"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

  • Sie hat es mir angetan, Alexander Scriabins 1897 komponierte Polonaise op. 21. Das chopin'sche Vorbild ist stets deutlich erkennbar, und dennoch sind wir hier in einem anderen musikalischen Zeitalter. Ein Drahtseilakt zwischen Romantik und Moderne mit faszinierenden Blicken in beide Richtungen.


    Igor Zhukov trifft hier für mich genau den richtigen, nervös-exaltierten Ton. Ihn und Ponti ziehe ich Lisitsa, aber auch Sofronitsky vor. Eine Preziose. In Husum hat er das Stück auch mal gespielt, aber diese Aufnahme stammt m.E. nicht von dort.


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    Cheers,

    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

  • Also ich weiß nicht... Sämtliche Klavierwerke Mendelssohns auf zwölf CDs – wer sich da ernsthaft komplett durchhören möchte, muss schon sehr viel Offenheit für zahllose leichtgewichtige Jugend- und Nebenwerke mitbringen. Editorisch ist dies gewiss eine recht verdienstvolle Veröffentlichung.


    Frau Markovina fand ich bei CPE Bach irgendwie deutlich überzeugender. Hier wirkt ihr Spiel auf mich wenig idiomatisch. Eine Reihe anderer Pianisten treffen für meinen Geschmack den richtigen Tonfall bei Mendelssohn besser.


    Ich habe mir mal die 1833 komponierte Fantasie in fis-moll op. 28 "Schottische Sonate" herausgegriffen, die Ignaz Moscheles gewidmet ist.



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    Lavine :wink:




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    Oscar Wilde

  • Diese Offenheit bringe ich natürlich mit, allerdings gibt es schon eine solche Gesamteinspielung, nämlich von Roberto Prosseda erschienen bei Decca (Italien). Ich habe mir vor Kurzem Soundschnipsel von Markovinas Einspielung angehört und war gerade bei den Jugendwerken überhaupt nicht begeistert vom Gehörten: irgendwie zu träge für Mendelssohn. Ich bleibe jedenfalls Signore Prosseda treu.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • zahllose leichtgewichtige Jugend- und Nebenwerke

    Um nachzuvollziehen, dass es tatsächlich leichtgewichtige Jugend- und Nebenwerke sind, muss man sie natürlich zumindest hören, besser noch selbst spielen ... dass ein Musikwissenschaftler das sagt, ist m. E. wenig belastbar. Auch in diesem Feld werden Aussagen manchmal einfach ungeprüft tradiert.


    Für Fans kann das schon eine Bereicherung durch Verarmung sein, meine ich.


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von Mauerblümchen ()

  • "Jugendwerke" ist bei Mendelssohn ja sehr relativ. Prosseda hat auch Klavierfugen ausgegraben, die Mendelssohn mit 16 geschrieben hat und die dieser genauso gut auch publizieren hätte können. Dann gibt es auch noch ein hochvergnügliches Capriccio in E-Dur. Sehr interessant sind auch die ganz frühen Klaviersonaten, die irgendwie keiner Epoche zuzuordnen sind und teilweise echt schräg klingen. Nur weniges fand ich wirklich überflüssig zu hören - allerdings bin ich mendelssohnisch vorbelastet.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Dies hier ist nun eine deutlich erfreulichere Neuerscheinung. Zwar ist die Sonate in E-Dur K 380 schon seit langem das Signature Piece von Michael Korstick, aber er hat bis zu einer späten Phase seiner Karriere gewartet, bis er nun ein Scarlatti-Album veröffentlichte. Und dann gleich ein doppeltes mit 37 Sonaten, aufgenommen im Herbst 2020 im Kammermusiksaal des DLF.


    "Essential Scarlatti" nennt der Henle-Verlag seine Edition, die angeblich aus den populärsten unter den 555 Sonaten des Napolitaners bestehen soll. Ob dies wirklich zutrifft erscheint mir zwar zweifelhaft, aber ich war letztlich froh, eine ganze Reihe mir gar nicht so geläufiger Sonaten vorzufinden.


    Dieses Album lohnt unbedingt aufgrund der überbordenden Spielfreude, der vielfältigen Gestaltungsmittel, der stets sowohl energiegeladenen als auch wohldurchdachten Interpretationen des in Linz a.d. Donau lebenden Kölners, der die vorhandenen Gestaltungsfreiräume weidlich nutzt. Auf dieses Album werde ich sicherlich in der nächsten Zeit häufig zurückgreifen.


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  • Nun also ...


    Bach/Busoni: Chaconne d-Moll (nach BWV 1004)


    Arturo Benedetti Michelangeli

    Salzburg live 7. August 1965



    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Hier brannte das Klavier im Fegefeuer sengender Kombinatorik.


    Ferruccio Busoni: Fantasia contrappuntistica

    Edizione definitiva (BV 256)


    John Ogdon, Klavier



    Das will noch öfter gehört sein, von der einleitenden Fantasie über "Allein Gott in der Höh sei Ehr" über die Fugen und Variationen bis zur Reprise des Chorals kurz vor Schluss mit der alles nochmal übertürmenden Stretta ... Liebhaber:innen Reger:innenscher Klangballungen und Kontrapunktverwicklungen kommen hier voll auf ihre Kosten.


    Gruß

    MB


    :wink:

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    2 Mal editiert, zuletzt von Mauerblümchen ()

  • Nun Vorspielendes.


    Claude Debussy: Préludes (livre I)


    Alain Planès, Klavier (Bechstein 1897)



    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Nach Busonis Kontrapunktkünsten und Debussys Vorspielen nun dieses:


    Dmitri Schostakowitsch: 24 Präludien und Fugen op. 87


    Igor Levit, Klavier



    Oha ... für meinen Geschmack spielt sich da zu viel in einer Dämmersphäre ab, als dass ich das nochmal am Stück hören wollte ... es fiel mir schon schwer, das durchzuhalten, und ich meine, es wäre nicht nur die Tagesform ... liegt es an der Musik oder an der Wiedergabe?


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Als ich vorletztes Jahr den während des ersten Lockdowns in Kooperation zwischen Heidelberger Frühling und Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin produzierten und übertragenen Live-Stream der Präludien und Fugen angeschaut habe, war ich definitiv fasziniert und die mehr als 2 Stunden gingen ohne Ermüdungserscheinungen herum. Jetzt mit dem Album ohne Bild geht es mir allerdings wie Dir, es ist schwere Kost das komplett anzuhören. Ich meine, es liegt an der Musik und weniger an der Interpretation, wiewohl Levit sich augenscheinlich zurücknimmt und nicht auf vordergründige Brillanz aus ist. Aber Schostakowitsch's Zyklus hat eben doch nicht die Geschlossenheit und perfekte Konstruktion des Bachschen WTK. Manche Stücke klangen mir auch sehr ähnlich, wobei ich mangels genauer Kenntnis der Stücke und Noten das nicht belegen kann. Es dauert dann eben sehr, sehr lang, bis man auf dem Höhepunkt der 24. Fuge angekommen ist.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Danke für Deine Antwort!

    dem Höhepunkt der 24. Fuge

    Dem kann ich zustimmen! Die d-Moll-Fuge ist definitiv Höhepunkt des Zyklus, der für vieles unterwegs entschädigt ... na, vielleicht höre ich demnächst nochmal bei Scherbakov und Jarrett rein.


    Und das mit dem "Zurücknehmen" - ja, irgendwo sympathisch, aber auch bei seinem Beethoven meinte ich, dass auf diesem Wege die Musik unterbelichtet (sorry) wirkt. Dann lieber das Risiko eine Entscheidung für diese oder jene Option der Wiedergabe als diese Nichtentscheidung.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • na, vielleicht höre ich demnächst nochmal bei Scherbakov und Jarrett rein

    Es gibt noch eine Aufnahme mit Melnikov, die scheint aber nicht mehr verfügbar zu sein:



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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Es gibt noch eine Aufnahme mit Melnikov, die scheint aber nicht mehr verfügbar zu sein:

    Oh, danke .... ja, Melnikov habe ich in bester Erinnerung, nicht zuletzt mit den Klavierkonzerten Schostakowitschs ... aber ja, leider noch nicht mal im Stream verfügbar.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von Mauerblümchen ()

  • Oha ... für meinen Geschmack spielt sich da zu viel in einer Dämmersphäre ab, als dass ich das nochmal am Stück hören wollte ... es fiel mir schon schwer, das durchzuhalten, und ich meine, es wäre nicht nur die Tagesform ... liegt es an der Musik oder an der Wiedergabe?


    An Dir. ;)


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • An Dir.

    ;) Ich hab's gewusst ... trotzdem gibt's beim nächsten Mal Scherbakov. :schwitz1:


    (Und ja, der olle Johann Sebastian, der war halt so richtig gut ... :love: )

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • An Dir.

    ;) Ich hab's gewusst ... trotzdem gibt's beim nächsten Mal Scherbakov. :schwitz1:


    (Und ja, der olle Johann Sebastian, der war halt so richtig gut ... :love: )


    Ja, an JSB kommt niemand ran, auch nicht DSCH. Trotzdem finde ich die Präludien und Fugen von Schostakowitsch sehr beeindruckend, obwohl ich an ansonsten nicht unbedingt ein großer Schostakowitsch-Verehrer bin.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Oh, danke .... ja, Melnikov habe ich in bester Erinnerung, nicht zuletzt mit den Klavierkonzerten Schostakowitschs ... aber ja, leider noch nicht mal im Stream verfügbar.

    gibt‘s bei amazon als stream:

    Shostakovich: 24 Preludes & Fugues
    Shostakovich: 24 Preludes & Fugues
    www.amazon.de


    ich habe die Silberlinge. Müsste die mal wieder rauskramen und im Vergleich zu Levit hören... ist aber grade nicht meine Priorität

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Oh, danke .... ja, Melnikov habe ich in bester Erinnerung, nicht zuletzt mit den Klavierkonzerten Schostakowitschs ... aber ja, leider noch nicht mal im Stream verfügbar.

    gibt‘s bei amazon als stream:

    https://www.amazon.de/Shostako…er-Melnikov/dp/B00C46XIIO


    ich habe die Silberlinge. Müsste die mal wieder rauskramen und im Vergleich zu Levit hören... ist aber grade nicht meine Priorität

    Diese und noch viele weitere Aufnahmen von Alexander Melnikov gibt es auch bei Tidal.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Melnikov habe ich in bester Erinnerung, nicht zuletzt mit den Klavierkonzerten Schostakowitschs ... aber ja, leider noch nicht mal im Stream verfügbar.

    Bei Spotify schon.


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    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

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