Elbphilharmonie - Das Eröffnungsfestival ab Mittwoch, dem 11. Januar 2017

  • Ich hoffe allerdings, dass die Zeitung auch meinen Brief drucken wird.

    Wen es inetressiert:


    Ich fand die Programmgestaltung des Eröffnungskonzertes in der Elbphilharmonie mutig, originell und bestens geeignet, die Stärken des neuen Konzertsaales zur Geltung zu bringen. Wann wenn nicht bei einer solchen Gelegenheit soll man solch ein Repertoire spielen? Das „Photoptosis“ von Bernd Alois Zimmermann ist z.B. eine gewaltige Etüde für Orchester, bei der die Musiker extrem gefordert sind, und bei dem die klanglichen Möglichkeiten eines Orchesters sehr eindrücklich zur Geltung gebracht werden können. Mit den Zitaten aus Beethovens 9. Sinfonie und Parsifal bildete das Werk außerdem eine Klammer zum 2. Teil. Das ein derartiges Programm nicht leicht zu konsumieren ist, kann man sich gut vorstellen. Aber ist es zu viel verlangt, einfach mal unvoreingenommen zuzuhören? Die folgenden Konzerte bieten ja noch genug Altbekanntes, da darf es bei der Eröffnung gerne mal vom üblicher Einerlei abweichen. Und über den Nachwuchs an Konzertgängern sollten wir uns keine Sorgen machen. Die Jüngeren sind beileibe nicht so vergangenheitsfixiert wie manche denken. Da gibt es noch viel Neugier, was in vielen Konzerten zu beobachten ist. Ich danke Herrn Hengelbrock jedenfalls ausdrücklich für dieses wunderbare Programm und dessen Umsetzung.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Jetzt war ich auch drin - allerdings "nur" im Kleinen Saal.


    Arditti Quartett
    Brian Ferneyhough, Streichquartett Nr. 6
    Younghi Pagh-Paan, "Horizont auf hoher See" (Uraufführung)
    Phillippe Manoury, Streichquartett Nr.4 "Fragmenti" (Deutsche Erstaufführung)
    Helmut Lachenmann, Streichquartett Nr. 3 "Grido".


    Nach der Veröffentlichung des Programms war das "mein Eröffnungskonzert". Ich meinte, mich mit einer Karte nicht beeilen zu müssen, weil Streichquartett mit ausschließlich zeitgenössischem Programm, geht sowieso keiner hin. War aber ein Fehler, denn es war wie alles andere auch in Kürze ausverkauft. Also die Hoffnung auf die Abendkasse ca. 90 Minuten vor Beginn. Und es gab noch Karten in allen Preiskategorien (zwischen 15 und 30 € - also im Vergleich zu anderen Kammermusikveranstaltungen in Hamburg eher billig), weil bestellte Karten zurückgegeben werden usw. Wer also unbedingt rein möchte, sollte sich nicht abschrecken lassen: wenn es nicht die Wiener Philharmoniker sind, dürfte es noch dies und das abends geben, wenn man früh genug an der Abendkasse ist.


    Der Kleine Saal wirkt auf den ersten Eindruck zurückhaltend, fast technisch. Keine feste Bestuhlung, aber die Stühle sind ergonomisch. Auch genügend Platz zwischen den Reihen für Spätkommer. Offener Oberbau mit Scheinwerfern fast wie in der Disco, aber angenehmes Licht. Die blasig aufgequollen scheinende Wandtäfelung wirkt eintönig. Erst wenn man ganz nah herangeht, kann man erkennen, dass das Holz ist, mit streng vertikalen Linien, die aber in der aufgeworfen Stuktur verschwinden. Selbst wenn bei der Herstellung Maschinen geholfen haben, steckt da ungeheuer viel Arbeit drin.


    Mein Eindruck von der Akustik ist vielleicht nicht repräsentativ, weil mein Platz im vorderen Viertel in der Mitte sehr privilegiert war: der Saal ist völlig unauffällig, man hört nur die Instrumente. Allerdings alles von Ihnen, auch die Dialoge im extremen Pianissimo zwischen Erster und Zweiter Violine bei Ferneyhough, obwohl die Zweite mehr als zwei Meter weiter hinten saß. Man hört auch, wenn der Cellist bei Lachenmann über den Wirbel streicht usw. Auffällig war, dass es nie laut wurde, aber jede dynamische Abstufung klar war. Vielleicht ist das bei größeren Ensembles anders - in der gestrigen NDR-Übertragung des Eröffnungskonzerts mit dem Ensemble Resonanz hatte ich den Eindruck, dass einige laute Stellen in Bartoks Musik für Saiteninsrumente fast übersteuert klangen - das war aber vielleicht ein Problem der Aufnahmetechnik.


    Noch eins fiel auf: Das Publikum bestand zwar zum großen Teil aus Leuten, die man auch in einem Konzert der Ardittis im Studio 10 in Hamburg treffen würde. Zu einem nicht geringen Teil aber auch aus anderen, die das Konzert anscheinend durch einen Reiseveranstalter gebucht hatten, ohne zu wissen, was da auf sie zukam. Es gab aber fast keine Geräusche aus dem Publikum - nicht weil die Akustik sie verschluckt hätte, denn die wenigen Huster, die es gab oder das herunterfallende Programm hörte man deutlich. Aber das Publikum war still, den ganzen Ferneyhough mit 25 Minuten am Anfang hindurch bis hin zu "Grido" am Schluss. Meine Theorie ist: es ist diese Holztäfelung. Es gibt fast nichts im Raum, was von den Musikern ablenkt, und wenn man die Wände anstarrt, beruhigen sie, ohne müde zu machen. Ich bin gespannt, ob sich der Eindruck bei anderen Gelgenheiten ebenso einstellt.


    Und zum Programm: sehr anstrengend. Vierfache Variationen über die unendliche Vielfalt des Streicherklangs. Beim uraufgeführten Werk der mir zuvor völlig unbekannten koreanischen Komponistin hatte ich nach der Einführug Bedenken, es würde in die heute so gängige aber ebenso beliebige Pseudomystik verfallen. Dem war aber gar nicht so. Es bewegt sich ganz unmerklich von der europäischen Moderne hin zu sehr archaisch klingenden asiatischen Harmonien und Spielweisen - mit traumhaften Farben insbesondere der Bratsche. Lachenmanns "Grido" war das einzige Werk, das ich zuvor gehört hatte: im Konzert mit dem Jack-Quartet vor ein paar Monaten und in mehreren Aufnahmen. Das Jack-Quartet schien mir damals emotionaler aber auch angestrengter zu sein. Die Ardittis virtuos aber auch mit übermenschlicher Perfektion und fast schlafwandlerischer Selbstverständlichkeit in allen vier Werken. Zum Niederknien.

  • Hallo uliwer und danke für den interessanten Konzertbericht. Im Programm des Eröffnungsfestivals sah ich, dass am gleichen Tag (17.01.) als das Konzert mit dem Arditti-Quartett im kleinen Saal war im großen Saal fast zeitgleich Beethovens Missa Solemnis aufgeführt wurde. Hat man davon im kleinen Saal irgendwas mitbekommen?

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Nö, gar nichts. Beide Säle haben auch keinerlei Verbindung zu einander - ganz anders als in der Musikhalle.


    Nur die Busladungen von Besuchern für das andere Konzert auf der Rolltreppe fielen auf.

  • Herzlichen Dank, lieber uliwer, für Deinen aufschlußreichen Bericht! Da wäre ich sehr gern dabeigewesen! Immerhin habe ich die Ardittis mit Lachenmann auch schon live erlebt, und Grido gibt es nächste Woche in Heidelberg.


    Die Veranstaltung in Hamburg wäre vermutlich auch "mein Eröffnungskonzert" geworden...


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hier mein Bericht zum anderen Konzert des Abends



    Ludwig van Beethoven: Missa Solemnis für Orchester, Solistenquartett und Chor op.123



    Ich möchte meine Eindrücke vom gestrigen Abend in 3 Kapitel zusammenfassen.


    • Der Bau, der Saal


    Die Überwältigungsarchitektur der äußeren Anmutung wird im Inneren des Gebäudes fortgesetzt. Die lang gestreckte Rolltreppe soll die Erwartungen steigern, und man landet oben vor einem Fenster mit Blick auf den Hafen. Im Bereich des Konzertsaales bestimmen weit geschwungene Treppen das Bild. Wer nicht gut zu Fuß ist sollte lieber gleich einen der Aufzüge nehmen, denn wer weiter oben sitzt muss ganz schön viele Treppenstufen überwinden, die aber breit und mit wenig Steigung angelegt sind. Man hat beim Hochgehen einen großzügigen Überblick.


    Der Zugang zum Saal ist dann das genaue Gegenteil. Ein enger Gang, der an die Fahrgastbrücken am Flughafen erinnert. Da man uns erst 20 Minuten vor Beginn hereingelassen hatte, bewegte man sich in einem Pulk Menschen vorwärts. Nichts für Leute die unter Klaustrophobie leiden.


    Der Saal ist imposant, wirkt aber nicht übermäßig groß. Kaum zu glauben das dort 2100 Personen hineinpassen. Die Sitze sind bequem, und so gearbeitet, dass man auf dem zusammengeklappten Sessel draufsitzen kann. Bei den steil ansteigenden Sitzreihen muss man allerdings aufpassen dass man das Gleichgewicht nicht verliert wenn man an den Personen vorbei muss. Sonst fällt man denen in der Reihe davor in den Rücken.


    Wir saßen rechts oberhalb des Orchesters. Um die zentrale Bühne überblicken zu können muss man sich leicht verdrehen. Auf Dauer führt das zu Verspannungen. Aber sehen und hören war dort sehr gut möglich.


    • Die Akustik


    Alle schwärmen von der tollen Akustik in einem der angeblich „besten Konzertsäle der Welt“. Das kann ich leider mangels ausreichender Vergleiche nicht beurteilen, aber besonders überwältigt war ich jetzt nicht gerade. Bei den leiseren Stellen konnte man die Instrumente sehr plastisch hören. Auch der Chor war an den pp Stellen sehr präsent und eindringlich. Sobald es lauter wurde, nahm die Transparenz des Klanges deutlich ab. Das mag aber auch an der mangelnden Erfahrung der Ausführenden mit diesem speziellen Saal liegen. Bei den massiveren Orchestertutti und den lauten Chorpassagen war der Klang indes gewaltig. Ich glaube dass ein Dirigent der sich intensiv mit den Möglichkeiten des Saales beschäftigt hier einiges herausholen kann. Aber für ein fundiertes Urteil ist es für mich noch zu früh. Da müsste man deutlich mehr unterschiedliche Besetzungen hören. Der Gesamteindruck der Akustik war allerdings hervorragend, wie ich das auch von einem modernen Konzertsaal erwarte. Ich habe da noch sehr gut die Philharmonie in Essen im Gedächtnis, die ich mal wieder besuchen sollte, um den Klang zu vergleichen. Mein Eindruck in Hamburg war nicht sehr viel besser, eher anders.



    • Das Werk und seine Umsetzung


    Die Missa Solemnis von Beethoven ist ein Werk voller Gegensätze. Groß angelegte Chöre und massiver Orchesterklang wechseln sich dabei mit intimen und kontemplativen Szenen ab. Das Zusammenspiel von Solisten, Chor und Orchester ist eine besondere Herausforderung für den Dirigenten. Jeffrey Tate ist ein gewissenhafter Dirigent, der sein Handwerk versteht. Und so war es gestern eine solide Kapellmeisterleistung, nicht mehr und nicht weniger. Das generelle Manko dieser Aufführung war die Besetzung des Chores. Ich verstehe nicht, warum der Chor immer so groß sein muss. Ich habe mal grob gezählt ca. 120 Choristen gesehen und gehört. Bei den lauten Stellen deckten die Sänger das Orchester fast komplett zu. Die einzelnen Instrumente waren für mich nur schwer zu identifizieren. Da half auch die Akustik nichts. Oder lag es vielleicht gerade an ihr, das die Balance nicht stimmte? Mein eindrücklichstes Erlebnis in Sachen Missa Solemnis war eine Aufführung mit John Eliot Gardiner, seinem Orchestre Revolutionaire et romantique sowie dem Monteverdi Choir (so um die 40 Sänger). Da stimmte die Balance zwischen Chor und Orchester perfekt.



    Tate ist kein Gipfelstürmer, und so gerieten manche Teile etwas langsamer als ich es mir gewünscht hätte, wie z.B. im „Et Resurrexit“ wo Beethoven Allegro molto verlangt und Tate gerade mal Allegro Moderato spielen ließ. Die Dauer der Aufführung lag dann auch über 90 Minuten. Den etwas „braven“ Charakter der Aufführung verdeutlicht auch die Umsetzung einer anderen Stelle der Partitur: Im „Agnus Dei“ gibt es eine Passage, wo Beethoven den Wunsch nach Frieden einer kriegerischen Szene gegenüberstellt. Die Stelle ist entsprechend dramatisch gestaltet. Ängstliche Rufe der Solisten (Alt und Tenor) und Tremolandi im Orchester werden von Trompetensignalen begleitet, die eine kriegerische Handlung symbolisieren sollen. Hier hätte ich mir deutlich mehr Dramatik gewünscht.



    Besonderes Lob verdienen hingegen die Solisten: Camilla Nylund, Sopran; Sarah Conolly, Alt; Klaus Florian Vogt, Tenor; Luca Pisaroni, Bass. Die helle und knabenhafte Stimme von Vogt störte mich hier überhaupt nicht, sie passte im Gegenteil sogar ausgezeichnet. Der Bass war stellenweise nur schwer zu verstehen, aber Sopran und Alt waren sehr präsent, und die klare glockenreine Stimme von Camilla Nylund flog so manches Mal durch den Saal.



    Der Philharmonia Chorus aus London war ebenfalls ausgezeichnet, wenngleich stellen weise arg laut, und eben zu dominant (s.o.). Die Hamburger Sinfoniker sind ein gutes Orchester, welches hier in der Stadt ein hohes Ansehen genießt, und insbesondere für seine unkonventionellen Programme bekannt ist. Sie boten eine solide Leistung. Besonders das Violinsolo im Benedictus war sehr eindrucksvoll. Wiewohl gerade die intimeren Stellen sehr gut gelungen waren.


    Insgesamt eine Aufführung die mich irgendwie nicht gepackt hat. Ich kenne das Werk recht gut und habe es auch schon diverse Male im Konzert erlebt. Aber die gestrige Aufführung hinterließ bei mir keinen bleibenden Eindruck. Eigentlich schade für den Auftakt in der Elbphilharmonie. Aber alle Tage ist eben kein Sonntag, und es kommen ja noch einige Konzerte.


    Peter


    PS: Da der Saal drumherum total abgeschirmt ist, hat er weder eine Verbindung zu den anderen Gebäudeteilen, noch dringt irgendetwas von aussen hinein. Wenn das Publikum ruhig ist hört man nichts.

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)


  • Hört sich schön an. 8o

    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.


    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!


  • Hört sich schön an. 8o

    Ja, fand ich auch... wobei man natürlich von der Elbphilharmonie an sich nix mitbekommt... könnte auch in jedem Studio aufgenommen sein, oder nicht? ;)
    Ich sehe richtig, dass das allerdings die erste CD ist, in der das NDR Orchester als NDR Elbphilharmonie Orchester spielt, oder?
    Weiß eigentlich jemand, welche weiteren Aufnahmen - v.a. vom Eröffnungsfestival - geplant sind? Das Eröffnungskonzert würde ich mir schon gönnen und das ein oder andere selten aufgeführte Werk der Gegenwart oder jüngeren Musikgeschichte würde mich auch interessieren.

  • Wann wurde die Aufnahme gemacht?

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Irgendwo las ich, dass die Aufnahmen Mitte November 2016 gemacht wurden.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Ich sehe richtig, dass das allerdings die erste CD ist, in der das NDR Orchester als NDR Elbphilharmonie Orchester spielt, oder?

    Es gibt zumindest noch diese beiden Aufnahmen mit der neuen Bezeichnung NDR Elbphilharmonie Orchester, obwohl die Aufnahmen noch in der Laeiszhalle entstanden sind:
    (AD: Juni 2016, Laeiszhalle, Hamburg)
    (AD: 06./09. Dezember 2012 [VK 1] & 29./30. Oktober 2015 VK 2], Laeiszhalle, Hamburg, live)


    Zitat

    Weiß eigentlich jemand, welche weiteren Aufnahmen - v.a. vom Eröffnungsfestival - geplant sind? Das Eröffnungskonzert würde ich mir schon gönnen und das ein oder andere selten aufgeführte Werk der Gegenwart oder jüngeren Musikgeschichte würde mich auch interessieren.

    Ich würde mal den YT-Kanal des NDR Elbphilharmonie Orchesters verfolgen. Könnte mir vorstellen, dass zumindest deren Konzerte vom Elbphilharmonie Eröffnungsfestival dort demnächst verfügbar sind, siehe hier.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Lachenmanns "Grido" war das einzige Werk, das ich zuvor gehört hatte [...] Die Ardittis virtuos aber auch mit übermenschlicher Perfektion und fast schlafwandlerischer Selbstverständlichkeit in allen vier Werken. Zum Niederknien.

    Wie willst Du die Präzision beurteilen? Hattest Du Noten?

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Wie willst Du die Präzision beurteilen? Hattest Du Noten?

    Ein Lachenmann-Fan hat das im Gefühl und benötigt ebensowenig eine Partitur wie Loriots Hausfrau (sie heißt übrigens Berta) eine Eieruhr bei der Zubereitung des Frühstückseis.


    :|


    http://www.ouvertuere.org/doc/Das_Fruehstuecksei.pdf

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Weiß eigentlich jemand, welche weiteren Aufnahmen - v.a. vom Eröffnungsfestival - geplant sind? Das Eröffnungskonzert würde ich mir schon gönnen

    das Eröffnungskonzert ist schon verfügbar, dort:

    Ich würde mal den YT-Kanal des NDR Elbphilharmonie Orchesters verfolgen. Könnte mir vorstellen, dass zumindest deren Konzerte vom Elbphilharmonie Eröffnungsfestival dort demnächst verfügbar sind, siehe hier.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Das Eröffnungskonzert weicht damit wohltuend vom Einerlei der meisten Konzerte ab (das aber in den folgenden Konzerten gleich wieder gepflegt wird, insbesondere bei den "Starorchestern").

    Das "Starorchester", das ich am Sonntag und am Montag sehen werde, nämlich die Wiener Philharmoniker, eröffnet seinen ersten Abend in der ElPhi mit einem 25-minütigen Werk, das ich noch nie zuvor gehört habe: Nämlich "Vier Präludien und Ernste Gesänge" von Detlev Glanert, basierend auf den Vier Ernsten Gesängen op. 121 von Johannes Brahms (uraufgeführt am 25.6.2005 in Berlin durch Kent Nagano):
    http://www.boosey.com/cr/music…-und-Ernste-Ges-nge/47529
    Mein Erstkonsum dieses Werks bei meinem ersten Besuch in der ElPhi mag vielleicht meiner Unwissenheit geschuldet sein, aber möglicherweise gibt es außer mir doch noch den einen oder anderen Konzertbesucher in diesem Saal, für den Detlev Glanert Neuland bedeutet :jaja1:


    Am zweiten Abend folgt dann - nach Bergs Orchesterstücken op. 6 - Karl Amadeus Hartmanns Sinfonie Nr. 1 für Altstimme und Orchester aus dem Jahr 1935:
    https://de.schott-music.com/we…ie-versuch-eines-requiems
    Nicht gerade häufig in den Konzertsälen dieser Welt zu hören. Und für mich (shame on me) ebenfalls eine Erstbegegnung.


    Schostakowitschs Sinfonie Nr. 11 "Das Jahr 1905", die den zweiten Abend beschließt, ist auch nicht gerade Kernrepertoire eines jeden deutschen Sinfonieorchesters.


    Mainstream an diesen beiden Abenden ist eigentlich nur Mahlers Sinfonie Nr. 1. Aber auch dieses Werk finde ich gut gewählt für ein Wiener Orchester, das in Hamburg auftritt. Johannes Brahms (ein Hamburger, der nach Wien ging) im Spiegel eines Werks des in Hamburg geborenen Komponisten Detlev Glanert plus Gustav Mahler (ein in Hamburg wirkender Kapellmeister, der ebenfalls in Wien wirkte) passen doch nun wie die Faust aufs Auge, wenn Wiener in Hamburg für sich ein neues Konzerthaus erobern.


    Insgesamt kann ich nicht erkennen, dass die Wiener Philharmonikern uns Hamburgern zwei "Einerlei"-Programme bei ihrem ElPhi-Debüt servieren. Im Gegenteil finde ich beide Programme ausgesprochen klug und hochinteressant gewählt.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

  • http://www.zeit.de/2017/04/elb…-klang-gewoehnung-hamburg


    Eine Interessante Relativierung der Akustik. So wie ich das lese, scheint der Saal wohl auch weniger für beispielsweise Sibelius oder Bruckner geeignet zu sein, bei welchen ja eine eher minimal "trockene" Akustik förderlich ist.
    Man wird es sehen/hören, wenn die Berliner Philharmoniker mit Bruckner dort auftreten werden.

    „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams

  • Wie willst Du die Präzision beurteilen? Hattest Du Noten?

    Noten darf ich ja nicht mehr in einem Konzert dabei haben, seitdem ich hier im Forum mitlese. :S


    Tschuldigung für meine feuilletonistische Diktion.
    <X


    Aber mir fiel nichts anderes ein, um zu beschreiben, dass ich nie den Eindruck hatte, irgendetwas könne auch anders gespielt werden. Der Eindruck mag natürlich falsch sein.

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