Vom 7. Juni bis 14. Juni 2024, 17:00 Uhr, findet die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme hier zu registrieren.
  • André Cluytens

    Die Erwähnung André Cluytens durch den Doc in einem anderen Thread brachte mich dazu, ihn einmal wieder zu hören. Gleichzeitig neugierig, was denn hier im Forum über ihn geschrieben wurde, schlug ich unter Dirigenten nach und ..... Das war's. Noch kein Thread über diesen bedeutenden Dirigenten. Das möchte ich jetzt hiermit ändern.

    Am 26.03.1905 in Antwerpen geboren, starb er bereits am 03.06.1967 in Neuilly-sur-Seine in Frankreich.

    Ausgebildet wurde er bereits als Kind am heimatlichen Musikkonservatorium, übernahm dann mit 22 Jahre schon einen Dirigentenposten in Antwerpen. Kurz danach folgten erste Positionen in Frankreich, wobei er dann nach dem Krieg v.a. jahrelang als Chefdirigent an der Opéra Comique tätig war und als Nachfolger Charles Munch auch Chef des Orchestre de la Société du Conservatoire de Paris. In dieser Zeit, Beginn der fünfziger Jahre, beginnt dann auch seine internationale Tätigkeit, die ihn später u.a. auch nach Bayreuth führte, wo er einer zusammen mit Wieland Wagner insgesamt 4 Opern realisierte.

    Cluytens war v.a. ein Dirigent des französischen und deutschen, aber auch des russischen Repertoires. Die große Erato-Box 'The Complete Orchestral & Concerto Recordings', zeigt dies eindrücklich. Neben herausragenden Interpretationen u.a. von Werken von Ravel, Fauré, Franck, Berlioz findet sich darin auch der legendäre 1. Stereo-Zyklus der 9 Beethoven Sinfonien.

    Neben dem Konzertdirigent Cluytens gab es natürlich auch immer auch den Operndirigenten. Da fallen mit natürlich sofort die 4 Wagneropern ein, von denen mindestens Tannhäuser, Lohengrin und Meistersinger in Mittschnitten vorliegen. Aber das Schwergewicht liegt doch bei den Werken aus Frankreich. Carmen, Hoffmann, Faust, Mireille, Perlenfischer sind Musterbeispiele seines Dirigierstils. Ganz aus der französischen Tradition kommend bevorzugte er dabei immer einen leichten, hellen, durchsichtigen Klang, durchaus voller Charme und Esprit, Sinnlichkeit und Emotionalität.

    Nun bin ich gespannt, wie ihr Cluytens seht und welche Aufnahmen ihr empfehlen würdet.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Hier zunächst einmal die große, oben erwähnte Box:

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ravel: Klavierkonzert für die linke Hand (und das andere, welches bei mir ein wenig an Interesse verloren hat ...)

    https://www.youtube.com/watch?v=6Sxpi0zybzA

    Cluytens und das Pariser Orchester müssen sich in dieser frühen Stereoproduktion von 1959 zwar den Ruhm teilen mit dem grandiosen Pianisten Samson Francois, aber ... man höre!

    Die CD habe ich bestellt - ich war einigermaßen erstaunt, sie offensichtlich nicht im Schrank zu finden. Gehört habe ich sie nicht nur einmal im Rundfunk und soeben auf yt. Von Ravels bedeutenderem der beiden Klavierkonzerte kann ich seit Langem gar nicht genug bekommen. Keine Ahnung, wie oft ich es schon gehört habe in Livekonzertübertragungen oder -aufzeichnungen, auf Video oder eben in Studioproduktionen, auch wenn ich nicht gar so viele Einspielungen in Konservenform besitze. Was mir noch fehlt, ist ein Live-Erlebnis im Konzertsaal.

    :cincinbier: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Mein erstes Erlebnis

    mit Cluytens war wohl diese CD (Ich habe die "Music and Arts" Ausgabe)
    und seitdem geht nix aber auch fast garnix über die Einspielung von KK24 Mozarts.
    Im Vergleich mit der berühmten Studioaufnahme unter Markevitch läßt Cluytens das Orchester, so finde ich freier, luftiger und eleganter spielen. Markevitch ist rhytmisch enger und dank der durch Cluytens ermöglichten Freiheitsgrade blüht das Spiel von Frau Haskil besonders.
    Das 4. von Beethoven ist auch nicht von Pappe, aber dieses Mozartkonzert....

    Sein Wagner in Bayreuth soll ebenfall sensationall gewesen sein. Windgassen soll sich sogar zu der Bemerkung verstiegen haben. Mit Cluytens würde er den Siegfried auch ohne Proben singen können.
    https://rp-online.de/kultur/wie-and…te_aid-19446045

    Gruß aus Kiel

    "Mann, Mann, Mann, hier ist was los!"

    (Schäffer)

  • Cluytens und die Berliner.

    Gut 60 Jahre alt für mich immer noch einer der besten Zyklen, die ich kenne. Cluytens lässt leuchten und strahlen, ist zügig und schlüssig, leicht, aber kein Leichtgewicht, charmant, aber nicht oberflächlich und ist immer auch zur großen Geste fähig. Und dabei trifft er auf ein Orchester, dass mit einem weichen, runden, warmen Ton auf ihn eingeht. Großartig! Zudem verfügte Cluytens auch noch über ein exzellentes Sängerquartett, was ja auch nicht unwesentlich ist.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Zwei seiner Opernaufnahmen gehören bei mir zum eisernen Bestand : Offenbach - Les Contes d'Hoffmannn von 1948 und Gounod - Faust von 1953 .

    Die preisgünstige Brilliant-Ausgabe :ASIN B002JH8IOW

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • ... nicht zu vergessen der Boris Godunow mit Boris Christoff in drei Rollen:

    Gruß
    MB

    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Cluytens gehörte ja noch diesen seeligen Aufnahmezeiten an, in denen Künstler ihre Produktionen teilweise nochmal in Stereo wiederholen konnten.

    Von 1959 in fast identischer Besetzung:


    Von 1965 allerdings völlig neu besetzt:

    Was den 'Hoffmann' angeht, würde ich, obwohl ja Schwarzkopfrianer, immer zu der ersten Version greifen, da die meisten Sänger doch vertrauter mit dem französischen Gesangsstil sind.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • in Stereo wiederholen

    Das bedeutet aber nicht zwangsläufig besser .- Die alte Hoffmann - Aufnahme hat für mich noch den zusätzlichen Charme . daß (fast) alle Rollen von verschiedenen Künstlern gesungen werden . Dieser "Reichtum" an Stimmen gefällt mir , egal ob es vielleicht (?) von Offenbach anders gedacht war , oder "traditionell" so gemacht wurde . Das die gesamte Besetzung aus Frankreich stammt , mag weniger Bedeutung haben . -
    Und bei Gounod hatte ich lange Zeit beide Aufnahmen . Bis ich beim Hören den Eindruck gewann , die 53er würde "natürlicher" klingen , oder weniger bemüht beim Musizieren . Ich weiß nicht , wie ich es sonst beschreiben soll . Es hat nichts mit der Frische der Stimmen o.ä. zu tun , aber unbeschwert trifft es auch nicht so richtig . Egal , es führte dazu , daß ich der Stereo-Aufnahme das Valet gab . ( Und statt Blanc höre ich lieber Borthaye , aber das ist geschmäcklerisch ).

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Noch gar nicht erwähnt wurde hier die für mich beste Opernaufnahme Cluytens aus dem französischen Repertoire:

    Neben all denen durch die italienische Art des Singens geprägten Aufnahmen ist dies (neben der Beecham-Version) die beste Carmen, weil sie endlich einmal die Oper geradezu schlackenlos zeigt. Das schwingt und flirrt, hat Leichtigkeit und Esprit, Erotik und Sinnlichkeit und ist dabei trotzdem immer Drama. Solange Michel ist eine herausragende Carmen, die ihre beiden Arien wirklich so singt, wie sie auch bezeichnet sind, eben als Chanson. Ein Muss in jeder Carmen-Sammlung!

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Nach der "Eroica" unter Cluytens vor ein paar Minuten bei "Eben gehört" hier nun das 3.Klavierkonzert Beethoven mit dem Maestro und Emil Gilels. Von wann diese Aunahme stammt, konnte ich leider nicht finden.

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    Eine gelungene Interpretation, wie ich finde.

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Das Aufnahmedatum ist ersichtlich, wenn man die Informationen von diesem YT-Video aufklappt.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Danke lieber Lionel für diesen Hinweis. Darf ich (sicher dumm) fragen, wo/wie man diese Informationen aufklappt? Danke Dir vorab.

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • 1. "Ansehen auf YT " anklicken, so dass sich das Video auf YT in einem neuen Browser-Tab öffnet
    2. wenn man dann auf YT ist dann in dem grau unterlegten Feld wo die Aufrufe des Videos angegeben sind auf "mehr" klicken
    3. dann erhält man die Zeitangaben wann die einzelnen Sätze beginnen und u. a. das Aufnahmedatum

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Danke. Habe noch die "Ansehen auf YT" angeklickt. Hätte ich eigentlich drauf kommen können...Wieder was gelernt. 1954 aufgenommen. Erstaunlich!

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

  • Zitat von Bernd

    Darf ich (sicher dumm) fragen, wo/wie man diese Informationen aufklappt? Danke Dir vorab.

    Unter dem Bild bei Youtube steht


    Piano concerto n°3 op.37 …mehr

    .....dann auf >mehr< klicken und schwuppschwupps......!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • .....dann auf >mehr< klicken und schwuppschwupps......!

    Danke auch Dir lieber palestrina. Du hast es sicher schon gesehen: Lionel hatte mich auch schon darauf hingewiesen. Ihr seid echt super! LG Bernd

    "Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen"

    Ludwig van Beethovens Inschrift auf dem Manuskript zur "Missa Solemnis"

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