Elbphilharmonie - Das Eröffnungsfestival ab Mittwoch, dem 11. Januar 2017

  • brauchst dich doch nicht entschuldigen ...
    der arditti-quartett-manierismus mit extrem harten akzenten in einem eher geräuschhaft-hauchigen klangideal lässt viele glauben, dass sie besonders exakt spielen würden. dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Am zweiten Abend folgt dann - nach Bergs Orchesterstücken op. 6 - Karl Amadeus Hartmanns Sinfonie Nr. 1 für Altstimme und Orchester aus dem Jahr 1935:
    de.schott-music.com/werk-der-w…ie-versuch-eines-requiems
    Nicht gerade häufig in den Konzertsälen dieser Welt zu hören. Und für mich (shame on me) ebenfalls eine Erstbegegnung.


    Schostakowitschs Sinfonie Nr. 11 "Das Jahr 1905", die den zweiten Abend beschließt, ist auch nicht gerade Kernrepertoire eines jeden deutschen Sinfonieorchesters.

    Ich muss mich übrigens korrigieren: Nicht Bergs, sondern Weberns Orchesterstücke op. 6 eröffnen den heutigen Abend mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Ingo Metzmacher.


    Wer sich das Konzert zu Hause ab 20.00 Uhr anhören möchte: Es gibt einen Live-Stream (kostenfrei) unter
    https://www2.elbphilharmonie.de/de/worldwide
    Das Programmheft findet sich unter
    https://www2.elbphilharmonie.d…wiener_philharmoniker.pdf

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.


  • der arditti-quartett-manierismus mit extrem harten akzenten in einem eher geräuschhaft-hauchigen klangideal lässt viele glauben, ...

    Tja, dann haben wir dasselbe Konzert wohl völlig anders gehört.

  • Tja, dann haben wir dasselbe Konzert wohl völlig anders gehört.

    Ich war noch nie in der Elb-Philharmonie.
    :D
    Aber ich kenne das Arditti-Quartett ganz gut.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Hier das Programmheft für die Veranstaltung am 27.01.2017.

  • Sagt mal, weiß jemand, wie der Publikumserfolg von "Moses und Aron" vor ein paar Tagen war und ob auch alle Besucher bis zum Ende geblieben sind ?


    Grüße aus Wien (derzeit saukalt)
    Michael

  • Na ja, das Konzert können vielleicht Kundige, die zwar nicht drin waren, aber die Interpreten kennen, besser beurteilen.


    Nach der Pause waren erwartungsgemäß einige Plätze leer, weil man über Reiseveranstalter gebucht hatte, die einen nicht vorbereitet hatten auf das, was einen da erwartete. Ich schätze mal, dass das 10% waren.


    Wie man hört, sollen allerdings die Kontingente für Reiseveranstalter in der nächsten Saison spürbar erhöht werden - Vermarktung wie bei dem halben Dutzend Musicalspielstätten, die wir in Hamburg haben. Ich hoffe mal, dass die Programmgestaltung dagegen auch weiterhin angeht, und sich das herumspricht, so dass es für die touristischen Vermarkter weniger attraktiv wird.

  • Ich hoffe mal, dass die Programmgestaltung dagegen auch weiterhin angeht, und sich das herumspricht, so dass es für die touristischen Vermarkter weniger attraktiv wird.

    Das wird nicht geschehen, denn die Leute kommen ja zumeist nicht wegen der Musik sondern um einmal in dem so laut angepriesenen Haus sein zu können. Und da der Intendant nur handverlesene Interpreten in "sein" Haus lässt, wird er schon dafür sorgen, dass das Programm auch Publikumskompatibel ist. Jedenfalls ist es ein Witz, dass die ElPhi ein Haus für alle Hamburger sein soll. Sie wurde zum Anlocken für Touristen gebaut, und die werden mit Sonderkontingenten bedient. Warum es solche Kontingente überhaupt braucht ist mir nicht verständlich, denn das Internet steht jedem offen, der sich um Karten bemüht, und das weltweit.


    Laut hiesiger Presse soll die Aufführung von Moses und Aron sehr gut gewesen sein. Vielleicht gab es ja bei einigen einen "Aha Effekt". Aber Freunde der Musik von Schönberg sind ja noch seltener als Enzian in den Alpen. Diese Musik bleibt einem kleinen Kreis informierter Hörer vorbehalten, die bereit sind sich auf die Musik einzulassen. Allen anderen ist sie zu anstrengend. Es war jedenfalls ein Fehler von mir, diese Chance an mir vorüberziehen zu lassen. Aber man kann nicht alles haben ..


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Wobei ich es nicht für erstrebenswert halte, dass die Musik von Schönberg (und anderen) nur einem kleinen Kreis vorbehalten bleibt. Ich vermute mal, Schönberg wäre über diese Aufführung in einem riesigen vollbesetzten Saal, der schon nach dem ersten Teil und dann erst recht zum Schluss begeistert jubelt, überglücklich gewesen.


    Das Problem bei der Vermarktung des Sensationseffekts des Gebäudes, der vor allem deshalb eintritt, weil er über so lange Zeit nur als Skandal erfahren wurde, ist allerdings, dass hierdurch zu viele ausgeschlossen werden. Ich hatte Glück, dass ich am Samstag noch eine Karte bekommen habe, weil ich in Hamburg wohne, und beweglich bin. Für andere, die weder örtlich noch durch Zugangsmöglichkeiten begünstigt sind, wird es aber sehr schwer. Spätestens zwei Stunden vor Konzertbeginn gibt es lange Schlangen von Leuten, die vermutlich am Ende leer ausgehen. Und ob die Volkshochschule in Husum (nur als hypothetisches Beispiel), die seit Jahrzehnten für die, die sich interessieren, die "Grundversorgung" gewährleistet, indem sie - auch - Konzertfahrten nach Hamburg organisiert, sich auf Dauer gegen die touristischen Vermarkter behaupten können wird, ist offen.


    Vorerst habe ich Hoffnung, dass die Programmverantwortlichen - das ist nicht allein der Intendant, sondern es sind ganz viele von einander unabhängige Institutionen - sich dem Druck auf Vermarktungsfähigkeit losgelöst vom musikalischen Gehalt nicht beugen werden. Zum Problem könnten hingegen "politische" Erwartungen werden, dass sich das viele Geld, was für den Bau ausgegeben wurden, koste es was es wolle, irgendwie wieder eingespielt werden muss. Dann wäre das Thema, was bei der Eröffnung so feierlich beschworen wurde, gründlich verfehlt.

  • Sagt mal, weiß jemand, wie der Publikumserfolg von "Moses und Aron" vor ein paar Tagen war und ob auch alle Besucher bis zum Ende geblieben sind ?


    Grüße aus Wien (derzeit saukalt)
    Michael

    Also, das Publikum war schon sehr angetan bis begeistert. Langer und durchaus euphorischer Applaus eines nahezu vollen Hauses nach ca. 2 (2,5?) Stunden konzertantem Schönberg und nur einer Zwölftonreihe - spricht für eine gelungene Aufführung. Und die erwähnte Kritik schließt sich dem ja auch an. Beinahe hätte ich jetzt geschrieben: "und das trotz eines schweren Brockens". Aber das stimmt so nicht ganz aus meiner Sicht. Zwar fremdele ich leider selbst ziemlich stark hinsichtlich der Dodekaphonie und habe immer wieder den Gedanken im Kopf, dass dieser Technik eine mir emotional unverständliche Grammatik zu Grunde liege, aber bei "Moses und Aron" ging natürlich selbst in mir mehr vor sich als bloßes Nichtverstehen. Die Gesamtkomposition bietet eine ganze Fülle von Reizen, die zum Teil eben auch unsensiblen Hörern wie mir sehr unmittelbar und geradezu bildhaft entgegenkamen. Zudem waren ausdrucksstarke Solo-Stimmen, ein ganz toller Chor und ein m.E. sehr farbig und ausgesprochen fokussiert musizierendes Orchester zu hören. (Dennoch: Ich würde nicht gemerkt haben, wenn die zeitweise an der Partitur vorbei gespielt hätten.)


    Und damit ging dann auch mein persönliches Elphi-Eröffnungsfestival zu Ende. Nach der Generalprobe zum Eröffnungskonzert hatte ich mir zunächst noch den "Lobgesang" von Mendelssohn-Bartholdy und kurz danach dann Haydns "Schöpfung" und nun zum Schluss eben "Moses und Aron" angehört. Das Nächste ist dann das "Rheingold" im Mai, sofern es nicht zwischendrin nochmal eine Karte gibt.
    Ich kenne den Saal jetzt von unterschiedlichen Plätzen aus (beim Schönberg saß ich schräg vor dem Orchester recht weit oben, beim "Lobgesang" hingegen fast direkt vor der Bühne in Reihe 5), muss mich aber gerade ein wenig kurz fassen: Auch ich empfinde die Akustik als sehr anspruchsvoll. Die Klänge wirken sehr konkret und der Gesamtklang wird häufig ziemlich aufgespreizt. Großartige Momente gab es einige - wenn es nicht gerade sehr laut wurde. Mit dem ff werde ich bislang nicht recht warm, mit gemäßigter Dynamik dafür sehr. Geigen/Bratschen noch immer tendenziell "benachteiligt", Blech und Schlagwerk hingegen müssen nur "Pup" machen und erreichen jeden Winkel. Dies gilt auch für so ziemlich jeden Pups im Publikum. Faszinierend. Bin auf jeden Fall dankbar für die intensiven ersten Wochen, das war ja erst der Anfang.

    ...schreibt Christoph :wink:

  • Die allgemeine Behauptung, dass man angeblich beim besten Willen keine Karten für die Elbphilharmonie kriegt, relativiert sich nach meinem Eindruck doch ein wenig. Derjenige, der sich um nichts kümmert, kriegt keine, das ist richtig. Derjenige, der am Ball bleibt, kriegt hingegen offenbar doch welche. Zum ganz normalen Preis, wohlgemerkt.


    Für die Konzerte des NDR Elbphilharmonie Orchesters mit Esa-Pekka Salonen (es gibt u.a. die Uraufführung des Klavierkonzerts des isländischen Komponisten Tómasson und die vollständige Ballettmusik "Der Feuervogel" von Strawinsky) morgen und übermorgen um jeweils 20.00 Uhr sind für beide Abende seit heute Abend Restkarten im Internet zu kaufen. Und zwar der besten Preiskategorie (70,20 €). Siehe hier:


    https://www.ndrticketshop.de/e…nie/194-esa-pekka-salonen


    Beeilt Euch, wenn Ihr hin möchtet! Kann sein, dass die (wenigen) Karten in ein oder zwei Stunden weg sind.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

  • Da hast du schon recht. Nur muss man dann etwas tiefer in die Tasche greifen. :whistling:

    Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eignen Gedanken. Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.


    Parsifal ohne Knappertsbusch ist möglich, aber sinnlos!

  • Nur muss man dann etwas tiefer in die Tasche greifen.

    Wem 70,20 € für ein Elbphilharmonie-Konzert zu teuer ist: Für morgen gibt es auch noch einige Karten der Preiskategorie 3 - für 40,50 €.


    Edit: Das geht ja wirklich ratzfatz. Mit Ausnahme eines einzigen Tickets für den Samstag sind alle Restkarten schon wieder vergriffen. Eine der Freitags-Karten habe ich gekauft. Ich habe zwar schon seit langem ein Ticket für den Samstag, aber die Aussicht, das Salonen-Konzert zweimal sehen zu können (einmal im Bereich 12 A, einmal im Bereich 12 B), war mir zu verlockend.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

    Das Problem ist nur: In unserer Klassikkultur hört man fast ausschließlich Musik, die man schon zigmal zuvor gehört hat. Es sind vielleicht gerade mal 2 % der komponierten Musik, die wieder und wieder gespielt werden, aber 98 % bleiben unaufgeführt.

  • Wem 70,20 € für ein Elbphilharmonie-Konzert zu teuer ist: Für morgen gibt es auch noch einige Karten der Preiskategorie 3 - für 40,50 €.


    Edit: Das geht ja wirklich ratzfatz. Mit Ausnahme eines einzigen Tickets für den Samstag sind alle Restkarten schon wieder vergriffen. Eine der Freitags-Karten habe ich gekauft. Ich habe zwar schon seit langem ein Ticket für den Samstag, aber die Aussicht, das Salonen-Konzert zweimal sehen zu können (einmal im Bereich 12 A, einmal im Bereich 12 B), war mir zu verlockend.

    Ich habe das Angebot dieses Mal verstreichen lassen, da es zeitlich nur knapp - wenn überhaupt - am Freitag gepasst hätte. Wünsche dir viel Freude bei den Konzerten. Eine Nachfrage noch, lieber music lover: Hattest du nicht vor einiger Zeit angekündigt, über deine Höreindrücke bezüglich der Elphi zu schreiben (sahst du nicht die Wiener)?

    ...schreibt Christoph :wink:

  • Das sollte aber wohl gehen, andere müßen abends noch 'ne Oper spielen oder sonstwas.
    Ich spreche aus Erfahrung............aber es ist schon in Ordnung.
    Denn die verdienen ja auch nicht schlecht...lassen wir das. ;)
    Erst mal. :)


    Schade, dass Michael nicht mehr da ist. Aber ich schreibe hier doch noch etwas zum NDR-Elphi-Orchester, dessen prekäre Situation ich in diesem Thread vor ein paar Wochen erwähnte: Neulich stand eine Kritik des ersten "Konzert[es] für Hamburg" (u.a. mit Patricia Kopatchinskaja) im Abendblatt, in welcher der lokal bekannte Joachim Mischke eine für meine Begriffe angemessene und faire Beurteilung eben dieses Orchesters formulierte:


    "In den letzten drei Wochen, die seit der Eröffnung wie im Flug vergingen, hat Hengelbrock mit seinem Orchester unter Überdruck so viel Unterschiedliches geprobt, so viel justiert und gespielt wie vielleicht noch nie zuvor in dessen Geschichte. (...) Keine Atempause, Geschichte wird verlangt. (...) In der 'Rosenkavalier'-Suite hörte man ein Orchester, das diese rührselig funkelnde Musik nicht so beherrschte, wie es die Wiener Philharmoniker können, doch das kann nun mal niemand außer diesen Wienern. Was man hörte, war ein Hamburger Orchester in einem für ihn sehr neuen Saal, das sich energisch bemühte, dort besser zu sein, besser zu werden. (...) Das Publikum ist um die Angebotsvielfalt zu beneiden, die in dieser Architektur zu erleben und zu genießen ist. Thomas Hengelbrock und sein Orchester sind es nicht immer."


    Und noch zur Akustik der Kommentar von Kopatchinskaja: "Zur Akustik würde ich sagen: Vorsicht, man hört alles." :D ape3 :jaja1:

    ...schreibt Christoph :wink:

  • Für die Konzerte des NDR Elbphilharmonie Orchesters mit Esa-Pekka Salonen (es gibt u.a. die Uraufführung des Klavierkonzerts des isländischen Komponisten Tómasson und die vollständige Ballettmusik "Der Feuervogel" von Strawinsky) morgen und übermorgen um jeweils 20.00 Uhr sind für beide Abende seit heute Abend Restkarten im Internet zu kaufen. Und zwar der besten Preiskategorie (70,20 €). Siehe hier:


    ndrticketshop.de/elbphilharmonie/194-esa-pekka-salonen

    Danke für den Hinweis! Für eine halbe Stunde habe ich sogar ernsthaft ein Wochenende in Hamburg geplant, da für mich das kommende zufällig frei von allen Verpflichtungen ist. Die Karten waren schon im Warenkorb, das Hotel schon ausgesagt, als die Vernunft sich meldete und gesiegt hat. Zurück ließ sie einen kleinen Glückskeks mit dem Sprüchlein, dass bestimmt noch viele weitere hörenswerte Konzerte dort zu erleben sein werden ;) .


    Eine gute Nacht!

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