Umstieg auf Streaming und Änderung des CD Kaufverhaltens

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  • Übrigens finde ich, dass sich

    Uropa

    anhört wie E-uropa. Oder Mitropa. Oder so.



    maticus


    P.S. Wie sagt man eigentlich "Uropa" gendergerecht? (Aber vielleicht bringe da jetzt verschiedene Threads durcheinander. Wie auch immer: die Frage *muss* gestellt werden, heutzutage.)

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • hm, der Artikel bleibt aber noch ziemlich ungefähr. Was interessieren mich 30 Minuten Netflix-Stream... es geht um MB bzw. GB.Unklar bleibt auch ob nur die Energie der data centres berücksicht wurde oder auch die Infrastruktur plus durchschnittlicher Verbrauch beim Konsumenten. Und genau hier wäre noch nach mobilem und "stationären" Empfang zu unterscheiden.
    Immerhin wird meine Vermutung bestätigt, dass mobiles Streaming viel mehr Energie verbraucht, aber auch hier fehlen konkrete Zahlen.


    (Ich lade mein Smartphone einmal in der Woche auf und finde das muss reichen)


    Infrastruktur wird an mindestens einer Stelle erwähnt.


    Wichtig könnte dieser Satz sein:


    "It is important to keep in mind the scale of emissions from digital technologies compared to other sectors, with digital technologies accounting for around 1.5% of global carbon emissions."


    Mit dieser Zahl kann ich für meinen Teil jedenfalls ruhig schlafen.

  • Wichtig könnte dieser Satz sein:


    "It is important to keep in mind the scale of emissions from digital technologies compared to other sectors, with digital technologies accounting for around 1.5% of global carbon emissions."


    Mit dieser Zahl kann ich für meinen Teil jedenfalls ruhig schlafen.

    Jetzt wäre noch interessant zu wissen, was alles mit "digital technologies" gemeint bzw. nicht gemeint ist. Zählen z. B. die ganzen Server-Farmen (und die ganzen Kühlsysteme dafür) der Gigant-Unternehmen dazu? (M. E. sollten sie es. Das ganze "Internet" braucht bestimmt mehr Energie, als wir uns das so spontan vorstellen.)



    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
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  • Hi,


    ich bin kein überzeugter Fan von Streaming, denn mir ist es schon oft passiert, dass Alben nicht mehr vorhanden waren. Gekaufte Downloads von Bandcamp dagegen nehme ich sehr gern, denn die nehmen keinen physikalischen Platz ein.

    Schöne Grüße, Helli



    Immer cool bleiben.

  • jetzt wäre noch interessant zu wissen, was alles mit "digital technologies" gemeint bzw. nicht gemeint ist. Zählen z. B. die ganzen Server-Farmen (und die ganzen Kühlsysteme dafür) der Gigant-Unternehmen dazu? (M. E. sollten sie es. Das ganze "Internet" braucht bestimmt mehr Energie, als wir uns das so spontan vorstellen.)


    an anderer Stelle habe ich gelesen, dass es insgesamt, also das ganze Gedöns drumherum inbegriffen, etwa 4% sein sollen. Wie bei Autos sollte man aber auch CO2 emission during production of parts usw beachten und ich bin mir nicht sicher, ob das inbegriffen ist. Verdopple diese Nummer und mach vorsichtshalber 8% daraus. Wie fühlt sich das dann an? Bedenklich....unbedenklich?


    "The carbon footprint of our gadgets, the internet and the systems supporting them account for about 3.7% of global greenhouse emissions, according to some estimates. It is similar to the amount produced by the airline industry globally, explains Mike Hazas, a researcher at Lancaster University. And these emissions are predicted to double by 2025."
    https://www.bbc.com/future/art…not-as-clean-as-you-think

  • Unabhängig von den energetischen Fragestellungen bin ich grundsätzlich kein Freund des Streamens und werde daher auch niemals ein Abo abschließen, obwohl es so kostengünstig ist. Ich benütze zwar meinen CD-Spieler nicht mehr und kaufe jetzt öfters Downloads und nur vereinzelt CDs, aber da wird nur einmal gestreamt und dann ist es bei mir auf der Festplatte gespeichert. YT ist mir im Prinzip auch ein Graus. Ich schaue da nur ganz gezielt ab und zu nach Informationen, aber niemals nach Musikaufnahmen.


    Meines Erachtens stellen die Streaming-Angebote (nicht zu reden vom kostenlosen YT) eine Verramschung hochwertiger Musikaufnahmen dar, wenn man für schlappe 15 Euro im Monat unbegrenzt alles hören kann. Und zusätzlich: Ich habe es schon mit den gekauften Downloads festgestellt, dass ich zu diesen Aufnahmen nicht so einen Bezug habe wie zu den physikalischen Datenträgern (vor allem den LPs), die bei mir im Regal stehen. Und außerdem muss ich nicht permanent im www-Netz sein und von dessen Verfügbarkeit abhängig sein. Da mag man mich als weiteren Ur-Opa belächeln, aber so ist es nun einmal.

    Ich habe einige tausend cds und rund 2500 Lps. Im eigenen Haus war lange genug Platz um das alles unterzubringen. Nur habe ich vieles nur genau einmal angehört, kann also immer wieder Gold schürfen in den eigenen Beständen :) .

    Ich habe zwar nicht ganz so viele Scheiben ("nur" 2000 LPs und 1600 CDs), aber mir geht es genauso wie lothar. Ich habe meine Aufnahmen alle nach Wunsch und Wille gekauft und die reichen mir. Und vieles entdecke ich plötzlich nach vielen Jahren neu im Schrank...
    :wink:

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • @leverkuehn
    Ich kann das verstehen, nur meine ich, dass mir die Flexibilität des Streamings genau in mein Lebenskonzept passt. Ich habe auch nicht nur ein Abo, sondern etwa 5, glaube ich. Und zusätzlich nutze ich YT. Ich versuche meine instinktive innere Trotzreaktion ("darauf beharren, nur weil man es so kennt") gegen Modernisierung und Fortschritt abzubauen und fahre damit sehr viel besser, rein mental und emotional. Ich schliesse vernünftiges (!) Gendern, Technologie und AI ein, aber eben auch Rückkehr zu traditioneller (pre industrial revolution) Agrikultur und Medizin, solange es dafür neueste wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Gegen den Strom schwimmen ist nutzlos, finde ich. Das heisst nicht, dass ich die Dinge kritiklos annehme. Ich mache mir sehr viele Gedanken und informiere mich ständig.

  • @leverkuehn
    Ich versuche meine instinktive innere Trotzreaktion ("darauf beharren, nur weil man es so kennt") gegen Modernisierung und Fortschritt abzubauen und fahre damit sehr viel besser, rein mental und emotional.

    Ich habe gar nichts gegen Modernisierung und Fortschritt, war vielmehr beruflich in der Forschung und habe Computerprogramme geschrieben und angewendet. Aber ich wehre mich gegen die übertriebene mediale Überflutung im Netz, die zu einem Verlust von Werthaftigkeit führt (real bei den Künstlern, die durch die Streaming-Dienste m.E. ausgebeutet werden, und ideell beim Käufer, weil er fast nichts mehr bezahlen muss). Und die Frage ist z.B. auch, ob 8K-Video-Streaming noch ein Fortschritt ist. Das ist doch völlig übertrieben und sinnlos, wo die Welt heute meist nur auf ihre kleinen Smartphone-Bildschirme starrt. Mir reicht jedenfalls mein 2K-Fernseher völlig aus und der ist bereits 15 Jahre alt und tut immer noch seinen Dienst.

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  • Ich habe es schon mit den gekauften Downloads festgestellt, dass ich zu diesen Aufnahmen nicht so einen Bezug habe wie zu den physikalischen Datenträgern (vor allem den LPs), die bei mir im Regal stehen.


    Lieber leverkühn,


    da hast du eine sehr schöne Empfindung formuliert. Diese digitale Erlebniswelt hat ein schweres Defizit zu verkraften, wie ich meine: Dieses haptische Moment, das mit dem physischen Kauf in einem dreidimensionalen Ladengeschäft einsetzt, um sich dann beim gelegentlichen Gebrauch wieder einzustellen. Das betrifft nicht nur die physische CD oder LP, sondern auch das analoge Buch.


    Wie schön ist es doch, ein Buch aus dem Regal des Buchhändlers zu entnehmen und darin zu schmökern. Ich habe da schon schöne Stunden am Stück gelesen, ohne es zu merken, so versunken waren meine Gedanken in den Text. Und wenn es denn gefällt, kauft man es sogleich, um daheim darin weiter zu lesen. Ich gestehe, dass ich manchmal das Leseexemplar in das Regal zurückstelle, um mir ein foliertes Exemplar zu kaufen. Dieser Moment des Auspackens ist ganz besonders für mich. Ich mache das immer noch auf wöchentlicher Basis, wenn es der Pandemiestatus erlaubt. Es ist ein schönes Ritual geworden, das ich bei Musik mit Schallplatten und CDs auch pflege.


    Ich habe eine wissenschaftliche Studie gelesen, die sich mit dem Themenkomplex analoges versus digitales Lesen beschäftigt hat. Es hat sich u. a. herausgestellt, dass das analoge Medium für ein deutlich intensiveres und nachhaltigeres Leseerlebnis Sorge trägt. Vielleicht schreibe ich einmal über das Buch, aber dann im passenden Faden.

    "You speak treason" - "Fluently"
    "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"

  • Ich respektiere die hier geäußerten haptischen Bedürfnisse.


    Der Trend geht jedoch in eine andere Richtung. Man hat kein Auto mehr, man kauft bei Bedarf Mobilität ein, z. B. durch Car-Sharing. Man kauft keine Videos oder DVDs oder Blu-Rays mehr, sondern kauft das Recht zum Schauen von Filmen via NetFlix.


    Ich glaube nicht, dass wir mit unserer nebensächlichen Klassik da auf Dauer eine Insel der Seligen bilden werden. In der Popmusik hat der Markt längst entschieden.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe


  • Gegen den Strom schwimmen ist nutzlos, finde ich.

    Mit dem Strom schwimmen ist einfach, gegen den Strom schwimmen erhält zumindest die eigene Überzeugung. Man muss nicht immer alles mitmachen, auch wenn der Markt es anders will.

    Ich glaube nicht, dass wir mit unserer nebensächlichen Klassik da auf Dauer eine Insel der Seligen bilden werden. In der Popmusik hat der Markt längst entschieden.

    Die CD hat wahrscheinlich keine lange Lebensdauer mehr. Sie war immer ein etwas fauler Kompromiss. Aber die LP hat eindeutig ein Revival erlebt, auch wenn es ein Nischendasein ist.

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  • Dieses haptische Moment

    Bei Literatur geht es mir ebenso - auch das Lesen im Buchladen passiert mir und eine umfangreiche hauseigene Bibliothek wäre ein Traum für mich - nur: wenn ich mir überlege, wie oft ich wirklich dasselbe Buch lese.......Eine Verwandte von mir, die sehr belesen ist, besitzt fast keine Bücher. Sie kauft sie, liest sie und verschenkt sie weiter.
    Interessant finde ich deine Bemerkung über die Unterschiede der Konzentration beim Lesen. Ich habe meine eigenen Beobachtungen dazu. Würde mich interessieren, was du da gefunden hast.


    Bei Musik und Film geht es mir nicht so. Ich empfinde CDs und DVDs inzwischen als lästiges Gepäck.

  • wenn ich mir überlege, wie oft ich wirklich dasselbe Buch lese.......

    Man muss nicht jedes Buch mehrmals lesen. Aber es gibt nichts Schöneres als spät abends (so um Mitternacht) vor dem Bücherschrank zu stehen und ein Buch oder auch zwei oder ich drei herauszuziehen, anzuschauen (ich rede hier nicht von billigen Paperbacks...) und drin zu blättern und zu lesen.
    Und so etwas mache ich oft auch mit den LPs, weil es einfach Spaß macht die Covers anzuschauen und auf der Rückseite noch die Texte zu lesen. Arme Streaming-Welt, die darauf verzichten muss...

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  • Mit dem Strom schwimmen ist einfach, gegen den Strom schwimmen erhält zumindest die eigene Überzeugung. Man muss nicht immer alles mitmachen, auch wenn der Markt es anders will.

    Es ist meine Überzeugung und ich mache es nicht nur mit, weil andere oder der Markt es so bestimmen. Sondern, wie ich andeutete, informiere ich mich und denke genau darüber nach, probiere es alles aus. Und bleibe flexibel. Ich bin aber gar nicht militant in meinen Überzeugungen oder Formulierungen, meine ich.

  • Wie schön ist es doch, ein Buch aus dem Regal des Buchhändlers zu entnehmen und darin zu schmökern. Ich habe da schon schöne Stunden am Stück gelesen, ohne es zu merken, so versunken waren meine Gedanken in den Text.

    Lieber Jean,
    Auch wenn es jetzt ein wenig OT wird, aber da muss ich natürlich antworten und das bekräftigen. Wobei es mir vor allem Spaß macht in Antiquariaten zu stöbern (wenn sie nicht total chaotisch organisiert sind). Mich faszinieren alte gebrauchte Bücher eigentlich mehr als die keimfrei eingeschweißten neuen Ausgaben. Da ich großer Thomas-Mann-Fan bin, habe ich so inzwischen eine fast vollständige Sammlung von Erst- oder zumindest Früh-Ausgaben nicht nur der Romane und Erzählungen, sondern auch der Essays. Und wie ich schon eben schrieb, es gibt nichts Schöneres als diese Ausgaben immer wieder anzuschauen und vorsichtig drin zu blättern (damit der Buchblock heil bleibt).


    Lesen von e-Büchern auf dem iPad ist definitiv nichts für mich. Und es ist auch nicht gut für die Augen...

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Entschuldige, ich glaube unsere Beitrage uberschneiden sich….

    Man muss nicht jedes Buch mehrmals lesen. Aber es gibt nichts Schöneres als spät abends (so um Mitternacht) vor dem Bücherschrank zu stehen und ein Buch oder auch zwei oder ich drei herauszuziehen, anzuschauen (ich rede hier nicht von billigen Paperbacks...) und drin zu blättern und zu lesen.
    Und so etwas mache ich oft auch mit den LPs, weil es einfach Spaß macht die Covers anzuschauen und auf der Rückseite noch die Texte zu lesen. Arme Streaming-Welt, die darauf verzichten muss...

    ok, nachvollziehbar. Nur gibt es für mich Schöneres. Und ich finde übrigens billige second hand paperbacks - zb meine Agatha Christies - herrlich. Haben genau £2 per piece gekostet.
    Kann es sein, dass es dir auch um ein Stück materiellen Besitz geht? Besitztümer zu sammeln? Ist nichts dagegen zu sagen - aber genau diese Mentalität habe ich zB auch mit mir selber debattiert und dann abgewöhnt im Zuge meiner persönlichen Streaming Debatte. Ich hatte bei mir festgestellt, dass ich in den Sog des „einfach immer alles haben zu müssen“ hineingeriet. Jetzt habe ich das hinter mir gelassen und fühle mich etwas befreiter.

  • Kann es sein, dass es dir auch um ein Stück materiellen Besitz geht? Besitztümer zu sammeln? Ist nichts dagegen zu sagen - aber genau diese Mentalität habe ich zB auch mit mir selber debattiert und dann abgewöhnt im Zuge meiner persönlichen Streaming Debatte. Ich hatte bei mir festgestellt, dass ich in den Sog des „einfach immer alles haben zu müssen“ hineingeriet. Jetzt habe ich das hinter mir gelassen und fühle mich etwas befreiter.

    Was heißt materieller Besitz ?? Ich habe einfach bestimmte Interessen, und da sammle ich natürlich die Dinge, die mir wertvoll sind. Das ist ein ganz grundlegender Zug beim Menschen. Z.B. sammle ich eben auch mit großem Interesse Faksimiles von Musikhandschriften. Das sind meine Marotten, aber das liebe ich und da brauche ich nicht mit mir zu debattieren, und ich werde mir da nichts abgewöhnen, weil es für mich positive Dinge im Leben sind.
    Ich habe ja eher den Eindruck, dass mit dem Internet der Wunsch des "einfach immer alles haben zu müssen" angestachelt wird. Ich bin da eher selektiv in meinen Anschaffungen....

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Mich faszinieren alte gebrauchte Bücher eigentlich mehr als die keimfrei eingeschweißten neuen Ausgaben. Da ich großer Thomas-Mann-Fan bin, habe ich so inzwischen eine fast vollständige Sammlung von Erst- oder zumindest Früh-Ausgaben nicht nur der Romane und Erzählungen, sondern auch der Essays.


    Dass ich das einmal in der virtuellen Welt erleben darf, macht mich sprachlos – vor großer Freude! Aber ich wusste es, wenn es einen Menschen, einen Seelenverwandten in der Forenwelt gibt, dann ist es der leverkühn! Jemand, der in dieser kalten Welt von „Antiquariaten“ und „TM“ in einem Gedankengang schreibt. An Antiquariate darf ich gar nicht denken. Hier kurz OT, ich darf das ausnahmsweise, da ich mich sonst strikt an die thematische Disziplin der fachlichen Stränge halte.


    Lieber leverkün,
    ach was, ich bin jetzt etwas mutig: lieber Adrian! Seit meiner Studienzeit ist das bei mir auch so. Ich bin immer in den Morgenstunden durch den Vordereingang in das Hauptgebäude der Universität, um es dann sehr oft durch den Hintereingang zu verlassen. Nicht, weil ich vor dieser Überfülle an Stoff auf der Flucht gewesen wäre. Nein, das Pflichtprogramm an Veranstaltungen habe ich immer absolviert, auch über den Tellerrand habe ich gerne einen Blick geworfen. Aber gleich auf der Rückseite des Gebäudes fing es an, das Paradies. Ein Antiquariat neben dem anderen. Und jedes hatte i-wie nicht nur thematische Schwerpunkte, sondern auch einen spezifischen Geruch. Mein erster antiquarischer Band war „Herr und Hund“ von TM. Eine frühe Ausgabe aus dem Gedächtnis, keine Erstausgabe, da bin ich mir sicher. Werde ich nie vergessen. Aber dazu ein andermal mehr, am richtigen Ort.


    Ich ströme natürlich auch. Aber bei mir dient dieser digitale Datenfluss primär der Selektion. Ich treffe auf der Basis von Gehörtem und Gesehenem dann meine Kaufentscheidungen. Fehlkäufe schließe ich dadurch komplett aus. Langspielplatten werden sich halten, da bin ich ganz bei dir! Beim Buch schätze ich die Entwicklung ähnlich ein. Da denke ich einfach die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien zur Lesequalität logisch und konsequent zu Ende.

    "You speak treason" - "Fluently"
    "You've come to Nottingham once too often!" - "When this is over my friend, there'll be no need for me to come again!"

  • Was heißt materieller Besitz ?? Ich habe einfach bestimmte Interessen, und da sammle ich natürlich die Dinge, die mir wertvoll sind. Das ist ein ganz grundlegender Zug beim Menschen. Z.B. sammle ich eben auch mit großem Interesse Faksimiles von Musikhandschriften. Das sind meine Marotten, aber das liebe ich und da brauche ich nicht mit mir zu debattieren, und ich werde mir da nichts abgewöhnen, weil es für mich positive Dinge im Leben sind.
    Ich habe ja eher den Eindruck, dass mit dem Internet der Wunsch des "einfach immer alles haben zu müssen" angestachelt wird. Ich bin da eher selektiv in meinen Anschaffungen....

    Finde ich extrem sympathisch und unterschreibe ich gerne.


    Ich bin eigentlich sogar Minimalistin, überlege mir Anschaffungen immer sehr genau und wäge lange ab. Insofern ist mir materieller Besitz an sich eher unwichtig. Meine CD-Sammlung ist nicht übermäßig groß, ich schätze sie auf ca. 1000-1200 Stück. Aber sie ist mit Liebe und Leidenschaft gewachsen, vieles wurde wieder aussortiert im Laufe der Jahre, verworfen und anderes neu entdeckt und hinzugefügt. Wenn ich sie fortgeben würde, wäre es recht leer in meiner Wohnung…


    Im Grunde ist diese Sammlung Teil meines Minimalismus, auch wenn das zunächst nicht plausibel erscheinen mag. Ich habe keine Lust auf die Streaming-Welt, in der immer alles verfügbar erscheint und trotzdem vieles fehlt, was mir wichtig ist. Ich habe es ausprobiert und schnell ein Gefühl von Übersättigung und ein allgemeines Unbehagen gespürt. Da ich beruflich viel im Internet unterwegs sein muss, will ich meine Freizeit abseits dieser Pfade verbringen. Das empfinde ich als Teil meines „digitalen Detox“ (oder wie immer man das nennen will).


    Deshalb kaufe ich auch lieber Bücher, sammele sie aber nicht, sondern verkaufe oder verschenke sie nach der Lektüre weiter. Ausgenommen ca. 50 Lieblingswerke, die hier bleiben dürfen.

  • Ich finde, dass der Vergleich von Büchern mit CDs hinkt: Es gibt eine jahrhundertealte und unendlich reiche Buchkultur, bei der die Gestaltung vermutlich genauso vielfältig ist wie die Inhalte. Davon ist - bisher zumindest - in der digitalen Buchwelt nicht viel übrig geblieben. Demgegenüber gibt es CDs seit nicht einmal 40 Jahren, und die wenigen Gestaltungsmöglichkeiten beim Aufdruck und Booklet werden kaum mal kreativ genutzt. CDs sind nützlich, praktisch usw., aber (als Medium) kaum mal anregend, sinnlich oder auch nur "schön". Insofern kann ich zwar sehr gut verstehen, dass man Bücher sammelt (ich habe selbst ein ganzes Zimmer voll), aber von den meisten meiner CDs habe ich mich ohne Probleme getrennt, nachdem ich ihren Inhalt auf Festplatte kopiert hatte.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

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