"Ein Klavier, ein Klavier": Jeden Tag eine Klaviersonate / ein Soloklavierwerk

  • Melnikov habe ich in bester Erinnerung, nicht zuletzt mit den Klavierkonzerten Schostakowitschs ... aber ja, leider noch nicht mal im Stream verfügbar.

    Bei Spotify schon.


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    Danke! Damit ist die muskalische Begleitung des Abends wohl gesichert (als Alternative zur Levit-Aufnahme).


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Diese und noch viele weitere Aufnahmen von Alexander Melnikov gibt es auch bei Tidal.

    Oh, danke für den Hinweis! Tidal habe ich im Zugriff. Also Melnikov statt Scherbakov ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Aber Schostakowitsch's Zyklus hat eben doch nicht die Geschlossenheit und perfekte Konstruktion des Bachschen WTK.

    Mal davon abgesehen, ob das Wohltemperierte Klavier sich wirklich durch "Geschlossenheit" auszeichnet (finde ich nicht), hat Schostakowitsch sein op. 87 ausdrücklich nicht als Zyklus sondern als Serie von Einzelstücken konzipiert. Man kann das natürlich trotzdem zyklisch spielen bzw. hören, aber wenn einem das zu lang wird, hat man - vorausgesetzt es ist gut gespielt - wohl doch selbst etwas falsch gemacht. Jedenfalls führt es in die Irre, dem Werk Schwächen bei etwas vorzuwerfen, was gar nicht zu seiner Konzeption gehört.


    Dem kann ich zustimmen! Die d-Moll-Fuge ist definitiv Höhepunkt des Zyklus, der für vieles unterwegs entschädigt

    Ich kann dem nicht zustimmen. Ich finde etliche Stücke davor nicht minder gut, z.B. die Des-Dur-Fuge (mit einem besonders originellen Präludium), bei der sowohl Tonart als auch Metrum in scheinbarem Chaos versinken und man trotzdem die Struktur wie eine Fessel spürt, oder die in b-moll, deren ausuferndes Thema fast improvisiert wirkt, die in Es-Dur, die auf einer ganz eigenen Tonleiter basiert usw.. Das alles nacheinander zu hören bzw. zu spielen, wäre mir auch normalerweise zu viel, aber das geht mir bei Bach mindestens im selben Maße so.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Mal davon abgesehen, ob das Wohltemperierte Klavier sich wirklich durch "Geschlossenheit" auszeichnet (finde ich nicht), hat Schostakowitsch sein op. 87 ausdrücklich nicht als Zyklus sondern als Serie von Einzelstücken konzipiert. Man kann das natürlich trotzdem zyklisch spielen bzw. hören, aber wenn einem das zu lang wird, hat man - vorausgesetzt es ist gut gespielt - wohl doch selbst etwas falsch gemacht. Jedenfalls führt es in die Irre, dem Werk Schwächen bei etwas vorzuwerfen, was gar nicht zu seiner Konzeption gehört.


    Ich finde, dass man sowohl das WTK (Band I oder II) als auch op. 87 zyklisch aufführen kann und dass das gut funktioniert, aber natürlich benötigt man als Zuhörer dann schon einiges Sitzfleisch, einfach aufgrund der Dauer. Ich stimme Dir aber zu, dass man weder das WTK noch op. 87 zyklisch hören muss, wenn es einem zu lang wird. Eigentlich muss man noch nicht mal unbedingt Präludium und Fuge einer Tonart zusammen hören, sondern viele der Stücke funktionieren auch alleine sehr gut.


    Ich finde etliche Stücke davor nicht minder gut, z.B. die Des-Dur-Fuge (mit einem besonders originellen Präludium), bei der sowohl Tonart als auch Metrum in scheinbarem Chaos versinken und man trotzdem die Struktur wie eine Fessel spürt, oder die in b-moll, deren ausuferndes Thema fast improvisiert wirkt, die in Es-Dur, die auf einer ganz eigenen Tonleiter basiert usw..


    Spontan würde ich noch die Fugen in e-moll und in A-Dur ergänzen - beide sehr unterschiedlich im Charakter, die e-moll-Fuge sehr gewichtig, die A-Dur-Fuge sehr luftig und geradezu ätherisch im Ausdruck, aber gerade das finde ich an ihr so interessant. Ich muss aber zugeben, dass ich das WTK (besonders Band I) ungleich besser kenne als op. 87, einfach weil ich es selbst schon gespielt habe.


    LG :wink:

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  • Ich glaube, es ist ziemlich gut belegt, dass Bach zumindest das WTKI nicht als geschlossenen Zyklus sondern als Kompendium unabhängig voneinander komponierter Stücke ausgelegt hat. Bach schrieb sozusagen zum Vergnügen Fugen, wenn er Zeit hatte. Möglicherweise hat er schließlich die Präludien systematisch dazukomponiert. Vielleicht kann uns hier ein Bachkenner mehr dazu sagen (zabki fehlt!).

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich glaube, es ist ziemlich gut belegt, dass Bach zumindest das WTKI nicht als geschlossenen Zyklus sondern als Kompendium unabhängig voneinander komponierter Stücke ausgelegt hat. Bach schrieb sozusagen zum Vergnügen Fugen, wenn er Zeit hatte. Möglicherweise hat er schließlich die Präludien systematisch dazukomponiert. Vielleicht kann uns hier ein Bachkenner mehr dazu sagen (zabki fehlt!).


    Da kann man sich wohl ziemlich sicher sein. Bachs Titel für das WTK I lautet:


    "Das Wohltemperirte Clavier oder Præludia, und Fugen durch alle Tone und Semitonia, so wohl tertiam majorem oder Ut Re Mi anlangend, als auch tertiam minorem oder Re Mi Fa betreffend. Zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem studio schon habil seyenden besonderem Zeitvertreib auffgesetzet und verfertiget von Johann Sebastian Bach. p. t: Hochfürstlich Anhalt-Cöthenischen Capel-Meistern und Directore derer Camer Musiquen. Anno 1722."


    Soll heißen: das Stück (oder besser die Stücke) mögen entweder der "musikalischen Jugend" zur Ausbildung dienen oder aber dem "Zeitvertreib" der "in diesem studio schon habil seyenden". Weder Ausbildung noch Zeitvertreib macht man üblicherweise, indem man ca. zweieinhalb Stunden Musik am Stück spielt.


    LG :wink:

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  • Weder Ausbildung noch Zeitvertreib macht man üblicherweise, indem man ca. zweieinhalb Stunden Musik am Stück spielt.

    Ich hab damals schon mal so 4 Stunden am Stück geübt. Gut, Kaffee und Zigarette gabs zwischendurch. Oder 2 Stunden hintereinander Kammermusik zum Zeitvertreib gespielt.

    Aber es stimmt wohl. Wenn man wirklich übt, dann spielt man nicht das ganze WTK einmal durch. Sondern nimmt sich das eine oder andere Stück vor.

    Andererseits, wenn ich das WTK wirklich spielen könnte, dann würde ich es in der Tat auch zum Zeitvertreib ab und zu ganz durchspielen. Am besten wenn es draussen schneit, mit einem Pot Jasmin Tee auf dem Stöfchen.

  • Aber es stimmt wohl. Wenn man wirklich übt, dann spielt man nicht das ganze WTK einmal durch. Sondern nimmt sich das eine oder andere Stück vor.


    Das ist das, was ich eigentlich meinte. Es wäre zumindest eine äußerst ungewöhnliche Art der musikalischen Ausbildung, Klavierschüler immer wieder das gesamte WTK spielen zu lassen. ^^


    LG :wink:

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  • :) die Armen.

    Nur anbei, mein Klavierlehrer hat damals behauptet, er würde selber nichts anderes üben - es war sozusagen sein täglich Brot - als Erwachsener dann. Es gibt schon Leute.....

  • :) die Armen.

    Nur anbei, mein Klavierlehrer hat damals behauptet, er würde selber nichts anderes üben - es war sozusagen sein täglich Brot - als Erwachsener dann. Es gibt schon Leute.....


    Ich finde, dass tägliches Spielen aus dem WTK durchaus Sinn machen kann. Ich habe das (zur Ablenkung) praktiziert, als ich im Studium für die Diplomprüfungen gelernt habe. :)


    Zum Üben auf dem Klavier würde ich aber annehmen, dass eine gewisse Einseitigkeit im Ausdruck droht, wenn man nicht hin und wieder auch mal Musik aus anderen Epochen spielt. Sogar Gould hat ja mehr als nur Bach geübt. ^^


    LG :wink:

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  • Zum Üben auf dem Klavier würde ich aber annehmen, dass eine gewisse Einseitigkeit im Ausdruck droht, wenn man nicht hin und wieder auch mal Musik aus anderen Epochen spielt.

    jetzt wo du's sagst und ich an sein Spiel denke.... :/

    aber abends hat er in einem Kölner Kabarett Klavier gespielt. Die Machtwächter. Vielleicht musste er sich danach "sammeln".

    Ich habe das (zur Ablenkung) praktiziert, als ich im Studium für die Diplomprüfungen gelernt habe

    dann musst du ja ganz gut spielen können - toll.

  • Ich habe das (zur Ablenkung) praktiziert, als ich im Studium für die Diplomprüfungen gelernt habe

    dann musst du ja ganz gut spielen können - toll.


    Es geht so - ich habe ja nicht behauptet, dass ich die Stücke gut gespielt habe, sondern halt nur, dass ich sie gespielt habe. ^^ Im Ernst: mir als Hobby-Klimperer fallen einige Dinge aus dem WTK I leichter, anderer deutlich schwerer, einige gehen kaum (die spiele ich dann halt auch recht selten). Mit den Sachen, die viel Geläufigkeit erfordern, habe ich leider so meine Probleme. Vielleicht spiele ich deshalb einige langsame Stücke besonders bedeutungsschwanger. ^^


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ich spiele für mich beinahe nur Sachen von Bach. Es gibt nichts, was mir ähnlich viel Spaß macht. Man kann sogar die Sonaten mit obligatem Cembalo alleine spielen. Mozarts Violinsonaten fände ich vielleicht ähnlich schön zum Spielen, aber da fehlt das Klavier dann doch an vielen Stellen, von Beethoven ganz zu schweigen (und außerdem liegt er beschissen in der Hand).

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

    Einmal editiert, zuletzt von Felix Meritis ()

  • Ich finde etliche Stücke davor nicht minder gut, z.B. die Des-Dur-Fuge (mit einem besonders originellen Präludium), bei der sowohl Tonart als auch Metrum in scheinbarem Chaos versinken und man trotzdem die Struktur wie eine Fessel spürt


    Wo ich sie gerade wieder gehört habe: diese Des-Dur-Fuge in op. 87 ist wirklich ein absoluter Hammer! Wir ein anderer Forianer wohl sagen würde: mega-fetzig. :) Du hast eigentlich sehr gut beschrieben, was dieses Stück so besonders macht, besser kann man das kaum formulieren.


    LG :wink:

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  • Nun wieder Bach im Rückspiegel.


    Bach/Busoni: Chaconne d-Moll (nach BWV 1004)


    Hélène Grimaud, Klavier



    Streckenweise recht empfindsam. Nix gegen ABM oder Bolet, doch so fand ich es auch ohrenbefriedigend.


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Postnikova-Serenade.


    Ferruccio Busoni: Fantasia contrappuntistica


    Viktoria Postnikova, Klavier



    Nach den Eruptionen bei Ogdon war das ein Nocturne ...


    Gruß

    MB


    :wink:

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    2 Mal editiert, zuletzt von Mauerblümchen ()

  • Wie schon Hans Moser so richtig bemerkte , gibt es so etwas wie eine Verpfichtung , sich der Mauerblümchen anzunehmen ; dies insbesondere , wenn sie meine Hörabläufe durcheinanderbringen . Also gut , auch hier

    Ferruccio Busoni: Fantasia contrappuntistica

    Aber nicht irgendeine . Was Authentisches soll es schon sein . Da kommt in erster Linie Egon Petri in Frage . Duo-Partner & Assistent seiner Lehrers Busoni , hat er vielleicht das Werk am häufigsten gespielt , und sollte es also können . Ja, ich finde , das hört sich gut an . Verstehen tu ich es nicht .

    Aus der Zauberbox :



    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Da kommt in erster Linie Egon Petri in Frage . Duo-Partner & Assistent seiner Lehrers Busoni , hat er vielleicht das Werk am häufigsten gespielt , und sollte es also können .

    Oh, danke für den Hinweis! Mein Strömer bietet die Box an ... und in einer anderen Petri-Schale die Chaconne von Bach/Busoni. Der morgige Abend scheint gerettet ... :schwitz1: ... bin neugierig, wie Petri im Spannungsfeld zwischen Postnikova :sessel1: und Ogdon :spock1: liegt ...

    Verstehen tu ich es nicht

    Papperlapapp, wer versteht schon Musik ... den deutschen Wikipedia-Artikel zum Werk fand ich ganz hilfreich ... :alter1:


    Gruß

    MB


    :wink:

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  • Heute also der Egon des Petrus.


    Bach/Busoni: Chaconne d-Moll


    Egon Petri, Klavier

    15. Juni 1945



    Eine zügige Angelegenheit (12:06).


    Gruß

    MB


    :wink:

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