Jeden Tag ein Streichquartett

  • Richard Wetz (1875-1935) ist in erster Linie als Komponist dreier post-brucknerianischer Symphonien bekannt, die auf cpo verfügbar sind. Er hat auch zwei Streichquartette komponiert, von denen das 2. Streichquartett in e-moll op. 49 vor 30 Jahren vom jungen Mannheimer Streichquartett eingespielt wurde. Das 36-minütige Werk hat die Sätze:


    1. Langsam und ausdrucksvoll
    2. Sehr langsam
    3. Scherzo, mäßig schnell
    Finale. Getragen und schwer


    Wie die Satzbezeichnungen schon andeuten, handelt es sich um ein eher vergrübeltes Werk, die Ecksätze beginnen jeweils mit einer sehr getragenen Einleitung. Ein klangschönes Werk, das man allerdings mehrmals hören muss, um ihm näher zu kommen. Für Hörer, die das Quartett von Wolf oder die Werke von Pfitzner schätzen, durchaus eine Bereicherung. Ich besaß bisher nur eine Kopie eines Bibliothekexemplars, konnte jetzt aber das Original bei Ebay erstehen. Am Fluss gibt es auch noch eins.



    Norbert Florian Schuck hat über Wetz' Quartette eine Masterarbeit angefertigt, hier ein kurzer Artikel (englisch und deutsch) von ihm:


    https://repertoire-explorer.mu…orworte_prefaces/5357.pdf

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Per stream:


    Beethoven
    Streichquartett op. 127
    Lindsay String Quartet (1. Zyklus)


    Hat schon was, der etwas rauhe Klang passt ganz gut zum alten Beethoven. Der langsame Satz beeindruckt.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Klaus Fischer-Dieskau
    Streichquartett Nr. 1
    Albis Quartett


    KFD - der dieses Jahr 100 geworden wäre - war der vier Jahre ältere Bruder von DFD und hat sich einen Namen als Chorleiter gemacht. Offenkundig hat er auch komponiert, eine CD mit zwei Streichquartetten ist kürzlich erschienen.


    Das 1. Streichquartett wurde 1946 abgeschlossen, aber wohl schon in Kriegstagen begonnen. Es ist ein spätromantisches Werk, dessen Melancholie ich ziemlich attraktiv finde. In der Nachkriegszeit sicher als unzeitgemäß abgelehnt, kann das Werk heute vermutlich mehr Interesse wecken. In das 30 Jahre später entstandene 4. Quartett habe ich bisher nur kurz hineingehört, immer noch tonal, aber eine wesentlich herbere Klangsprache.


    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Beethoven , Streichquartett No.11 f-moll op.95 aus dem 1. Zyklus des Lindsay String Quartets . Wie Wieland anderen Orts bekundete ,wurden die Aufnahmen gerade wieder neu herausgebracht . Beim Lindsay Quartet scheiden sich ja die Geister , aber das ist ja auch lebensnah . Wat den eenen sin Uhl , is den Annern sin Nachtigall .


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Beim Lindsay Quartet scheiden sich ja die Geister , aber das ist ja auch lebensnah . Wat den eenen sin Uhl , is den Annern sin Nachtigall .

    Ja. Und? Wie gefallen Dir diese Aufnahmen?


    Ich habe vor etlichen Jahren aufgrund von Empfehlungen im Penguin Guide zwei CDs mit den Lindays gekauft und war jedesmal enttäuscht ... Haydns "Sieben Worte" und Schuberts Streichquartette Nr. 8 und 13 ...


    Danke für Deine Rückmeldung!


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wie gefallen Dir diese Aufnahmen?

    Lerchen sind sie nicht , eher Wachtelkönige - mit hohem Wiedererkennungswert . Über Intonation und/oder Primgeiger war immer ein Streitgespräch möglich , wenn man es nicht so machte wie ich : sie wegen ihrer Intensität schätzen , und die ist wohl unstriitig . Sonst kein Freund von Gesamtaufnahmen , kann ich mir die allermeisten ihrer Beethoven-Quartette ohne Zucken anhören . Irgendwie erinnern sie mich in manchen Momenten an das Busch-Quartett . ( Schubert Quartett No.15 und das Streichquintett mag ich auch von ihnen , sowie ihre Zusammenarbeit mit Peter Frankl , also Brahms , Schumann , Dvorak und Martinu Klavierquintette . Sie waren nicht die Subtilsten , aber aufgesetzt , routiniert oder langweilig klingen sie für mich in den hier genannten Werken nie . ( Und zum Glück bin ich auch nicht mit Khampans Ohren verflucht/gesegnet) .Für ihren Bartok , Haydn und Mozart kann ich mich nicht begeistern .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Lieber B-major, vielen Dank für Deine Einschätzung! Vielleicht lasse ich nochmal etwas einströmen ... Busch-Quartett und in diesem Zusammenhang D. 887 und D. 956 sind freilich Hausnummern ...


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Busch-Quartett und in diesem Zusammenhang D. 887 und D. 956

    Das Quintett haben die Mannen um Adolf Busch nicht eingespielt , wohl aber D 887 . Da ist für mich - wie bei Beethoven - ein ähnlicher Einsatz spürbar .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Vor dem Wegräumen nochmals Mendelssohn mit dem Quatuor Mosaiques gehört , und fasziniert gelauscht . Tolle Einspielung beider Quartette . ( Ich habe die alte Astree-CD , Cover entspricht dem der mp3-Version )


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"


  • Bemerkenswert reizvoll und aussagekräftig, diese Produktion von 2020 - vielleicht gerade weil hier nicht sklavisch transkribiert wird, sondern fortgesponnen, durch Intermezzi verknüpft, und das oft recht modernistisch. Die Lieder finden sich in Auswahl bei rund 50 Minuten Gesamtdauer. Tendenziell ist es ein einziger Satz mit Attaca-Übergängen.


    Das Arrangement stammt vom Bratschisten des noch recht jungen Ensembles, Andreas Höricht.


    Möglich, dass die CD hier oder in einem anderen Faden schon vorgestellt wurde. Ich habe sie mir jüngst gekauft, weiß aber nicht mehr genau, wie ich auf die Idee gekommen bin. Es war aber eine Empfehlung.


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.


  • Wilhelm Kienzl - schon der Name macht vielleicht Pickel, und erst recht die sich einstellende Assoziation "Evangelimann" als Kitsch-Oper, die er so gar nicht ist. (Es sei denn, man nimmt nur das rührselige Finale zur Kenntnis).
    Nachdem ich jahrelang seinem Meisterwerk "Don Quixote" verfallen war, habe ich es jetzt endlich mit den Streichquartetten versucht.


    1x nebenbei währen der Arbeit gehört: Sehr klangschön, mit Zug nach vorne, schöne Themen, und ich wurde nicht ein Mal stutzig wegen etwaiger Redundanz oder prätenziöser Fugenpusseligkeit. Das habe ich selten. Ob das Alles jetzt so richtig nachbrahmsisch gut gearbeitet ist, müsste ich beim wiederholten (unabgelenkten) Hören herausfinden. Zunächst aber: unbedingte Empfehlung für Liebhaber spätromantischer Kammermusik, die nicht ausufert, sondern in alten Bahnen schöne Wege findet.


    Über das "Thomas Christian Ensemble" (ja, mit Deppenleerstellen) weiß ich gar nichts, weil ich das (immerhin lobenswerterweise vorhandene) Booklet nicht gelesen habe, aber ich finde den Klang sauber intoniert, schön dunkel timbriert und akustisch gut abgebildet.

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Mir scheint, seine Kammermusik ist mit das Feinste von ihm. Wo bleiben die anderen drei Streichquartette?


    Fritz Gernsheim
    Streichquartett Nr. 3 F-dur op. 51
    Diogenes Quartett


    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.


  • Friedrich Gernsheim (1839-1916)
    Streichquartette Nr.1 c-moll op.25 & Nr.3 F-Dur op.51

    Diogenes Quartett
    CPO, DDD, 2017


    Das Diogenes Quartett widmet sich dem weitestgehend vergessenden Komponisten Friedrich Gernsheim und tut dies mit größtem Einsatz und ganz viel Einfühlungsvermögen. Die Musik macht wundern, wie solch große Quartettkunst durch's Raster der Musikgeschichte fallen konnte. Eine tolle Entdeckung und man darf auf weitere Ausgaben gespannt sein.


    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Heute bisher Zwei


    Samuel Barber
    Streichquartett op. 11
    Escher Quartet


    Vom Barber wurden hier beide Finalsätze eingespielt, der ursprüngliche und der heute gültige. Barber hatte lange überlegt, ob er überhaupt einen dritten Satz braucht. Aus meiner Sicht: nein.


    Othmar Schoeck
    Streichquartett Nr. 2
    Amar Quartett


     

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Haha, auch die habe ich gestern gehört, unmittelbar nach Gernsheim. :)
    :cincinbier:

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    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Die Musik macht wundern, wie solch große Quartettkunst durch's Raster der Musikgeschichte fallen konnte.

    Vollste Zustimmumg! Man (oder ich?) ist ja im Überschwang der Begeisterung oft recht fix mit solchen Aussagen, aber hier finde ich sie auch nach mehreren Monaten, seit dem ich Gernsheims Werk kenne, immer noch absolut zutreffend.

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

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