Eine Capriccio Caprice Paganiniade

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  • Eine Capriccio Caprice Paganiniade

    Variationen über die Caprice op.1/24 von Niccolò Paganini!


    Ideen dazu: Vorstellung bekannter und weniger bekannter Werke und Aufnahmen, Rankings ...


    Die letzte der 1820 in Mailand gedruckten 24 Capricci per violino solo op. 1 des Wundergeigers Niccolò Paganini, die Caprice Nr. 24 in a-Moll (Tema. Quasi Presto – 11 Variazioni – Finale), bei Shlomo Mintz (DGG 1982) knapp über sechs Minuten lang, hat viele Komponisten zu weiteren Variationen und Bearbeitungen animiert.


    Die englischsprachige wikipedia Seite https://en.wikipedia.org/wiki/Caprice_No._24_(Paganini) zählt auf: Aria, Angra, Leopold Auer, Rafał Augustyn, Luc Baiwir, BanYa, Alison Balsom, James Barnes, Isaak Berkovich, Boris Blacher, Hans Bottermund, Johannes Brahms, Charles Camilleri, Eliot Fisk, First Piano Quartet, Ignaz Friedman, David Garrett, Benny Goodman, Mark Hambourg, Marc-André Hamelin, Helloween, Toshi Ichiyanagi, The Great Kat, Lowell Liebermann, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Andrew Lloyd Webber, Witold Lutosławski, Yngwie Malmsteen, Denis Matsuev, Nathan Milstein, Robert Muczynski, Pavel Necheporenko, Jeff Nelsen, Paolo Pessina, Gregor Piatigorsky, Simon Proctor, Frank Proto, Manuel Quiroga, Sergei Rachmaninoff, George Rochberg, Alexander Rosenblatt, Poul Ruders, Ehsan Saboohi, Fazıl Say, Stanisław Skrowaczewski, Joe Stump, Karol Szymanowski, George Thalben-Ball, Philip Wilby, Victor Wooten, Hans Wurman, Eugène Ysaÿe und JJ Lin.


    Neulich wurde das Thema hier aufgebracht:

    Schnittke nicht vergessen!



    Den kannte ich nicht. Na werde ich den noch hintendran hängen (falls bei Spotify verfügbar).


    Danke für den Tipp.
    :wink:

    Und Schumann (op. 3 und 10). Der ist eh der Beste. :P
    :wink:

    Mein Favorit ist ja Rachmaninow (weiß schon, wird in der Mitte etwas schmalzig, macht mir aber nix).
    Z. B.:



    Paganini selbst als Schlusslicht. Das ist mal ein Wort! :D

    Dieser und der Rachmaninow kommen noch.und dazu noch eine kleine Preziose, die mit Capricen nicht direkt zu tun hat, aber Teil eines berühmten Klavierzyklus ist (ich weiß: ist zu leicht). ^^
    :wink:

    Für mich nicht ?(

    op. 9! Tusch!
    :wink:

    right!
    Schumann: Carnaval op. 9: Nr. 17 Paganini (hier mit Jorge Bolet)

    Zum Paganini-Tag kann ich noch Boris Blacher (op. 26) empfehlen.

    VIelen Dank für den Hinweis.Blacher kannte ich bisher nur aus einem Klavierstück, das ich vor vielen Jahren mal gespielt hatte: "What about this Mr. Clementi?"


    Damit habe ich jetzt meinen Paganini-Tag abgeschlossen. :clap:
    Wahrscheinlich muss ich nach soviel Noten in so kurzer Zeit erstmal eine Adagio-Therapie machen. :schwitz1:
    :wink:

    Da könnte man ansetzen. Ich hab gleich Lust bekommen meine CDs durchzusehen.

    Zwielicht favorisiert Schumann, aber wo in op. 3, 9 oder 10 wird die Caprice 24 variiert? Oder wollen wir auch darüber hinausgehende Paganini Variationen einbeziehen? Wie gewünscht!


    Persönliche Höreindrücke zu den oben angeführten Aufnahmen:


    Die Nr. 6 aus den Grandes Etudes de Paganini a-Moll (1839/51) von Franz Liszt, der das Thema am Klavier ordentlich pianistisch durchwildern lässt, in beiden Aufnahmen der jungen Alice Sara Ott ca. fünfdreiviertel Minuten kurz, finde ich in ihrer ersten (ram 2004) musikalisch intensiver, angespannter, während die zweite (enthalten in der Edition Klavier-Festival Ruhr 2007), live aufgenommen in Duisburg, konzertant vordergründiger besticht.


    In knapp unter 20 Minuten ist Yuja Wang auf ihrer zweiten CD (Transformation, DGG 2010) mit den Variationen über ein Thema von Paganini op. 35 von Johannes Brahms (1965) durch – dieses Werk ist in zwei Hefte unterteilt, Heft 1 (Thema. Non troppo presto – Var. 1 bis 14) und Heft 2 (Var. 1 bis 13). Im Booklet wird hervorgehoben, dass sich Yuja Wang an die Stückfolge die Arturo Benedetti Michelangeli wählte hält, die Variationen 3 und 4 aus Heft 2 erst nach dessen Variation 13 spielend und die Variationen 13 und 14 aus Heft 1 an das Ende stellend. Eine pianistisch brillante, fulminante Aufnahme! Die Variationen „mit Gefühl“ sprechen mich besonders an – 2/12 sentimental, 2/13 wie in einem Spiegelsaal, 2/3 ein Eistanz und 2/4 ein Walzer, von Yuja Wang toll verinnerlicht gespielt.


    Auch Sergei Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43 für Klavier und Orchester (1934) höre ich mit Yuja Wang. Ihre CD-Aufnahme entstand 2010 in Ferrara zusammen mit dem von Claudio Abbado dirigierten Mahler Chamber Orchestra (DGG 2011, Spieldauer 23:01 Minuten). Der Aufbau hier: Introduction – Variation 1 – Tema – Variationen 2 bis 24. Mit der 7. Variation tritt das gregorianische Dies irae Thema als zweites Hauptthema des Werks hinzu. Mit bestechender Kälte perlt Yuja Wang durch die Variationen. Wieder sprechen mich vor allem inmitten aller Virtuosität die ruhigen, geheimnisvollen Variationen an, hier sind es die Variationen 16 und 17, auf die dann die allerberühmteste überhaupt folgt, die melodisch ausschwingende 18. Variation, einer der Allzeit-Klassikhits überhaupt.


    Witold Lutoslawskis Variationen über ein Thema von Paganini für zwei Klaviere (Thema, 11 Variationen und Finale, meist knapp unter 6 Minuten kurz) entstanden in schwerer, belasteter Kriegszeit (1940/41). 1978 ließ der Komponist eine Fassung für Klavier und Orchester folgen. Da lässt sich (auch als beliebter Zugabenreißer) ein hochvirtuoses pianistisches Feuer abbrennen, „gepfeffert“ mit Chromatismen und fast maschinellem Hämmern gegen Schluss. Zwischendurch kommt das Furioso aber auch zur Ruhe, in der 6., wieder geheimnisvollen Variation (Poco lento).


    Mit Martha Argerich liegen einige Tonträger- und Fernsehaufnahmen vor, und überall legen ihre Partnerinnen und Partner und sie das Bravourstück beeindruckend hin: Nelson Freiere (CD Philips 1983, enthalten in der Argerich DGG Komplettbox), Mauricio Vallina (live in Pescara 2000, die beiden Flügel mit den Tastaturen nebeneinander, in allen späteren Fernsehaufnahmen wird Martha Argerich den jeweiligen Partnerinnen und Partnern gegenüber sitzen, zu finden auf DVD in der EuroArts Argerich DVD Box), Giorgia Tomassi (Lugano 2003, enthalten auf EMI 2 CDs Martha Argerich – Music for two Pianos und in der Warner CD Box Martha Argerich Lugano Recordings), noch einmal Nelson Freire (live in Tokyo 10/2003, zu finden auf youtube), Mauricio Vallina (Lugano 6/2007, enthalten in der EMI CD Box dazu und bei youtube als Fernsehdokument, mono mit Standbild), Gabriela Montero (Verbier 7/2007, enthalten auf 2 CDs DGG Carte Blanche Martha Argerich und auf DVD ebenfalls in der EuroArts Argerich DVD Box), Evgeny Kissin (Verbier 2011, Fernsehaufnahme bei medici.tv und youtube) und Cristina Marton (Tonhalle Zürich, 23.12.2014, Fernsehaufnahme auf youtube). Die energetische Hochspannung ist für mich bei Argerichs neuesten Aufnahmen mit Montero, Kissin und Marton am Mitreißendsten, diese Aufnahmen entfachen noch stärkeres Feuer mit ihrem sogartigen Spirit.


    Für die zweieinhalb letzten Minuten der Liveaufnahme dieses Werks mit Yuja Wang und Denis Kozhukhin aus Verbier vom Juli 2018 muss man nicht bei medici.tv eingeloggt sein, die gibt es auch bei youtube – noch eine Stufe brillanter geschraubt als in den Argerich Aufnahmen, das hat schon etwas von Hochleistungssport – und alles in souveräner Selbstverständlichkeit.



    Mein Interesse an den verschiedenen Paganini-Variationen wurde durch den Komponisten der Musicals „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“ Andrew Lloyd Webber geweckt, als im Wiener Schallplattenklub der Jugend ab Ende der 70er Jahre für dessen LP Variations geworben wurde. Diese 1978 bei MCA veröffentlichten Variations über Paganinis 24. Caprice für Cello und Rockband (als CD Remastered bei Universal 1998 neu aufgelegt), später auch für Orchester bearbeitet und in eine weitere Lloyd Webber Show „Song and Dance“ eingebaut, dauern in der Erstaufnahme 35 ½ Minuten und bringen Introduction, Thema und 23 Variationen, stilistisch zwischen Rock, Jazzrock und Popballaden angesiedelt – und auf der Innenhülle einen gezeichneten Baum, dessen „Blätter“ die damals bekannten Variationen im Überblick vorstellen. Die meisten Webber Variationen gehen direkt ineinander über. Bei den Variationen 11 bis 15 ist vermerkt „Including the Tributes“, nach der 16. Variation sind variierte Versionen von 14 und 15 enthalten und nach der 20. Variation folgt eine Variation der 6. Variation. Die poetische Cellokantilene der 18. Variation (einer Art Popballade, deren Mittelteil der Hawaiigitarre gehört) mag was die Eigenständigkeit des melodischen Einfalls betrifft auf Rachmaninows 18. Variation anspielen. Lloyd Webber engagierte für diese Erstaufnahme neben seinem Bruder Julian der das Solocello spielt erlesene Jazzrockmusikgrößen der Zeit – die Flötistin und Saxophonistin Barbara Thompson, deren Mann und Schlagzeuger John Hiseman sowie die weiteren Colosseum Bandmitglieder Don Airey, John Mole und Gary Moore, außerdem Keyboarder Rod Argent und unter den „Additional Musicians“ findet man auch noch einen gewissen Phil Collins.


    Wer also weitere Aufnahmen und Variationen vorstellen möchte, wer sich an einem Ranking beteiligen möchte, wer für Schumann oder (strenge Grenzen ziehend) gegen Lloyd Webber kämpfen möchte (David Garrett böte sich an, gibts´auf youtube ;) ) usw. usf - herzlich willkommen hier!

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

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