"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Bei mir geht es weiter mit William Youn - für mich einer der besten Pianisten seiner Generation -

    und diesen Werken:


    Schubert: Sehnsuchtswalzer DV 365 Nr. 2
    Schubert/Liszt: Auf dem Wasser zu singen
    Clara Schumann/Liszt: Ich hab' in Deinem Auge
    Clara Schumann/Liszt: Geheimes Flüstern hier und dort
    Clara Schumann: Scherzo Nr. 2 op. 14
    Schubert/Liszt: Ständchen
    Zemlinsky: Albumblatt (Erinnerungen aus Wien)


    William Youn, Klavier


    rec. Andreaskirche, Berlin-Wannsee, 4.-7.12.2017

  • Mehr Brahms - Sonate Nr 3


    Etelka Freund, historisch interessant, weil sie als Pianistin wohl ein Weile lang regelmässigen Kontakt mit Brahms hatte. Spielt den 2. Satz ziemlich zügig, aber sehr expressiv.


    Bruno Leonardo Gelber - fantastisch. Nur in der Mitte des 2. Satzes bin ich etwas unsicher. Ansonsten richtig packend und ausdrucksstark.


    Matthias Kirschnereit - kann immer noch mithalten ! Im 1. Satz etwas zahmer als Gelber, aber überhaupt nicht blass oder lahm. Er baut musikalische Phrasen sehr gut auf, ganz natürlich erscheinend, meine ich, sowie im kleinen, wie auch über die lange Strecke hin - er überzeugt mich. Sein 2. Satz beginnt eher semplice als espressivo, aber dafür hat er Raum hin und wieder merklich aufzublühen. Und das Ende ist sehr gut gelungen - könnte bisher das mir am natürlichsten erscheinende Ende des 2. Satzes sein. Das Scherzo hat super Swagger, aber das Trio gefällt mir nicht so richtig. Hört sich an als hätte er da keinen rechten Plan. Der 4. Satz beginnt minimal wacklig für mein Ohr, aber ist dann insgesamt doch gut gelungen. Der 5. Satz ist super, mit einem erfolgreichen Ende.



    Übrigens spilet Kirschnereit auf der CD noch den FAE Sonatensatz mit einer Geigerin, von der ich noch nicht gehört hatte. Sie hat einen sehr schönen Brahms Ton. Lena Neudauer.

  • Vorhersehbar . Reine Giagnoli (1915-1979) war eine Schülerin von Alfred Cortot , Lazar Levy und Yves Nat . Anerkennung fanden ihr Debussy und Ravel , aber auch Schumann gehörte zu ihrem Repertoire , 1974 , nur 5 Jahre vor ihrem Tod , folgte sie dem Beispiel von Nat und unternahm eine - fast? - komplette Gesamtaufnahme . Als besonders gelungen erscheint mir die CD mit den Nachtstücken und - damit durfte sie heute morgen glänzen - den Novelletten . Bei ihr kommt mir der Zyklus-Gedanke besonders gut umgesetzt vor . ( Ihr Schumann ist seit kurzem auch in der tube zu hören .)


    https://www.youtube.com/watch?…pYRvbWHAXzWfzh0E&index=69

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Derzeit Bach mit Zhi Xiao-Mei, mit deren Interpretationen ich sehr gut zurechtkomme, Kunst der Fuge und Partitas:
     

    Schöne Grüße, Helli



    Immer cool bleiben.

  • Hier eine Brahms Sonate Nr 3 gespielt von einer mir bis vorhin unbekannten Pianistin namens Idil Biret. Soweit ich es erkennen kann, handelt es sich um eine Studio Aufnahme von 1989.
    Sie war laut Wiki eine Schülerin von Nadia Boulanger. Wilhelm Kempff und Alfred Cortot.
    https://en.wikipedia.org/wiki/%C4%B0dil_Biret


    Gefällt mir. Etwas dezenter als Bruno Leonardo Gelber, aber durchaus auch überzeugend. Es muss auch nicht jeder alles bis in Letzte ausreizen.


  • Johannes Brahms Sonate Nr 3


    gespielt von Andre Laplante. Ich weiss nicht, wie oft er diese Sonate eingespielt hat und weiss auch nicht von wann diese Aufnahme stammt, welche ich nun gehört habe.
    Aber sie ist eine der gelungensten, die ich bis jetzt gehört habe und übertrifft glaube ich Kirschnereit. Ich meine sie ist etwas langsamer, lässt sich an vielen Stellen sehr viel mehr Zeit, aber auf eine Weise, die musikalisch für meine Ohren dem Werk mehr Tiefe gibt. Teilweise introvertierter, reflektierender, ein feinfühliger Anschlag, feinere Schattierungen, aber alles schwierig in Worte zu fassen.


  • Ich weiss nicht, wie oft er diese Sonate eingespielt hat und weiss auch nicht von wann diese Aufnahme stammt,

    Er hat sie nur einmal eingespielt , im Dezember 1994 im Campion Center in Boston , MA , für das canadische Analektra Label . Meine Ausgabe weicht im Front-Cover ein wenig ab , die Rückseite des Booklets ein ganz anderes Cover mit Symbolen von Anallektra , Musee Du Quebec , Musicaction , Patrimoine sandien und Canadian Heritage . Die Serie Fleur de Lys nimmt Bezug auf das Wappen Quebecs
    Auch die Jewelcase-Rückseite ist ganz anders gestaltet . Also 2 Ausgaben , eine Aufnahme . Und ja - sie nimmt gefangen .

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  • Hier eine Brahms Sonate Nr 3 gespielt von einer mir bis vorhin unbekannten Pianistin namens Idil Biret. Soweit ich es erkennen kann, handelt es sich um eine Studio Aufnahme von 1989.

    nämliche CD zogen meine Löffel auch sich durch: Erstbegegnung mit Brahms Klaviersonate 3 und Mucke zündete sofort, vor allem die beiden ersten Sätze....
    (Idil Biret spielte auch die 3 Boulez-Sonaten ein..)

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Idil Biret spielte auch die 3 Boulez-Sonaten ein.

    Das war in den 90ern , als sie bei Naxos gelandet war und die Einspielungen der Werke von Brahms und Chopin vornahm . (Und die 32 Beethoven Sonaten ) . Aber seit Beginn ihrer Schallplattenkarriere ca.1960 hatte sie Brahms im Programm . In den 70ern arbeitete sie für das US-Avant-Garde-Label Finnadar , für das sie u.a. auch schon die Boulez Sonate No.2 einspielte . Ein Objekt der Begierde war die Lisztsche Transcription der Symphonie Fantastique . ich habe die LP noch - fürchterliche Pressung , Durch die Aufnahme ungewöhnlichen Repertoires hatte sie einige Aufmerksamkeit .Dann kamen ihre Naxos-Jahre .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Bei mir geht es weiter mit William Youn - für mich einer der besten Pianisten seiner Generation -

    Habe einiges mal quergehört. Klingt wirklich sehr vielversprechend - vor allem sein Schubert gefällt mir.

    Er hat sie nur einmal eingespielt , im Dezember 1994 im Campion Center in Boston , MA , für das canadische Analektra Label .

    Ich muss sagen, dass es mich regelrecht in den Bann gezogen hat, wie André Laplante (von dem ich noch nie gehört hatte) die Brahms-Sonate spielt. Gefällt auch mir außerordentlich - danke für den Tipp!


    Die größten Pianisten sind nicht immer die, die zahllose Tonträger für namhafte Labels aufgenommen haben. Manche von ihnen wurden gar noch nie in diesem Forum erwähnt, wenn mich die Suchfunktion nicht täuscht ... Ein pianophiler Freund erwähnte kürzlich, wie unübertroffen doch die Scarlatti-Aufnahmen von Igor Komarov seien. Ich konnte mich dunkel erinnern, den Namen schon einmal gehört zu haben, musste aber suchen. Die deutsche Wikipedia half nicht weiter, aber die russische Ausgabe.


    Igor Alekseevich Komarov (1927-1981) war ein sowjetischer Pianist und langjähriger Professor am Leningrader Konservatorium, wo er ab 1956 unterrichtete. Im Jahr 1967 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, 1973 dann zum Professor. 1981 wurde er mit dem Ehrentitel "Verdienter Künstler der UdSSR" ausgezeichnet.


    Igor Komarov trat in verschiedenen Teilen der UdSSR auf - in der Ukraine und den baltischen Staaten, im hohen Norden und im Fernen Osten, im Kaukasus und in Zentralasien - aber offenbar nie im Ausland. Der Kunsthistoriker I. Rozanov schrieb: " ... mit seinem vergeistigten Spiel, seiner tiefen Einsicht in die Geheimnisse der Kunst, seiner künstlerischen Begeisterung gewann er die Liebe eines großen Publikums. Ohne seinen Namen ist es unmöglich, sich das Leben im musikalischen Leningrad der letzten dreißig Jahre vorzustellen. Die Säle des Bolschoi und des Malyi waren immer voll, wenn Igor Komarov auftrat."


    Komarovs Repertoire umfasste mehr als 600 Werke in verschiedenen Stilen und Genres, von Stücken französischer Clavecinisten bis hin zu Werken von Prokofjew und Schostakowitsch.


    Zu seinen Lebzeiten wurde keine einzige Aufzeichnung seiner Auftritte veröffentlicht. In den Jahren 1983, 1986 und 1991 wurden drei posthume Vinylplatten veröffentlicht.


    In den 2010er Jahren veröffentlichte Melodya eine Reihe von CDs mit dem Titel "The Great Piano Music of the World", darunter Archivaufnahmen von Aufführungen von Debussy, Rachmaninoff und Mussorgsky durch Kumarov.


    Eine der Melodiya-LPs enthält die Aufzeichnung eines Konzerts im Saal "Estonia" in Tallinn am 22.01.1975 - starten wir mal damit. Egal ob Couperin, Rameau, Scarlatti oder Chopin - in jedem Werk offenbart sich hier ein technisch mit allen Wassern gewaschener, wunderbar stilsicherer und inspirierter Musiker. Mein Anspieltipp ist der unglaubliche Tic-Toc-Choc, den ich noch nie so herrlich flüssig und klangschön gehört habe. Unglaublich, was für großartige Instrumentalisten damals hinter dem "Eisernen Vorhang" versteckt bleiben mussten, obwohl ihr Potenzial vielleicht für eine Weltkarriere gereicht hätte.



    https://www.youtube.com/watch?v=aWZ3_hLO3j0




    [Blockierte Grafik: https://www.picclickimg.com/d/l400/pict/283795505005_/Couperin-Rameau-Vinyl-Record-Rediviva-Ensemble-Prague-Sua.jpg]

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Mir fällt es immer schwerer mich mit Frivolitäten wie klassischer Musik zu beschäftigen. Dennoch, heute noch einmal, vielleicht ein letztes, wer weiss.


    Brahms Sonate Nr 3.
    Gerhard Oppitz.


    Obwohl er es bewundernswürdigerweise wirklich schafft, so ziemlich alle Brahms Dynamik-, Ausdrucks- und Tempoanweisungen zu verdeutlichen - und er spielt auch mit typischem Brahms Klang, Gravität und espressivo/sostenuto - fehlt dieser Einspielung für meine Ohren erstens die lange Linie und zweitens der letzte Rest Tiefgang. Mir kommt es oft vor, als denkt Oppitz in kurzen musikalischen Einheiten, formt diese sehr fein aus, aber kann sie weder zu einem zusammenhängenden Ganzen verbinden, noch ihnen mit eigenem Empfinden Bedeutung geben. Es hört sich so an, als ob er sich mit der Musik nicht tief und weit genug identifizieren kann. Es scheint für ihn eine Aneinanderreihung von strukturellen Einheiten zu bleiben. Ich kann ihm offiziell nichts vorwerfen, ausser, dass er sozusagen (für mich) umsonst spielt. Denn ich bin nicht an einer Demonstration der geschriebenen Anweisungen interessiert. Sondern an dem, was sie für ihn bedeuten könnten und was er anhand ihrer mir erzählen könnte.
    Es wäre interessant zu wissen, ob andere das auch so empfinden, oder ob ich einfach nur nicht das höre, was ich hören möchte.


  • Mir fällt es immer schwerer mich mit Frivolitäten wie klassischer Musik zu beschäftigen.


    Was ist denn an Brahms frivol? ?(


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Was ist denn an Brahms frivol? ?(


    LG :wink:

    So eng gesehen meinte ich es nicht. Ich könnte aber schon einiges dazu sagen, besonders zu dieser Sonate gesehen aus der Stimmung der letzten Tage. Aber alles hat mehrere Seiten und Du hast ein Argument: die Hoffnung stirbt zuletzt. In dieser Sonate bleibt sie alleine übrig. Das ist ja schon mal was.

  • Mir fällt es immer schwerer mich mit Frivolitäten wie klassischer Musik zu beschäftigen.

    Macht nichts, es gibt ja auch noch andere schöne Hobbys.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Was ist denn an Brahms frivol?


    Das liegt doch auf der Hand.


    Kalbeck, der erste Brahms-Biograph, berichtet dazu eine Anekdote: Nach einer Probe des Streichquintetts G-Dur op. 111 habe er den Komponisten gefragt, ob es nicht die geheime Überschrift „Brahms im Prater“ habe. Dieser soll vergnügt schmunzelnd erwidert haben: „Getroffen“ und soll mit schelmischem Augenblinzeln hinzugefügt haben: „Nicht wahr? Und die vielen hübschen Mädchen drin.“ 8o


    Also, ich meine, mit so einer Äußerung wäre Brahms heute in allen sozialen Medien unten durch.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Also, ich meine, mit so einer Äußerung wäre Brahms heute in allen sozialen Medien unten durch.


    Ethel Smyth, die in Leipzig bei Herzogenbergs öfters mit Brahms zusammentraf, wurde von diesem als angehende Komponistin nicht erst genommen, dafür aber gerne "wie ein Erdbeermarmeladentörtchen" angesehen, wie sie in ihrer Autobiografie berichtet.

  • Erdbeermarmeladentörtchen

    Tja, wenn das nicht mal mächtig frivol ist...


    :alter1:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Tja, wenn das nicht mal mächtig frivol ist...


    :alter1:

    Aber sowas von ... in welchem Zusammenhang hast Du schon von "Frauen" und "Erdbeeren" gehört? Unglaublich. Dieser Brahms. Erdbeermarmeladentörtchen ... ein GMD, der heute so etwas zu einer Orchestermusikerin sagen würde, könnte seinen (heute meist ohnehin nicht mehr vorhandenen) Hut nehmen.


    Das geht gar nicht.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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