Beethoven: Die neun Symphonien – Gesamteinspielungen und Gesamtausgaben

  • Beethoven: Die neun Symphonien – Gesamteinspielungen und Gesamtausgaben

    Meine Lieben,


    MIt diesem Thema übernehme ich mich vielleicht ein bißchen, denn obwohl ein leidenschaftlicher Beethoven-Hörer bin ich für das Orchestrale bestimmt nicht besonders qualifiziert. Andererseits: Beethoven ist im Moment noch etwas unterrepräsentiert, das Thema darf im Forum nicht fehlen und interessiert vermutlich die Fach-Spezialisten ebenso wie die Liebhaber - und da mit Recht gefordert wurde, mehr über Musik zu diskutieren als über organisatorische Belange (die für manche offenbar das Leben bedeuten, aber den meisten nicht so unter die Haut gehen), riskiere ich, sportlich gesprochen, einfach einmal eine Vorlage in den leeren Raum.
    Über die großen Namen von Furtwängler bis Karajan ist schon unendlich viel gehandelt worden und wird es auch in Zukunft. Aber ich finde es ebenso interessant, auch ab und zu das Ohr von den Giganten abzuwenden und den Dirigenten der zweiten und dritten Reihe zuzuwenden. Denn die sind ja nicht immer schlechter und mitunter recht erkenntnisbringend.


    Im Urlaub habe ich mich ausgiebig durch diese Box durchgehört, die schon lange bei mir herumlag, früher sehr günstig zu haben war und jetzt noch günstiger angeboten wird:



    Nicht ein einziger Dirigent bildet hier den verbindenden Faktor, sondern das Royal Philharmonic Orchestra, das in den 1990er Jahren unter nicht weniger als sechs Dirigenten der damals älteren bzw. fast schon älteren Generation die Beethoven-Symphonien eingespielt hat. Im mitteleuropäischen Raum sind aber nicht alle dem Publikum so geläufig wie den Briten.


    Der älteste Kapellmeister ist der international renommierte Raymond Leppart, 1927 in London geboren und nicht zuletzt als Komponist von Filmmusik bekannt. Er bringt hier die IX.Symphonie ein, leider mit einem im Durchschnitt nur mittelmäßigen Sängerquartett; der Chor, die Ambrosian Singers, ist allerdings viel besser. Lepparts Interpretation scheint mir recht durchschnittlich, in den Tempi nicht an den neuesten Erkenntnissen ausgerichtet, aber auch nicht sonderlich abweichend, im allgemeinen nicht schlecht, aber alles andere als aufregend.


    Altersmäßig folgt der Schotte James Lockhart, geboren 1930, mit der II. und der VIII. Symphonie. Der gewinnt zu Beethoven ein deutlich besseres Verhältnis, erreicht mit der II. zwar nicht durchgehend aber wiederholt packende Momente, und bietet bei der VIII. eine stilistisch konventionelle, aber inspirierte und spannungsreiche Wiedergabe, die nicht zum Spitzenfeld gehört, jedoch solide Qualität darstellt.


    Nur ein Jahr jünger ist der uns ja wohlbekannte Günther Herbig, der seinerzeit die große Musiktradition der DDR mitprägte, bis er den politischen Verhältnissen dort den Rücken kehrte. Seine Eroica ist allein die Anschaffung der Box wert. Er holt aus dem Orchester viel mehr an Zwischentönen und Feinheiten heraus, während die Musiker unter einigen seiner Kollegen eher Routine bis Pflichterfüllung spüren lassen.


    Die Pastorale hat man dem Russen Mark Ermler (1932-2002) anvertraut - leider, denn das Ergebnis ist einfach langweilig. Daß das ausgerechnet meine liebste Symphonie unter den neunen betrifft, schmerzt.


    Die I. und die VII. leitet der primär als Ballettspezialist bekannt gewordene Barry Wordsworth, geboren 1948. Mit der I. fängt er nicht viel an, da hat man das Gefühl, diese Musik ist ihm zu fremd. Vergessen wir's also (und können uns ja als Gegenmittel z.B. Herbert Blomstedt auflegen). Bei der VII . hegt man dafür einige Erwartungen, denn die hat Richard Wagner ja als Apotheose des Tanzes bezeichnet (ob zu Recht, sei jetzt nicht hinterfragt), also hofft man beim langjährigen Leiter des Covent Garden Balletts auf Besseres und wird auch nicht enttäuscht. Recht munter und effektvoll weiß Wordworth da die Bogen zu spannen, obwohl er insgesamt doch an der Oberfläche bleibt und die verborgenen Schönheiten weniger auslotet. Trotzdem: Möge Beethoven nie schlechter gespielt werden!


    Richtig spannend wird es hingegen bei der V., denn die wird von einer Frau dirigiert. Claire Gibault begann ihre Karriere in den 1970ern, wird also vermutlich etwa der Generation Wordsworth angehören, ist in West- und Südeuropa bekannt und geschätzt, war auch schon in Glyndebourne tätig und hat lang und eng mit Gardiner und Abbado zusammengearbeitet bzw. tut das wahrscheinlich noch immer. Sie braucht sich vor ihnen auch nicht zu verstecken. Eine so subtile, unpathetische Fünfte hört man nicht alle Tage. Von ihr wünsche ich mir die anderen Beethoven-Symphonien auch interpretiert! Kennt jemand noch andere Aufnahmen von ihr?


    Zusammenfassung: Herbig und Gibault ausgezeichnet, sonst Durchschnitt bis schwach.


    Liebe Grüße


    Waldi

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Hallo Waldi,
    danke für die Eröffnung des Threads!
    Die von dir vorgestellten Aufnahmen habe ich letzthin ebenfalls erworben - als x-ten Beethoven-Zyklus - allerdings in der gegenwärtig spottbilligen SACD-Ausgabe in einem hübsch-billig aufgemachten Büchlein. In dieser Ausgabe ist der von Barry Cooper "rekonstruierte" 1. Satz von Beethovens "10." enthalten, ein ziemlich im leeren Raum herumspekulierendes Kuriosum. Dennoch war dies der eigentliche Grund warum ich die Box gekauft habe. Die SACD-Ausgabe enthält übrigens auch ein ziemlich umfangreiches und recht gutes Booklet:




    Deiner Einschätzung der Interpretationen würde ich weitestgehend zustimmen - insbesondere was Claire Gibaults Lesart der 5. anbetrifft, die allein die Investition von knapp 8,00 (CD) oder 10.00 (SACD) Euronen lohnt. Herbigs 3. ist ebenfalls wirklich gelungen - jedenfalls beinahe, läßt er doch im Kopfsatz die Wiederholung der Exposition weg, was bei einer Aufnahme aus dem Jahr 1994 eigentlich ziemlich unverständlich und ärgerlich ist.


    Zu weiteren Zyklen vermelde ich vielleicht später mal was.


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • RE: Beethoven mit dem RPO

    Hallo Waldi,


    diese Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien gab es zuvor schon als Einzel-CD´s beim Label RPO spottbillig (bei müller für 2,49/pro CD). Das diese Aufnahmen interpretatorisch insgesamt mit den großen Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien nicht mithalten können, ist schon zahlreich an anderen Stellen (Foren und Kritiken) mitgeteilt worden und deckt sich damit voll mit Deiner Einschätzung.


    :!: Der interssanteste Aspekt ist die bei den RPO-CD´s fabelhafte Klangtechnik, die ich außerhalb Beethovens schon massig in Erfahrung bringen konnte. Dabei ist zu beachten, das die RPO-CD´s als Stereo-CD produziert wurden und absolut audiophil klingen. Um den SACD-Liebhabern Futter zu geben kamen die Aufnahmen später für 6,99€ als SACD auf den Markt --- hier wurden die Aufnahmen neu abgemischt um auch Multikanalfähig zu sein.


    Ergebnis: Die Klangqualität hat nicht mehr die audiophile Durchsichtigkeit der CD-Ausgabe ! ((Eventuell ist ja die CD-Spur auf den SACD die alte Abmischung und man kann den Unterschied somit feststellen ?))


    :evil: Ich selber bin als SACD-Käufer bei zwei RPO-SACD, die ich auch als CD habe, reingefallen (Holst-Planeten mit Handley und eine Gershwin-CD). Diese fabelhaften Aufnahmen wollte ich als SACD genießen - es blieb nach dem Kauf die Ernüchterung übrig, dass ich zukünftig auf die CD-Ausgabe zurückgreifen muß, weil die einfach natürlicher und meilenweit besser klingen. Die SACD klingt irgendwie steril und ist zudem ziemlich leise abgemischt, sodaß man ganz anders aufdrehen muß, als gewohnt.



    :prost: Waldi, Du hast hier ein Super-Thema aufgemacht und ich werde mich in kürze auch zu den lohnenden Beethoven-Zyklen äußern.


    *** Lohnend ist für mich, soviel vorab; Karajan (DG 1962,1977,1984), Bernstein (SONY und DG), Klemperer (EMI) und Szell (SONY). :D HIP kann mir nach meiner vorgemannten Prägung gestohlen bleiben.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Die. beste Aufnahme ist für mich immer noch die Aufnahme mit Rene Leibowitz, sie ist für mich unübertroffen. Zügige Tempi, grossartige Crescendi.


    Die derzeitigen Einspielungen mit Järvi ist ebenfalls grossartig und steht für mich auf Rang 2 (nur die 2. Sinfonie hat mich nicht so überzeugt).


    Von Bernstein kenne ich nur die 1. + 2. Sinfonie, die klingen aber sehr vielversprechend.

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
    ----------------------------
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

  • Halihalo, *


    Ich habe und empfehle folgende zwei Aufnahmen (nicht nur für HIPies):



    Gardiner ist wie immer sehr gut: er dirigiert temperamentvoll, seine Fünfte, Sechste und Achte gehört zu meinen Favoriten.



    Auf der AAM (vor allem, wenn Hogwood dirigiert) kann man sich ruhig verlassen. Brilliant!


    LG
    Tamás
    :wink:

    "Vor dem Essen, nach dem Essen,


    Biber hören nicht vergessen!"



    Fugato

  • Hoogwood ist in meinen Ohren mit der langweiligste Beethoven, den ich mir vorstellen kann, eigentlich nur noch übertroffen von Immerseel, den ich aber nicht nur langweilig, sondern teilweise nervig finde (beide Gesamtaufnahmen habe ich mir zugelegt, Hoogwood habe ich nach mehreren Monaten, Immerseel gleich nach erstem Anhören sofort wieder veräußert - und zwar ohne vorher zu rippen, weil ich mir sicher war, da nie wieder hineinhören zu wollen)


    Aber das ist meine persönliche Meinung als HIP-Allergiker (wobei ich gar nicht weiß ob Hoogwood nach heutigem Maßstab HIP ist oder nicht - interessiert mich aber auch nicht)


    Ich kenne allerdings einige Leute, die auf Immerseel schwören - Satie hat in seinem Forum sogar geäußert, dank Immerseel könne er endlich wieder Beethovens Sinfonien hören, derer er überdrüssig geworden war. Die Geschmäcker sind halt verschieden!


    Jedenfalls mag ich Beethoven transparent und exakt, aber mit modernen Instrumenten und nicht in - meinetwegen historisch korrekter - Bonsaibesetzung, sondern von einem ausgewachsenen Sinfonieorchester dargeboten. Deshalb für mich erste Wahl



    teuer!



    ich habe einzelne CDs von Chesky. Ob die Scribendum-Box mit allen Sinfonien - die kaum noch zu bekommen ist, wie es scheint - dieselben Aufnahmen beinhaltet, entzieht sich meiner Kenntnis


    so oder so: teuer!



    auch von Vänskä habe ich einzelne CDs, weiß nicht, ob es die Aufnahmen mittlerweile gebündelt günstiger gibt


    teuer!



    Da ich jetzt drei eher teure Einspielungen genannt habe:



    ist deutlich billiger. Und wenn man nicht gegenüber Karajan Antipathien entwickelt hat wie offensichtlich zahlreiche Klassikliebhaber wird man kaum umhin können zu sagen, dass dies eine Aufnahme ist, gegen die wenig ins Feld zu führen ist. Preiswert im eigentlichen Wortsinne finde ich sie allemal.


    Gruß
    Henning

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • So, ich löse mal mein loses Versprechen ein und tische Einschätzungen zu einigen meiner Beethoven-Zyklen auf. Also ich hebe mal einige aus folgender Gruppe von Einspielungen hervor: Bernstein (DGG), Brüggen, Cluytens, Drahos, Furtwängler, Gardiner, Goodman, Harnoncourt, Hogwood, Karajan (1960er), Karajan (1970er), Kegel, Klemperer, Konwitschny, Leibowitz, Walter, Scherchen. Dazu einzelnes mit Fricsay (3, 5, 7, 8, 9), Kubelik, Furtwängler, Toscanini, Bernstein (CBS/Sony), Keilberth, C. Kleiber, Savall, Collegium Aureum... Norrington mit den LCP (GA) habe ich inzwischen weitergereicht.


    Ich nenne zunächst mal acht Zyklen, viermal Non-HIP, viermal HIP:



    Non-HIP




    Otto Klemperer
    Sicherlich eine Wucht und unbedingt hörenswert. Hat mich aber bis heute nicht so recht gepackt - vielleicht weil mir zu wuchtig? Die 1., 2. und 4. wirken auf mich ein wenig schwer.




    Herbert Kegel
    Kegel, den ich insgesamt sehr schätze, liefert einen eigenartigen Beethoven ab: sehr ausgewogen, wenige Ecken und Kanten, in der Tendenz manchmal aber ein wenig arg neutral (beispw. im Kopfsatz der 7.)





    Scherchen
    IMO ein must-have! Mindestens die 3., 4., 7. und 8. wird man kaum in besseren und mitreißenderen Interpretation hören können. Da brennt es lichterloh und doch ist die Architektur der Werke stets klar herausgearbeitet. Die Tonqualität (mono) ist o.K. – Scherchens später ebenfalls mit dem Orchester der Wiener Staatsoper aufgenommene Stereo-Dritte sollte man aber unbedingt zusätzlich auch haben ...




     



    Leibowitz
    Neben Scherchen für mich der Über-Beethoven im Non-HIP Bereich. Hier stimmt eigentlich alles, Dramatik, Transparenz, große Geste und filigrane Detailarbeit.





    HIP




    Goodman (3, 4, 6-9) / Huggett (1, 2, 5)
    Für mich die eine HIP-Einspielung (trotz der im Kontext dieses exorbitanten Zyklus etwas schwächelnden 5. unter dem Dirigat von M. Huggett). Dramatisch, schroff, mitreißend! Der titanische Beethoven historisch informiert ... Nicht so schön ist allein der heftige Hall, der durch den Aufnahmeort, eine große Kirche in London, verursacht wird.




    Gardiner
    macht alles richtig, gleitet in seiner Glätte und Hochglanzpolitur aber an mir vorbei wie geschmiert. Wirkt auf mich insgesamt eher aufgeregt als aufregend.




    Hogwood
    Weniger dramatisch und schroff als Goodman aber deutlich kantiger als Gardiner. Eine recht gute Zweit-Einspielung auf dem HIP-Sektor.




    Brüggen
    Gefällt mir persönlich insgesamt besser als Gardiner (weil weniger hochglanzpoliert - dafür aber schwerfälliger in den Tempi), ist IMO aber deutlich schwächer als Hogwood oder Goodman. Zwar wunderbar transparent aber insgesamt etwas, ähm, dürre. Die Dritte im gruseligen Schlafwagentempo.


    Soweit bis hierher. Vielleicht später mal was zu weiteren Zyklen ...


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • @ Algabal


    Als Klemperer-Verehrer liebäugel ich mit der von Dir vorgestellten Gesamtaufnahme um meine rudimentären CD-Bestände - nur einzelne Sinfonien - zu vervollständigen. Käme mich wohl billiger als den wohl nicht mehr im Katalog befindlichen übrigen Einzel-CDs auf dem Zweitmarkt nachzujagen. Aber aufgrund leidvoller Erfahrung weiß ich, dass gerade EMI ein besonderes Händchen dafür hat, den Klang durch remastering unnatürlich und steril wirken zu lassen. Wie ist Dein Klangeindruck?


    :wink:

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • Hallo,


    das grundsätzliche Problem, was ich mit allen Beethoven-Zyklen habe, ist, dass ich keinen kenne bei dem alle Symphonien gleichermaßen gelungen wären. Ich denke mit dieser Einschätzung stehe ich nicht alleine da.


    Die Empfehlung von Leibowitz kann ich nur bestätigen. Ein anderer Zyklus, den ich von der Qualität etwa gleichbleibend hoch finde ist dieser hier:



    Highlights dieser Box sind für mich die 3. und die 6. Symphonie. Weniger gut gefallen mir hier die 5 und die 7.( von diesen Symphonien sollte aber sowieso jeder die Versionen von Carlos Kleiber haben :juhu: ). Trotzdem ein lohnender Kauf, wenn man was "für alle Tage" sucht. Wunderbare Soundqualität und gute Interpretationen.


    Mich würden noch einige Meinungen zu dieser Einspielung interessieren:



    Die Tempi sind hier sehr schnell, weswegen viele Leute sie als zu leichtfüßig und seelenlos beschrieben haben. Auch ich würde sie keinem empfehlen, der einen Zyklus zum Einstieg sucht, aber insbesondere die 1., 2. und 4. Symphonie von Zinman finde ich durchaus gelungen.


    Viele Grüße,
    Dedalus

    Every life is in many days, day after day. We walk through ourselves, meeting robbers, ghosts, giants, old men, young men, wives, widows, brothers-in-love. But always meeting ourselves (James Joyce)

  • Der Empfehlung zur oben aufgeführten Mono-Gesamtaufnahme mit Hermann Scherchen kann ich mich nur anschließen. Oft nicht allzu teurer (hab sie damals bei 2001 für 10 Euro abgestaubt) im Handel, erlebt man einen Beethoven, den ich als Zwitter zwischen HIP (Tempi!) und traditioneller Aufführungspraxis einordnen würde. Allein die Gesangssolisten bei der 9. sind nicht aller erster Güte. Weitere von mir gern gehörte Zyklen sind Szell mit dem Cleveland Orchestra (Sony bzw. CBS) und Böhm mit den Wiener Philharmonikern aus den 70ern (DGG). Hab letztere Aufnahme noch auf LP. Hat es meines Wissens nur in einzelnen Auskopplungen auf CD geschafft. Karl Böhm wird ja leider im Gegensatz zu HvK von Universal kaum mehr promotet.


    Gruß und dank an Waldi für die ausführliche Threaderöffnung,


    scherchen

    "Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)

  • Zinman-Aufnahme

    Für die bereits von Dedalus genannte Zinman-Aufnahme mit dem Tonhalle-Orchester möchte ich eine entschiedene Lanze brechen. :juhu: :juhu: :juhu: Allein das Konzept finde ich bereits interessant: Neue Bärenreiter-Ausgabe verwendet, Tempi strikt nach Beethovens Angaben, aber moderne Instrumente. Mir hat diese Aufnahme die Beethoven-Symphonien wirklich neu erschlossen, und dies bis zu einem Grad, daß ich viele Aufnahmen der "alten Schule" mit den eher behäbigen Tempi nicht mehr hören mag.


    Besonders sensationell bei Zinman: Nr. 2, 3, 5


    Mit leichten Abstrichen: Nr. 7, 2. Satz (hier fehlt mir etwas Furtwänglerisches Pathos), Nr. 9, 4. Satz (dto. - die Tempi sind herrlich, aber wirklich überwältigend wird es nicht immer)


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Wie ich schon vor ca einem Jahr sagte bin ich mit meiner Kegel / Dresdner Philharmoniker - Gesamtaufnahme überaus glücklich.



    Insbesondere der ehrfürchtige Tenor im Finalsatz der Neunten fasziniert mich immer und immer wieder. Aber auch die andere Symphonien hören sich einfach nur klasse an.



    Auch die Klangqualität ist für wav-Verhältnisse aus meiner Sicht kaum zu verbessern.

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Wie ich schon an anderer Stelle bemerkte, sammel ich keine diversen Aufnahmen von ein und demselben Stück. Ich bin vollauf zufrieden mit der einen Doppel-CD die ich habe:



    zu den Symphonien von Beethoven bin ich gekommen, als ich mit 12 Jahren "Clockwork Orange" gesehen habe. Der Soundtrack zu dieser CD war meine allererste CD, die ich in diesem zarten Alter mit meinem ersten CD-Player von meinen Eltern geschenkt bekommen habe .....


    Doch das Orginal ist natürlich wesentlich besser als die digital bearbeitete Version auf dem Soundtrack!


    LG Mia


  • Die. beste Aufnahme ist für mich immer noch die Aufnahme mit Rene Leibowitz, sie ist für mich unübertroffen. Zügige Tempi, grossartige Crescendi.


    Lieber Erzherzog,


    volle Zustimmung. Ich füge dazu. große Transparenz und das Offenlegen der inneren Strukturen machen die Aufnahme zu einer der besten des Beethoven-Sinfonie.Zyklus.


    Liebe Grüße Peter

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Manche Nennungen sind redundant, aber sei's drum, Wiederholung ist die Mutter der Didaktik.




    NON HIP


    Es gibt für mich nicht DEN Beethovenzyklus, aber Arturo Toscanini ist unterm Strich dennoch meine Nummer 1: Straff, präzise, keine Romantik - so ähnlich sollte eine HIP-Aufnahme klingen, ich habe sie jedoch noch nicht gefunden.





    Noch(?) nicht ganz warm geworden bin ich merkwürdigerweise mit George Szells Beethoven-Zyklus. Liegt es einfach daran, dass Szell die Glut, die er bei Schumann-Sinfonien entfacht hat, nicht immer reproduzieren konnte? Vielleicht sollte ich doch mal wieder reinhören.





    Breite Tempi, natürlich romantischer als die beiden Erstgenannten, dafür aber mit einer nicht-süßlichen Schwere, wie ich sie mag; die Eroica mit Otto Klemperer und dem Philharmonia Orchestra. Hier werde ich draufsatteln.





    Eine Aufnahme der 9. aus schrecklicher Zeit mit Wilhelm Furtwängler und den Berliner Philharmonikern, monumental und sehr gepeitscht. Sofern der eine oder andere der üblichen Verdächtigen aus dem Forum des leicht zackigen Mozart-Fans derlei Furtwängler-Aufnahmen aus reaktionärem Trotz goutieren sollte - ich höre sie zuweilen, wenn mir nach einem bombastischen Beethoven ist.





    HIP


    Der unvermeidliche Zyklus von John Elliot Gardiner. Für mich eine Art Mischung aus HvK und Karl Böhm auf HIP. Beides nicht meine Favoriten. Als Kind und Jugendlicher bekam ich Beethoven entweder von HvK oder von Böhm zu hören. Ich war nicht sonderlich angetan und wandte mich daher jahrelang handfesterer Rockmusik mit wohlig jaulenden E-Gitarren zu. Dennoch: Die Erste gefällt mir. Die Pastorale ist wirklich schön und nicht kitschig. Und niemand hat das Allegretto der 7. in meinen Ohren bisher hinreißender spielen lassen als Gardiner.





    In meinen Ohren bisher der beste Hip-Zyklus. Das will aber nichts heißen, weil ich nur zwei besitze. Merkwürdig finde ich dieses Anschwellen des Blechs, dass ich so von anderen HIP-Orchestern so nicht kenne. Eine Kinderkrankheit aus den früheren Jahren der historischen Aufführungspraxis oder ein gewollter Effekt?





    Hogwood klingt, wenn man so will, weitaus hippiger und rauher als Gardiner. Aber die Aufnahme hinterlässt bei mir einen eher kontrastlosen und im Vergleich zu Goodman weniger revolutionären Eindruck.





    Da ich in den letzten 1 1/2 Jahren relativ selten Beethoven-Sinfonien gehört habe und damit nicht aufzuhören gedenke, habe ich jetzt die Qual der Wahl. Den vielgelobten Zyklus von Leibowitz oder doch lieber den von Scherchen? Gleich beide?


    Im HIP-Bereich scheidet Brüggen aus, seine Aufnahme der Pariser Sinfonien von Haydn ist zwar gut, geht aber meiner Ansicht nach in die interpretatorische Richtung von Gardiner, und den habe ich bereits. Darüber hinaus sind die Pariser Sinfonien mit Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus für meinen Geschmack unschlagbar. Das Blöde: Harnoncourts Beethoven-Zyklus vom Anfang der 90er mit dem Chamber Orchestra of Europe ist nicht HIP.


    Für erhellende Vorschläge wäre ich dankbar.

  • Ich bin erst vor rund zwei Jahren zum regelmäßigen Beethoven-Hörer geworden. Zuvor klang mir das zu donnernd, zu zackig, zu bedeutungsschwanger, zu groß - auf jeden Fall "zu".


    Dann nutzte ich die Gelegenheit, mir den Zyklus der Beethoven-Symphonien mit den Berliner Philharmonikern unter Rattle anzuhören (vorvergangene Spielzeit). Damit hatte ich Blut geleckt.


    Diesen Zyklus hatte ich ohnehin im Regal, ich hörte ihn danach auch mal an.



    Es wurde ja stets gesagt, dass man bei dem Gespann Beethoven-Karajan wenig falsch machen könne. Nun ja. Wenn das für mich galt, dann nur, bis ich mal mit einer hippen Lesart konfrontiert wurde.
    Mit dieser:



    Das gefiel mir weit besser. Das irgendwie Aufgeplusterte, Weihevolle fiel weg. Andererseits wurde es teils etwas sehr spröd.


    Und dann erwarb ich diese Gesamtaufnahme:



    Unglaublich hip, aber keineswegs verbiestert, über-ernst, sondern lebendig, ungemein transparent. Für mein Empfinden eine außerordentlich beeindruckende Einspielung, die ich immer wieder sehr gern höre.


    Zuletzt ist dann dies hinzugekommen, was in absehbarer Zeit auch ein kompletter Zyklus ist:


     
     


    Und - angekündigt für den 18. September - bald der Abschluss:


    Das ist nun wieder nicht Hip, dafür ohne übertriebenes Romantisieren oder Wichtigmachen, sondern nüchtern, zügig, durchhörbar eingespielt. Ebenfalls sehr gut.


    :wink:

  • Noch(?) nicht ganz warm geworden bin ich merkwürdigerweise mit George Szells Beethoven-Zyklus. Liegt es einfach daran, dass Szell die Glut, die er bei Schumann-Sinfonien entfacht hat, nicht immer reproduzieren konnte? Vielleicht sollte ich doch mal wieder reinhören.




    Da ich in den letzten 1 1/2 Jahren relativ selten Beethoven-Sinfonien gehört habe und damit nicht aufzuhören gedenke, habe ich jetzt die Qual der Wahl. Den vielgelobten Zyklus von Leibowitz oder doch lieber den von Scherchen? Gleich beide?

    @ Zu Benennender


    Ich zähle Szell zu meinen Lieblingsdirigenten. Derjenige, der es glühen lässt, ist er eigentlich nicht. Böse Zungen haben sogar früher behauptet, bei Szell werde auch die Emotion - wieder und wieder - geprobt. So empfinde ich Szell allerdings auch nicht.


    Von Scherchen kenne ich nur die dritte und sechste auf dem Westminsterlabel (ich weiß nicht, ob das die Aufnahmen sind, die sich auf der genannten Box mit der Gesamteinspielung befinden). Insbesondere die Dritte glüht so sehr, dass ich mir denken könnte, Puristen gehen davon aus, er habe sich heftig die Finger verbrannt. Manchmal höre ich diese CD gerne.


    Bei Leibowitz fällt mir persönlich auf, dass er meist sowohl von strikten "AntiHippern" wie mir als auch von "Hippisten" zumindest geschätzt wird. Sicherlich weit weniger polarisierend als Scherchen. Zusammen mit Vänskä dürfte Leibowitz in puncto Transparenz/Durchhörbarkeit im Detail im NichtHIP-Bereich mit großen Orchestern kaum zu übertreffen sein. Du musst ja nicht gleich die Gesamtaufnahme kaufen, Leibowitz ist auf Einzel-CDs sowieso leichter zu bekommen als auf der Scribendum-Box (zum Antesten würde ich nicht unbedingte die 9. nehmen, wenn überhaupt schwächelt die Gesamtaufnahme dort)


    Gruß
    Henning

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • Hallo,


    ich bevorzuge die Aufnahmen mit Toscanini und dem NBC-Orchester aus den Jahren 1949-1952 (lediglich die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 ist aus dem Jahr 1939).


    In einer Zeit in der in Deutschland die Großmeister des teutonisch-romantischen Klangs mit Fokussierung auf überbordendem Pathos Beethoven zum „Nur-Romantiker“ uminterpretierten und in eine in Stein gemeißelte Statur Beethovens ehrfurchtsvoll klangmalerisch beschrieben und huldigten, dirigierten andere z. B. Toscanini, Szell, und Leibowitz (ggf. Scherchen; jedoch bis auf eine Symphonie noch nicht gehört) einen zügigeren, z. T. entschlackten, 'lebendigen' Beethoven (zur Tempi-Frage siehe auch M. Gielen).


    Jedoch ist bei den Toscanini-Aufnahmen der spezielle, sehr trockene Studioklang (NBC-Studio 8-H) mit extrem kurzer Nachhallzeit nicht jedermanns Sache. Mir gefällt er sehr gut. Was die japanischen (?) Techniker bei der Bearbeitung des überaus durchdringenden Bläserklangs der 3. Symphonie gemacht haben, weiß ich nicht; gefällt mir persönlich jedoch ebenfalls.



    Die bereits genannten Gesamteinspielungen von Szell (s. a. zweite Leonoren-Ouvertüre!), Gardiner und mit kleineren Abstrichen Zinman stehen bei mir ebenfalls sehr weit oben.


    Bis dann.


  • Von Scherchen kenne ich nur die dritte und sechste auf dem Westminsterlabel (ich weiß nicht, ob das die Aufnahmen sind, die sich auf der genannten Box mit der Gesamteinspielung befinden). Insbesondere die Dritte glüht so sehr, dass ich mir denken könnte, Puristen gehen davon aus, er habe sich heftig die Finger verbrannt. Manchmal höre ich diese CD gerne.


    Nein, bei den bei Westminster gelableten Einspielungen der 3. und 6. handelt es sich um spätere, in Stereotechnik aufgenommene Interpretationen. Die oben gezeigte Box enthält durchweg Mono-Einspielungen aus den frühen 1950ern. Scherchens Stereo-Eroica ist insgesamt noch exzessiver resp. expressionistischer als die frühere Mono-Aufnahme, die jedoch ebenfalls eigentlich allen anderen mir bekannten Interpretationen dieser Sinfonie ganz schön die Rücklichter zeigt.


    Was das Mastering der Klemperer-Einspielungen anbetrifft, kann ich so erstmal nix sagen. Hab ich lange nicht gehört - werd das aber jetzt mal wieder tun und dann kurz berichten.


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Meine Reihenfolge bisher:


    Leibowitz
    Järvi
    Bernstein
    Toscanini


    Interessant wäre mal eine solche Reihenfolge über alle User zu erstellen (jeder darf 5 in einer Reihenfolge benennen (mit Punktvergabe)

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
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    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

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