Die Elbphilharmonie und ihre Konzerte

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Nach meiner Meinung müssen wir den Bau und die Konzerte, die darin stattfinden voneinander trennen. Es wird ja hier auch der Vorwurf erhoben, dass die Kritiker des Baus, und dessen intendierten Symbolcharakters in irgendeiner Weise nicht den positiven Drive anerkennen würden der davon ausgeht. Das ist aber, zumindest bei mir, nicht der Fall. Natürlich muß man sich als Freund klassischer Musik, oder Musik überhaupt freuen, wenn es eine neue Spielstätte gibt, noch dazu eine, die eine mustergültige Akustik besitzt. Aber ich fände es naiv zu glauben, dass dadurch jetzt jede Menge neuer Klassikfans hinzukämen. Machen wir uns nichts vor: die klassische Musik hat immer schon ein Nischendasein gefristet und wird es auch weiterhin tun. Die Masse der Bevölkerung hat andere musikalische Präferenzen. Ein Publikum wie bei Helene Fischer wird man in der Klassik nie zusammenbekommen. Ich finde das (im Gegensatz zu früher) auch gar nicht schlimm. Wir können nicht erwarten das man zwangsläufig unseren Ansprüchen folgen muß, auch wenn wir von der Einzigartigkeit unserer musikalischen Vorlieben überzeugt sind. Allenthalben werden durch den Besuch in der ElPhi einige Liebhaber dieser Musik hinzukommen, eine Massenbewegung wird daraus nicht entstehen. Und daher ist der Konzertsaal für mich nicht einer für alle Hamburger, sondern nur für eine relativ kleine Gruppe Kulturbeflissener.


    Aber darin liegt die Gefahr für die Zukunft. Je spektakulärer ein neuer Konzertsaal daherkommt, umso größer werden die Widerstände derer, die sich abgehängt und nicht wahrgenommen fühlen. Dabei zählt nicht unbedingt die Höhe der Investition, sondern vor allem deren Symbolcharakter. Noch gibt es anscheinend einen Grundkonsens, dass Investitionen in Kultur lohnenswert sind. Aber genauso gibt es genügend Kräfte, die das für Geldverschwendung halten, und andere Ziele verfolgen. Unter dem Einfluß populistischer Strömumgen wird diese Gefahr eher virulenter. Hier in Deutschland gibt es immerhin noch die Tradition der flächendeckenden Spielstätten. Wir können aber beobachten, dass die Parlamente in den Kommunen nicht in jedem Fall mehr bereit sind das ohne Einschränkung mitzutragen.


    Um dem entgegenzuwirken würde ich mir in der Kulturförderung, und insbesondere im investiven Bereich mehr Bescheidenheit wünschen, denn der Bau der Elbphilharmonie ist für alle ein sichtbares Zeichen der Überheblichkeit und Ignoranz denen gegenüber, die hart um ihre Existenz kämpfen müssen, und ganz andere Sorgen haben als die, wie sie noch an Konzertkarten kommen. Die Nutzniesser freuen sich natürlich, und sollten das auch als Geschenk ansehen. Aber sie sind in der Minderheit, das sollte uns bewusst sein.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Je spektakulärer ein neuer Konzertsaal daherkommt, umso größer werden die Widerstände derer, die sich abgehängt und nicht wahrgenommen fühlen


    Zitat

    denn der Bau der Elbphilharmonie ist für alle ein sichtbares Zeichen der Überheblichkeit und Ignoranz denen gegenüber, die hart um ihre Existenz kämpfen müssen, und ganz andere Sorgen haben als die, wie sie noch an Konzertkarten kommen


    denkbar wär es schon, dass die EPh so durchschlagend populär wird, dass auch die von dir genannten Menschen ein positives Verhältnis zu dem Bau gewinnen, auch wenn sie dem, was da in diesem Bau betrieben wird, nicht so sehr viel abgewinnen können.

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Gutes Beispiel. Weitere Beispiele aus jüngerer Zeit. Das Centre Pompidou, die Guggenheim Museen in New York und Bilbao, das MAXXI in Rom oder - etwas unbekannter, aber ebenfalls sehr erfolgreich - das Oscar Niemeyer Museum in Curitiba.


    Christian

    Christian hat gute Beispiele gebracht !
    Und genau bei diesen Museen würde ich in einem entsprechenden Forum gerne über Ausstellungen (oder die inhaltliche Ausrichtung) in einem Themenbereich a) und über die Architektur und die daraus resultierenden Möglichkeiten in einem Themenbereich b) diskutieren.
    Bei Guggenheim bitte Venedig nicht vergessen, wo sich die historisch angelehnte Architektur am Canale Grande mit der modernen Kunst (Malerei und Skulpturen) einen spannenden Dialog liefern; den "Ableger" in Metzt kennen wenige Menschen und die anderen "Zweigstellen" - alle von bedeutenden Architekten geschaffen - sind wohl in der breiten deutschsprachigen Öffentlichkeit noch unbekannter; und wenn, dann primär wegen des Inhalts = Ausstellungen.
    Also auch für Elbphilharmonie. Reden wir doch im Thread a) über das Bauwerk und im Thread b) über die Inhalte (= Konzerte) - wertfrei und unabhängig von einander.

  • Ich versuche mal, wieder auf das ursprüngliche Threadthema einzugehen und über das gestrige Konzert in der Elbphilharmonie zu berichten. Und natürlich auch über meine Eindrücke der Elbphilharmonie, ich war natürlich auf den Bau, den Saal und die Akustik sehr neugierig.


    Wie an anderer Stelle berichtet waren wir dieses Wochenende in Hamburg, um dort die Neuproduktion von Alban Bergs Lulu in der Inszenierung von Christian Marthaler anzuschauen und zu hören. Darüber aber an anderer Stelle und hier nur soviel: Das hat sich absolut gelohnt. Wer die Chance hat, sollte sich die Aufführung nicht entgehen lassen.


    Am Sonntag Morgen gab es im großen Saal der Elbphilharmonie das sechste philharmonische Konzert mit folgendem Programm:


    Johann Sebastian Bach: Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542
    Olivier Messiaen: Offrande et Alléluia final aus „Livre du Saint Sacrement“
    Anton Bruckner: Symphonie Nr. 8 c-Moll
    Dirigent: Kent Nagano
    Orgel: Christian Schmitt


    Philharmonisches Staatsorchester Hamburg


    Wir hatten im Vorverkauf natürlich keine Karten mehr bekommen - also waren wir um 9:00 bei der Konzertkasse, in der Hoffnung noch ein paar Restkarten zu erhalten. Das hat sogar geklappt, um 10:30 hatten wir ziemlich gute Karten in den Händen. In meinem Fall eine Rückgabe eines Abonnenten, dessen Frau verhindert war, wie sich später herausstellte.


    Das Konzert war im Rahmen der Veranstaltungsreihe Lux Aeterna organisert, was wohl die etwas ungewöhnliche Mischung aus Orgelprogramm und Sinfonie-Konzert erklärt. Damit hatten wir also sogar Gelegenheit die Orgel zu hören. Da ich nicht sehr oft Orgel live höre, möchte ich hier nur schreiben, daß mir beide Stücke gut gefallen haben. Der Klang der Orgel ist allerdings sehr trocken, ich glaube, daß dadurch vor allem der Messiaen schneidender klang, als eigentlich beabsichtigt. Aber ich vermute, daß das ein häufiges Problem von Orgeln in Konzertsälen ist. Mir haben allerdings die Zuhörer leid getan, die direkt vor der Orgel saßen. Die haben sich auch die meiste Zeit die Ohren zugehalten...


    Nach der Pause dann Bruckner mit einem glänzend aufgelegten Staatsorchester (beeindruckend, haben sie doch am Abend vorher erst die Lulu gespielt). Und hier fällt mir schwer die Konzertkritik von dem Bericht über die Akustik zu trennen. Aber besonders auffallend für mich (Gasteig-geschädigt) war der wunderbare weiche Streicherklang und die transparenten ebenfalls sehr weich klingenden Holz- und Blechbläser. Die Sinfonie wirkte dadurch durchaus romantisch, aber weniger oder jedenfalls seltener wuchtig, als ich in Erinnerung hatte. Das würde auch besser zu Naganos Stil passen, wie ich ihn aus seiner Münchner Zeit in Erinnerung hatte. Ich denke das Ergebnis ging sowohl auf Konto Naganos und des Orchesters, als auch der Akustik. Ein durchweg beglückendes Konzert.


    Obwohl man natürlich mehere Konzerte von mehreren Plätzen aus hören müsste, um einen Gesamteindruck der Akustik zu haben, decken sich meine Höreindrücke mit dem, was schon geschrieben wurde. Die leisen - mittellauten Passagen klingen wunderbar, weich, dennoch sehr präsent. Die einzelnen Instrumente klingen vielleicht etwas gemischter, weniger gut lokalisierbar, als in Luzern (jedenfalls von meinem Platz). Bei den wuchtigen Passagen (z.B. Finale) wird es etwas problematischer, schriller (aber immer noch nix gegen den komplett "übersteuerten" Klang in den lauten Passagen von Mahler 10 in Herkulessaal in München am Freitag zuvor).


    Nach den Erfahrungen würde ich die Elbphilharmonie jederzeit gegen den Gasteig tauschen :D
    Und Nagano darf auch sehr gerne wieder in München vorbeikommen.


    Viele Grüße,


    Melanie

    With music I know happiness (Kurtág)

  • Nach den Erfahrungen würde ich die Elbphilharmonie jederzeit gegen den Gasteig tauschen
    Und Nagano darf auch sehr gerne wieder in München vorbeikommen.

    Ich würde jede örtliche Sparkasse gegen den Gasteig eintauschen, was Charme betrifft gibt es da sowieso keinen Unterschied :D . Außer natürlich, man hat immer 90 EUR in der Portokasse und kann sich Block C leisten.
    Schön, dass die Elbphilharmonie am Ende doch ziemlich gelungen ist und auch die günstigeren Plätze noch genug Nähegefühl und Erlebnis bieten. Und Nagano würde ich auch gerne gegen Gergiev austauschen... :thumbup:

    „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams

  • Ich würde jede örtliche Sparkasse gegen den Gasteig eintauschen

    :thumbup:


    Und selbst, wenn man sich Block C mal leisten will - man bekommt dort doch praktisch nie Karten :(


    Bei Nagano bin ich auch dabei.


    Viele Grüße,


    Melanie

    With music I know happiness (Kurtág)

  • Und Nagano würde ich auch gerne gegen Gergiev austauschen...

    .. nee der bleibt jetzt hier. Aber gegen Gergiev hätte ich absolut nichts einzuwenden (seine politische Gesinnung ist seine Privatsache, so lange er damit nicht in Konzerten aufwartet).


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Ach, wie toll - heute kam ich an zwei Karten für Sonntag. Mahler 2 mit den NDR Elphonikern. Eine Sinfonie, die mir schon beim Gedanken an sie voll unter die Haut geht. Große Freude.

    ...schreibt Christoph :wink:

  • Gestern Abend: Gustav Mahler Sinfonie Nr. 8 im großen Saal



    Besetzung s. hier: https://www.elbphilharmonie.de…sinfonie-der-tausend/6993


    Mir ist einmal mehr klargeworden, dass diese Partitur eines der größten Meisterwerke, ist welche je geschaffen wurden. Die Elbphilharmonie ist sicher einer der besten Orte, um dieses gewaltige Werk adäquat umzusetzen. Aber es waren nicht nur die enormen Klanggewalten die mich begeistert haben, sondern vor allem die Art und Weise, wie hier diese Partitur mit all ihrem Klangfarbenzauber und ihrer harmonischen Vielgestaltigkeit bis ins intimste Pianissimo hinein aufgefächert wurde. Aber auch die beeindruckenden Klangmassen haben ihren Eindruck hinterlassen. Dabei klang es nicht laut und aufdringlich, sondern nur machtvoll und ausgreifend.
    Für den erkrankten Kent Nagano war Eliahu Inbal eingesprungen, und ich habe wirklich größte Hochachtung vor seiner Leistung, denn es war ja bereits die dritte Aufführung innerhalb von 4 Tagen, die er leitete. Und das mit einem solchen Elan, der für sein Alter (81) wirklich beeindruckend ist. Er hatte alles im Griff, und immer den Überblick. Orchester und vor allem die Chöre waren bestens disponiert, nur der Tenor Burkhard Fritz hatte bisweilen Probleme mit seiner Stimme, die oft forciert klang, und dann wieder fast gar nicht zu hören war. Ich denke aber, dass es in diesem Saal generell schwierig ist die Solisten (immer hinter dem Orchester) richtig zur Geltung zu bringen. Einen ähnlichen Eindruck hatte ich auch bei der Missa solemnis von Beethoven. Aber der Sopran der "mater gloriosa", ganz oben im seitlichen Rang postiert, war wunderbar zu hören, genauso wie das Fernorchester an gleicher Stelle.
    Es waren die intimen Momente, wo der Klang fast kammermusikalisch zurückgenommen wird, und nur einzelne Instrumentengruppen beteiligt sind, welche das Besondere dieses Abends ausmachten. Etwa die Passage vor Eintritt des Chores zum Ende des 2. Teils "alles Vergängliche etc.", wo die 6 Harfen (!), Celesta, Klavier, Harmonium und Flöten ein feines Klanggespinst aufspannten. Und dann der Moment, wo die Musik zum Stillstand kommt, und aus dieser Stille der Chor im ppp ansetzt. Ich hatte tatsächlich die Empfindung jeden einzelnen Sänger hören zu können. Hier zeigte sich in beeindruckender Weise die Qualität der Akustik in diesem Saal, wo insbesondere die leisen Momente die gelungensten sind.
    Da wir seitlich vom Orchester saßen hörten wir den Chor von der Seite, und es war fast so als wenn er aus einem Nebenzimmer zu hören wäre. Dadurch war die Klangbalance zwischen Orchester und Chor optimal. Keiner übertönte den anderen. Natürlich war die Klangpracht der finalen Passage außerordentlich wirkungsvoll. Lang anhaltender Applaus war der angemessene Lohn für diesen besonderen Abend.


    Noch ein Wort zur Optik:


    Alle Beteiligten waren in schwarzes Tuch gekleidet, und so waren zumindest optisch alle gleich. Die Choristen waren in den Rängen hinter dem Orchester postiert, und hatten kleine Leseleuchten an ihren Notenheften befestigt, die ihr Licht auf das weisse Papier warfen, und indirekt die Gesichter beleuchteten. Immer wenn sich der Chor wieder setzte gab es so eine Lichtbewegung. Die Lichtkünstlerin rosalie hatte an 7 hinter dem Orchester aufgehängten Stelen eine Lichtinstallation platziert. Mit der Musik gab es dabei sowohl farbliche wie bewegte Reflexe. Das hätte Alexander Skrijabin sicher sehr gefallen. Ich hingegen fand es überflüssig, denn die Musik und die Choreografie des Chores reichten vollkommen aus, um alle Sinne zu beschäftigen.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • eine Besprechung auf Tamino, etwas knapper, aber mit sehr ähnlicher Grundtendenz:


    http://www.tamino-klassikforum…&postID=604229#post604229

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Die Aussagen des Tamino Users kann ich bestätigen. Im Gegensatz zu ihm war dies jedoch bereits meine 4. Aufführung der Sinfonie, und ich hoffe noch die ein oder andere zu erleben.
    Die Gurrelieder sind auch noch vorgesehen. Hier wird es sicher schwer meine letzte Aufführung mit Michael Gielen aus der Essener Philharmonie, die auch auf CD gebannt wurde (allerdings im Studio), zu toppen. Aber die Elbphilharmonie ist ja bekanntlich für Überraschungen gut. Und auf Dorothea Röschmann, eine meiner bevorzugten Sängerinnen, freue ich mich wie ein kleines Kind.



    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • es gibt Diskussionen zu einem geplanten Konzert in der Elphi für den G20:


    http://www.zeit.de/vorabmeldun…er-aktuellen-zeit/seite-7

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • es gibt Diskussionen zu einem geplanten Konzert in der Elphi für den G20:

    nach oben verlinkter Vorabmeldung jetzt der vollständige Beitrag von Cornelius Hauptmann:


    http://www.zeit.de/2017/24/elb…-hinrich-claussen-politik

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    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Ich hatte den Titel Vorab-Meldung jetzt als Vor-Abmeldung interpretiert (diverse Politiker, die in Hamburg aufschlagen werden, haben jetzt schon ihre Anwesenheit in dem Konzert abgemeldet).

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Der neueste Coup in Sachen Kartenverkauf sieht wie folgt aus:


    Ab dem 12.6. gehen die meisten Konzerte in den Vorverkauf, allerdings nur max. 10 Karten pro Person und max. 4 pro Veranstaltung. Familien oder Gruppen > 4 Personen müssen sich extra bewerben. Ab 10:00 startet der stationäre Vorverkauf. Lokale Veranstalter wie NDR, Staatsoper oder Konzertagentur Dr. Götte verkaufen ab diesem Zeitpunkt auch online. Für alle anderen von der Elbphilharmonie veranstalteten Konzerte kann man sich bis zum 1.7. um eine Karte in einer Preiskategorie bewerben. Es entscheidet das Los (Zufallsprinzip). Das gilt aber nur für das Kartenkontingent abzüglich des stationären Vorverkaufs. Also hat man nur bedingt Einfluss darauf, wo man sitzt und ob man überhaupt einen Platz zugewiesen bekommt. Dafür muß man sich aber bis max. 1 Jahr festlegen. Ich kann aber auch einen Picknickkoffer bestücken, und mich heute Abend schon mal anstellen, wie vor 30 Jahren als es noch kein Internet gab. Die Berufstätigen müssen allerdings einen Tag frei nehmen.


    Bei dem bisher erlebten organisatorischen Chaos bleibt abzuwarten ob das alles funktionieren wird. Mir stellen sich jedenfalls noch jede Menge Fragen. Nur mal zwei als Beispiel: Wenn mir jetzt mehr als 5 Konzerte behagen, muß ich dann einen "Strohmann" einsetzen, der mir die restlichen beschafft? Ich muß mich für meinen Kartenwunsch auf die Preisgruppe festlegen. Wenn diese belegt ist, aber in einer anderen noch ein Kontingent frei ist, gehe ich dann trotzdem leer aus, oder bekomme ich ein Alternativangebot. Mir behagt die Aussicht, den Platz nicht aussuchen zu können überhaupt nicht. Aber es sollen ja alle Plätze ähnlich gut sein. Nur hat man bei etlichen das Gestänge der Schutzgitter vor Augen.


    Der normale Konzertbesucher steigt da nicht mehr durch, und es ist für mich auch vollkommen unverständlich, weshalb man die meisten Karten der neuen Saison an einem Tag anbieten muß. Warum wird das nicht auf einen Vorlauf von z.B. 3 Monaten begrenzt? Das wäre m.E. viel entspannter. Aber soweit ich das sehe ist die Intendanz der Elbphilharmonie vollkommen überfordert. Dort ist man nicht einmal in der Lage, Verträge für Zusagen aus dem Januar an den Veranstalter zu schicken.Gäbe es nicht diesen ungeheuren Boom in der Nachfrage, so müsste die Kulturbehörde längst intervenieren. Aber auch dort ist man vollkommen zufrieden mit dem Gang der Dinge, Hauptsache das Haus wird voll, und alle Welt spricht von Hamburg (letzteres übrigens auch der einzige Grund für den G20 Gipfel).


    Ich überlege gerade ob ich mir das alles antun soll, oder ob ich warte bis sich der Hype in ein paar Jahren gelegt hat. Es ist auch kein Konzert dabei welches ich auf jeden Fall hören möchte. Und es wären dann ja auf einen Schlag auch einige Hundert € fällig. Für Konzerte in der alten Musikhalle gibt es ja auch noch kurz vorher genug Karten. Und den kleinen Saal dort finde ich sogar besser als den in der Elbphilharmonie.


    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Hat hier jemand den Livestream des G-20 Konzerts gesehen, mit Beethoven 9 unter Kent Nagano? (War sogar jemand im Saal?) Ich selbst habe nur die ersten beiden Sätze komplett gesehen und gehört, und dann noch (unter schlechteren Hörbedingungen) Teile vom Finale. Fand die Darbietung etwas zurückhaltend.


    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Kurzbericht vom 10.07.17:


    City of Birmingham Symphony Orchestra
    Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla
    Jan Lisiecki Klavier (Chopin)


    Claude Debussy
    Prélude à l'après-midi d'un faune


    Frédéric Chopin
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 f-Moll op. 21


    Igor Strawinsky
    Petruschka / Burleske in vier Szenen


    Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Musiker den Saal als Hauptattraktion des Besuchs abgelöst haben werden. Eine Schau ist das Publikum. So bunt gemischt und uneinig über die Kleiderordnung erlebe ich es selten. Manche scheinen tatsächlich anzunehmen, dass eine Art Opernpremiere stattfindet, obwohl es sich tatsächlich im ein Konzert des SHMF gehandelt hat.


    Der Debussy gelang ausgezeichnet. Und ja, der Klang des Holzes hatte eine Wärme und Tragkraft (ich saß relativ weit weg), die mich sofort denken ließ: Hat sich gelohnt!


    Jan Lisiecki kenne ich nicht. Er erntete mit Abstand den größten Applaus. Mich hat das überrascht. Klar, man soll Liveauftritte nicht mit Studio-Einspielungen vergleichen (allerdings ist die alte Perahia/Mehta-Aufnahme auch live, meine ich), aber es gab doch Stellen und Läufe zuhauf, bei denen ich den Eindruck hatte, hier wurden Gestaltungsmöglichkeiten außer Acht gelassen.


    Der Petruschka hat mich vollauf zufriedengestellt. Wunderbar gespielt, wunderbarer Klang. Gerade bei solchen vielstimmigen Werken kommt die große Transparenz des Saales aufs Beste zur Geltung.


    Drei Zugaben (Liesicki: Chopin-Nocturne; das Orchester: ein Debussy- sowie ein mir unbekanntes Stück).


    Fazit: Gutes bis sehr gutes Konzert. Beste Unterhaltung.

  • G 20 und Beethoven

    Hat hier jemand den Livestream des G-20 Konzerts gesehen, mit Beethoven 9 unter Kent Nagano? (War sogar jemand im Saal?) Ich selbst habe nur die ersten beiden Sätze komplett gesehen und gehört, und dann noch (unter schlechteren Hörbedingungen) Teile vom Finale. Fand die Darbietung etwas zurückhaltend.


    maticus

    Es war eine sehr mäßige Aufführung.
    Inzwischen haben wir, damit meine ich meinen Konzert-Freundeskreis, die "Neunte" unzählige mal hören und erleben dürfen. Diese gehört zu den weniger guten.
    Der zunächst etwas unsichere Nagano hatte wohl etwas wenig Vorbereitungszeit und war offenbar von den Sicherheitsvorkehrungen und dem "hochrangigen" Publikum irritiert.

  • Hegelbrock schmeißt Sommer 2018 hin. Angeblich Zoff... Wer käme denn als Nachfolger in Frage ?

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

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