Jeden Tag ein Streichquartett

  • Würde jemand nach einer Grundausstattung in Sachen später Streicherkammermusik von Schubert fragen - ich weiß, niemand/fraud hat gefragt -, ich würde ohne Zögern das ABQ nennen.

    Hier wurde jetzt gehört


    Franz Schubert

    Streichquartett D. 804 Rosamunde

    Guarneri Quartet



    Ändert aber nichts an der Gültigkeit Deiner Aussage. ;)

  • Wir haben übrigens einen Klenau-Thread, habe Deinen Beitrag auch dorthin kopiert.

    Super! :thumbup:

    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Hier weiter Schubert mit dem ABQ.


    Franz Schubert: Streichquartett Nr. 15 G-Dur D 887


    Alban Berg Quartett

    (live Wiener Konzerthaus)



    Wahnsinnsmusik in Wahnsinnsaufnahme.


    Bernstein sagte mal, wenn er Beethovens Neunte dirigiere, dann wüsste er für einen kurzen Moment, wie die Probleme dieser Welt zu lösen seien.


    Schubert bietet das vielleicht nicht. Aber er bietet vielleicht die Gewissheit, dass eine solche Lösung existieren könne. Als Utopie. Ganz anders, als wir uns das denken könnten. Totaliter aliter. Aber sie existiert, und keine(r) weiß, wie ...


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • wissen schon, nur am Tun haperts

    :/ Wie meinstn Du das?

    oh sorry, habe falsch zitiert.


    wüsste er für einen kurzen Moment, wie die Probleme dieser Welt zu lösen seien.

    kombiniert mit

    Aber er bietet vielleicht die Gewissheit, dass eine solche Lösung existieren könne.

    Ich meinte wir wissen eine Lösung; wir wissen was wir machen müssen/können, nur tun wir es nicht.


    Utopie kann man per Definition nicht erreichen, das ist klar. Aber man kann Probleme lösen.

  • Ich meinte wir wissen eine Lösung; wir wissen was wir machen müssen/können, nur tun wir es nicht.

    Ja, ok, wie sieht die Lösung denn aus?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Irgendwie kein Wunder, dass wir's nicht tun, oder? :) Wenn wir nicht wissen, was ...


    ... aber wenn wir schon die Lösung nicht kennen - was sind denn eigentlich die "Probleme dieser Welt"? =O


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • "Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" ist mir allerdings schon untergekommen. Passt aber nicht in die Vorweihnachtszeit....

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Klar, man muss erst erkennen, was DAS Problem ist. Dafür muss man klar sehen. Das ist schon nicht so leicht. Aber nicht unmöglich. Man braucht ausserdem nicht 100% klar sehen, sondern eine kritische Masse an Klarsicht reicht. Und man braucht die Geduld , es sich genau zu überlegen und dann die Fähigkeit, alles, was man meint bis jetzt gewusst zu haben, zu hinterfragen.


    Ich sagte es ja schon. The Human Condition ist das Problem, aber nicht so, wie man eventuell meint. Alles andere leitet sich daraus ab. Sogar die Lösung.

    Führt zu weit. Machen wir mal mit einer Flasche Wein.


    Und ich muss mich jetzt Eddie Izzard widmen, oder vielleicht erst ein wenig Joe Rogan.

  • Schubert bietet das vielleicht nicht. Aber er bietet vielleicht die Gewissheit, dass eine solche Lösung existieren könne. Als Utopie. Ganz anders, als wir uns das denken könnten. Totaliter aliter. Aber sie existiert, und keine(r) weiß, wie ...

    Schubert und die Utopie ... ich weiß nicht, ob D887 sie ahnen läßt. Für mich eher das Streichquintett. Im dritten Satz von D887 würde ich - im Trio - eine groteske Anspielung an die Walzerseligkeit hören. Aber das ist selbstverständlich rein subjektiv. D887 ist für mich kein versöhnliches Werk, im Unterschied zu D804 (das mit dem albernen Zunamen, der erst vor ca 30 Jahren erfunden wurde). Mehr als die Bühnenmusik zum Schauspiel (von der man nicht mal weiß, ob sie vor, nach oder gleichzeitig zum Quartett komponiert wurde) wird dort auf das Lied Die Götter Griechenlands D677 angespielt: Schöne Welt, wo bist du?

    D887, besonders im Konzert, übt eine ganz besondere Faszination.

    Alles, wie immer, IMHO.

    Einmal editiert, zuletzt von Philbert ()

  • Schubert und die Utopie ... ich weiß nicht, ob D887 sie ahnen läßt. Für mich eher das Streichquintett.

    Ich gebe zu, dass ich den Gedanken im Kopfsatz hatte, und dass er mir in den folgenden Sätzen nicht mehr so passend schien.

    D887, besonders im Konzert, übt eine ganz besondere Faszination.

    Definitiv.


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Heute der Solitär.


    Joseph Haydn: Streichquartett d-Moll op. 42


    Tátrai Quartet



    Ein wundervolles Werk. Alleine das Thema im langsamen Satz.


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Felix Draeseke (1835-1913)

    Streichquartette Nr. 1 & 2 (op. 27 & op. 35)

    Constanze Quartett

    CPO, DDD, 2017


    Die beiden Quartette sind für meinen Geschmack wundervolle, lyrische Werke, die man gerne erneut hören mag. Ein ganz heißer Tipp für Kammermusik- und Streichquartettfreunde. Zur Zeit für nur 7,99 EUR zu haben.

    Zitat von jpc

    In unserer ersten Zusammenarbeit mit dem Constanze Quartett aus Salzburg kommt es auch erstmalig zur Gesamtaufnahme sämtlicher Streichquartette von Felix Draeseke, einem deutschen Komponisten und Vertreter der Neudeutschen Schule, sowie Zeitgenosse von Franz Liszt, Richard Wagner und Johannes Brahms. Draesekes Streichquartette sind stilistische Unikate. Oft findet sich Wagners Einfluss in den Quartetten, wenn auch nicht in Form einer Nachahmung Wagnerschen Komponierens, sondern als schöpferischer Nachvollzug der Klassiker, wie sie Draeseke von Wagner vermittelt bekommen hatte. Die Idee des „melodischen Fadens“, der die Musik als einheitsstiftendes Band zusammenhält, ist überall in diesen Stücken greifbar. Beide Quartette bestätigen eindrucksvoll die Worte des Draeseke-Kenners Christoph Schlüren: „Draeseke als primär lyrische Natur ist zugleich von einer bestechenden Herbheit und erkundet die dunklen, introvertierten Ausdruckswelten mit einzigartiger Fantasie. Das weitragende Melos ist auf die kontrapunktische Tauglichkeit zugeschnitten, der Rhythmus zumal für deutsche Verhältnisse besonders lebenssprühend und abwechslungsreich. Stilistisch gibt es erkennbare Bezüge nicht nur zu Beethoven, sondern auch zu Mendelssohn, doch ist seine äußerst farbenreiche, mit teils überraschenden Modulationen gespickte harmonische Sprache eine individuelle Weiterentwicklung der von Wagner und Liszt ausgehenden neudeutschen ‚Fortschritts’-Haltung. Draesekes herausragende Statur als Streichquartettkomponist beruht vor allem auf seiner gänzlich originellen architektonischen Meisterschaft in einer Gattung, in der zwar Beethoven und Schubert Unübertreffliches schufen, wo aber Draeseke – gemeinsam mit Brahms, Tschaikowsky und dem späten Dvorák – von den Erfahrungen Schumanns und Mendelssohns ausgehend entscheidend Neues kreierte.“

    Zitat von Kritik

    Musik & Theater 07/2020: »Sowohl das erste Quartett aus dem Jahr 1880 als auch das zweite von 1886 gestalten die Musikerinnen meisterhaft - mit wunderbarer Tongebung, herrlich aufeinander abgestimmtem Spiel sowie einer hohen Phrasierungs- und Modulationskunst.« FonoForum 06/2020: »Faszinierende Quartettmusik«


    klassik-heute.de 12/2019: »Das mit dieser Aufnahme debütierende Constanze-Quartett löst die anspruchsvolle Aufgabe formidabel. Phrasierungen und Klangvaleurs sind auf das Feinste abgestimmt, der Satz ist jederzeit durchhörbar, ohne dass der Gesamtklang jemals auseinanderfiele. Die wegen der raffinierten Modulationen keinesfalls einfache Intonation ist perfekt. Aufnahmetechnisch wüsste ich nichts zu beanstanden. Der Booklet-Text von Norbert Florian Schuck verdient wegen seiner ausführlichen, wohlrecherchierten biographischen Angaben und den klugen Werkanalysen einen Extra-Stern. Bravo cpo für diese Ersteinspielung!

    Fazit: Ein Muss für alle Kammermusikfreunde und Spätromantikgenießer. Professionelle Quartette, die sich an Dvorák, Fauré, Debussy und Ravel sattgespielt haben, sollten überlegen, ob sie eines der Werke nicht ebenfalls in ihr Repertoire aufnehmen. Eindeutige Empfehlung.«

    »Großartige Aufführungen zu Unrecht vernachlässigter Musik, die es wert sind, klar und sicher zu sein, mit dem Vertrauen in den Wert der Musik, um sie natürlich atmen zu lassen. Die Musik ist eloquent - und so sind auch die Aufführungen dieser jungen Musiker.« (musicweb.com)

    Viele Grüße

    Frank

    :cincinbier:

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    - H. W. M.

  • Next one.


    Franz Schubert: Streichquartett Nr. 13 a-Moll D 804 ("Rosamunde")


    artemis quartet



    Ich meine, bei dieser Wiedergabe könne man auf den Gedanken kommen, dass Kunst bisweilen die Kunst der Andeutung sei.


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Zum Glück eine Interpretation, die sich vom erfundenen Namen nicht beeinflussen lässt (im Unterschied etwa zum ABQ, das D804 zugegeben vor der Erfindung des Namens aufgenommen hat, aber wo ich die ersten Anzeichen einer kommenden Rosamundisierung wahrnehme).

    Hier wird Spannung und Drama nicht überzuckert. Die kleinen Hinweise, die Schubert hier und da verstreut hat, werden nicht hervorgehoben, aber auch nicht vernachlässigt. So eindrucksvoll habe ich das Menuett -Trio inklusive- nach den Janáčeks und den Hungarians nicht gehört.

    Seltsamerweise ist es das erste Mal, dass ich D804 mit Artemis höre.

    Es wird nicht das letzte sein.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Danke für Deine Bewertung der artemis-Aufnahme! Ich habe sie als eher kräftig zupackend erlebt und überdeutlich aussprechend, wo die Andeutung vielleicht noch stärker gewesen wäre. Aber, so wie Du schreibst, ist vielleicht meine Erwartungshaltung an das Werk durch "überzuckerte" Aufnahmen geprägt. Ich werde weiter hören, danke für die Möglichkeit der Änderung der Sichtweise!


    Hier ein Meisterwerk der Ökonomie:


    Joseph Haydn: Streichquartett B-Dur op. 50 Nr. 1


    Tátrai Quartet



    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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