"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

  • Ich danke, Monsieur Lavine! (Legionellen hatte ich noch nicht, das waren Salmonellen.)

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Carl Maria von Weber: Sonate Nr. 1 C-Dur op. 24

    Swjatoslaw Richter, Klavier
    rec. live Tours 20. Juni 1981

    Angesichts grottenschlechter Klangqualität (vermutlich ein im Saal heimlich gemachter Tonbandmitschnitt) nur etwas für hartgesottene Sammler. Aber da Richter diese Sonate nur zweimal aufführte (in Moskau am 17. Juni und in Tours am 20. Juni 1981), bleibt einem nichts anderes übrig, als mit dieser Quelle vorlieb zu nehmen. Immerhin warnt Parnassus auf dem Frontcover fairerweise mit "Note: These are not high-fidelity recordings".

  • Die Anregung des Herrn Major nehme ich gern auf - man sollte Igor Zhukov keinesfalls auf seinen Scriabin reduzieren. Deswegen spielt er hier jetzt César Franck - Prélude, Fugue et Variations.

    Auch wenn zwischen dieser Aufnahme (Husum 1994) und der Liszt-Sonate 24 Jahre liegen, kann man kaum glauben, hier denselben Pianisten zu hören. Vor allem im Prélude und in den Variations entzückt der Russe mit unerhörter Feinfühligkeit. Vielleicht nicht die ultimative Wiedergabe des Werks, aber eine, die mir ausgesprochen gut gefällt.

    Cheers,

    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Eine mich etwas verstörende Live-Aufnahme der h-moll Sonate von Liszt mit Igor Zhukov aus ca.1970 :Teilweise grandios.

    https://www.youtube.com/watch?v=sFXKKPctuh8

    ...sprengt wohl die Grenzen des bei dieser Sonate bisher für möglich gehaltenen. Und damit meine ich nicht nur die Lautstärke oder die Virtuosität (ich fragte mich aber schon, ob jemand nach dem Konzert den Flügel kurz auf strukturelle Schäden hin durchgecheckt hat)

    Wenn man ihm die ersten 3 Minuten schenkt, obwohl selbst diese das Ohr gefangen nehmen, dann wird man auf eine Reise mitgenommen, die symphonische und epische Dimensionen hat. Ist mir so noch nicht vorgekommen. Diese Sonate hat das aber in sich.
    Zhukov hat einen sehr langen Atem und lässt die Phrasen nie vorzeitig fallen; es geht immer weiter. Und er hat eine besonders befriedigende Art, nie die melodische Linie zu vernachlässigen - das fiel mir neulich schon bei der Schumann Fantasia auf. Ganz besonders gefallen tut mir das Fugato, was ich seltsamerweise sonst am wenigsten mag. Die letzten 2 Minuten, oder so, sind eine Erlösung, denn man wurde 30 Minuten lang heiss und kalt gewaschen, durch die Mangel gedreht und zum Trocknen aufgehängt. Dann kommen aber die Dur Akkorde. Herrlich.

    Die Tonqualität ist sehr gut, schön durchsichtig und wenig Hall.

    Bisher war Ernst Levy mein Favorit, nun aber diese Zhukov.

  • man sollte Igor Zhukov keinesfalls auf seinen Scriabin reduzieren

    Stimme Hern General zu . Guter Mann , diese Zhukov . Erlaube mir folgende playlist anzuregen :

    Bach https://www.youtube.com/watch?v=tAUkximrwHw
    Franck https://www.youtube.com/watch?v=1Xa5xV7biyU
    Liszt https://www.youtube.com/watch?v=sFXKKPctuh8
    Beethoven https://www.youtube.com/watch?v=3frSpRGRcg8


    Diese Zusammenstellung hat sich im Einsatz hervorragend bewährt .

    Good taste is timeless - "Ach, ewig währt so lang " - "But I am good. What the hell has gone wrong?" - A thing of beauty is a joy forever.

  • Mai 1823. Mehr schlecht als recht erholt sich Franz Schubert von seiner ersten Syphilis-Erkrankung. Er komponiert wohl noch an einer Sinfonie in einer ziemlich ungebräuchlichen Tonart, kommt aber nicht so recht damit weiter... Erst mal schreibt er (wohl für eine Schubertiade) zwölf Ländler (D 790) nieder, ein Genre, das bisher zumindest in seinem Freundeskreis immer ganz gut ankam. Was ihm da aber aus der Feder fließt, hat mit biedermeierlich-volkstümlichen Tanzweisen allenfalls noch den Dreivierteltakt gemein. Zu sehr spiegeln die meisten der zwölf Miniaturen die Mischung aus Elend, Angst und Verzweiflung wieder, in der sich Schubert befindet.

    Wenn ein Chinese diese Musik in London spielt, werden manche meinen, das könne ja niemals idiomatisch sein. Um es mit Jandl zu sagen: Werch ein Illtum! Diese Aufnahme von 2009 erscheint mir absolut geeignet, hier des kürzlich verstorbenen Fou Ts'ong zu gedenken. Er traf genau den richtigen Tonfall, um die Brüche in dieser Musik aufzuzeigen.

    Cheers,
    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Danke hierfür - mit dem Bach und dem Beethoven hatte ich besonders viel Freude.

    So viele Geburtstage heute - Medtner, Michelangeli, Brendel, Pollini... mit wem soll man da anfangen?

    Hier trifft es den heute 90jährigen Alfred Brendel. Er spielt Ludwig van Beethovens Variationen über das Duett "La stessa, la stessissima" aus Antonio Salieris Oper "Falstaff" in B-Dur WoO 73, geschrieben 1799. Bei dem 28jährigen Komponisten hatten sich schon erste Symptome eines Gehörleidens gezeigt.

    Dieses Werk hatte Brendel schon sehr früh in seiner Karriere zu VOX-Zeiten im Repertoire.

    Ich mag Beethoven am liebsten, wenn er nicht titanisch-heroisch daherkommt :rolleyes:

    Cheers,
    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Angeregt durch Music Lover höre ich nun auch mal eine Klaviersonate von Weber, nämlich die Nr. 2 As-dur op. 39. Weber wird ja immer wieder mit dem F-Wort in Verbindung gebracht - dabei wird übersehen, dass er einer der großen Pianisten seiner Zeit war und nicht wenig für Klavier komponiert hat. Der typische funkelnde Charme seiner Musik kommt auch in den Soloklavierwerken bestens rüber.

    Als Noel Mewton-Wood im Alter von 31 Jahren Blausäure trank, verlor die Musikwelt 1953 ein riesiges Talent. Der Australier hatte bei Artur Schnabel studiert und spielte als 18jähriger mit dem LPO unter Beecham. Er war eng mit Benjamin Britten und Peter Pears befreundet. Den Freitod wählte er, weil er sich schuldig am ebenfalls tragischen Tod seines Partners fühlte – die Anzeichen dessen Blinddarmruptur hatte er tagelang heruntergespielt und als der Arzt gerufen wurde, war es zu spät. 1941, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, war NMW 19 Jahre jung.


    Gleich darauf zum Vergleich der wesentlich abgeklärtere Emil Gilels 1968: https://www.youtube.com/watch?v=JFawBMbTl3o

    Cheers,
    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Angeregt durch Music Lover höre ich nun auch mal eine Klaviersonate von Weber

    Das freut mich! :cincinbier:

    Bei mir läuft jetzt die Sonate Nr. 3 d-moll op. 49 von Weber, von welcher sage und schreibe sieben verschiedene Live-Mitschnitte mit Swjatoslaw Richter aus der Zeitspanne von 1954 bis 1994 erhältlich sind bzw. waren. Die aus Moskau 1954, Prag 1954, Locarno 1966, London 1967 und Schliersee 1994 habe ich in der Sammlung (Messina 1966 und Mailand 1966 fehlen), und zu meiner Überraschung lassen sich die mir zur Verfügung stehenden Alben sogar alle direktverlinken:

           

  • Ansteckungsgefahr .Hier läuft die Ciani Aufnahme der 4 Sonaten von Weber (plus eine live als Bonus) wohl erstmalig seit 2013 wieder .

    Good taste is timeless - "Ach, ewig währt so lang " - "But I am good. What the hell has gone wrong?" - A thing of beauty is a joy forever.

  • Dino Ciani ist auch meine erste Adresse, wenn es um Weber geht und weder Richter noch Gilels die Ausführenden sein sollen. Dein Posting regt mich an, mir endlich mal diese Box zu bestellen

    in der alle vier Sonaten enthalten sind und mit der ich schon länger liebäugele. Bisher fand Dino Ciani bei mir nur auf Vinyl-LP statt.

  • Schumann: Noveletten D-Dur op. 21/4 und fis-moll op. 21/8

    Da diese Richter-CD mit seinem Klavierabend in der Royal Festival Hall London vom 11. Juni 1967

    nun schon mal wegen der Weber-Sonate in meinem Player war, habe ich sie mir bis zu Ende angehört. Wow - welch eine tolle Aufnahme der Schumann-Noveletten Nr. 4 und 8 aus op. 21! :verbeugung1:

    Mit diesem Zyklus op. 21 habe ich mich lange nicht mehr beschäftigt. Ich krame morgen mal heraus, was ich sonst noch an Aufnahmen habe.

  • Mit diesem Zyklus op. 21 habe ich mich lange nicht mehr beschäftigt. Ich krame morgen mal heraus, was ich sonst noch an Aufnahmen habe.

    Ich hoffe mal, Du findest Michel Block...

    Heute also Francis Poulenc. Sein Klavierwerk umfasst zwar zahlreiche Kompositionen, allerdings fast ausschließlich Miniaturen. Die große Form fehlt komplett. Aber das macht es nicht minder reizvoll.
    Hier laufen nun die "Quinze Improvisations", die zwischen 1932 und 1959 niedergeschrieben wurden. Die letzte ist Edith Piaf gewidmet, mit der der Komponist das Todesjahr 1963 teilt. Die zwölfte ist eine Hommage an Franz Schubert.

    Bei Eric Le Sage ist diese Musik in den besten Händen - übrigens auch die Kammermusikwerke in dieser Box. Mir scheint beinahe, er hat als einziger alle 15 Improvisationen eingespielt. Und für Schumanns Noveletten ist der Mann aus Aix-en-Provence auch eine gute Empfehlung.


    Cheers,
    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Ciani live . Bediene dich mal der Suchfunktion.

    Na, das ist ja ein munterer Dino Ciani-Bestelltag heute. Soeben geordert:

    Das bringt mir zwar drei Überschneidungen mit der heute Nachmittag bestellten 6 CD-Box ein (Weber Sonaten Nr. 2 und 3; Bartók Im Freien), aber anders ist eine CD-Überspielung seiner DG-Debüt-LP mit den Noveletten wohl nicht zu bekommen.

    Ich hoffe mal, Du findest Michel Block...

    In meiner Sammlung nicht, aber ich danke für den sachdienlichen Hinweis, mon Général :verbeugung2:

    Bei mir laufen gerade zwei weitere Noveletten von Schumann in dem Live-Mitschnitt Swjatoslaw Richters aus Dubrovnik vom 15. August 1967, nämlich op. 21/1 und op. 21/2:

    Diese vier Noveletten aus op. 21 (Nr. 1, 2, 4 und 8 ) bilden Richters Auswahl, die anderen hat er niemals öffentlich gespielt.

  • Heute also Francis Poulenc. Sein Klavierwerk umfasst zwar zahlreiche Kompositionen, allerdings fast ausschließlich Miniaturen. Die große Form fehlt komplett. Aber das macht es nicht minder reizvoll.
    Hier laufen nun die "Quinze Improvisations", die zwischen 1932 und 1959 niedergeschrieben wurden. Die letzte ist Edith Piaf gewidmet, mit der der Komponist das Todesjahr 1963 teilt. Die zwölfte ist eine Hommage an Franz Schubert.

    Bei Eric Le Sage ist diese Musik in den besten Händen - übrigens auch die Kammermusikwerke in dieser Box. Mir scheint beinahe, er hat als einziger alle 15 Improvisationen eingespielt.

    Zumindest Gabriel Tacchino 1978/79 (EMI) hat auch alle 15 aufgenommen.

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Zumindest Gabriel Tacchino 1978/79 (EMI) hat auch alle 15 aufgenommen.

    :top:

    Heute gibt es mal einen dickeren Brocken - die Diabellis. Es spielt der Schweizer Pianist Paul Baumgartner (1903-1976).

    Dies war das einzige Mal, dass er für die DG ins Studio ging. Die Platte verkaufte sich damals (1951) wohl ausgesprochen schlecht. Kann mir jemand sagen, woran dies gelegen haben könnte? Baumgartners Interpretation jedenfalls finde ich ausgesprochen stark. Auch die TQ ist absolut ok für die Zeit.

    Er war einer der wichtigsten Lehrer von Alfred Brendel, unterrichtete auch Günter Wand und hat selbst bei Eduard Erdmann und Walter Braunfels (Wands Lehrer) studiert. Pablo Casals hat ihn für seine berühmte Aufnahme der Bach'schen Gamben/Cellosonaten als Klavierpartner ausgewählt. Es gibt von ihm noch eine ganz ausgezeichnete Aufnahme von Schuberts Wanderer-Fantasie aus dem Jahr 1948 (auf YT).

    Vielleicht ist Baumgartner einfach zu selten ins Aufnahmestudio gegangen, um auf dem Klassikmarkt zu einer bekannten Größe zu werden?


    Cheers,
    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!