dort, wo er scheinbar ungenützt bleibt, im Hintergrund heimlich mitschwingen.“


    Einige Stücke, die mir besonders interessant erscheinen:


    Der 1883 veröffentlichte dritte Band der „Années de pèlerinage“ vereinigt Kompositionen, die zwischen 1870 und 1877 entstanden sind. Einige entsprechen zumindest teilweise den von Bartók oben angesprochenen „Schablonen“, andere sind frappierend:


    „Aux cyprès de la Villa d’Este I“: ein bedrohlicher, dissonanter, archaisch-blockartiger, dann rezitativischer und sich panikartig steigernder erster Teil wird von einem chromatisch-tröstenden, dabei aber eigenartig hart klingendem Abschnitt beantwortet.


    „Les jeux d'eaux à la Villa d'Este”: eines der bekanntesten unter den späten Liszt-Stücken und “das Vorbild aller musikalischen Springbrunnen, die seither geflossen sind“ (Busoni). Eine klanglich faszinierende Antezipation des Impressionismus, die fast alle klangfarblichen Register zieht. Wie allen Stücken dieser Sammlung ist auch diesem ein religiöser Gehalt zueigen: Ein Zitat aus dem Johannesevangelium, das das Thema „Wasser“ allegorisch ausdeutet, ist in die Noten gesetzt: Ihm entspricht ein Thema, das sich hymnisch aufschwingt und gleichzeitig – wenn richtig gespielt (Brendel!) – mit höchster Lautstärke im Diskant von gläserner Härte ist. (Es gibt bei Youtube einen wunderschönen Clip mit einem Ausschnitt aus einem Recital, das der 80jährige Claudio Arrau in Boston gespielt hat, und zwar mit "Les jeux d'eaux à la Villa d'Este" - Suchbegriffe Arrau Liszt Jeux Boston eingeben, es ist dann der erste Treffer. Nie habe ich das Stück so wenig "brillant" und so ekstatisch-verinnerlicht gehört. Da stört es gar nicht, wenn der Pianist ein paarmal danebengreift. Bewegend!)


    Ein absoluter Gipfel: „Sunt lacrymae rerum“ (Zitat aus Vergils „Aeneis“), im Gedenken an den gescheiterten ungarischen Freiheitskrieg von 1849 und dem unglücklichen Hans von Bülow gewidmet. Eine Threnodie, wie so viele der späten Stücke – aber was für eine: nicht unähnlich dem Zypressen-Stück, aber noch düsterer und härter, abrupt die Klangsphären nebeneinandersetzend, wiederum mit einem „offenen“ Schluss. Das Stück „enthält wohl die schwärzesten Klänge, die der Baß eines Konzertflügels je hervorgebracht hat“ (Brendel).



    Dann einige einzelne Stücke aus den späten Lebensjahren:


    „Nuages gris – Trübe Wolken“: minimales Material, ganz knapp dargeboten: Tremoli im Bass, Quartenmotiv, einige harmonisch vagierende Akkorde, etwas Chromatik, zwei dissonante, arpeggierte Akkorde am Schluss – keine Auflösung. Debussy, Schönberg und Webern stehen zusammen vor der Tür.


    „Die Trauergondel I“: Liszt komponierte das Stück 1882/83 wenige Wochen vor dem Tod Wagners – er wohnte zusammen mit Familie Wagner im Palazzo Vendramin (was eine eher bedrückende Angelegenheit war – die Zerwürfnisse ließen sich nicht mehr kitten) und sah dort auf dem Canal Grande die Trauergondeln zum Friedhof San Michele vorbeifahren. Von ferne erinnert das Stück an eine Barcarole (6/8-Takt), aber z.B. von der Chopin’schen unterscheidet es sich erheblich: eine nicht mehr wiegende, sondern dissonant-bedrohliche Begleitfigur, verschleierte Tonalität, Melodiefragmente im Diskant, die sich wie unabhängig zum Bass verhalten – 18 Takte lang. Dann wird das Ganze einfach einen Ton tiefer transponiert wiederholt – und schließlich ein drittes Mal, noch gestaltloser, aber kurzzeitig auf bedrohliche Art dynamisch gesteigert. Eine der suggestivsten Klavierkompositionen, die ich kenne. „Eine Formlosigkeit, geboren aus der Wahrheit des Ausdrucks von Trauer und Melancholie“ (Dömling).


    „R.W. – Venezia“: Nach dem Tode Wagners komponiert – wieder ein Trauerstück und wieder ein Minimum an Material: übermäßige Dreiklänge, ein pseudoheroischer Aufschwung, der in sich zusammenfällt, und schließlich eine ins Bodenlose herabsinkende Unisonolinie. Ein Abgesang auf die heroischen Gesten in Wagners Musik, darin den hellsichtigsten Passagen des dritten Parsifal-Aktes gar nicht so unähnlich.


    „Unstern! – Sinistre“: Wieder übermäßige Dreiklänge, die sich diesmal bedrohlich steigern und schließlich in infernalische, brutal im dreifachen Forte in den Flügel gehämmerte Dissonanzen im Trauerrhythmus münden. Darauf antwortend der zweite Teil, kirchentonal, wie ein Harmonium oder eine Orgel, „den man als Demutsgebärde deuten könnte, als zarte Beschwichtigung, die kaum mehr bis zum Trost vordringt“ […] Nun, im Alter, ist Liszt dem originalen Schubert in seiner depressivsten Form nahegerückt. Gesänge wie „Der Doppelgänger“, „Der Leiermann“ oder „Die Stadt“ führen dicht an Stücke wie „Unstern“ oder „Mosonyi“ heran. Die Verbindung von Kürze und Monumentalität, von Rezitativischem und Lapidarem, von Monotonie und Verfeinerung ist ihnen gemeinsam“ (Brendel).


    Zu einigen Einspielungen:


    Die erwähnten Brendel-Aufnahmen (die zu seinen besten Einspielungen überhaupt gehören) sind offenbar zur Zeit nur sehr verstreut, teilweise überhaupt nicht erhältlich (dabei wird z.Zt. ja wirklich noch die letzte Brendel-Aufnahme auf den Markt geworfen). Auf zwei verschiedenen Editionen der h-moll-Sonate bei Philips finden sich immerhin "Trauergondel I", "Csardas macabre" und "Bagatelle ohne Tonart" bzw. "Nuages gris", "En rêve" und "R.W. - Venezia":





    Ebenfalls mit der h-moll-Sonate gekoppelt gibt es einige Stücke ("Nuages gris", "R.W. - Venezia", "Trauergondel I", "Unstern") mit Pollini:





    Sehr viele der späten Stücke auf einen Schlag gibt es im Rahmen der Liszt-Gesamtaufnahme mit Leslie Howard. Die Interpretation reißt mich allerdings nicht vom Hocker:





    Die schon erwähnten "Années de pèlerinage" liegen ja in mehreren Einspielungen vor. Bei dem hier relevanten dritten Band ziehe ich inzwischen Zoltan Kocsis gegenüber Ciccolini (der die Stücke für mein Empfinden etwas verharmlost) und Berman (der stark zum Verschleppen neigt) vor:





    Viele Grüße


    Bernd

    .


  • Die hier erwähnten drei Stücke sind auch auf der folgenden CD enthalten:




    Die "Jeux" findet man ja auf CD´s häufiger- aber auf "Sunt lacrymae rerum" bin ich erst durch Bernd aufmerksam geworden. Die Stimmung des Stückes trostlos- was sich da für bodenlose Tiefen in den Bässen auftun ...Dazwischen "blitzen" für Augenblicke Momente einer heiterern Stimmung durch. Der Unterschied zu früheren Kompositionen Liszst lässt sich gut verfolgen, da auf "Sunt Lachrymae" direkt die Fantasia quasi una fantasia über Dantes göttliche Komödie folgt. Zwischen beiden Stücken liegen über dreißig Jahre und auch sonst Welten.


    Herzliche Grüße, :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Ich habe mir vorgestern aus der Bibliothek die hier schon gezeigte Neuaufnahme der "12 Etudes d´execution transcendente" von Alice Sara Ott ausgeliehen und auch schon zwei Mal gehört. Sie gefällt mir wirklich gut, sowohl die Musik als auch die Interpretation, wennglich ich Roberts Kritik durchaus nachvollziehen kann. Ott spielt das in der tat alles recht unspektakulär herunter, irgendwie gleichmäßig und sicher, es gleitet an einem vorbei und wenn man durch ist durch die Etüden erinnert man sich kaum noch daran. Andererseits habe ich höchsten respekt vor einer Pianistin, die solche wahnwitzig schwere Musik spielen kann, als sei es das Normalste der Welt. Ott verzichtet auf Showeffekte und konzentriert sich auf durchgefeilte Detailarbeit. Man muss sich einlassen auf diese Interpretation und sie wieder und wieder hören, am besten wohl Stückchen für Stückchen, um sie wirklich zu würdigen und schätzen zu lernen. So ist zumindest mein recht frischer und unreflektierter Eindruck.
    Vor gut einer Woche habe ich Ott übrigens im Fernsehen gesehen, sie war in der Talkshow "3nach9" und hat vor allem ihre neue CD mit sämtlichen Chopin-Walzern vorgestellt. Sie sprach sehr überlegt und gescheit und wirkte wirklich reif. Auf mich machte sie einen ungemein sympathischen und kompetenten Eindruck. Das ist kein asiatisches Wunderkind, sondern eine ungemein begabte und reflektierte junge Pianistin - so ist zumindest mein Eindruck nach diesem Interview.


    Wenn es um meine Lieblingsklavierstücke von Liszt geht, muss ich allerdings die unverwüstlichen "Liebesträume" nennen: ""Liebesträume" - 3 Notturnos für Klavier" von 1850. Vor allem der Liebestraum Nr. 3 ist ja in unzähligen Bearbeitungen populär geworden. Mögen andere ihn als Kitsch verschmähen, als süßlich verachten, für mich gehört er zu den berührendten und emotionalsten Musikstücken, die ich kenne. Das ist Musik, in der ich wirklich unbewusst in höchster Lust versinken kann.
    Ich habe eine CD des wunderbaren Jorge Bolet, auf der er neben der h-moll-Sonate (an die ich mich, zugegeben, noch nie herangetraut habe) eben diese 3 Nocturnes "Liebesträume" spielt (S 541), einen schöner als den anderen, dazu den "Valse impromptu" (S 213) und den "Grand galop chromatique" (S 219), letzter wirklich ein schwindelerregendes Bravourstück von gespenstisch diffuser Atmosphäre. Auch Walzer und Galopp liebe ich sehr, das ist Liszt von seiner besten Seite, Eleganz, Virtuosität, Erfindungsreichtum und musikalische Souveränität verbinden sich auf das Glücklichste.


    Ein Stück das ich ebenfalls sehr mag - ich bin, zugegeben, ein Freund der im 19. Jahrhundert so modischen Opernfantasien - sind die "Réminiscences de 'Don Juan' de Mozart", eine Folge von Variationen über "La ci darem la mano", eingebettet in eine ungalublich virtuose freie Fantasie. Lang Lang, dem solches Virtuosenfutter zweifelsohne liegt, hat bei seinem Konzert in der Carnegie Hall, das las CD-Album veröffentlicht wurde, eine meiner Einschätzung nach sehr überzeugende Version dieses Stückes präsentiert.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Von den Annees de Pelerinage gibt es ja die eine oder andere Aufnahme- in dem Thread finden sich dazu ja auch Hinweise ;+)


    Libor Novacek hat vor drei Jahren den zweiten Band der Annees eingespielt:



    Jetzt hat Novacek auch den ersten Band aufgenommen:



    Wenn er ebenso gut ist, wie die erste Einspielung könnte sich die Anschaffung lohnen, leider scheint die CD bisher nur über Amazon UK zu beziehen zu sein, unsere deutschen Partner führen die CD jedenfalls nicht- oder ich war zu dämlich sie zu finden ;+)


    :wink: :wink:


    Christian

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