• Minguet Quartett

    Das in Köln beheimatete Minguet Quartett ist eines der derzeit konzert- und aufnahmemäßig umtriebigsten Ensembles und verdient einen eigenen Thread. Das Quartett wurde 1988 gegründet, feiert also dies Jahr seinen 30. Geburtstag; Namensgeber ist Pablo Minguet é Irol (* vor 1733; † 1801) ein spanischer Schriftsteller, Verleger, Stecher, Musikpädagoge und Komponist, der in Madrid gewirkt hat. Die Minguets spielen seit einigen Jahren in folgender Formation:

    - Ulrich Isfort 1.Violine
    - Annette Reisinger 2.Violine
    - Aroa Sorin Viola
    - Matthias Diener Violoncello

    Neben der Pflege des klassisch-romantischen Repertoires widmet sich das Minguet Quartett vor allem der zeitgenössischen Musik. Hochgelobte Gesamtaufnahmen der Streichquartette von Wolfgang Rihm, Peter Ruzicka und Jörg Widmann zeugen davon.
    Wer in den letzten Jahren dieses Quartett live erlebt hat, weiss, dass es derzeit auf dem Höhepunkt seines Könnens angelangt ist und zu den besten Quartetten der Gegenwart gezählt werden muss.


    2010 wurde das Minguet Quartett mit dem begehrten ECHO Klassik ausgezeichnet. Für das beim renommierten Label ECM erschienene Requiem ET LUX von Wolfgang Rihm erhielt das Minguet Quartett gemeinsam mit dem Huelgas Ensemble den Diapason d'or Juli/August 2015.

    Auf der website des Ensembles kann man erfahren, was demnächst noch so auf uns zukommt, vor allem Ersteinspielungen. Da freut sich der Kammermusikliebhaber. :clap:

    Emil Nikolaus von Reznicek (1860-1945)
    Sämtliche Streichquartette
    DRadio Kultur / cpo

    Glenn Gould (1932-1982)
    Streichquartett op. 1
    SWR / cpo

    Heinrich Kaminski
    Werke für Streichquartett
    SWR / cpo

    Manfred Trojahn (*1949)
    Streichquartett Nr. 2
    Deutschlandfunk / wergo

    Peter Ruzicka (*1948)
    Vol. 2: 7. Streichquartett & & CLOUDS für Streichquartett und Orchester (DSO Berlin)
    DRadio Kultur / NEOS

    Walter Braunfels (1882-1954)
    Sämtliche Werke für Streichquartett
    Deutschlandfunk / cp

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Das Streichquartett von Gould für mich ein Pflichtkauf! Bei cpo begannen sie mit einer Gesamteinspielung der Mendelssohnquartette, die aber leider nie fortgesetzt wurde.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Das Minguet Quartett ist fantastisch. Es ist eine echte Bereicherung in unserem Musikleben.

    Einerseits sind es hervorragende Musiker. Andererseits sind sie bemüht, auch Werke der romantischen und moderneren Epoche, die ansonsten leider kaum Verbreitung erleben, zu spielen und hörbar zu machen. Das ist ein großes Verdienst.

    Für mich selber ist das Großartigste die Einspielung der Quartette von Wolfgang Rihm. Diese Verbindung von Komponist und Interpretenensemble ist für mich ein echter Glücksfall. Ich liebe diese Einspielungen und finde, dass sie zu den musikalischen Höhepunkten der Aufnahmeveröffentlichungen der letzten Jahrzehnte gehören.


    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Ich hatte in der Vergangenheit schon öfter das Vergnügen das Minguet Quartett zu hören. Ein Konzert ist mir dabei in besonderer Erinnerung geblieben, nämlich jenes am 16.8.2002 im Festspielhaus Recklinghausen, zusammen mit Leon Fleisher. Sie spielten u.a. das Quintett für Klavier linke Hand und Streichquartett op.23 von Erich Wolfgang Korngold. Nach der Pause gab es dann das Klavierquintett von Brahms, bei dem dann Fleisher beide Hände, die er erst seit kurzem wieder einsetzen konnte, benutzte. Das Minguet Quartett spielte damals noch in der Ur-Besetzung mit Irene Schwalb an der Viola (sie trennte sich 2008 vom Quartett und betreibt heute eine Künstleragentur).

    Am 25.1.18 werden wir im kleinen Saal der Elbphilharmonie das Quartett erneut erleben, und zwar mit einem Konzert welches ganz dem Komponisten Alberto Ginastera gewidmet ist.

    Streichquartett Nr. 1 op. 20
    Klavierquintett op. 29
    Danzas Argentinas op. 2
    Milonga op. 3
    Suite de danzas criollas op. 15
    Klaviersonate Nr. 1 op. 22

    Auch in diesem Konzert ist wieder ein herausragender Pianist dabei, nämlich Michael Korstick, auf den ich allerdings am meisten gespannt bin, denn trotz meiner großen Bewunderung für diesen Künstler, habe ich ihn bis dato noch nicht im Konzert erlebt. Es verspricht also durchaus ein hochkarätiger Abend zu werden.

    Peter

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Vor den Toren Hamburgs, im Nordosten, liegt die 35,000-Einwohner-Stadt Ahrensburg. Die kann nicht nur mit einem sehenswürdigen Renaissance-Schloss aufwarten, sondern hat auch ein kleines, aber feines Kulturleben, das von einem umtriebigen Theater & Musik-Verein gestaltet wird.

    Dieser lud am letzten Samstag zu einem Kammermusikabend mit dem Minguet Quartett ein, einer Einladung, der ich da ich keine 10-Autominuten von Ahrensburg entfernt wohne - gerne gefolgt bin. Die Veranstaltung fand in der Aula des Stormarn-Gymnasiums statt, eines Gymnasiums mit Musikzweig und eigenem Orchester. Der Saal umfasst 270 Sitzplätze und schafft eine umkomplizierte, intime Atmosphäre. Gleich nach Betreten des Vorraumes bin ich über die 2. Violinistin Annette Reisinger gestolpert, die gerade dabei war, einen Tisch mit CDs aufzubauen, was mir die Möglichkeit gab, ein wenig mit ihr zu plaudern und in der Pause die CD mit dem Streichquartett von Glenn Gould zu erstehen. Das stand natürlich nicht auf dem Programm, das mit zwei "Hits" in Form von Haydns Kaiserquartett und Schuberts Der Tod und das Mädchen aufwartete. Dazwischen aber immerhin Ligetis 2. Streichquartett, das vermutlich in diesem Umfeld noch nie erklang. Den Haydn bevorzuge ich inzwischen etwas schlanker als er von den Mingetts gespielt wurde, aber der Ligeti war hoch spannend und der Schubert intensivst. Der Saal war voll besetzt und alle Werke - auch der Ligeti - wurden mit großem Applaus bedacht. Leider auch hier ein Durchschnittsalter des Publikums von ca. 70 Jahren, was für die Zukunft nichts Gutes verheißt.

    Im Januar kommt Ragna Schirmer, im Februar gibt es eine musikalische Lesung mit Tatort-Kommissar Mark Waschke. Es ist also einiges los in der unmittelbaren Nachbarschaft.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • die CD mit dem Streichquartett von Glenn Gould

    Kaum Zeit für Capriccio, auch kaum Zeit zum CD-Hören, dann beides doch, nachts, zuerst CD, dann Forum - und ich schwör´s, ich habe gerade diese CD gehört, während das letzte Posting gesetzt wurde. :) :top:

    Ziemlicher Brocken, ein gewaliger Sonatensatz, über eine halbe Stunde lang. Das Acies Quartett hat Goulds Streichquartett auch aufgenommen; das ist jetzt meine Gutenachtmusik..

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Hier ist eine Aufnahme von 1994 (laut Angabe auf der sehr bunten 10CD-Collection) enthalten, wo sie neben den vor einigen Wochen bei uns diskutierten Fünf Stücken für Streichquartett von Webern das Opus 80 von Mendelssohn und Hob. III:82 von Haydn überzeugend interpretieren:

    Ich nehme an, dass man die Einzel-CD, die es ja wohl gegeben hat, nicht mehr wird erwerben können. Bei discogs und auch im Rahmen der Diskographie auf ihrer Homepage ist nichts verzeichnet. Aber ich habe natürlich keine weitergehende Recherche betrieben.

    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Programm, das mit zwei "Hits" in Form von Haydns Kaiserquartett und Schuberts Der Tod und das Mädchen aufwartete. Dazwischen aber immerhin Ligetis 2. Streichquartett,

    Was für ein Wahnsinns-Programm! Da wäre ich gerne dabei gewesen ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich nehme an, dass man die Einzel-CD, die es ja wohl gegeben hat, nicht mehr wird erwerben können. Bei discogs und auch im Rahmen der Diskographie auf ihrer Homepage ist nichts verzeichnet. Aber ich habe natürlich keine weitergehende Recherche betrieben.

    Für 0.87 plus Spesen ist man dabei.

    Von den damaligen Minguets ist nur noch Primarius Ulrich Isfort dabei, wobei Annette Reisinger und Matthias Diener auch schon ewig an Bord sind. An der Bratsche gab's kürzlich einen Wechsel. Da sitzt jetzt Aida-Carmen Soanea (was für ein musikalischer Name :) ).

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Dank an Wieland im Namen Interessierter, zu denen ich ja nicht mehr gehöre! Warum ich die CD bei amazon (wo ich natürlich zuerst nachgesehen habe) nicht gefunden habe? Nun, vermutlich, weil ich nicht lange genug gesucht habe.

    Dann ist ein wenig seltsam, dass die Combo sie nicht mehr auf ihrer Homepage in der Diskographie führt, diese Scheibe. Da gibt es drei Möglichkeiten zumindest: Dass sie nicht mehr dahinterstehen - fände ich aber sehr seltsam. Die zweite behalte ich für mich :P. Die dritte hat Wieland implizit genannt - fände ich auch seltsam.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

    Einmal editiert, zuletzt von andréjo (21. November 2023 um 17:38)

  • Diese CD habe ich dereinst in einem 2nd-Hand-Laden mit dem festen Ziel erworben, mich mit Webern zu befassen. Stattdessen wurde eine Leidenschaft für Mendelsohns op. 80 geweckt, was mich dann über Umwege in dieses Forum führte. Ein Meilenstein meiner Musikentwicklung. :alter1:

  • Dieser lud am letzten Samstag zu einem Kammermusikabend mit dem Minguet Quartett ein, einer Einladung, der ich da ich keine 10-Autominuten von Ahrensburg entfernt wohne - gerne gefolgt bin. Die Veranstaltung fand in der Aula des Stormarn-Gymnasiums statt, eines Gymnasiums mit Musikzweig und eigenem Orchester. Der Saal umfasst 270 Sitzplätze und schafft eine umkomplizierte, intime Atmosphäre. Gleich nach Betreten des Vorraumes bin ich über die 2. Violinistin Annette Reisinger gestolpert, die gerade dabei war, einen Tisch mit CDs aufzubauen, was mir die Möglichkeit gab, ein wenig mit ihr zu plaudern und in der Pause die CD mit dem Streichquartett von Glenn Gould zu erstehen. Das stand natürlich nicht auf dem Programm, das mit zwei "Hits" in Form von Haydns Kaiserquartett und Schuberts Der Tod und das Mädchen aufwartete. Dazwischen aber immerhin Ligetis 2. Streichquartett, das vermutlich in diesem Umfeld noch nie erklang. Den Haydn bevorzuge ich inzwischen etwas schlanker als er von den Mingetts gespielt wurde, aber der Ligeti war hoch spannend und der Schubert intensivst. Der Saal war voll besetzt und alle Werke - auch der Ligeti - wurden mit großem Applaus bedacht. Leider auch hier ein Durchschnittsalter des Publikums von ca. 70 Jahren, was für die Zukunft nichts Gutes verheißt.

    Eine Woche vorher waren sie mit fast demselben Programm im Bergheimer Schloss Paffendorf (Erftkreis-Zyklus), allerdings statt mit dem Ligeti mit einer von Annette Reisinger stammenden Transkription von Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen"; ziemlich gut gemacht, aber der Ligeti wäre mir lieber gewesen. Als Zugabe gab es den letzten Satz von Ruzickas 2. Streichquartett, der hauptsächlich aus dem Thema von Mahlers Zehnter und ansonsten aus fast nichts besteht. Den Haydn fand ich phänomenal gut gespielt, beim Schubert würde ich "intensivst" unterschreiben. Beim Erftkreiszyklus scheint mir zuletzt der Altersdurchschnitt zu sinken, was einfach auch daran liegt, dass die Ü80-Generation schlicht nicht mehr kommt; ausverkauft ist aber trotzdem weiterhin immer (in Schloss Paffendorf 125 Plätze), was erklärt, dass man vermehrt Jungvolk (U50) sieht.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Donnerstag trat das Minguet Quartett in Leverkusen auf:

    Joseph Haydn
    Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3; Hob. III: 77
    "Kaiserquartett"
    (1. Satz)

    York Höller
    "Drei Fragmente" (1966)

    Arnold Schönberg
    Scherzo für Streichquartett F-Dur

    York Höller
    "Assonanzen"-Quintett (2017/18) – mit Nikolaus Friedrich an der Klarinette

    Johannes Brahms
    Klarinettenquintett h-Moll op. 115 – mit Nikolaus Friedrich an der Klarinette

    Der WDR übertrug. Es ist noch bis zum 10. Februar 2024 online zu hören.

    Geburtstagskonzert mit Kammermusik von Haydn bis Höller
    York Höller ist einer der bedeutendsten lebenden Komponisten im Rheinland und war Leiter des elektronischen Studios des WDR. Anlässlich seines 80. Geburtstags…
    www1.wdr.de


    Ist es eigentlich normal, dass es sich aufgezeichnet deutlich besser anhört als live? Ist an sich ja nachvollziehbar da die Mikrophone üblicherweise einen besseren Platz als man selber haben.

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