Walldorff`s Kalenderblätter - Drittfassung

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • 20.11.1907 - Todestag von Paula Modersohn-Becker


    Ich muß mich ganz im stillen mit meiner Außenwelt reiben, sonst werde ich...so eine Art Molluske, die ihre Hörner immer einzieht. Oder hat diese Tier Fühler? Einerlei, ich habe mir vorgenommen, meine Hörner oder Fühler zu brauchen, nicht zum Stoßen, sondern zum leisen ruhigen Schieben meines Lebensweges.


    Malen, malen, malen...ist die begleitende Melodie zu meinem jetzigen Leben. Oft klingt es leise, traumverloren, märchenhaft. Das nenne ich meine ''Versunkene-Glocke-Stimmung''. Oft laut und fein und groß. Dann möchte ich auf einem hohen Berge stehen und möchte laut, laut schreien. Da ich das aber nicht kann, bin ich innerlich und äußerlich ganz still. Es ist, als ob,,,nur meine Seele lebte. Das ist sehr, sehr schön. Man wagt sich kaum zu rühren, um den Zauber nicht zu verscheuchen. Es ist wie die Berge in Abendstimmung. ((Bremen, 14.07.1897))


    Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunkeln Segeln. Es ist ein Wunderland, ein Götterland. Ich habe Mitleid mit diesem schönen Stück Erde, seine Bewohner wissen nicht, wie schön es ist...


    (Mackensen) malt Charakterbilder von Land und Leuten; je charakteristischer der Kopf, desto interessanter... Mir deucht, er könnte (den Bauern) nicht so gut verstehen, wäre er nicht selbst in kleinen Verhältnissen aufgewachsen. Es klingt hart von mir, grausam hart, es liegt ein großer Dünkel darin, und doch muß ich es sagen. Dies ''In Kleinen Verhältnissen Aufgewachsensein'' ist sein Fehler, für den er ja selbst nichts kann. Daß der Mensch es doch nie abschütteln kann, wenn er mit den Groschen gekämpft hat, auch später nicht, wenn er im Wohlstand lebt; der edle Mensch wenigstens nicht. Dieser Kampf läßt Spuren zurück. Sie sind fast unsichtbar, aber ihrer sind viele, viele... (Vogeler) ist nicht so ein Wirklichkeitsmensch wie Mackensen, er lebt in einer Welt für sich. Er führt bei sich in der Tasche Walther von der Vogelweide und des Knaben Wunderhorn... Er liest jedes Werk so intensiv, den Sinn des Wortes so träumend, daß er das Wort selbst vergißt. So kommt es, daß er...keins der Gedichte auswendig weiß. Im Atelier...steht seine Gitarre. Auf ihr spielt er verliebte, alte Weisen. Dann...träumt er mit seinen großen Augen Musik... Er hat sich die altdeutschen Meister zum Vorbild genommen. Er ist ganz streng, steif streng in der Form... Und doch ist es für mich etwas Rührendes, zu sehen, wie dieser junge Kerl seine drängenden Frühlingsträume in diese gemessene Form kleidet... ((Fritz Mackensen gilt als Gründer der Künstlerkolonie W. // Mit >WK I< geriet seine Karriere ins Wanken... Am Ende vertrat er gar die nationalsoz. Kunstauffassung / v. volksstimme.de)) ((Heinrich Vogeler >gründete 1908< die 'Worpsweder Werkstätten', in denen Möbel und sonstiges Interieur entworfen wurden... Der Ausbruch >v. WK II< führte...zu seiner Zwangsevakuierung nach Kasachstan. / v. lempertz.com))


    (Modersohn habe ich) nur einmal gesehen und da auch leider wenig gesehen und gar nicht gefühlt. Ich habe nur in der Erinnerung etwas Langes in braunem Anzuge mit rötlichem Bart. Er hatte so etwas Weiches, Sympathisches in den Augen. Seine Landschaften...hatten tiefe Stimmung in sich. Heiße, brütende Herbstsonne, oder geheimnisvoll, süßer Abend. Ich möchte ihn kennenlernen, diesen Modersohn. Nun kommt der Overbeck. Ihn habe ich versucht, fühlend zu sehen... Seine Landschaften sind tollkühn in der Farbe, doch ich glaube, sie haben nicht das Modersohnsche Empfinden. ((Worpswede, Sommer 1897))


    Die Klassen Hausmann und Bauck bilden sich immer mehr zu Extremen aus. Ich bin sehr glücklich bei beiden zu arbeiten. Er hat ein echtes Künstlergefühl, ganz feine Anschauung, man merkt das, wenn er spricht, bis in die Fingerspitzen. Er ist aber unpraktisch... Er kann sich selbst nicht fassen, nicht sammeln. So geht es vielen, die alles haben, bis auf - ein bißchen Energie. Jeanne Bauck hingegen ist äußerst praktisch... ((Jeanna Bauck; 1840/1926 // In den Pariser Salons v. 1881 u. 82 zeigte sie ihre Bilder. 1893 war sie mit einem Gemälde auf der Weltausstellung in Chicago vertreten. / v. catplus.de)) (Sie hat sich übersprudelnde Jugend) bewahrt trotz ihrer fünfzig Jahr. Ich liebe sie sehr. Mit ihr zu sprechen ruft ein Gefühl des Wohlbehagens in mir hervor. Sie ist so reizend arglos, von jener Arglosigkeit, die einfach entwaffnend wirkt. ((Berlin, 28.10.1897))


    Ich habe in Wien herrliche Bilder gesehen. Unvergeßlich bleibt mir Morettos ''Divina Justina'' und die wundervollen Farben der noblen Tizian-Porträts und Rubens mit all seiner Pracht. ((Alessandro Bonvicino, gen. il Moretto; verst. 1554 in Brescia)) Die alten Deutschen nahmen mich ganz gefangen. Der Dürer hat bei aller Kraft und Männlichkeit so viel Rührendes, Zartes. Dann der Lukas Cranach mit seinen kleinen, halb kindlichen, halb koketten Evas und dem lieben Herrgott, der den Paradieseskindern ernst mit den Fingern droht. Ein ganz besonderes Lichtlein steckte der Holbein mir an...: die große Wirkung nobler Einfachheit.


    In der Galerie Liechtenstein hat es mir ein Köpfchen Lionardos ((?)) angetan und die glänzenden van Dycks. Ich habe geschwelgt. Da kriegt man eine gewaltige Ehrfurcht vor dem Menschen. Und das tut gut, denn die sinkt im Leben der Großstadt oft leider zu einem Minimum herab. Aber ich sträube mich dagegen, denn das macht andere nicht glücklich und mich unglücklich. ((Berlin, 04.12.1897))


    Es ist nur grün und blau, was hier in der Natur spricht. Sprechen kann man es eigentlich gar nicht nennen, sondern singen, flöten, jubilieren. Denn beim Anblick hüpft einem das Herz in freudigen Sprüngen. Oder...es schreitet sacht und leise...und träumt von Böcklinschen Gefilden. In der Ferne liegen die blauen Berge, von Fichten bestanden, die von der Abendsonne in ein strahlend goldenes Braun gekleidet werden. Jene holde Stimmung dauert ungefähr von neun Uhr bis elf. Alles geht hier mit himmlischer Ruhe vor sich. Es ist nicht, wie unser Abendroth, das im Nu verschwindet...


    (Der Namsen) hat die Breite der Weser und ist, wenn er sich gut benimmt, klar. Er kann aber sehr viel Unarten haben, und das Wetter kann die scheußlichsten Tricks spielen. Dabei ist der Lachs das denkbar launischste Geschöpf der Welt. Meine Seele schreit Petrus an nach Erfolg... Da soll man drei, vier Stunden warten, bis so ein Kerl anbeißt, um dann zehn Minuten das arme Tier zu Tode zu quälen. Ich finde es so recht einen Sport um schlechte Laune zu kriegen. Bis jetzt geht es noch ganz gut. Und es ist ganz entzückend zu sehen, mit welch knabenhafter Leidenschaft Onkel Wulf sich für die Sache begeistert. Ich behalte meine Antipathien natürlich auch weise für mich...


    Ich ging auf meine Klippe, ganz nahe hin zum Wasser und sang hinein in das wirbelnde Gesprudel. Und schlanke große Fichtenstämme kamen das Wasser hinuntergeschwommen, tauchten unter, tauchten wieder auf und leuchteten mir zu... Und die kleine Bachstelze kam mit ihrem schwarzen Käpplein und ihrem schwarzen Brüstlein und wippte und piepte, und wir...saßen ein Weilchen ruhig nebeneinander und freuten uns. ((Lilleon / Norwegen, 20.08.1898))


    Getreulich (wandle ich) morgens und nachmittags zu meiner Mutter Schröder ins Armenhaus... Mit diesem steinalten Mütterlein sitze ich in einem großen grauen Saale. Unser Gespräch verläuft ungefähr so. Sie: ''Jo, komt se morgen wedder?'' Ich: ''Ja, Mudder, wenn Se's recht is?'' Sie: ''Djo, is mir einerlei.'' Nach einer halben Stunde beginnt das tiefsinnige Gespräch von neuem. Dazwischen kommen aber höchst interessante Episoden. Dann hat die Alte eine Art von Halluzination. Dann beginnt sie irgendwelche Jugendbilder zu erzählen. Aber so dramatisch in Rede und Widerrede, mit verschiedenem Tonfall, daß es eine Lust ist, zuzuhören... Leider verstehe ich nicht alles. Und fragen darf man nicht, sonst kommt sie aus dem Konzept und kehrt in ihr Jammerdasein zurück...


    Neben dieser Sibyllenstimme klingt noch ein liebliches Gezwitscher an mein Ohr. Das ist das kleine fünfjährige blonde Mädel, das seine Mutter ungefähr zu Tode prügelte und das jetzt zur Erholung die Armenhausgänse hüten darf. Nun hat sich dies Persönchen in ein Gewebe von Traum und Märchen eingehüllt und hält liebliche Zwiegespräche mit ihrer weißen Schar. Dazwischen kräht sie langsam ''Freut euch des Lebens'' - und versetzt einem naseweisen Huhn eins mit der Gerte. / /


    Mackensen kommt alle paar Tage und gibt eine famose Korrektur. Es tut mir gut, mit ihm umzugehen. Es brennt solch ein Feuer in ihm für seine Kunst. Wenn er davon spricht, hat seine Stimme einen warmen vibrierenden Klang, daß es in mir selber bebt und zittert. Wenn er Dürer zitiert, so tut er es mit einer Feierlichkeit in Ton und Gebärde, als wenn ein frommes Kind seine Bibelsprüche hersagt. Sein Gott ist Rembrandt... Inbrünstigen Schrittes (folgt er) seinen Spuren. / /


    Abends zeichne ich jetzt Akt, lebensgroß. Die kleine Meta Fijol mit ihrem kleinen frommen Cäciliengesicht macht den Anfang. Als ich ihr sagte, sie solle sich ganz ausziehen, antwortete das kleine energische Persönchen: ''Nee, dat do ick nich,'' ich brachte sie zu Halbakt und gestern, durch eine Mark, erweichte ich sie ganz. Aber innerlich errötete ich und haßte mich Versucher. Sie ist ein kleines, schiefbeiniges Geschöpflein, und doch bin ich froh, wieder einmal einen Akt in Muße zu betrachten.


    Ich lese jetzt das Tagebuch der Marie Bashkirtseff. (( < = verst. 1884 in Paris // Ihr Tagebuch...wurde in einer von der Mutter gekürzten und zensierten Fassung...1897 ins Deutsche (übersetzt) / v. wikipedia.org // Obschon eine große Anzahl >ihrer< Werk(e) von den Nazis...zerstört wurden, können etwa 60 Gemälde und Skulpturen noch identifiziert werden / v. artinwords.de)) Es interessiert mich sehr. Ich werde ganz aufgeregt beim Lesen. Die hat ihr Leben so riesig wahrgenommen. Ich habe meine ersten zwanzig Jahre verbummelt. Oder wuchs ganz in der Stille das Fundament, auf dem die nächsten zwanzig Jahre aufbauen sollen? / /


    Es ist ein sonderliches Gefühl. wie all das Bunte, Anerzogene, Geschauspielerte, was ich besaß, wegfällt, und eine vibrierende Einfachheit entsteht... Mackensen sagt: ''Die Kraft ist das Allerschönste.'' Am Anfang war die Kraft. Ich denke und erkenne es auch. Und doch wird in meiner Kunst die Kraft nicht Leitton sein. In mir fühle ich es wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten: wenn ich einst malen kann, werde ich das malen...


    Ich lese die ''Wahlverwandtschaften'' und bin durchwärmt von der Anmut dieses Buches. Zum ersten Male tritt mir der Mensch Goethe nahe. Ich fühle ihn als durch und durch ästhetischen Menschen, innerlich und äußerlich. Die Anmut der Unterhaltung, dieser Frauenliebreiz... Ich fühle mich wohl in dieser Atmosphäre. ((Worpswede, 18.09. / / 18.10. / / 11.11.1898 / / 19.01.1899))


    zit. v. projekt-gutenberg.org

    Das Schlimmste ist Konsequenz Bruno Maderna Fleiß ist gefährlich Henning Venske Majo ist ätzend ''Paranoid Park''

  • 22.11.1959 - im ''Dt. Fernsehfunk'' geht ''Unser Sandmännchen'' auf Sendung....


    Die literar. Figur des Sandmanns ist seit Jahrhunderten aus verschiedenen Erzählungen bekannt, zum Beispiel...Hans C. Andersens >im Dez. 1841 erstmals erschienene< Ole Lukoje (übers. z. B. mit Ole Augenschließer) / v. wikipedia.org ... Hier c. die Hälfte d. Textes in der Übers. v. Julius Reuscher, zitiert nach der Ausgabe des Verlags Abel & Müller (Leipzig: um 1900).

    Einleitung... Er kommt die Treppe sachte herauf, denn er geht auf Socken; er macht ganz leise die Thüren auf und husch! da spritzt er den Kindern süße Milch in die Augen hinein, und das so fein, so fein, aber immer genug, daß sie die Augen nicht offenhalten und ihn deshalb auch nicht sehen können. Er schleicht sich gerade hinter sie, bläst ihnen sachte in den Nacken, und dann werden sie schwer im Kopf. Aber es thut nicht weh, denn der Sandmann meint es gut mit den Kindern; er will nur, daß sie ruhig sein sollen, und das sind sie am schnellsten, wenn man sie zu Bette gebracht hat; sie sollen still sein, damit er ihnen Geschichten erzählen kann...

    Dienstag... Nun hob der Sandmann den kleinen Friedrich gegen den Rahmen empor und stellte seine Füße in das Gemälde, gerade in das hohe Gras, und da stand er, die Sonne beschien ihn durch die Zweige der Bäume. Er lief hin zum Wasser und setzte sich in ein kleines Boot, welches dort lag; es war rot und weiß angestrichen, das Segel glänzte wie Silber, und sechs Schwäne, alle mit Goldkronen um den Hals und einem strahlenden blauen Stern auf dem Kopf, zogen das Boot an dem grünen Walde vorbei, wo die Bäume von Räubern und Hexen und die Blumen von den niedlichen, kleinen Elfen und von dem, was die Schmetterlinge ihnen gesagt hatten, erzählten.


    Die herrlichen Fische, mit Schuppen wie Silber und Gold, schwammen dem Boote nach; mitunter machten sie einen Sprung, daß es im Wasser plätscherte, und Vögel, rot und blau, klein und groß, flogen in langen Reihen hinterher, die Mücken tanzten und die Maikäfer sagten: ''Bum, bum!'' Sie wollten Friedrich alle folgen, und alle hatten eine Geschichte zu erzählen.


    Das war eine Lustfahrt! Bald waren die Wälder ganz dicht und dunkel, bald waren sie wie der herrlichste Garten mit Sonnenschein und Blumen. Da lagen große Schlösser von Glas und von Marmor; auf den Altanen standen Prinzessinen, und alle waren es kleinen Mädchen, die Friedrich gut kannte; er hatte früher mit ihnen gespielt. Sie streckten jede die Hand aus und hielten das niedlichste Zuckerherz hin, welches je eine Kuchenfrau verkaufen konnte, und Friedrich faßte die eine Seite des Zuckerherzens an, indem er vorbeifuhr, und die Prinzessin hielt recht fest, und so bekam jedes sein Stück, sie das kleinste, Friedrich das größte. Bei jedem Schlosse standen kleine Prinzen Schildwache, sie schulterten mit Säbeln und ließen Rosinen und Zinnsoldaten regnen...

    Mittwoch... Sie segelten so lange, bis kein Land mehr zu erblicken war, und sie sahen einen Flug Störche, die kamen auch von der Heimat und wollten nach den warmen Ländern; ein Storch flog immer hinter dem andern, und sie waren schon weit, weit geflogen! Einer von ihnen war so ermüdet, daß seine Flügel ihn kaum noch zu tragen vermochten... zuletzt sank er mit ausgebreiteten Flügeln tiefer und tiefer, er machte noch ein paar Schläge mit den Schwingen, aber es half nichts; nun berührte er mit seinen Füßen das Tauwerk des Schiffes, glitt vom Segel herab, und bums! da stand er auf dem Verdeck. Da nahm ihn der Schiffsjunge und setzte ihn in das Hühnerhaus zu den Hühnern, Enten und Truthähnen; der arme Storch stand ganz befangen mitten unter ihnen.

    ''Sieh den!'' sagten alle Hühner. Der kalekutische Hahn blies sich so dick auf, wie er konnte, und fragte, wer er sei. Die Enten gingen rückwärts und stießen einander: ''Rapple Dich, rapple Dich!'' Der Storch erzählte vom warmen Afrika, von den Pyramiden und vom Strauße, der einem wilden Pferde gleich die Wüste durchlaufe; aber die Enten verstanden nicht, was er sagte, und dann stießen sie einander: ''Wir sind doch darüber einverstanden, daß er dumm ist?'' ''Ja, sicher ist er dumm!'' sagte der kalekutische Hahn... ''Das sind ja herrlich dünne Beine, die Ihr habt... Was kostet die Elle davon?'' ''Skrat, skrat, skrat!'' grinsten alle Enten, aber der Storch that, als ob er es gar nicht höre. ''Ihr könnt immer mitlachen,'' sagte der Kalekute zu ihm, ''denn es war sehr witzig gesagt, oder war es Euch vielleicht zu hoch? Ach, er ist nicht vielseitig, wir wollen für uns bleiben!'' Und dann gluckte er, und die Enten schnatterten: ''Gikgak! Gikgak!!'' Es war erschrecklich, wie sie sich selbst belustigten.


    Aber Friedrich ging nach dem Hühnerhause, öffnete die Thür, rief den Storch, und er hüpfte zu ihm hinaus auf das Verdeck. Nun hatte er ja ausgeruht, und es war gleichsam, als ob er Friedrich zunickte, um ihm zu danken. Darauf entfaltete er seine Schwingen und flog nach den warmen Ländern...

    Donnerstag... ''(Die kleine Maus) ist gekommen, um Dich zur Hochzeit einzuladen. Hier sind diese Nacht zwei kleine Mäuse, die in den Stand der Ehe treten wollen. Sie wohnen unter Deiner Mutter Speisekammerfußboden; das soll eine schöne Wohnung sein!'' ...und er berührte Friedrich mit seiner Zauberspritze, wodurch dieser sogleich kleiner und kleiner wurde; zuletzt war er keinen Finger lang. ''Nun kannst Du Dir die Kleider des Zinnsoldaten leihen; ich denke, sie werden Dir passen, und es sieht gut aus, wenn man Uniform in Gesellschaft hat!''


    ...zuerst kamen sie...in einen langen Gang, der nicht höher war, als daß sie gerade mit dem Fingerhut dort fahren konnten; und der ganze Gang war mit faulem Holze erleuchtet. ''Riecht es hier nicht herrlich?'' sagte die Maus, die ihn zog. ''Der ganze Gang ist mit Speckschwarten geschmiert worden! Es kann nichts Schöneres geben!'' ...(im Brautsaal) standen zur Rechten alle kleinen Mäusedamen, die wisperten und zischelten, als ob sie einander zum Besten hielten; zur Linken standen alle Mäuseherren und strichen sich mit der Pfote den Schnauzbart. Aber mitten im Saal sah man das Brautpaar; sie standen in einer ausgehöhlten Käserinde und küßten sich gar erschrecklich viel vor aller Augen...


    Es kamen immer mehr und mehr Fremde; die eine Maus war nahe daran, die andere tot zu treten, und das Brautpaar hatte sich mitten in die Thür gestellt, sodaß man weder hinaus noch hinein gelangen konnte. Die ganze Stube war ebenso wie der Gang mit Speckschwarten eingeschmiert, das war die ganze Bewirtung, aber zum Nachtisch wurde eine Erbse vorgezeigt, in die eine Maus aus der Familie den Namen des Brautpaares eingebissen hatte, das heißt den ersten Buchstaben. Das war etwas ganz Besonderes.


    Alle Mäuse sagten, daß es eine schöne Hochzeit und daß die Unterhaltung gut gewesen sei. Dann fuhr Friedrich wieder nach Hause; er war wahrlich in vornehmer Gesellschaft gewesen, aber er hatte auch...Zinnsoldatenuniform anziehen müssen...


    Sonnabend... Der ganze Regenschirm sah aus wie eine große chinesische Schale mit blauen Bäumen und spitzen Brücken und mit kleinen Chinesen darauf, die dastanden und mit dem Kopfe nickten. ''Wir müssen die ganze Welt zu morgen schön ausgeputzt haben,'' sagte der Sandmann; ''es ist ja morgen Sonntag. Ich will die Kirchtürme besuchen, um zu sehen, ob die kleinen Kirchkobolde die Glocken polieren, damit sie hübsch klingen; ich will hinaus auf das Feld gehen und sehen, ob die Winde den Staub von Gras und Blätter blasen, und was die größte Arbeit ist, ich will alle Sterne herunterholen, um sie zu polieren. Ich nehme sie in meine Schürze; aber erst muß ein jeder numeriert werden, und die Löcher, worin sie da oben sitzen, müssen auch numeriert werden, damit sie wieder auf den rechten Fleck kommen, sonst würden sie nicht festsitzen und wir würden zu viele Sternschnuppen bekommen, indem der eine nach dem andern herunterpurzeln würde!''


    ''Hören Sie, wissen Sie was, Herr Sandmann?'' sagte ein altes Bild, welches an der Wand hing... ''ich danke Ihnen, daß sie dem Knaben Geschichten erzählen, aber Sie müssen seine Begriffe nicht verdrehen. Die Sterne können nicht heruntergenommen und poliert werden! Die Sterne sind Kugeln, ebenso wie unsere Erde, und das ist gerade das Gute an ihnen.'' ''Ich danke Dir, Du alter Urgroßvater,'' sagte der Sandmann... ''aber ich bin doch älter als Du! Ich bin ein alter Heide; Römer und Griechen nannten mich den Traumgott! Ich bin in die vornehmsten Häuser gekommen...; ich weiß sowohl mit Geringen wie mit Großen umzugehen! Nun kannst Du erzählen!'' Und da ging der Sandmann und nahm seinen Regenschirm mit. ''Nun darf man wohl seine Meinung gar nicht mehr sagen!'' brummte das Bild...


    zit. v. zeno.org

    Das Schlimmste ist Konsequenz Bruno Maderna Fleiß ist gefährlich Henning Venske Majo ist ätzend ''Paranoid Park''

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