Ungeliebte Wörter

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Hallo,

    Zitat

    Man kann doch nicht ernsthaft Deutsch mit englischer Grammatik reden wollen!

    Das macht man aber (leider) permanent! Auch die Syntax passt sich immer mehr an, auch in eurem Satzungsentwurf gab es sowas z.B. in §5 (keine Ahnung, ob es später noch geändert wurde):


    Dem Antrag sind beizufügen eine Kopie des gültigen Personalausweises oder Reisepasses mit den Angaben zu Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum sowie eine aktuelle ladungsfähige Anschrift und Emailadresse.


    Im deutschen gehört der zweite Teil der Verbform ans Satzende - aber die Zeitungen, Foren und sogar Bücher sind voll von diesen englischen Satzstellungen!
    Naja, irgendwann merkt das gar keiner mehr :stumm:
    Heike

    „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)

  • Viel schlimmer als die persönliche Vereinnahmung von Anderen durch die Wir-Form finde ich Leute, die mich in der dritten Person ansprechen. Erst letztens wieder an der Supermarktkasse: "Hat er denn eine Kundenkarte oder ein Pfandbon?"
    "Ja, wer denn eigentlich?" fragt man sich dann. Beliebt auch bei Ärzten: "Na, wie geht's ihm denn heute?"


    :shake:


    LG, Peter.

    Alles kann, nichts muss.

  • Das ist mir noch nie passiert! Ich stelle es mir auch ziemlich komisch vor, plötzlich in der dritten Person angesprochen zu werden. Von Ärzten und Arzthelferinnen kenne ich nur: "Ach, sie waren der gebrochene Arm!?" (gerne mit dem medizinischen Fremdwort statt der allgemeinverständlichen Bezeichnung, so á la "Herr Dokter, die Ösophagusathresie wäre jetzt da!")

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Diese englischen Einflüsse sind schrecklich. Zum Beispiel stieß ich dereinst auf den Roman, an dessenBeginn mansofort merkt, dass der Autor einmal Englandkorrespondent war. Er hat auf dreiste Weise englische Wendungen ins Deutsche übertragen. Und das gleich mit den ersten Wörtern:



    In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetzten Rondell warf.


    Falstaff

  • Hallo Heike,


    so etwas nenne ich "Rezeptdeutsch" - auch mir ist aufgefallen, dass die Syntax immer mehr in Richtung Rezept geht. Es fehlt eigtl. nur der Doppelpunkt. Manchmal nervt es mich, wenn es keiner mehr für nötig hält, das Wort jemand zu beugen. Wenn du,liebe Heike, jemand fragst, ob er das nicht merkwürdig findet....


    An sich nehme ich zu all diesen vermeintlichen Unzulänglichkeiten eine relativ entspannte Haltung ein - so manches ist auch gar nicht so falsch, wie auf den ersten Blick vermutet bzw. vom Oberlehrer Sick moniert.


    Ich möchte diesbezüglich gerne auf ein interessantes Buch aufmerksam machen:



    André Meinunger ist Sprachwissenschaftler an der FU Berlin. Was er zutage fördert und wie die meisten der Sickschen Dogmen wie Seifenblasen zerplatzen, ist hochinteressant.


    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Hallo Wulf,
    "Rezeptdeutsch" ist originell, das werde ich mir merken! Ich geh damit auch eher entspannt um, jedenfalls stört es mich weniger, es im privatem Umfeld oder in Amateurforen zu lesen. Auch mir passieren solche Fehler manchmal.


    Wirklich ärgerlich sind aber diesbezüglich miserable journalistische Beiträge in der gehobenen Presse. Oder Lektoren, die sowas wie oben von Falstaff zitiert überlesen. Wenigstens die Profis sollten doch noch richtig deutsch können!
    Heike

    „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)

  • :thumbup:
    Ach woher - das ist doch wohl typisch deutsch! Welcher Engländer baut scvhon solche Schachtelsätze!? Und dann noch mit Rhabarber- deutscher geht es doch wohl kaum! :D


    Man glaubt es kaum, aber in einem anderen Roman des Autors findet sich auch schon das Wort "shoppen"!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Oder Lektoren, die sowas wie oben von Falstaff zitiert überlesen.


    Dabei ist der Autor der zitierten Stelle einwahrer Meister von der deutschen Sprache (;+) )... deshalb war das Zitat auch halb ironisch gemeint. Ich wollte anmerken, dass man solchen englischen Einflüssen sogar in über hundert Jahre alter Weltliteratur findet...


    Ach ja: Weltliteratur ist ein saudoofes Wort...


    Flastaff

  • LOL
    Bis "Briest" hab ich gar nicht gelesen, sondern nur bis zum fetten In Front des ...



    „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)

  • Wirklich grauenvoll finde ich die unter dem Deckmantel der Freundlichkeit häufig zu hörende Wendung junger Mann / junger Herr. Wenn das eine 50jährige Schnepfe - sei es aus Frust oder aus Gefühlen des zweiten Frühlings heraus - zu einem 60jährigen Opa sagt, ist das keine Nettigkeit, sondern eher eine bodenlose Frechheit. Wäre ich in dem Alter und würde ich derart angesprochen, müsste ich annehmen, man möchte mich auf den Arm nehmen.
    Meistens kommt "junger Mann" auch noch in einem aggressiv-ätzenden-Klanggewand daher, dass ich am liebsten "alles klar, Du alte vertrocknete Schachtel" antworten würde. Zu doof, dass meine Eltern Wert auf Benimm gelegt haben..... :cursing:


    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Wulf, ich wende nun eine Forenfloskel an, die ich mir niemals zu übernehmen vorgenommen habe, indem ich schreie:


    Verdoppeln!


    Falstaff

  • Ja, "junge Frau" werde ich gelegentlich nur mit schrecklich belehrendem Unterton genannt, von verbiestert guckenden Zeitgenossen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die ganze Welt besser zu machen, indem sie alle Verbote und Gebote argusäugig überwachen.


    Auch besonders schrecklich finde ich, wenn mir eine automatische Stimme am Service-Telefon vorliest, welche Tasten ich wann zu drücken habe, bis ich endlich zur gewünschten Info komme (oder zu einem lebendigen Menschen)
    Drücken Sie bitte die 6 .....
    Heike

    „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)

  • Wulf, ich wende nun eine Forenfloskel an, die ich mir niemals zu übernehmen vorgenommen habe, indem ich schreie:


    Verdoppeln!


    Falstaff

    Mach ich für Sie doch gerne, junger Mann. 8+)

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Liebe Heike,


    ich höre immer wieder Horror-Geschichten vom endlosen Nichtverstehen des automatischen Ansagesystems. Bisher lief bei mir alles glatt, man sollte weder flüstern noch brüllen, aber wahrscheinlich habe ich auch nur Glück gehabt. Enervierend wird das Ganze, wenn man nicht abkürzen kann, indem man schon mal den Ansagen Folge leisten kann, bevor die ganze Bandschleife durch ist.


    :wink:
    Wulf

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)


  • Dann noch der zunehmende nicht-reflexive Gebrauch von "sich erinnern" (also ohne "sich"): "ich erinnere das gerne" statt "ich erinnere mich gerne daran".


    Das hab ich zum Glück noch nie gehört! Wie fürchterlich! :faint:

    Ebenso lehne ich das Wort "wo" ab, wenn es nicht im lokativen Sinne gemeint ist. - Die wo... :)


    Das österreichische Pendant hierzu lautet "die was". Auch schlimm :D Meist verwendet von Menschen, die normalerweise Mundart sprechen und von Zeit zu Zeit versuchen, Hochdeutsch zu sprechen (oft Kinder, die erst in der Schule Hochdeutsch lernen).

    Viel schlimmer als die persönliche Vereinnahmung von Anderen durch die Wir-Form finde ich Leute, die mich in der dritten Person ansprechen. Erst letztens wieder an der Supermarktkasse: "Hat er denn eine Kundenkarte oder ein Pfandbon?"
    "Ja, wer denn eigentlich?" fragt man sich dann. Beliebt auch bei Ärzten: "Na, wie geht's ihm denn heute?"


    Noch nie gehört! Zum Glück.

    Canto, ergo sum.

  • Schleckerfrauen

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • Schleckerfrauen

    Das ist wieder einer dieser zynischen Presse-Ergüsse. Allerdings glaube ich, dass das Wort für die Betroffenen das geringste Übel darstellt.

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Schleckerfrauen

    Im Zusammenhang mit diesen Damen äußerte Fipsi, der Bundesfurzende "http://www.youtube.com/watch?v=9lpPVei0XZQ", sie könnten unproblematisch einer ANSCHLUSSVERWENDUNG zugeführt werden.


    Ob das auch für ihn selbst gilt?

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

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