Strawinski: Le Sacre du Printemps – Die Aufnahmen und das Orchesterwerk

  • Die Aufnahme/CD ist eigendlich seit Ewigkeiten immer verfügbar aus dieser grossartigen Bernstein-Serie The Royal Edition:


    ;+) Aber ich muss zugeben - derzeit ich auch diese CD bei amazon als - nicht verfügbar - gelistet !


    Aktuell ist sie bei jpc mt diesem Cover erhältlich:



    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Und exakt in dieser Ausgabe, liebes Mauerblümchen und lieber Wolfgang/teleton, dreht sich diese Aufnahme gerade in meinem CD-Player zu Ende.


    Und ich muss gestehen: Ich weiß nicht recht. Das ist beeindruckend, ohne Frage. Sehr urwüchsig, mit teilweise grandios herausgehauenen Stellen. Aber: klangtechnisch scheint es mir übermikrofoniert (niemals höre ich live das Schlagwerk so!), und an der ein oder anderen Stelle hat auch der frühe Bernstein seine Tempoeigenwilligkeiten nicht ganz im Griff, gelegentlich erscheint es mir dann auch nicht recht ausgehört, wobei ich aufgrund der vermeintlichen Übermikrofonierung nicht sicher bin: Liegt es an Bernstein oder liegt es am Mann am Mischpult?


    Dennoch: das ist ein Quantensprung im Vergleich zu Bernsteins Aufnahme aus 1972 mit dem London Symphony Orchestra (wenngleich zeitlich rückwärts ;)). Ob es jetzt wirklich DER ultimative Sacre ist, da habe ich meine Zweifel. Aus der Sony-RCA-Ecke reicht er nicht an Monteux (1951) und Boulez (1969, also die frühere Aufnahme) heran, des weiteren bleiben für mich persönlich Markevitch (die Doppelaufnahme mit dem Philharmonia Orchestra), die neuere Salonen-Aufnahme, die Aufnahme unter Litton und die Aufnahme unter Fricsay, rein gefühlsmäßig doch leicht vorne.


    Beste Grüße,


    C.

  • Salonen / Los Angeles PO (SONY)

    Wegen der guten Kritik mit klangbesten Ergebnissen, hat mich die neue Salonen-Aufnahme von 2006 jetzt auch erreicht.
    Salonen scheint es besonders auf Details anzukommen, die er präzise herausarbeitet. Dabei wird er von der herausragenden Klangtechnik aufs allerbeste unterstützt. Selten hat man die grossen Trommeln und Pauken so voluminös gehört. Mein Unterwegskopfhörer Koss Porta Pro war erstmalig überfordert - die Membran schlug an ! Ansonsten bietet sich ein orchestrales natürliches Klangpanorama der Luxusklasse. Selbst die CD-Spur der SACD gehört zum besten CD-Klang, den ich in meiner Sammlung vorstellen könnte. (Die DG-CD hat sogar CD-Text).


    Bei allem Wohlwollen und positiven Worten für diese Aufnahme - die Interpretation geht nicht so ganz an mich. Was mir weniger gefällt ist das glatte und präzise abspulen ohne wirklich spürbare Emotion und volle Extase. Aufeinanderfolgende Paukenschläge kommen in der gleichen Intensität ohne spürbare und hörbare Steigerung. Ecken und Kanten haben nicht das Aufwühlende, die Schockwirkung. Nein - ich höre Le Sacre anders --> Man vergleiche wie Swetlanow (Melodiya, 1966) , besonders den 2.Teil auf Sidehitze bringt. Bernstein/New York (SONY, 1958) geht in die gleiche Richtung. Das ist Gänsehaut pur, was Beide da abliefern. Da sind die machbaren Grenzen spürbar. Und wer es klanglich genauso mit vollem Frequenzgang wie bei Salonen braucht - der greife zu Fedossejew (Melodiya/JVC,1981, DDD) und staue über den gegebenen Wahnsinn auch dort.


    Bei Salonen ist bis zum Opfertanz plötzlich der Schluss erreicht - ich höre bis dahin keine emotionale Steigerung, keine mich wirklich aufwühlende Entwicklung bis dahin.
    ;+) Ich möchte anmerken, dass Worte viel mehr aussagen, als nötig - es ist insgesamt eine Aufnahme, die es mit den Besten aufnehmen kann ... nur - mit den genannten Einschränkungen.



    DG, 2006, DDD

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR

    Ich habe gerade Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR (WARNER/Melodiya, 1966, ADD) gehört und muss jetzt noch mal bekräftigend feststellen, welche Hammeraufnahme das ist. Zudem in dem fabelhaft detailreich klingenden Remastering in der WARNER-Ausgabe, die bisher noch keine Abb in diesem Thread hat ( Das muss sich zur INFO schnellstens ändern.) Klanglich ein Quantensprung gegenüber meiner Melodiya-LP aus den 70er/80er-Jahren ( :D nur das Cover mit dem nett anzusehenden Opfer war auf der LP besser. Wer es kennt weis was ich meine !) .


    Ich möchte nichts mehr über die sachlich korrekte Salonen-Aufnahme (DG) schreiben - abgehakt; Swetlanow ist dagegen der pure Wahnsinnshammer. Emotion, Siedehitze (entgegen meinen Worten im Vorbeitrag auch schon pure Gänsehaut in Teil 1), brachiale Schockwirkung; geniale Steigerung bis zum Opfertanz - Whow !!!


    Hier ist die Abb dieser Hammer-CD:



    WARNER, Melodiya 1966 (Le Sacre), 1999 (Petruschka), ADD


    :spock: Man ist das ne Interpretation !

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Ormandy / Philadelphia Orchestra (SONY)

    Gestern habe ich durchgerungen und doch mal die Ormandy-Aufnahme von 1955 in Mono angehört, die Andrejo in Beitrag 36 in der fabelhaften Ormandy-Box abgebildet hat. Dies nicht zuletzt wegen der interessanten und sehr gegensätzlichen Worte von C.Huth und Andrejo in diesem Thread: ;+) Da kann man mal sehen wie unterschiedlich die Eindrücke zu den Aufnahmen sein können. In der Box "10 Reference Recordings" von Le sacre (Beitrag 36) ist die Ormandy-Aufnahme auch dabei !


    Die Klangqualität von 1955 ist einmal sehr gewöhnungsbedürftig - hohe Rauschfahne und dann das gesamte Geplänkel aus der Mitte. Die grosse Trommel und Pauken sind nur sehr entfernt hörbar; man muss viel Vorstellungkraft mitbringen, wie es Live geklungen haben mag; sehr eingeschränkter Frequenzgang - kurzum = historischer Monoschrott !


    :thumbup: Aber was Ormandy´s Interpretation angeht so liefert er bereits im 1.Teil den Tanz auf dem Vulkan in superflotten 13:58 (darin Solti nicht unähnlich). Der zweite Teil auch nur ~16Min, aber als gut gesteigerten und gestalteten Vulkanausbruch sodass der ganze Sacre in 29-30 Minuten abgespult wird (aber ich finde das nicht zu schnell - das hat Wirkung und absoluten Biss mit der gebotenen Siedehitze, die er erzeugt) - Ormandy mir bestem Gespür für Rhythmus. Tolle Int und jammerschade, dass es so lausig klingt. Na ja, einmal und nie wieder, denn bei dem TOP-Angebot an fabelhaft klingenden referenzwürdigen Int (Swetlanow; Fedossejew und Bernstein/NY) ist das auch nicht nötig.


    Nach Le Sacre setzt die Petruschka - Suite mit Ormandy und seinem Philadelphia Sound ein - in Stereo von 1964: Eine Wohltat für die Ohren nach dieser Ohrenbeleidigung zuvor, mit gut gestaffeltem Breitwandsound (im positiven Sinne) den Philadelphia Sound geniessen zu können. Auch hier Ormandy bestens positioniert - da kann nur noch die Präzision von Boulez / New Yorker PH (SONY) überflügelnd wirken.
    Mir hat es dann so gut gefallen, dass ich die ganze CD (incl.R.Strauss-Rosenkavalier-Suite) ganz zu Ende gehört habe - übrigens - das Ganze sehr konzentriert mit KH im Bett gehört. :D In Stereo wäre ich bei Le sacre mehrmals aus dem Bett gefallen ...

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Ich bin nun kein Spezialist fürs "Sacre"

    Ich habe immer den Feuervogel und andere Werke vorgezogen.
    Letztes Jahr gab es im Kino ne Übertragung mit Sir Simon (Smith and his dancing Bear) und den Berlinern (Digital Concert Hall) und da wurde das Interesse geweckt.
    Nun habe ich für mich diese Aufnahme entdeckt:


    IGOR STRAVINSKY


    The Rite of Spring


    Boston Symphony Orchestra


    WILLIAM STEINBERG, conductor


    Recorded Symphony Hall, Boston, MA


    on 23 October 1970

    Dazu eine Bemerkung:

    Zitat

    Every once in a while when collecting broadcast concerts a performance comes along that is so good that you can't listen to it in the context of the entire program. No matter how good the rest of the concert was, it pales in comparison with one particular work. Here is one of those performances

    Steinberg "at his best". Er war nun mal ein Klangmagier und er hatte ein Superorchester.
    Der Klang ist hervorragend.


    Gruß aus Kiel


    Hier sind sie: "http://metrognomemusic.blogspot.de/2013/04/william-steinberg-conducts-rite-of.html"


    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Ich habe gerade Swetlanow / Staatliches SO der UDSSR (WARNER/Melodiya, 1966, ADD) gehört und muss jetzt noch mal bekräftigend feststellen, welche Hammeraufnahme das ist.

    Das ist eine Hammeraufnahme!
    Ich liebe die auch, aber meine ist eine Melodiya- Studioaufnahme von 1962.
    Damals hat Strawinsky die UDSSR besucht zum ersten mal nach seiner Emigration, und damals wurde auch diese Aufnahme gemacht.
    Vorher gab es m.W. keine UDSSR-Aufnahme vom Sacre.
    Ist das auf der o.g. CD dieselbe Aufnahme?
    Da ist was von Live zu lesen.........macht ja nix, ich würde mir auch eine Swetlanow Live von 1966 neu kaufen, mich würde nur interessieren, ob es dieselbe Aufnahme ist, welche wir seit langer Zeit kennen oder eine andere, welche halt live ist.
    Da steht doch was von russischer Förderation, das kann doch nicht 1966 gewesen sein.Diese Aufnahme muß jüngeren Datums sein..... ?(


    Würde mich wirklich interessieren, da ich diese CD durchaus gerne kaufen würde, auch wenn nur das Mastering besser wäre.


    :wink:

  • RE: Swetlanow 1966 oder 1962 ?

    Lieber Michael,


    ich war seinerzeit richtig froh, die Swetlanow-Aufnahme in anständigem Remastering auf der WARNER-CD (Abb Beitrag 44) bekommen zu können.


    LP-Schätze behalte ich in meiner Sammlung - und dazu gehört Le Sacre mit Swetlanow (auch wenn ich die LP nicht mehr höre): Meine EURODISC/MELODIYA-LP hat kein Aufnahmedatum angegeben, so wie dies meist bei Eurodisc leider üblich war (das Cover hat ein abstraktes Bild mit dem weiblichen Opfer).


    *** Die WARNER-CD ist definitiv die gleiche Studioaufnahme mit dem Staatlichen SO der UDSSR: Es steht Aufnahmedatum Moskau 1966. Alleine von der detailreichen Klangqualität und atemberaubendem Schlagwerk her würde ich auch eher auf 1966 als 1962 schliessen. 1962er-Melodiya-Aufnahmen klingen meist nicht so astrein. Aber vielleicht ist das doch ein "Warner-Fehler" ?


    Petruschka auf der CD ist ein LIVE-Aufnahme aus Paris von 1999.
    Die recht langsame Interpretation (typisch für den späten Swetlanow) hat nicht ganz den von mir erwarteten Biss; so wie Boulez/NY (SONY), Solti/CSO (Decca), Bernstein/NY (SONY), Chailly (Decca), Dorati (Decca), Ormandy (SONY).

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • RE: Steinberg 1970

    Hallo Hans,


    Deine Begeisterung für Steinbergs Le Sacre kaufe ich Dir ungehört ab.
    Ich kenne keine Steinberg-Aufnahme mit dem Boston SO, die nicht in irgend einer Art herausragend wäre: Holst: Planeten; R.Strauss: Also sprach Z; Hindemith: Mathis der Maler, Konzertmusik op.50, Brahms 1 u.a. --- alles Hammer-Int.


    Wenn ich die Aufnahme mal sehe, werde ich die mit Sicherheit nicht liegen lassen.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Falls das Thema schon angesprochen, aber von mir überlesen wurde: sorry.


    Ich habe gerade ein paar Stichproben in meiner CD-Sammlung gemacht. Entweder wurde beim Sacre keine Fassung deklariert oder die überarbeitete Version von 1947 angegeben. Was ist mit der Urfassung von 1913 ? Gibt es die auch auf CD? Oder wurde die Partitur komplett aus dem Verkehr gezogen?


    p.s.: wow. Da gibts wohl weit mehr Fassungsprobleme als ich erwartet hatte: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Rite_of_Spring

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Lieber TB, vielleicht hilft Dir das weiter: "https://www.boosey.com/shop/ucat/Stravinsky-Rite-of-Spring-Facsimile/100083"? Bin mir aber nicht sicher, ob es sich dort um die Originalpartitur von 1913 handelt.


    :wink:


    PS: Zur Urfassung gibt es hier auch noch dies: Strawinski: Le Sacre du Printemps (Das Frühlingsopfer) – Von Nijinskys Erstinszenierung her betrachtet.

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Ein sehr schöner Beitrag! Bist du auch mit den Decca-Boxen vertraut?


    Zitat

     

  • Als Geschenk von Berta aus Panislowski (oder so) steht die dicke Decca-Box zwar seit kurzem bei mir im Regal, aber ich bin noch nicht dazu gekommen. Sind auch wirklich wahnsinnig viele "Sacres" auf einen Schlag....


    Irgendwann angelegentlich würde ich mich dann dazu gerne melden können.


    LG - C.

  • Zur Geschichte des Werks hat Michael Tilson Thomas einen Film drehen lassen:


    "https://www.youtube.com/watch?v=70RWHLbO_cQ"


    Übrigens: Tilson Thomas wird am 21. Dezember 70! :prost:

  • Eine höchst interessante Aufnahme der Frühlingsweihe ist folgende:



    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51X6MLhs4YL._AA160_.jpg]



    Der französische Dirigent Francois-Xavier Roth hat hier mit seinem auf alten Instrumenten spielenden Orchester Les Siecles die Uraufführungsfassung vom 29. Mai 1913 eingespielt, welche sich deutlichst in Dynamik, Rythmik, Instrumentation und Klang von den späteren Fassungen unterscheidet (heller, rauher, dissonater).
    Die Interpretation selbst ist forsch und zupackend, beleibt aber dabei sachlich nüchtern.


    Ich bin durch Zufall auf diese Aufnahme gestoßen und höre sie sehr gerne - sowohl für sich genommen, als auch im direkten Vergleich mit den späteren Fassungen, gewährt sie einem doch völlig neue Blickwinkel auf ein altbekanntes Werk.


    Spartacus

    Für Monika

  • Danke für den Hinweis, das klingt spannend. Ein Livevideo dieser Variante von den BBC-Proms habe ich gerade bei Youtube gefunden: "https://www.youtube.com/watch?v=rq1q6u3mLSM


    Grüße
    vom Don

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