Mozart: "Gran Partita" KV 361

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  • Wolfgang Amadeus Mozart
    Serenade Nr. 10 in B-Dur KV 361/370a "Gran Partita"


    Die Gran Partita (oder auch: Gran Partitta) ist eine Serenade für 12
    Bläser und Kontrabass, welcher auch durch ein Kontrafagott ersetzt
    werden kann. Mit einer Spieldauer von 45-50 Minuten ist sie neben
    seiner Haffner-Serenade KV 250 die längste, und länger als alle seine
    Sinfonien. Die großzügige Ausdehnung wird schon an der Anzahl der
    Sätze deutlich. Es sind sieben:


    1. Largo -- Allegro molto
    2. Menuetto
    3. Adagio
    4. Menuetto: Allegretto
    5. Romance: Adagio
    6. Tema con variazioni
    7. Finale: Allegro molto


    Die Menuette enthalten jeweils zwei Trios, und in der gesamten
    Partitur sind zahlreiche Wiederholungen eingebaut, so dass das Werk
    sehr ausladend wirkt. Die Besetzung ist folgende:


    2 Oboen
    2 Klarinetten in B
    2 Bassethörner in F
    2 Hörner in E
    2 (tiefe) Hörner in B
    2 Fagotte
    1 Kontrabass


    In heutigen Partituren findet man die Alternative Kontrafagott an
    Stelle des Kontrabasses, jedoch scheint in der Originalpartitur nur
    ein Kontrabass gefordert zu werden, und dies wird durch Verwendung von
    Pizzicati bestätigt. Vielleicht hat Mozart sich aber auch an anderer
    Stelle dazu geäußert. Rudolf Gerber schreibt im Vorwort einer Ausgabe
    bei Ernst Eulenburg (Leipzig/Wien): "Die Wahl zwischen Kontrabaß und
    Kontrafagott als Fundamental-Intrument ist von vornherein
    freigestellt." Übrigens wird sie in dieser Ausgabe noch als "Serenade
    Nr. 8" bezeichnet.


    Das genaue Entstehungsdatum ist ungewiss. Als sicher gilt nur, dass
    die Gran Partita zwischen 1780 und 1784 in Wien entstanden ist. Die
    Internationale Stiftung Mozarteum (ISM) geht von Ende 1783 und Anfang
    1784 aus. 1784 (Ankündigung vom 23. März im Wienerblättchen) hat eine
    Uraufführung der ersten vier Sätze (Eric Hoeprich) stattgefunden, die
    der berühmte Klarinettist und Freund Mozarts Anton Stadler organisiert
    hat. Wolfgang Stähr meint in seinen Programmnotizen eines Konzerts der
    Münchner Philharmoniker, dass "einiges" für eine damalige Auswahl der
    Sätze 1, 2, 5 und 7 spräche. Laut ISM ist der Untertitel "Gran
    partitta" auf dem Autograph später hinzugefügt worden und habe mit
    Mozart nichts zu tun.


    Das Werk ist sehr klarinettenfreundlich geschrieben; diese relativ
    neuen Instrumente hatten damals nur wenige Klappen und konnten daher
    nur wenige Tonarten spielen. Es gibt zwar ein Trio mit drei b's, aber
    die meisten Parts für Klarinetten sind mit keinem oder einem
    Vorzeichen. Viele herausragende Soli haben die 1. Oboe und
    1. Klarinette, aber auch das 1. Bassetthorn.


    Im Booklet zur der Einspielung bei Linn-Records bezeichnet Timothy
    Jones die Gran Partita als "Mozart’s largest and arguably his most
    innovative instrumental work".



    maticus


    Würde mich freuen, wenn viele hier weitere Informationen zu diesem tollen Werk beisteuern.

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    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Meine Aufnahmen sind folgende:



    Ironischerweise ist bei den beiden Aufnahmen, die "for 13 Winds" auf Ihrem Cover stehen haben, ein Kontrabass beteiligt, und nur die dritte CD bitte die Alternative Kontrafagott (so dass es sich nur hier wirklich um 13 Bläser handelt).


    Alles sehr empfehlenswerte Aufnahmen. Mein Favorit ist wohl Mackerras/St. Luke's, die Aufnahme ist sehr sauber. Die mittlere Aufnahme ist etwas weniger "steril", Klappengeräusche etc. sind stärker zu hören, aber dadurch wirkt sie auch ein klein wenig lebendiger. Bei der Pinnock-Aufnahme finde ich interessant, dass ein Kontrafagott eingesetzt wird. Dadurch erhält die Musik einen anderen Charakter. Ich denke aber, dass es nicht nur daran liegt, dass das Klangbild bei der Linn-CD etwas "geschlossener" wirkt. Persönlich gefällt mir ein Kontrabaß doch besser, er klingt prägnanter und pointierter als ein Kontrafagott. Besonders gefällt mit das beim Trio II des vierten Satzes.


    maticus

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  • Schönen Dank für den Thread, werter maticus!


    Die Gran Partita ist neben manchen Klavierkonzerten für mich der Höhepunkt von Mozarts instrumentalem Schaffen.


    Kontrafagott und Kontrabass möchte ich eigentlich beide nicht missen. Es gibt da durchaus unterschiedliche Ansichten, über die historische Perspektive hast Du Dich ja geäußert. Im Zweifelsfall ziehe ich das Streichinstrument dann doch als die edlere Alternative vor.


    Auch meine Einspielungen will ich kurz verlinken bzw. benennen. Mit einer Favoritsetzung tue ich mir schwer, das letzte Vergleichshören liegt lange zurück und war weniger komplett als heute - wobei ich wahrlich nicht viele Einspielungen besitze, aber das Gefühl habe, dass gelungene Aufführungen sich nicht so radikal unterscheiden wie dies bei Sinfonien oder Konzerten Mozarts der Fall sein kann. Auch das Moment der historischen Authentizität scheint mir nicht ganz die entscheidende Rolle zu spielen wie dort. Vielleicht liegt es an der Bläserbesetzung; mir fehlt hier sicherlich die Sachkompetenz und ich mag mich prinzipiell irren.


    Den Harnoncourt besitze ich auf LP, leider ist die Scheibe klanglich nicht (oder nicht mehr) makellos.


    , eine Aufnahme mit den Chamber Orchestra of Europe Wind Soloists im Rahmen einer Sammlung der Blechbläsermusik Mozarts (bei der die Verlinkung nicht klappt - allerdings dürfte die CD von elatus, die maticus oben abgebildet hat, eben diese Einspielung enthalten), sodann und eben Harnoncourt als Leiter der Wiener Mozart-Bläser in einer Aufnahme aus den Siebzigern. Die dürfte es mittlerweile auf CD geben, ich habe sie aber auf die Schnelle nicht gefunden.


    Das war's, falls ich nichts übersehen habe. (Zwei weitere Kaufanreize gibt es ja nun ... ^^ )


    Als Höhepunkt der Serenade gilt vielfach das zentrale Adagio. Peter Shaffer lässt in seinem Amadeus Salieri zu Wort kommen, der die Genialität gerade dieses Satzes wahrnimmt und sie kommentiert. Der Anfang erscheint ihm konventionell, aber mit dem Einsatz des Klarinettentons nach kurzer Zeit sostenuto in hoher Lage eröffnet sich ein Mysterium, das ihn zu Tränen rührt und zugleich mit elementarem Neid erfüllt. Ein "obszönes Kind" (vgl. Wikipedia), ein vulgärer Schürzenjäger, der ihm plötzlich zum musikalischen Himmelsboten wird und die eigene Mittelmäßigkeit schmerzlich enthüllt!


    Hier ein Link mit dem kompletten Zitat, auf das ich mich beziehe: "http://raibuen.de/amadeus-film-von-milos-forman/


    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Jou, danke an Euch! Gebraucht kann man den Harnoncourt also in jedem Fall günstig erwerben ... Meine LP sieht genauso aus wie das Cover, welches JD eingestellt hat.


    Gute Nacht (bezieht sich auf das, was ich jetzt tun werde, und auf den aktuellen Neupreis obiger CD ... :evil: )!


    Kleines PS: Tatsächlich datiert die Harnoncourt-Einspielung von (etwa) 1984. Da war ich anfangs ungenau.


    Wolfgang

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  • Die CD habe ich auch! Muss ich mal wieder reinhören. Gekauft hatte ich mir die Aufnahme ursprünglich wegen des Fagottisten, den ich in 80ern bei einemm Konzert der Villa Musica gehört hatte. Klaus Thunemann war das - glaube ich :D Die Begeisterung für die Partita kam erst danach richtig auf :)

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • Anhand der Schlaghosen und Frisuren wäre eine Datierung in die späten 1970er durchaus nachvollziehbar. (Jahrzehnte dauern stilistisch-modisch oft etwas länger; 1992 sahen auch alle noch aus wie in den 1980ern...)


    Historisch und philologisch ist m.E. der Kontrabass korrekt. Kontrafagotte waren damals erstens selten und zweitens extrem unhandlich, drittens anscheinend auch sehr unzuverlässig und heikel in der Intonation. Eine Serenade war aber wenigstens im Prinzip eine Freiluftmusik, die einigermaßen praktikabel in der Aufführung sein musste. (Die Verstärkung der Bläser durch tiefe Streicher findet man übrigens auch noch in Dvoraks "Bläser"-Serenade.)


    Der Umfang ergibt sich ja hauptsächlich durch die sieben Sätze; die Haffner-Serenade hat acht (oder mit dem dazugehörigen Marsch neun) und ist auch dadurch noch länger. Wohingegen die Es-Dur KV 375 sozusagen das Serenaden-Minimum hat, die KV 388 nicht einmal das, sondern sich auch durch die "symphonische" Viersätzigkeit als besonders ernst abheben mag.
    D.h. verglichen mit den "sinfonischen Serenaden" wie KV 250 und 320 (und noch ein paar KV 204 rum) hat die Gran partita einen "normalen" Umfang. Aber verglichen mit den Bläserserenaden oder den Bläserpartiten/Harmoniemusiken Joh. Chr. Bachs, Krommers, Hoffmeisters, Haydns (bzw. vermutlich eher Pleyels) u.a. ist sie sehr umfangreich. Ähnliches gilt für die Besetzung. "Normal" scheint eine Sextett oder Oktett-Besetzung gewesen zu sein. (Interessanterweise fehlen Flöten sehr häufig bei diesen Harmoniemusiken. Waren die damaligen Flöten im Verhältnis zu leise oder warum? Nur etwa 20 Jahre später komponieren Danzi und Reicha für das später übliche Bläserquintett mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott anstatt für die meist paarweisen Sextett und Oktettbesetzungen.)
    Es scheint hier noch einige Rätsel zu geben, gerade auch, was die Entstehungszeit (Papier u.ä. spricht eher für 1781/82), den Anlass und die ominöse (Teil-)aufführung 1784 betrifft.
    Eine mögliche Sichtweise ist, dass Mozart, wie auch sonst manchmal, eine beinahe beliebige Gelegenheit nutzte, ein konventionelles Genre bis an die Grenze und darüber hinaus "auszutesten" und ein in jeder Hinsicht ehrgeiziges und erstaunliches Werk zu komponieren.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Von der Teil-Uraufführung vom 23. März 1784, die im Wiener National-Hoftheater stattfand hielt der Theatermacher Johann Friedrich Schink (1755 - 1835) seine Eindrücke fest:
    "Habe auch heute eine Musik gehört mit Blasinstrumenten von Herrn Mozart in vier Sätzen - herrlich und hehr! Sie bestand aus dreizehn Instrumenten, als vier Corni, zwei Oboi, zwei Fagotti, zwei Clarinetti, zwei Basset-Corni, ein Contre-Violon, und saß bei jedem Instrument ein Meister - oh es tat eine Wirkung - herrlich und groß, trefflich und hehr."


    Vielleicht wurde das Kontrafagott damals, wenn überhaupt, nur bei Freiluft-Aufführungen der Gran Partita verwendet. Das Instrument war damals weitaus unhandlicher als ein modernes Kontrafagott, weil es aus einer einzigen langgezogenen Röhre bestand und möglicherweise war der Klang der damaligen Instrumente zu grob oder zu mächtig, um bei Aufführungen in Sälen eingesetzt zu werden.


    In der HIP-Aufnahme des Ensembles Octophoros wird übrigens ein Kontrabass verwendet:

    (AD: August 1986, Conservatoire Royal de Musique de Liège)


    Die Aufnahme des Eastman Wind Ensemble unter der Leitung von Frederick Fennell gefällt mir auch ganz gut. Hier kommt ein Kontrafagott zum Einsatz.

    (AD: März 1958, Eastman Theatre, Rochester, New York)


    Armin


    (Quelle für das o. g. Zitat: Programmheft des Ensembles "Gran Partita Detmold" zu einem Konzert vom 18. Mai 2014 in der Kaiserpfalz in Paderborn)

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Also erstens gibt es meines Wissens keinen Grund zur Annahme, dass zu Mozarts Zeiten überhaupt je ein Kontrafagott in diesem Stück eingesetzt wurde. Zweitens vermute ich eher umgekehrt, dass ein Kontrafagott noch umständlicher und empfindlicher im Freien zu spielen gewesen wäre als ein Streichbass.
    (Bei vielen gemischt besetzten Cassationen/Serenaden/Divertimenti des 18. Jhds. spielt eh ein Streichbass (vermutlich damals Violone, etwas kleiner als ein moderner Kontrabass) mit.)
    Es wurde ja in Orchestermusik vereinzelt Kontrafagott eingesetzt, z.B. in Haydns Schöpfung, in Beethovens 5. und sogar in einer Fassung von Bachs Johannespassion.
    Ich glaube, dass erst im späten 19. oder frühen 20. Jhd. ein Kontrafagott tendenziell bevorzugt wurde, um eine "reine" Bläserbesetzung zu haben.
    Ich besitze drei Aufnahmen von KV 361 (Harnoncourt, Zefiro und Wiener Solisten) und alle sind mit Streichbass; ebenso spielt bei einer cpo-CD von Hoffmeisters Bläsermusik mit dem Consortium Classicum teils ein Streichbass mit.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Diese Aufnahme möchte ich unbedingt erwähnen:

    Wie schon auf dem Cover ersichtlich: mit Kontrabass. Vor allem wegen des sowohl in sich runden, warmen Bläserklangs, den das Orchester ja auch sonst auszeichnet, als auch des detaillierten, genauen Musizierens.
    In meiner Sammlung des Werkes die rundeste, klangschönste, in sich geschlossenste.


    Hörte dieser Tage gerade wieder Harnoncourts Lesart, ebenso die auch nicht zu verachtende Aufnahme Klemperers- Brüggen gefällt mir am meisten. Dieser ausgewogene Klang, der alle Feinheiten der Partitur hören lässt, dennoch einheitlich wirkt, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Brüggen selbst Bläser war.


    Muss aber auch mal wieder den Szell- Mitschnitt rauskramen, der die Gran Partita ein einziges Mal dirigierte, gekoppelt mit Strauss' Metamorphosen als Streicher-Gegengewicht zum Mozart, um dann die Gruppen zusammenzuführen beim "Siegfried- Idyll."


    (Brüggens Aufnahme gab es seinerzeit auch als Laser- Disc, in Japan als DVD, aber nur dort, ein Auszug hier zu sehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=RrLplgSCkO0 )
    Herzliche Grüße,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Noch gar nicht erwähnt wurde die vielleicht berühmteste Aufnahme des Stücks, die ich noch in einer schönen alten LP-Ausgabe zuhaus stehen habe:

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Hat sie MB nicht erwähnt, noch in "eben gehört"?


    Im Fono- Forum damals, in den Heften der 60er und 70er Jahre, vertrat man die Ansicht, dass es dem Stück gut bekomme, nähme ein Dirigent sich dessen an.
    Natürlich wurde da die von Dir genannte Furtwängler- Aufnahme genannt, aber daneben auch Böhm und Klemperer.


    Ich kann das gut nachvollziehen, das Stück ist doch komplexer als es auf den ersten Blick scheint und ein "herrischer, alter Mann da vorn" schadet nicht, ganz im Gegenteil.
    So unterschiedlich fallen die Ergebnisse dann auch aus, Furtwängler dicht und beinahe massig, Klemperer dagegen fast licht, erstaunlicherweise. Böhm mal wieder dazwischen, aber reizvoll, weil schlüssig gedacht, insbesondere bei Temporelationen der Sätze untereinander.
    Besonders erwähnenswert die Aufnahme Stokowskis, die sogar zwei Kontrabässe nutzt. In den ersten Takten meint man, typischen Stoki zu hören zu bekommen: satter Sound a la Hollywood. Und wie so oft trügt das Vorurteil, es ist eine ganz fein austarierte Klangwelt entstanden, die nur satt grundiert ist.
    https://images-na.ssl-images-a…/images/I/21PM2TPGHSL.jpg
    [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/21PM2TPGHSL.jpg]



    Reine Ensembleaufnahmen wie die vom Collegium Aureum wirken dagegen blass trotz der Farbigkeit der historischen Instrumente.
    Beachtenswert: Collegium Aureum und Stoki fast zeitgleich.


    Heute scheint man wieder dazu überzugehen, das Werk zu dirigieren, siehe Pinnock, Mackerras etc. Finde ich auch meist gelungener als heutige Ensembleeinspielungen wie z.B. Zefiro, die ich sonst sehr schätze- Mozart "verlangt" mehr.
    Und doch hört man bei diesem Werk oft, ob ein Dirigent Pianist ist von Hause aus, Streicher oder eben Bläser wie Brüggen.
    Balancen fallen anders aus, Klangvorstellungen sind andere.
    Mag sein, dass Stoki einen orgelähnlichen Klang anstrebte, Harnoncourt einen wenig runden Spaltklang wollte, Klemperer ins Detail ging auf Kosten des Charme.....dem Werk ist so vieles abzugewinnen und vieles davon auch sehr überzeugend, dass man des Hörens kaum müde wird- finde ich zumindest.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire

  • Zitat von Hempel

    Mag sein, dass Stoki einen orgelähnlichen Klang anstrebte, Harnoncourt einen wenig runden Spaltklang wollte, Klemperer ins Detail ging auf Kosten des Charme.....dem Werk ist so vieles abzugewinnen und vieles davon auch sehr überzeugend, dass man des Hörens kaum müde wird- finde ich zumindest.

    Das sind pointierte Charakterisierungen, unter denen ich mir wirklich etwas vorstellen kann. Dafür Dank an den Szell-Fan ( ;) )! Bezüglich meiner Ausstattung wäre eine der mindestens fünfzig Jahre alten Einspielungen sicher eine gelungene Ergänzung. Aus subjektiver Erfahrung tendiere ich nicht so sehr zu Stokowski. Harnoncourt besitze ich ja und er gehört auch nicht in diese Altersklasse, also könnte man es mit Furtwängler oder Klemperer versuchen. Vielleicht eher Klemperer ...


    :thumbup: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Lieber Wolfgang,


    Szell und den "Szell- Fan" mal beiseite: das Werk bietet Überraschungen. So manche Interpretation aber auch! Stoki klingt so gar nicht nach Stoki "wie man ihn kennt", er wird sowieso allzu oft in die "Filmmusik- Schublade" abgetan und kann doch viel mehr.
    Und Klemperer ist auch nicht immer der eherne Vertreter teutonischen Felsgesteins.


    Hörte schon vorgestern Brüggen mit den Bläsern der Bremer Kammerphilharmonie als Mitschnitt- mit modernen Bläsern arbeitet Brüggen ganz anders als mit den Seinen.


    Aber lass mal von Deinen Hörerfahrungen lesen bitte und ob es nun doch Klemperer wurde!


    Herzliche Grüße,
    Mike

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  • Eine neu erschienene Aufnahme möchte ich sehr empfehlen.



    LSO Wind Ensemble


    Zur Zeit ist sie mein Favorit. Der Klang der Instrumente und die Tempi gefallen mir sehr.


    Hybrid-SACD
    Rec. live in DSD 128fs, 31.10.2015, at LSO St Luke's, London
    Spieldauer 47:43


    Besetzung (jeweils erstgenannter ist Anführer):
    Oboen: Olivier Stankiewicz, Rosie Jenkins
    Klarinetten: Andrew Marriner, Chi-Yu Mo
    Bassetthörner: Lorenzo Iosco, Chris Richards
    Fagotte: Daniel Jemison, Joost Bosdijk
    Hörner: Tim Jones, Angela Barnes, Alex Edmundson, Jonathan Lipton
    Kontrabass: Colin Paris



    maticus

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    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Neben der vom LSO weiterhin mein Favorit:



    Sir Charles Mackerras
    Members of the Orchestra of St. Luke's


    Der Vollständigkeit halber:


    Rec. Performing Arts Center, Theatre C, S.U.N.Y. Purchase, New York, 1.-2. Juli 1993
    Spieldauer 50:37


    Besetzung (jeweils erstgenannter ist Prinzipal):
    Oboen: Stephen Taylor, Melanie Feld
    Klarinetten: William Blount, Daniel Olsen
    Bassetthörner: Gary Koch, Mitchell Weiss
    Fagotte: Dennis Godburn, Marc Goldberg
    Hörner: Stewart Rose, Scott Temple, William Purvis, Russell Rizner
    Kontrabass: John Feeney


    https://www.discogs.com/Mozart…an-Partit/release/8616342



    maticus

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  • Zu meinen beiden vorstehende Favoriten gesellt sich jetzt noch ein dritter hinzu:



    Alexei Ogrintchouk
    Members of the Concertgebouworkest


    Sehr schöner Instrumentenklang, Einsätze meist angenehm sanft.


    Hybrid-SACD
    Rec. März/April 2019, Kleine Zaal of the Concertgebouw, Amsterdam
    Spieldauer 47:51


    Besetzung
    Oboen: Alexei Ogrintchouk (+ Leitung), Nicoline Alt
    Klarinetten: Olivier Patey, Calogero Palermo
    Bassetthörner: Hein Wiedijk, Annemiek de Bruin
    Fagotte: Gustavo Núñez, Helma van den Brink
    Hörner: Laurens Woudenberg, Fons Verspaandonk, José Luis Sogorb Jover, Jaap van der Vliet
    Kontrabass: Olivier Thiery



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  • Frisch aus der Tube:
    Mozarts Serenade Nr. 10 B-Dur, KV 361 "Gran Partita" und Schönbergs Kammersinfonie Nr. 1 E-Dur, op. 9 mit der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim:
    Mozart und Schönberg

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)