"Das ist doch Mist! "- Wie reagieren auf schlechte Darbietungen?

  • ja - ein Buh in die Stille hinein. Dann wurde geklatscht.

    Den Typen hätte man für den Rest der Vorstellung rausschmeißen sollen... Ich will gar nicht darüber reden, ob kategorisch und grundsätzlich unter allen Umständen immer Buhs ein Unding sind, aber diese Art der Selbstdarstellung auf Kosten vieler, vieler Menschen im Saal und zu Hause vor der Übertragung ist respektlos und unter aller Sau. Mich hat das richtig geärgert, weil es komplett die Stimmung verdirbt und kaputt macht, die sich über eineinhalb Stunden hinweg aufgebaut hat.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Das gleiche empfand ich, als in einer Aufführung von Rossinis Moise noch im letzten Akkord von Je tremble et soupire, von Des cieux où tu résides und im verklingenden allerletzten ppp Akkord laut geklatscht wurde.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • ja - ein Buh in die Stille hinein. Dann wurde geklatscht.

    Den Typen hätte man für den Rest der Vorstellung rausschmeißen sollen... Ich will gar nicht darüber reden, ob kategorisch und grundsätzlich unter allen Umständen immer Buhs ein Unding sind, aber diese Art der Selbstdarstellung auf Kosten vieler, vieler Menschen im Saal und zu Hause vor der Übertragung ist respektlos und unter aller Sau. Mich hat das richtig geärgert, weil es komplett die Stimmung verdirbt und kaputt macht, die sich über eineinhalb Stunden hinweg aufgebaut hat.

    Kann ich verstehen, allerdings fand ich das gar nicht so schlimm. Theater ist Theater und bleibt Theater. Das Publikum macht halt auch mit. Es klang fast inszeniert, dieses Buh.

  • [...] diese Art der Selbstdarstellung auf Kosten vieler, vieler Menschen im Saal und zu Hause vor der Übertragung ist respektlos und unter aller Sau.

    Theater ist Theater und bleibt Theater. Das Publikum macht halt auch mit.

    Obwohl Ihr das offensichtlich ganz unterschiedlich bewertet: Ich finde, Ihr habt beide irgendwie recht.

    ;)

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Gurni, hast du dir den Parsifal angehört/angesehen?

    Nein. Meine kurze Anmerkung oben war eher allgemeiner Art und bezieht sich nicht konkret auf den erwähnten Buhruf. Ich bin da etwas ambivalent: Einerseits möchte ich Konzert und Theater ungestört erleben, andererseits habe ich Verständnis dafür, wenn es im Publikum zu spontanen Reaktionen kommt; wie Du schreibst: "Theater ist Theater...". Zwischenbeifall nach Arien etwa finde ich ok (na gut, bei Wagner paßt das weniger, aber bei Nummernopern schon). Buhrufe dagegen sind nicht mein Ding.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Zwischenbeifall nach Arien etwa finde ich ok (na gut, bei Wagner paßt das weniger, aber bei Nummernopern schon). Buhrufe dagegen sind nicht mein Ding.

    Zwischenbeifall nach Arien finde ich auch völlig okay und auch über Buhs will ich gar keine Grundsatzdiskussionen führen: Es war dieses spezielle Buh in dieser speziellen Übertragung, über das mich mich gestern geärgert habe.

    Nein.

    Mach ruhig mal, das war eine richtig gute Aufführung (zumindest musikalisch, über den Rest kann ich nichts sagen)!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Mach ruhig mal, das war eine richtig gute Aufführung (zumindest musikalisch, über den Rest kann ich nichts sagen)!

    Mal sehen, nein: Mal hören. Über die musikalische Qualität, besonders die des Orchesters, habe ich einiges Erfreuliches gelesen. Habe mir auch schon lange vorgenommen, meine Aufnahmen wieder durchzuhören (Knappertsbusch 1962, Kegel, Kubelik). Aber vorher kommt Webern dran. Wenn man bei dem zu Beginn Buh ruft, ist das Stück schon vorbei, bevor man wieder einatmen kann.

    :tee1:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Aber vorher kommt Webern dran.

    welche geile Webern-Mucke ?

    Wenn man bei dem zu Beginn Buh ruft, ist das Stück schon vorbei, bevor man wieder einatmen kann.

    Buhs im Anschluss von Avantgarde-Mucke, könnten durchaus als deren Quali-Merkmal rüberkommen.

    Doch in der Tat, Extensions-Phobie von Weberns-Mucke erschwert Feedback. Andererseits so ein richtiges unflätiges Buh aus dem Auditorium nach seinem op. 9 wüchse mögflicherweise als mega Event-Kontrast rüber ... weil rückwirkend damit die Mucken-Intensiität noch cooler aufmöbelbar ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • "Buh" gerufen habe ich noch nie. Wenn es mir nicht gefallen hat, bin ich beim Schluss-Applaus aufgestanden und gegangen.

    Gefühlt meine ich, dass die Latte für eine deutliche Missfallensbekundung hoch liegen sollte, es sei denn, es gäbe klare Hinweise auf Unlust der Ausführung, mangelhafte Vorbereitung oder Ähnliches.

    Andererseits ist der Buh-Orkan, den es bei der ersten Götterdämmerung des Chéreau-Zyklus gegeben haben soll, als zu Beginn des dritten Aufzugs die Kläranlage des ersten Rheingold-Bildes wieder sichtbar wurde, auch schon legendär ... auch, wenn sich die Bewertung der Inszenierung geändert hat: Der Buh-Orkan war der ehrliche Ausdruck des Publikums anno 1976

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • welche geile Webern-Mucke ?

    Op. 9 und 10 z. B.

    Andererseits so ein richtiges unflätiges Buh aus dem Auditorium nach seinem op. 9 wüchse mögflicherweise als mega Event-Kontrast rüber ... weil rückwirkend damit die Mucken-Intensiität noch cooler aufmöbelbar ...

    Ach was.

    "Buh" gerufen habe ich noch nie. Wenn es mir nicht gefallen hat, bin ich beim Schluss-Applaus aufgestanden und gegangen.

    So halte ich das auch. Ich glaube, ich habe noch nicht einmal im Fußballstadion gebuht. Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran.

    :saint:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die Bayreuther Festspielleitung ist da übrigens in einer Zwickmühle. Mir gehen die Berufsbuher auch auf den Wecker. Allerdings bilden sie den harten Kern der unverbesserlichen "Wagnerianer". Die kommen immer, egal bei welchem Wetter, welchen Preisen, welchem kulinarischen Angebot, etc.

    Man darf sie "leider" nicht allzusehr vergraulen. Man muss sie nehmen, wie sie sind, und gleichzeitig auch die diversen anderen Klientels nicht vernachlässigen. Keine ganz leichte Aufgabe...

    PS: Das ist wie in einem Internet-Forum. Manche Leute nerven. Aber ohne sie sinkt die Aktivität...

  • Mir gehen die Berufsbuher auch auf den Wecker. Allerdings bilden sie den harten Kern der unverbesserlichen "Wagnerianer". Die kommen immer, egal bei welchem Wetter, welchen Preisen, welchem kulinarischen Angebot, etc.

    Das sind die, die immer blöken, wie toll es doch zu Wielands Zeiten gewesen sei (der sich schon das Gleiche anzuhören hatte wie Katharina), und die jedes mal schwören: "Das war heuer aber wirklich das letzte mal"

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Ich habe selbst auch noch nie gebuht, sondern "schlimmstenfalls" nur träge und kurz geklatscht (allerdings kommen von mir auch nur in Ausnahmefällen Bravo-Rufe).

    Trotzdem bin ich nicht prinzipiell gegen das Buh-Rufen. Für mich zeigt es, dass die entsprechenden Teile des Publikums eine ganz eigene Auffassung eines Stückes und seiner angemessenen Interpretation entwickelt haben und es als persönlichen Angriff werten, wenn diesem durch die Interpreten nicht entsprochen wird. Das kann man natürlich lächerlich finden, aber letztendlich ist mir das sympathischer als die Haltung, eine Aufführung nur routiniert und unbeteiligt abzusitzen und am Ende höflich zu klatschen.

    Der Aufführungsgeschichte der Oper würde doch etwas fehlen ohne die berühmten Skandale und Buh-Orkane (die ja letztendlich den Ruhm mancher Aufführung eher noch befördert haben), wie dieser schöne Abriss vor Augen führt:

    Eine Lange Nacht über Opernskandale - "Buhs, vornehmlich aus Nordwest"
    Der Filmemacher und Philosoph Alexander Kluge hat in einem populär gewordenen Wort die Oper einmal als "Kraftwerk der Gefühle" beschrieben. In kaum einem…
    www.deutschlandfunkkultur.de

    Interessant finde ich allerdings immer wieder, dass sich das Buhen bei Opern auf die Darbietung in Opernhäusern beschränkt - in Bezug auf Inszenierungen ist das natürlich logisch, aber es werden ja (gerne bei Wagner) durchaus auch Sänger*innen (gerne Tenöre) oder Dirigenten ausgebuht - jedoch habe ich das wenn, dann nur in Opernhäusern, nie bei konzertanten Aufführungen in Konzertsälen erlebt, obwohl doch dort der Buh-Anlass genauso (nicht) gegeben wäre...

  • Das kann man natürlich lächerlich finden, aber letztendlich ist mir das sympathischer als die Haltung, eine Aufführung nur routiniert und unbeteiligt abzusitzen und am Ende höflich zu klatschen.

    :top:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Op. 9 und 10 z. B.

    :top: :top: :top:

    Ach was.

    frau/man müsste es mal ausprobieren...

    andererseits ginge es auf Kosten der Saitenquäler*innen und das wär großer Mist ... :thumbdown:

    Ich glaube, ich habe noch nicht einmal im Fußballstadion gebuht

    ich schon, nämlich die BRD-11 ... beim einem Spiel BRD gegen Färöer (unter Völler), weil Spiel totalst laaangweilig

    .. vor uns saßen Fans in schwarz-rot-blond-treu-teutscher Montur .. die wurden dann auf uns richtig sauer, und das kam als das Lustigste/Unterhaltsamste vom ganzen Spielabend rüber ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!