"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

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  • Ebenso gut , nur anders : Dmitri Bashkirov .


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ebenso gut , nur anders

    Mir fällt schon seit Jahren auf, wie häufig Du die f-moll-Sonate von Brahms hörst. So hat halt jeder seine Favoriten. Ich mag das Werk auch und bin mal bei dieser Aufnahme eines Pianisten hängengeblieben, der sich mir sonst nie sonderlich aufdrängte: Matthias Kirschnereit. Hier finde ich ihn aber richtig gut. Kennst Du die Aufnahme und hält sie mit Fischer, Novitskaya und Bashkirov mit?


    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Kennst Du die Aufnahme und hält sie mit Fischer, Novitskaya und Bashkirov mit?

    Mon General , ich kenne sie nicht . Kirschnereit sagt mir nur im Zusammenhang mit der Brahms-Gesellschaft etwas . Aber natürlich werde ich die Aufnahme hören , denn eine Empfehlung aus deiner Feder wiegt schwer . Ob sie meinem Brahms-Sonaten-Geschmack entspricht , wird sich zeigen . Allerdings - sie kommt in die Warteschleife , und vor ihr sind noch Sokolov und Andre Laplante ( der schon fast sicher gesetzt ist - hör' ihn dir mal an ) . Und ich höre immer mehrmals , auch mit Abstand . Bitte um Geduld - ich werde berichten . Und freue mich immer noch über interessantes Neues .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Matthias Kirschnereit. Hier finde ich ihn aber richtig gut. Kennst Du die Aufnahme und hält sie mit Fischer, Novitskaya und Bashkirov mit?

    Ich meine sie hält mit Fischer mit, ist aber etwas zivilisierter oder zahmer. (Ist es Studio und deshalb zahmer?) Kirschnereit hat trotzdem sowohl genügend Zug als auch Brahmsisches Ausladen. Ich meine er kommt nicht ganz an Novitskaya heran, aber das Urteil müsste ich länger auskochen lassen und es könnte einfach darauf hinauslaufen, dass mir bei K etwas die extremere Kante fehlt, die ich bei Novitskaya an gewissen Stellen höre. Das is nicht jedermanns Sache und wenn es eine Aufnahme nicht hat, dann ist sie nicht deshalb schlechter, nur eben anders. Novitskaya ist dafür etwas langsamer - das könnte mich irgendwann stören und Kirschnereits Zug gefällt mir im Gegensatz dazu sehr. Bashkirov kenne ich nicht, aber Sokolov. Und ich meine Kirschnereit macht es besser. Sokolov ist auch sehr gut, aber er hat für mich das Problem, dass er eine sehr auslandende, auf ihre Art verzögernde Agogik macht um seine Brahms Gravität zu erzeugen. Dadurch kommt es für meinen Geschmack immer wieder zum Stocken im musikalischen Zug. An einigen Stellen ist das mMn fatal, wie am Höhepunkt des 2. Satzes, also ganz am Ende. Aber ich bemerke es auch gleich in der Eröffnung des ersten Satzes, in den ersten 10 Sekunden. Beim ersten Hören dachte ich "oh wie toll", aber es kommt dann zu oft vor und stört den Fluss, für meinen Geschmack.


    PS: die Kirschnereit Aufnahme klingt trockener und direkter mit Kopfhörern - ich meine es bekommt ihr, sie hat etwas zu viel Hall auf meinen Lautsprechern.

  • Dazu fällt mir auf, dass es offensichtlich noch keinen Thread (bzw. keine Threads) zu den Brahms-Sonaten gibt. Mag jemand...? Ich kenne die Stücke leider nicht so gut, dass ich mich dazu berufen fühlen würde.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Dann noch eine ganz leichtgewichtige Empfehlung von mir:

    Was ist in Zusammenhang mit dir schon leichtgewichtig ? Wieder was Neues , kommt auf die Warteliste . Dabei war ich heute schon fleißig : die 2.Einspielung von Rubinstein (1959) mußte ins 2.Glied , weil ich finde , die frühere wird einem 19jährigen Komponisten gerechter . Übrigens , @ Rosamunde : mit dem Sokolov habe ich ähnliche Erfahrungen . Manchmal verwechselt er bräsig mit brahmsig . - Und Bruno-Leonardo Gelber ist wieder in meinem A-Team . Aber der wandert immer hin und her , je nachdem , wie meine Tagesform ist . Außerdem habe ich mich von der 1975er Live Arrau Sonate aus Finnland getrennt , war lange schon klar , und der neue Besitzer kam heute vorbei . Aber : dann habe ich nochmal in die Studio-Aufnahme reingehört , und die war mir auch zu schwerhändig . So schnell wechselt man bei mir die Liga . Wobei , das sind marginale Unterschiede : Arrau und Rubinstein II warten jetzt mit Freire (späte Einspielung) , Katchen , Lupo . Orozco und Zimerman auf den Wiederaufstieg . Opulenz ist fast noch untertrieben !
    Aber Arrau gab den Anstoß , die auf Dauer von Fülle und Pracht ermüdeten Ohren wieder zu erfrischen . Dies mit einem Zyklus , der bei mir mit ganz oben steht , und wie für Arrau gemacht klingt : die Novelletten op.21 von Schumann . Warum diese Werke so ein Schattendasein führen , erschließt sich mir nicht . Ich hör' sie als leckeren Kuchen , aus dem sich die Herren Richter , Rubinstein , Sofronitsky und wie sie alle heißen nur die Rosinen herausgepickt haben . Ich meine , daß es ein Zyklus ist - lauter Geschichten , wobei die letzte - in Reihenfolge und Entstehung - versucht , alle in den Zyklus einzubinden . Und so grandios manche Rosinen auch gespielt sind - ich will den ganzen Kuchen , mit Mandeln und Teig und Succade und was sonst noch drin ist . Und Arrau ist lecker - und obendrein gibt es noch einige andere appetitliche Aufnahmen .


    oder in der Box ‎ https://www.youtube.com/watch?v=M5H-DLvRJHk‎


    .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Sokolov (...) hat für mich das Problem, dass er eine sehr auslandende, auf ihre Art verzögernde Agogik macht um seine Brahms Gravität zu erzeugen. Dadurch kommt es für meinen Geschmack immer wieder zum Stocken im musikalischen Zug. (...) ich bemerke es auch gleich in der Eröffnung des ersten Satzes, in den ersten 10 Sekunden.

    Hör noch mal hin: Er wird im zweiten und dritten Takt sogar schneller.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Hör noch mal hin: Er wird im zweiten und dritten Takt sogar schneller.

    Ich weiss nicht welche Aufnahme du hörst. Bei mir verzögert er sehr im 4. und etwas im 5 Takt. Ich nehme an, um den Vorschlag in Takt 5 etwas besser einbauen zu können. Das Schnellerwerden, von dem du sprichst, ist dagegen fast unmerklich. Kann er ja ruhig so machen, nur mir wird es im Verlauf des Stückes zu oft und deshalb zu viel.

  • Bruno-Leonardo Gelber

    Oh - der ist natürlich interessant. Kommt dran. Übrigens hat dein Andre Laplante Potential, den muss ich genauer betrachten. Wo ist der inzwischen gelandet? Abstieg oder Aufstieg? Oder noch keine weiteren Neuigkeiten zu ihm?
    Und @Andreas , deinen Kocsis hör ich mir dann auch mal an.

  • Das Schnellerwerden, von dem du sprichst, ist dagegen fast unmerklich.

    Ich finde es sehr deutlich.


    Bei mir verzögert er sehr im 4. und etwas im 5 Takt. Ich nehme an, um den Vorschlag in Takt 5 etwas besser einbauen zu können.

    Den Vorschlag im Tempo unterzubringen, wäre nun wirklich überhaupt kein Problem, schon gar nicht für Sokolov. Die Verzögerung macht er natürlich, weil im vierten und fünften Takt über jedem einzelnen Griff ein Akzent steht, weil durch das Wegfallen der punktierten Figuren aus den ersten drei Takten eine strukturelle Verlangsamung bis zum Stillstand auf der Halben in Takt 5 stattfindet, und weil mit dem ff der dynamische sowie mit dem Quartsextakkord der harmonische Höhepunkt erreicht ist. Zu dieser (komponierten) Entwicklung holt er durch die leichte aber deutliche Beschleunigung im zweiten und dritten Takt quasi aus, so dass die ganze Phrase in einem stimmigen Spannungsbogen steht. So geht gutes Rubato :) .

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
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    (Theodor W. Adorno)

  • So geht gutes Rubato

    :) wenn ich nachhaken darf..... :alte1: ...gutes Rubato nimmt genausoviel weg, wie es dann hinzufügt. Er wird aber bei Sokolov sehr viel weniger schneller (wirklich nur unmerklich) , als dann langsamer wird. Er nimmt also sehr wenig, fast nichts, vom Tempo weg, fügt aber dann mindestens doppelt so viel hinzu. Für mich läuft deshalb das, was er macht viel eher unter Ritardando als unter Rubato. Aber da kann man sich drüber streiten und es geht mir auch nicht NUR um diese Stelle, sondern um den Eindruck, dass er sowas viel zu oft macht. Und deshalb der Fluss gestört wird. Wäre interessant das an der Aufnahme direkt beim Hören zu zeigen. So ist es schriftlich zu anstrengend.


    Die Akzente sind so, wie du geschildert hast, und musikalisch macht diese Eröffnung von Sokolov absolut Sinn. Das ist schon richtig. Deshalb sagte ich ja, dass ich sie beim ersten Hören auch toll fand, weil sie so viel Gravtät hat. Ich finde sie auch immer noch genauso gut. Sehr imposant. Im weiteren Verlauf werden solche Mittel mMn aber einfach zu oft eingesetzt. Aber - das Zugeständnis mache ich gerne - es ist Geschmacksache, ob man solche enormen Verzögerungen als störend empfindet. Sie können auch als sehr effektiv empfunden werden, gerade bei Brahms räume ich das gerne ein. Sokolov macht ja nichts "falsch".


    Ich meine allerdings, dass Sokolov nicht wirklich soviel eigenes Herzblut investiert, wie andere bei dieser Sonate. Trotz aller ausladender Romantik, Rubati etc .
    Anyway....ich mache weiter mit meinem Vergleich von Novistkaya und Kirschnereit.

  • gutes Rubato nimmt genausoviel weg, wie es dann hinzufügt.

    Nein, gutes Rubato verdeutlicht musikalische Ereignisse und Verläufe. Die sind nicht immer symmetrisch, wie man an diesem Beispiel sehen kann.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
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    (Theodor W. Adorno)

  • . Übrigens hat dein Andre Laplante Potential, den muss ich genauer betrachten. Wo ist der inzwischen gelandet? Abstieg oder Aufstieg? Oder noch keine weiteren Neuigkeiten zu ihm?

    Noch nicht wieder gehört , aber ich seh ihn auch eher oben . Aber jetzt ist erstmal Pause mit der f-Moll Sonate . Du kannst dich ja um deine Nachtruhe bringen und dir mal die Shukow-Interpretation anhören .
    Ich höre indessen die Novelletten von Schumann , und zwar mit Yvonne Loriod .Die 1957er Vega , nicht die Rundfunk-Aufnahme .


    https://www.youtube.com/watch?…73D5HeaE9WkNyEMqJcPEU70c0

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  • lieber morgen zum Früstück anstelle von Kaffee

    Nimm den Kaffee . Und hör lieber Etelka Freund .

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  • Schubert: Valses sentimentales DV 779

    Von diesen 34 Schubert-Stücken besitze ich zwar auch die Marcelle Meyer-Aufnahmen (rec. 21.12.1948 + 10.5.1949 bzw. rec. 28.+29.10.1953). Richtig beseelt bin ich aber gerade durch die Auswahl-Aufnahme (Nr. 1, 3, 8, 10-13, 16, 22-24, 27-28) des wundervollen William Youn (rec. 4.-7.12.2017):



    Die Nr. 13 dieser Walzer spielt Youn auf demselben Album auch in der Franz Liszt-Bearbeitung, nämlich der Nr. 6 aus den "Soirées de Vienne". Wer Vladimir Horowitz in seinen letzten Lebensjahren live gesehen hat (ich hatte zweimal in Hamburg und einmal in Frankfurt das Vergnügen), wird sich an seine unvergleichliche Interpretation dieses Schubert/Liszt-Werks erinnern...

  • In den letzten Tagen entdeckte ich die Schönheit der JS Bach Partiten BWV825-830. Aus welchem Grunde auch immer war mir diese bisher nicht offensichtlich, aber nun staune ich.


    Igor Levit gefällt mir sehr.



    Walter Gieseking lässt seine Schmetterlinge miteinander tanzen - nur so kann ich es beschreiben. Wie er die Ornamente so beiläufig und spielerisch aber dennoch rhythmisch präzise einfügt, die Stimmen um sich herum kreisen lässt, die Melodien fast nur mit Artikulation und Dynamikschattierungen formt.... Alles ist unverkrampft, und bestimmte musikalische Elemente sind nebensächlich ohne respektlos oder seicht zu erscheinen. Er nimmt sich selber nur nicht so wichtig. Und wenn eine Passage zu eilig oder leicht verwurschtelt wird, dann wird die nächste eben besser. Wie bei einem Schmetterling, der scheinbar ziellos umherschwirrt und sich dann irgendwo niederlässt, um etwas zu verharren und aus einer Blüte zu naschen. Ecclesiastes zu Musik geworden? Man kann nichts für immer festhalten. Der Versuch ist zwecklos. Ob Gieseking deshalb Schmetterlinge gesammelt hat - um etwas festzuhalten, was er in der Musik nicht festhalten konnte?
    Ich höre Giesekings Bach und gerade auch sein WTK unter diesem Aspekt. (Wobei seine Fugen für mich den Versuch verdeutlichen, den Gegenpol darzustellen)
    Wer sich also für musikalische Schmetterlinge interessiert, dem empfehle ich die 1. Partita BWV 825 von Gieseking. Besonders die Sarabande und Gigue - Schmetterlinge.


  • Wenn mich die Novelletten im Griff haben...Yves Nat hat nicht nur u.a.alle Beethoven-Sonaten eingespielt , sondern ab 1930 auch Schumann für die Schallplatte aufgenommen - 4 CDs mit Schumann legen Zeugnis davon ab . Die letzte Sitzung davon fand im Oktober 1956 statt , und sie galt den Novelletten . Das ist meine früheste Aufnahme des op.21 , und eine ziemlich flotte obendrein . Ein guter Start !


    https://www.youtube.com/watch?…2aF4bf18rkScHrHI&index=16

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

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