Eben besucht - Konzerttelegramm Deutschland/Österreich

  • Schwanengesang - Sendetermin

    Nachtrag: der Schwarzenberger Schwanengesang wird am
    Dienstag, 09. Juli 2019, 14:05 Uhr von Ö1 (Österreich) übertragen.

    Alles, wie immer, IMHO.

    • So., 28. Juli 2019 (11:00): Salzburger Festspiele (Großes Festspielhaus)
      Gustav Mahler: Symphonie Nr. 9
      Herbert Blomstedt, Dirigent
      Wiener Philharmoniker


    Hab grad in Salzburg die 9. Mahler mit den Wiener Philharmonikern und dem Blomstedt gehört. Hat mir super gefallen (trotz zeitweise merkwürdiger Streichertöne, die waren nicht nur einmal etwas zu tief - davon abgesehen aber sehr gutes Orchester), denn der Blomstedt ist ein hervorragender Dirigent und kein Selbstdarsteller. Und die 9. Mahler ist halt auch eindeutig besser als die 7. Schostakowitsch letztens in Wien.

    Wegen der im Mai 2023 in Kraft getretenen Forenregeln beteilige ich mich in diesem Forum nicht mehr (sondern schreibe unter demselben Pseudonym in einem anderen Forum), bin aber hier per PN weiterhin erreichbar.

  • Hallo zusammen,

    ich habe gestern (etwas) außerhalb meines üblichen Reviers gewildert und war in Innsbruck bei der letzten Aufführung der ersten Inszenierung einer Oper von Riccardo Broschi seit dem 18. Jahrhundert.

    Von den bisher erschienenen Presse-Rezensionen ist meine Idee zum Stück deutlich näher an der FAZ als an der NMZ:
    https://www.faz.net/aktuell/feuill…n-16326045.html

    https://www.nmz.de/online/gesunge…der-alten-musik

    Weil ich aber einige Akzente darüberhinaus machen möchte, verweise ich faul auf diese beiden Artikel, um die Grundlagen abzuhandeln.

    Kurz gesagt, ich war vor der Aufführung skeptisch-neugierig, ob das jetzt eine Wiedergutmachung an etwas sein könnte, das den Aufwand eventuell gar nicht lohnt. Derartige Diskussionen haben wir ja in Bezug auf viele 'wiedergefundene' Komponisten. Hinsichtlich der Aufführung gestern kann ich erstmal festhalten, dass ich die historisierende Inszenierung gut ertragen habe (wie schon einige andere Inszenierungen von Sigrid t'Hooft in Göttingen). Einen Kritikpunkt der NMZ-Rezension muss ich unbedingt unterschreiben: die Aufführung war mit fünfeinhalb Stunden deutlich zu lang: nicht nur für ein interessiertes Publikum, sondern auch für die Aufführenden: im Dritten Akt waren leider etliche Unsauberkeiten im Orchester und angestrengte Stimmen bei den Sängern zu hören. Besonders leicht kürzbar wären m.E. die Balletteinlagen von jeweils ca 10-15 Minuten nach jedem Akt. Ziemlich unerträglich war die Buffo-Einlage mit einem Mäuseballett in Commedia dell'Arte-artigen Kostümen, wo sehr lange um einen Speck getanzt wurde ... es war genauso dilettantisch-unpassend (nicht vom Tanz und der Musik her) wie es hier klingt. Der Spannungsabfall nach den hochdramatischen Arien des Merope und des Polifonte am Ende des zweiten Akts war ganz gewaltig und nahezu alle Pausengespräche drehten sich nur darum: was hat das mit dieser hochdramatischen Opernhandlung zu tun? Das war leider der Tiefpunkt eines an Höhepunkten überreichen Nachmittags und Abends.

    Ich kannte vor dem Besuch genau zwei Arien aus der Feder von Farinellis großem Bruder: je einmal gesungen von Simone Kermes und Cecilia Bartoli auf ihren Kastraten-CDs (Colori d'Amore und Sacrificium). Die große Arie des Merope am Ende des ersten Akts 'Chi non sente', ein inniges Stück, in dem der in seine Heimat nach vielen Jahren zurückkehrende Charakter des Farinelli, Epitide, darüber räsonniert, wie sehr ihm das Schicksal mitgespielt hat, ist kaum besser zu singen als gestern von David Hansen: warum ein Farinelli mit seiner Stimme seine Zeitgenossen so verzaubert hat, gestern konnte man es in diesen knapp zehn Minuten wirklich nachvollziehen: das war eine Sternstunde. Wie sehr Riccardo Broschi es verstand, die Vorzüge der Stimme seines Bruders hervortreten zu lassen und wie genial das musikalisch wiedergegeben war: Großartig! Leider konnten in meinen Ohren nicht alle Momente dieser Aufführung auf diesem Niveau mithalten: Anna Bonitatibus hat sich in der Titelrolle im ersten Akt richtiggehend geschont für die kommenden großen dramatischen Szenen (sie hat als einzige Partie sehr lange Accompagnato-Rezitative, die mich an die Seria-Einlegearien aus Mozart'scher Feder v.a. der Salzburger Zeit erinnerten). In den anderen beiden Akten war dann allerdings die große Sängerin wieder besser zu erkennen.

    Außerordentlich zufrieden war ich mit den sängerischen Leistungen von Filippo Menaccia als Werkzeug der Intrigen (aber eben auch des Happy End) Anassandro, Vivica Genaux als in die Titelfigur verliebter Ratsherr Trasimede und von Hagen Matzeit als Lisisco und des kurzfristig für Jeffrey Francis eingesprungenen Carlo Alemanno in der Rolle des Erzschurken Polifonte. Nicht richtig verstanden schien mir die Rolle der Argia, wie sie Arianna Vendittelli sang: Ihre Arien wechseln zwischen auffahrend-selbstbewusst und gurrend, ständig betont ihre Figur ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit in Liebesdingen, ich träume von anderen Sängerinnen für diese Rolle, die die unterschiedlichen Charaktere der Arien besser ausdifferenzieren können.

    Alessandro de Marchi hatte nicht nur die nimmermüde musikalische Leitung des langen Abends, sondern im Vorfeld auch die Einrichtung der Oper vorgenommen. Ich halte das Stück (in gekürzter Fassung) für sehr überzeugend spielbar, grade auch weil ich den knapp 60 Jahre lang immer wieder vertonten Text von Apostolo Zeno für sehr gelungen halte (einen kleinen Abstrich würde ich im Dritten Akt machen, aber das führt wirklich zu weit). Es war meine erste Livebegegnung für mich: ich bin mir nicht sicher, ob ich die Orchestrierung in allen Fällen für gelungen halte, manches war mir zu gleichmäßig. Ihm stand ein außerordentlich farbenprächtiges Orchester zur Verfügung: Streicher, Blockflöten, Traversflöten, Oboen, Fagott, Trompeten, Hörner und Pauken, das gibt's bei Händel nicht in einer Oper ..... Einige Arien hätten in meinen Ohren einen deutlich lebhafteren Puls vertragen, aber das sind Geschmacksfragen. An einer vom Publikum zu Recht umjubelten Opernproduktion gibt es meines Erachtens nichts zu deuteln: De Marchi hat dem Barockopern-Liebhaber mit diesen Aufführungen einen großen Gefallen getan: sie können sich eine eigene Meinung über die Qualitäten von Riccardo Broschi als Opernkomponist bilden.

    An der überwältigenden Wirkmächtigkeit der Musik, die Riccardo Broschi seinem kleinen Bruder auf den Leib geschrieben hat (ich denke besonders an die Arien am Ende des Ersten und Zweiten Akts, sowie die mit dem großen Oboensolo am Anfang des Dritten sowie das Duett mir Argia), ist meines Erachtens nicht vorbeizukommen: David Hansen, das neu formierte Innsbrucker Festwochenorchester und v.a. Alessandro de Marchi haben hier Großes und sehr Überzeugendes geleistet. Ob das allerdings auf eine CD oder DVD zu retten ist, wage ich zu bezweifeln .... Diese Form der Überwältigung kann nur ein Live-Erlebnis bieten ....

    Und wird der Händelianer nun zu einem Broschi'aner? Ich bin auf jeden Fall in meiner Neugier sehr angeregt, mir noch viel mehr davon anzutun ....

    Gruß Benno

    Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)

  • Danke für deine wundervolle und differenzierte Besprechung. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen! Ich hatte den FAZ-Artikel schon zuvor entdeckt und habe mich nun sehr über einen Live-Bericht eines Capriccioso gefreut! Danke auch für bzw. an dein "Sitzfleisch", das diesen kurzweiligen Beitrag mitermöglicht hat! :clap:

    David Hansen würde ich auch sehr gerne einmal erleben! Ich werde mal nach Veranstaltungen von ihm Ausschau halten. Von Hagen Matzeit hatte ich vor allem aus der Essener Reimann-Medea einen tollen Eindruck, obschon das ein ganz und gar anderes Werk war. Es freut mich, dass diese tollen Solisten in Innsbruck in insgesamt so guter Form gewesen zu sein scheinen.

    ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...

  • Hallo, lieber Diskursprodukt,

    sehr gerne geschehen. Ich habe gestern Abend dann noch im Programmbuch gelesen: David Hansen hat De Marchi überzeugt, mal eine Broschi-Oper ganz zu spielen. Soviel Überzeugtheit bei den wichtigsten Beteiligten ist natürlich von Vorteil. Und wenn zu Überzeugtheit auch noch Können kommt. Ich habe gesehen, dass wenigstens in Wien noch eine konzertante Aufführung im Theater an der Wien am 21. Oktober gegeben wird:

    https://www.theater-wien.at/de/programm/production/862/Merope

    Evtl. lockt das den einen oder die andere Capriccioso/a ja doch noch ... auch wenn es von Hagen vermutlich etwas weit für Dich ist.

    Gruß Benno

    Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)

  • BachOrgelFestival »20 Jahre Bach-Orgel« und "Orgelherbst 2020" in Leipzig

    Ich habe am vergangenen Wochenende Leipzig besucht und beim Anblick der Thomaskirche mit großer Freude festgestellt, dass es wieder Konzerte gibt und mir für Samstag flugs eine Karte gesichert.
    Eingelassen wurden zwar nur 250 Besucher und diese durften nur auf fest markierten Plätzen sitzen und mussten ununterbrochen Maske tragen; aber ich ergatterte tatsächlich noch einen sehr guten Platz in Schallrichtung der Instrumente und das Konzert war einfach nur wunderbar.

    Es gab ein Programm für Orgel und Viola da Gamba; die interessanterweise nicht verstärkt wurde, sondern tatsächlich ab dem 2. gemeinsamen Stück trotz der Lautstärke der Orgel ganz wunderbar mit den allerherrlichsten Tönen zu hören war.
    Gespielt haben der Nikolaiorganist Lucas Pohle auf der Bachorgel von Gerald Woehl und Thomas Fritzsch auf einer siebensaitigen Viola da Gamba von Jacob Weiß (Salzburg 1733).
    Gespielt wurden Werke von Buxtehude, J.S. Bach, August Kühnel und eines anonymen Komponisten. Eine Sonate von Buxtehude war vermutlich sogar fast eine Uraufführung, da sie von Herrn Pohle erst entdeckt und vorher auch nie gedruckt wurde.

    Ich hatte vorher noch nie die Gelegenheit, eine Viola da Gamba als Soloinstrument live zu hören und war hellauf begeistert und berührt von diesem wunderbaren hellen, lichten, zarten, gleichzeitig aber wunderbar warmen Ton. Und die Akustik der Kirche hat diesen ganz hervorragend getragen.
    Auch die Stücke selber waren allesamt ein Ohrenschmaus und die Orgelbegleitung dazu auch sehr angepasst (bis auf das erste gemeinsame Werk, in dem die Viola da Gamba leider noch ein wenig unterging).

    Bis zum 22. August gibt es jeden Samstag weitere Orgelkonzerte; und ab 1. August bis 31. Oktober gibt es in der Nikolaikirche den "Orgelherbst 2020":
    https://www.leipzig-im.de/index.php?sect…auswahl2=120100

    Viele Grüße - Allegro

    "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés

  • Runge & Ammon: RollOverBeethoven (Theater Gütersloh, 27.09.20)

    Theater Gütersloh, 27.09.20

    Eckart Runge: Violoncello
    Jacques Ammon: Klavier

    Die Sicherheitsvorkehrungen waren zunächst wie beim letzten Mal: vor Konzertbeginn muss man sich registrieren lassen. Kunden, die ihre Tickets beim Vorverkauft erworben haben, werden auf der Liste abgehakt und Kunden, die ihre Tickets an der Abendkasse gekauft haben, müssen ein Formular ausfüllen. Ich denke, das dürfte in anderen Konzerthäusern genauso ablaufen. Man darf dort (und das kannte ich ja schon) seine Maske abnehmen, sobald man seinen Sitzplatz eingenommen hat. In Detmold fand ich' s allerdings vernünftiger: dort hieß es bis zum Konzertbeginn - und das wurde auch eingehalten.

    Nun aber zum eigentlichen Geschehen:
    Vor Konzertbeginn kam eine Sprecherin des Theaters auf die Bühne und sagte schmunzelnd, dass man es kaum glauben möge, aber das Konzert sei ausverkauft. Daraufhin natürlich Gelächter im Publikum, da jede zweite Reihe ja gesperrt war und zwischen den Sitzen bzw. Sitz-Gruppen mind. 3 Plätze frei waren, soweit ich es überblicken konnte. Als Runge & Ammon dann auftraten, machte Eckart Runge, der übrigens durch den Abend führte, ebenfalls eine Bemerkung zum „ausverkauften“ Theater - und erneut Gelächter. Als er dann noch meinte, dass wir ja „nicht nur Corona“ haben, sondern auch „Beethoven“: also zwei „höchst infektiöse Pandemien“, hatte er das Herz des Publikums endgültig erobert. Fing also schon locker und humorvoll an. Ich muss wirklich sagen: Eckart Runge ist nicht nur ein großartiger Cellist, nein, er ist auch ein toller Entertainer. Sie haben jeweils zwei Stücke hintereinander gespielt und zuvor gab‘ s von ihm immer eine interessante und unterhaltsame Werkeinführung. Das hat er wirklich toll gemacht.

    Nun zunächst mal zum Programm. Gespielt wurden folgende Stücke:

    Ludwig van Beethoven: „Adelaide“ aus Liederzyklus op. 46

    Chick Corea: Spain – Latin Jazz Paraphrase über das „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo

    Felix Mendelssohn: „Lied ohne Worte“ op. 109

    Ludwig van Beethoven: „Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 5 op. 102/2 D-Dur (Allegro con brio, Adagio von molto sentimento d‘ affetto, Allegro, Allegro fugato)

    Beatles (Paul McCartney/ John Lennon): Eleanor Rigby

    Jimi Hendrix: Purple Haze

    Ludwig van Beethoven: „Cavatina“ aus dem Streichquarett op. 130

    Frank Zappa: Bebop Tango

    Astor Piazzolla: Libertango

    Ludwig van Beethoven: Adagio dolente und Fuge aus der Sonate für Klavier op. 110.

    Als Zugabe gab‘ s noch Amy Winehouse mit „Back to Black“.

    Runge spielte bei einem Intro eines Stückes (habe leider vergessen welches es war, da ich ohnehin nicht alle Stücke kannte) sein Cello wie eine Gitarre, also zupfte mit bloßen Händen daran, während das Cello natürlich seine Position beibehielt. Ammon wiederum bearbeitete dann und wann die Saiten des Flügels ein wenig, indem er klopfte und daran zupfte. Man sah beiden wirklich an, wie gern sie spielten und wie sehr sie es vermisst haben. Letzteres betonte Runge zu Beginn des Konzertes und bedankte sich beim Publikum fürs Kommen. Das waren nicht nur Worthülsen, das konnte man einfach spüren - und erleben.

    Also, ich muss sagen: trotz meiner hohen Erwartungen wurde ich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Es war ein tolles Konzert und es war viel zu schnell vorbei! Ursprünglich sollte es 1 h 20 min (ohne Pause natürlich) dauern, aber letzten Endes waren es knapp 1 h 40 min, die aber nur so verflogen sind.


    Schade nur, dass man beim Schlussapplaus nicht annähernd die Stimmung erreicht wie in einem vollen Haus, obwohl das Publikum begeistert war. Daran müssen sich wohl noch alle Beteiligten gewöhnen, fürchte ich. Es war jedenfalls ein voller Erfolg für die beiden. Sobald sie mal wieder in der Nähe sind, bin ich dabei, keine Frage ...

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



  • Emmanuel Tjeknavorian, Violine

    Rudolf Buchbinder, Klavier


    Schubert: Sonate g-moll, op. 137 Nr. 3, D 408

    Brahms: Sonate Nr. 1, G-Dur, op. 78 - Regenlied -

    Beethoven: Sonate Nr. 9, op. 47 - Kreutzer -

    Heute erlebt im 'Solitär II', was der Kreistagssaal in Parchim ist, ein modernes Gebäude, atmosphärisch nicht gerade das Nonplusultra, aber schon ein Luxusteil für einen schlichten Kreistag. Naja, wenn der Landtag im Schloss debattiert, dann können die Kreistage ja nicht zurückstehen.

    Das Konzert war nicht ausverkauft, wohl kein Wunder bei den Preisen. 47€ oder 57€, Ermäßigungen gab es nicht. Das nenne ich Kultur unter die Leute bringen. Immerhin gab es dafür einen Weltstar und ein Riesentalent, allerdings auch ein Programm, das im ersten Teil 45 Minuten und im zweiten Teil gut 25 Minuten dauerte. Eine Zugabe.

    Gut, es war in Parchim verdammt heiß, was man aber vorher bei der Programmplanung nicht wusste. Immerhin wurde gespielt, was angekündigt war. ;)

    Was ja nicht unbedingt aufregend Neues versprach, aber immerhin große Werke beinhaltete. Es hätte also alles ein wunderbarer, kurzweiliger Abend werden können. Wenn es für mein Empfinden da nicht ein kleines Problem gegeben hätte.

    Buchbinder ist 75, Tjeknavorian 27, also gut 50 Jahre jünger. Irgendwie beschlich einem immer das Gefühl, dass Großvater mit seinem Enkel musiziert und entsprechende Konzessionen machen muss.

    Tjeknavorian ist ein guter Geiger mit einem recht kleinen Ton (vielleicht kommt der Kreistag den Geigern nicht entgegen), der gut bis sehr gut seine Aufgabe erledigte. Aber mehr auch nicht. Da war in keinem Moment eine wirklich innere Beteiligung, ein So-und-nicht-anders, zu spüren. Der gepflegte Ton war da, auch die Lust am Spiel, das Leben leider nicht. Buchbinder (Hut ab!) nahm sich ganz zurück, begleitete 'nur', unterstützte. Das ist ehrenwert, aber vielleicht doch zu wenig.

    Der Schubert, der Beginn, sanft wie er war, zeigte leider schon die Richtung an, in die es gehen würde, war aber trotzdem noch ganz ok, denn einen gewissen Charme im Spiel hat er durchaus. Ganz anders der Brahms, dem er eigentlich alles schuldig blieb. Weder Freude, Zuversicht, noch Weh- und Schwermut waren zu spüren. Das war ganz schulmäßig heruntergespielt, leider aber nicht mehr.

    In der Kreutzer-Sonate kam er ein wenig aus sich heraus, weil Buchbinder ihn einfach mehr forderte. Aber insgesamt kamen auch da auf seine drängenden musikalischen Passagen nicht die entsprechenden Erwiderungen.

    So ehrenwert es für Buchbinder ist, einem jungen Künstler solche Unterstützung zu bieten, frage ich mich, ob das wirklich aufgehen kann. Dazu sind die Lebenserfahrungen bei diesem Altersunterschied doch zu groß. Im Nachhinein hätte ich ihn doch lieber mit einem Partner ähnlich seiner Generation erlebt und Tjeknavorian auch. Beide Paarungen hätten dann vielleicht doch eher einen Dialog auf Augenhöhe bieten können. So wirkte es eben wirklich eher wie Opa und Enkel.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich hoffe, ich bin in diesem Thread richtig. Ansonsten bitte verschieben.

    Diana Damrau (Sopran) & Xavier de Maistre (Harfe)

    Theater Gütersloh, 08.09.2022

    Zunächst mal das Programm:

    Schubert:

    An die Musik, D547

    Auf dem Wasser zu singen, D774

    Du bist die Ruh, D776

    Ellens Gesang III, Hymne an die Jungfrau, D839

    Fauré:

    Impromptu für Harfe, Op. 86, No. 6

    En prière

    Clair de lune

    aus „Zwei Lieder“, Op. 46, No. 2

    Les berceaux

    aus „Drei Lieder“, Op. 23, No. 1

    Adieu

    aus „Poème d‘ un jour“, Op. 21, No. 3

    Notre amour

    aus „Drei Lieder“, Op. 23, No. 2

    Pause

    Debussy:

    Nuit d’étoiles, L 4

    Fleurs des blés, L 7

    Clair de lune, L 32

    aus „Fêtes galantes I“

    Mandoline, L 29

    Beau soir, L 6

    Clair de lune, L 75

    aus „Suite Bergamasque“ für Klavier, bearbeitet für Harfe

    Rossini:

    Assisa al piè d‘ un salice

    aus der Oper „Otello“, Arie der Desdemona

    L‘ invito (Boléro)

    aus „Soirées musicales“, No. 5

    La Pastorella dell‘ Alpi (Tirolese)

    aus „Soirées musicales“, No. 6

    L‘ esule

    aus „Péchés de vieillesse“, Vol. III: Morceaux réservés, No. 2

    Aragonese

    aus „Péchés de vieillesse“, Vol. XI: Miscellanée de musique vocale, No. 6.

    Es gab 5 Zugaben. Die erste habe ich leider vergessen (sollte sie mir noch einfallen, werde ich sie ergänzen). Die zweite Zugabe war ein Harfen-Vorspiel von Strauss (Titel leider ebenfalls entfallen). Dann folgten "Les Chemins de l' Amour" (Poulenc), 2 x "Ständchen" (1 x von Strauss, 1 x von Schubert).

    Nun noch schnell ein Bericht:

    Als ich vor Konzertbeginn im Programmheft "Aragonese" (v. Rossini) las, konnte ich mein Glück kaum fassen: gehört zu meinen absoluten Lieblings-Liedern aus dem Klassik-Bereich! :clap: Fotografieren und Filmen war zwar verboten, aber dieses Lied musste ich dann doch noch mit meinem Handy aufnehmen. :versteck1: Nun aber der Reihe nach: Diana Damrau und Xavier de Maistre betreten die Bühne und waren - ganz offensichtlich - bestens gelaunt. :) Dann kamen mir, womit ich im Vorfeld wirklich - nicht - gerechnet habe, gleich beim ersten Lied ("An die Musik") die Tränen. Sie kullerten nur so herunter. Mal gut, dass ich eine Maske getragen habe. Na, jedenfalls hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie mich so dermaßen umhaut! Ich liebe Diana Damrau ja schon seit Jahren, habe sie nun aber zum ersten Mal live erlebt. Was für eine Stimme! Was für eine Ausstrahlung! Und wie unheimlich sympathisch sie zu dem ist ... ach, es war einfach perfekt! :verbeugung1: :verbeugung1: Und nun wurde mal wieder klar, wie groß der Unterschied zwischen Konserve und Live-Erlebnis ist. Diana Damrau hat jedes Lied zelebriert, einfach perfekt und voller Emotionen dargeboten. Sie war einfach zauberhaft! :fee: Xavier de Maistre hat mich sehr überrascht, da er die Harfe nicht nur sehr virtuos gespielt hat, er hat ihr zudem stellenweise sogar anderen Klang gegeben. Klang nicht immer nach Harfe, sondern nach anderen Zupfinstrumenten. Zudem war die Harfe doch stellenweise verhältnismäßig laut, womit ich ebenfalls nicht gerechnet hatte. Es kam mir eher nicht so vor, als hätte er sie "begleitet". Er war eher ein ebenbürtiger Partner, sozusagen. Hat sich nicht vor ihr versteckt. Zudem war auf dem Boden so eine rundes, flaches Teil, das er zwischendurch - wie eine Pedale - benutzt hat. War scheinbar so etwas wie ein Verstärker!? Keine Ahnung.

    Bei einem seiner beiden Solo-Stücke riss 1 x eine Saite der Harfe. Das sah ziemlich gefährlich aus und wirkte so, als hätte sie ihn im Gesicht getroffen! 8| Ein Raunen im Publikum. Er blieb aber recht souverän: zupfte die Saite ab und sagte ganz lässig und schmunzelnd: "Saitenwechsel" und verließ die Bühne. Nach einigen Minuten kehrte er zurück und befestigte die neue Saite. Daraufhin erklärte er dem Publikum etwas, war allerdings so leise, dass man ihn kaum verstand. Irgendwann hörte man, dass er wohl für die restl. Zeit des Konzertes damit kämpfen müsse, dass die Saite immer "runter kommt" ... oder so. Das hab' ich nicht ganz verstanden, aber egal. An einer Stelle hat man dann später übrigens gehört, dass er einen Ton verfehlt hat. Ob das an der Saite lag, weiß ich nun aber nicht. Ansonsten hat man jedenfalls nichts gehört, behaupte ich jetzt mal.

    Als dann am Ende die Zugaben kamen und es um das "Ständchen" ging, schaute sie kurz fragend zu ihm rüber und sagte: "Ah, Ständchen ... von Strauss". Er: "Schubert!" Sie: "Oh, Schubert?" Dann gab sie zu verstehen, dass ihr Strauss lieber wäre. Ich hoffte so sehr auf Schubert, aber es kam dann (zunächst) nur Strauß. War auch sehr schön, aber na ja ... Tja - und dann kam etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Nachdem sie die Bühne verlassen haben und zurückkamen, dachte ich zunächst: Das war' s. Abend beendet. Plötzlich positionierten sie sich dann doch wieder und sie sagte etwas, was mir eine riesige Freude bereitete: dass sie nun doch noch Schuberts Ständchen spielen! :sofa1: Ach, das war einfach herrlich!!! :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: Sie hat also gleich zwei meiner absoluten Lieblingslieder gesungen! Was für ein Glück! Was für ein wunderbarer Abend! Ich habe eben mal nachgeschaut, ob sie demnächst nicht zufällig doch noch mal in meiner Nähe ist, aber ... das wäre ja auch zu schön um wahr zu sein. Ich werde noch lange von diesem Abend zehren! :fee:

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



    Einmal editiert, zuletzt von Newbie69 (9. September 2022 um 06:05)

  • Oetker-Halle Bielefeld, 04.06.23

    Jan Lisiecki spielt Chopin: Etüden op. 10 (u. Nocturnes)

    Programm:

    Etüde in C-Dur op. 10 Nr. 1

    Nocturne in c-Moll op. post.

    Etüde in a-Moll op. 10 Nr. (? hier fehlt im Programmheft die dazugehörige Ziffer)

    Nocturne in E-Dur op. 62 Nr. 2

    Etüde in E-Dur op. 10 Nr. 3

    Etüde in cis-Moll op. 10 Nr. 4

    Nocturne in cis-Moll op. 27 Nr. 1

    Nocturne in Des-Dur op. 27 Nr. 2

    Etüde in Ges-Dur op. 10 Nr. 5

    Etüde in es-Moll op. 10 Nr. 6

    Nocturne in Es-Dur op. 9 Nr. 2

    Nocturne in c-Moll op. 48 Nr. 1

    Pause

    Nocturne in g-Moll op. 15 Nr. 3

    Etüde in C-Dur op. 10 Nr. 7

    Nocturne in F-Dur op. 15 Nr .1

    Etüde in F-Dur op. 10 Nr. 8

    Etüde in f-Moll op. 10 Nr. 9

    Nocturne in b-Moll op. 9 Nr. 1

    Etüde in As-Dur op. 10 Nr. 10

    Nocturne in As-Dur op. 32 Nr. 2

    Etüde in Es-Dur op. 10 Nr.11

    Nocturne in cis-Moll op. post.

    Etüde in c-Moll op. 10 Nr. 12.

    Hier kommt - mal wieder - ein recht laienhafter Konzertbericht, den ich aber dennoch gern verfassen möchte. ;) Die Begeisterung ist einfach zu groß, um sie - nicht - mit euch teilen zu wollen.

    Als ich neulich im Programm der Rudolf-Oetker-Halle herumstöberte, fiel mir der Name "Jan Lisiecki" auf, den ich, auch in diesem Forum, schon oftmals gelesen habe. Ich wusste nur, dass er ein junger, sehr talentierter Pianist ist, hatte ihn bis dato allerdings noch nie gehört. Dann hörte ich mir ein Youtube-Interview mit ihm an, in welchem er sich vorstellte. Nun wusste ich auch, wie der Nachname ausgesprochen wird: "Lischetzki". Aha. Hörte dann auf Youtube in sein Chopin-"Etüden"-Album rein und war gleich begeistert: da musste ich hin! Wenn das Album auch schon knapp 10 Jahre alt ist und er sich mittlerweile ja sicherlich anders anhört, dachte ich mir. Und ja, stimmt auch: er klang noch besser und mitreißender! Unfassbar.

    So, nun aber zum eigentlichen Konzertbericht:

    Zunächst mal muss man dazu sagen, dass sich die Oetker-Halle schon deshalb lohnt, weil man, gerade zur jetzigen Jahreszeit, viel von der Natur um die Oetker-Halle herum hat und sich vorm Konzert, während der Pause und natürlich auch nach einem Konzert, noch sehr gut draußen aufhalten kann, insofern man ein klein wenig Naturbegeisterung mitbringt: der schöne Bürgerpark, der Teutoburger Wald, der nur wenige Meter entfernt liegt ... einfach perfekt! Ich könnte nun einige Vogelarten aufzählen, die es dort gibt, aber ich lasse es mal besser, weil ich euch nicht damit langweilen möchte. Grins1 Ich kam jedenfalls, auch was das anbelagt, voll auf meine Kosten. :) Nun aber zum Konzert: der Saal war zwar gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Lag womöglich am (sehr bzw. "zu" guten?) Wetter, keine Ahnung. Man muss aber auch nicht alles verstehen. Was dann zunächst auffiel: die Bühne war karg! Außer dem Flügel, der schon fast mittig angeordnet war, nichts. Keine Blumen, keine Deko ... nichts. Gut, ich bin eh ein Mensch, der so etwas nicht unbedingt braucht, aber ein wenig befremdlich fand ich' s dann schon. Ein Sitznachbar hatte dies übrigens ebenfalls kritisiert. Dann kam Jan Lisiecki auf die Bühne (ich saß übrigens in der 1. Reihe, links), der große, schlanke Pianist. Er war eigentlich so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte: kultiviert, charmant, aber doch eher etwas reserviert. Das nun aber nur nebenbei. Dann begann er zu spielen und ... ach, wie soll ich' s sagen ... er hat mich ganz schnell in seinen Bann gezogen. Ich liebe es ja, wenn man, auch im raschen Tempo, jede einzelne Note heraushören kann, man also nicht "verwischt" (sagt man das so?), aber dennoch, was sehr wichtig ist, gefühlvoll spielt! Und das kann er!!! :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: Ich kannte die Werke, die gespielt wurden, ja im Vorfeld. Vor allem die (teilweise auch sehr bekannten) Nocturnes. Ich mochte sie im Vorfeld, aber nun, wo ich sie - übrigens zum ersten Mal - live gehört habe, kamen mir stellenweise die Tränen, was ich im Vorfeld nie für möglich gehalten hätte! Solche Momente sind ja immer etwas peinlich, aber nun gut. Ich habe versucht, es mir nicht anmerken zu lassen. :schaem1: Ich bin mir übrigens auch ziemlich sicher, dass das nicht jeder Pianist geschafft hätte. Er hat übrigens ohne Noten gespielt. Ach, ich fand übrigens, dass er am Steinway sehr wenig Beinfreiheit hatte. Es sah so aus, als hätten seine Oberschenkel schon die Unterseite berührt. Als er dann noch die Pedalen betätigte, dachte ich mir nur, dass das hoffentlich nicht zu unbequem für ihn ist. :/ Die Pianobank ließ sich jedenfalls nicht weiter runterregeln; das konnte man ja an der Position erkennen. Zwischendurch hat er sich auch kurz aufgerichtet bzw. wohl aufrichten müssen, während er spielte. Auch das war schon mal interessant zu sehen/ zu beobachten. Am Ende gab es Standing Ovations. :clap:  :clap: :clap: Ich habe schon nach weiteren Terminen geschaut, aber derzeit leider nichts in Sicht. Ich bleibe aber am Ball. :) Und werde mir an diesem WE sein Nocturne-Album (mp3), sowie seine Chopin-Etüden kaufen. Ich habe durch ihn nun Chopin "wiederentdeckt", sozusagen ... :thumbup:

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



    Einmal editiert, zuletzt von Newbie69 (8. Juni 2023 um 12:33)

  • Danke für diesen schönen und anschaulichen Bericht, der deine Begeisterung wunderbar vermittelt! Das ist das, was man sich in Konzerten erhofft und zum Glück auch ab und zu erlebt ;) .

  • Olivier Messian - Turangalîla-Sinfonie. Beethovenfest 2023

    Beethoven-Orchester Bonn

    Tamara Stefanovich, Klavier

    Thomas Bloch, Ondes Martenot

    Leitung: Dirk Kaftan

    Gestern abend (22.09.23) habe ich mir (Erstbegegnung) in der Bonner Oper dieses Riesending um die Ohren hauen lassen, nachdem ich kurzfristig noch eine Karte kriegen konnte. Dirk Kaftan begann den Abend mit einer gut zehnminütigen Einführung, zu der auch Tamara Stefanovich ein wenig betrug; das Ganze inkl. Musikbeispielen. Ich fand das eine ausgezeichnete Idee, weil es ein wenig einen Begriff von den verwendeten Kompositionstechniken vermittelte, insbesondere dem Sich-Überlagern von Themen und Rhythmen. Hat mir durchaus geholfen, mich in dem zehnsätzigen Riesending zu orientieren.

    Im Bus nach Hause frug mich eine Dame, die das Programmheft in meiner Hand gesehen hatte, wie es mir gefallen habe. Nun, durchaus zwiespältig! Das Stück arbeitet mit drei gut erkennbaren Hauptmotiven (gut erkennbar auch, wo sie von anderer Musik überlagert werden), die über die ganzen gut 75 Minuten immer wiederkehren. Irgendwann so im fünften Satz kam mir der Gedanke, dass Anton Webern mit dem musikalischen Material in kaum mehr als vier Minuten fertig gewesen wäre. Starker Eindruck Nr. 1: Da ist sehr viel Redundanz! Starker Eindruck Nr. 2: Was für ein Lärm! Denn das Riesenorchester (Kaftan zu Beginn: "Wir sind heute mal in Kammerbesetzung gekommen"), das u.a. zehn Schlagzeuger, Celesta und Klaviaturglockenspiel beinhaltet, spielt über weite Strecken mehr oder weniger komplett, zurückhaltendere Abschnitte gibt es nur wenige.

    Wenn man sich darauf einlassen kann, sich dieser Überwältigungsmusik hinzugeben, macht das aber schon Spaß! Das wäre dann Starker Eindruck Nr. 3! Aber ein bißchen weniger breit ausgewalzt hätte es für mich schon sein dürfen. Starke Leistung des Orchesters, das in meinen Ohren unter Kaftan in den letzten Jahren nochmal einen ordentlichen Sprung nach vorne gemacht hat, ebenso von Tamara Stefanovich mit dem vermutlichen höllenschweren Klavierpart (inkl. zweier groß angelegter "Kadenzen").

    Hie und da ist mal jemand zwischen den Sätzen gegangen. Ansonsten war das Publikum im nicht ganz ausverkauften Opernhaus begeistert und gab den Musikern andauernde standing ovations!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Ansonsten war das Publikum im nicht ganz ausverkauften Opernhaus begeistert und gab den Musikern andauernde standing ovations!

    Ja! Sehr schön! Vielen Dank für Deinen Bericht! Das geht also auch mit Musik, die nach 1945 entstanden ist und nicht von Filmmusikkomponisten stammt!

    :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap: :clap:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat von Quasimodo

    Hie und da ist mal jemand zwischen den Sätzen gegangen.

    Zunächst wollte ich schreiben: Das verstehe ich bei diesem Werk wirklich nicht. Doch ich schreibe lieber: Das verstehe ich grundsätzlich wirklich nicht (solange kein Notfall vorliegt). Denn es ist wahrlich kein Zeichen von Intelligenz, mit Verlaub.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • [standing ovations]

    Ich glaube, das hat nicht wenig damit zu tun, dass es diese (eben nicht-fakultative) Einführung gab! Und dass die jemand gemacht hat, der sowas kann! Kaftan kann das. Kann sein, dass er das bei von ihm selbst dirigierten Konzerten häufig oder immer macht; beim letzten von mir besuchten Konzert hat er das auch getan und einiges Substanzielles über u.a. Weinbergs Trompetenkonzert (1967) erzählt - da gab's auch großen Beifall. Und ich glaube wirklich nicht, dass ausgerechnet die Bonner eine besondere Affinität zur neueren Musik haben.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • BLÄSERQUINTETTSUPERWERBUNG MIT WERMUTSTROPFEN

    Das Dandelion Quintett stellt sein Album „Windspiel“ im Bibliothekssaal Landsberg (Lech) vor, 9.2.2024, ein persönlicher Konzerteindruck

    Was für wunderbare Farben ergibt das Zusammenspiel der fünf Holzblasinstrumente Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott. Nicht satthören kann man sich daran, hat man erst mal Feuer gefangen wie der Schreiber neulich beim grandiosen Prüfungskonzert in der Münchner Musikhochschule. Im erfreulich gut besuchten, wunderschönen Alten Bibliothekssaal im 1749/50 erbauten ehemaligen Jesuitenkolleg in Landsberg am Lech stellen sie nun ihr Album „Windspiel“ vor, das am 16.2.2024 vom Label col legno music veröffentlicht werden wird.

    Auf der Homepage der Kammermusikgruppe wird der Name erklärt: „dan·de·li·on = Löwenzahn (Taraxacum), von mittelfranzösisch dent de lion, wörtlich „Zahn des Löwen“, auch Pusteblume genannt.“ Das Quintett spielt das seit dem 18. Jahrhundert entstandene Standardrepertoire für diese Besetzung, vergibt aber auch neue Aufträge.

    Oboistin Miriam Hanika moderiert das Konzert beherzt und launig, das gibt dem Abend eine sympathisch persönlichere Note.

    Es ist nur teilweise ein Wermutstropfen, dass Fagottist Arturas Gelusevicius an diesem Abend ausfällt. Relja Kalapis ist ein auf höchstem Niveau sich einfügender Ersatz, der freilich in kürzester Zeit nicht die Neukompositionen einzustudieren vermochte, wodurch das Konzert das Album live nur teilweise vorstellt, jedoch die Kompositionen, die im Konzert zu hören und aber nicht am Album enthalten sind, umso schmerzlicher auf dem Album fehlen. Ein Doppelalbum wäre wohl zu teuer geworden, vielleicht klappt es aber irgendwann mit einem weiteren Album, auf dem die drei Werke, die teilweise auch schon im Prüfungskonzert zu hören waren, festgehalten werden. Sie wären es unbedingt wert!

    Alexander von Zemlinskys letztes Werk, die Humoreske, stellt gleich den Farbenreichtum der Besetzung unter Beweis. Das Werk ist witzig pointiert und somit ein idealer Opener. Sehr schade, dass auch das Bläserquintett Nr. 1 von Jean Françaix nicht vom Album nachgehört werden kann – ein hochvirtuoses, auch originell humorvoll durchzogenes viersätziges Glanzstück für die Besetzung, technisch immens fordernd im Wechsel wie im Zusammenspiel, fesselt es von der ersten bis zur letzten Sekunde, zumal erst recht beim Tempo alla marcia francese Finalsatz, einem echten Hit. Sensationell, wie die fünf zusammenspielen, und auch so, als wäre der Ersatzfagottist immer dabei. Hochachtung vor dieser Leistung!

    Nach der Pause gibt es dann doch immerhin zwei Werke, die man bald von CD nachhören kann.

    Die Sechs Bagatellen von György Ligeti sind deutlich von Bartók und Strawinski beeinflusst und lassen den Farbenreichtum der fünf Instrumente umso schillernder und differenzierter erklingen. Wie sie mit Atemholen gemeinsam ansetzen, wie sie auf höchstem Niveau jede Nuance im Zusammenspiel zum Klingen bringen – wie beglückend ist das, was für gute Momente für die Menschheit sind das! Man nehme etwa die dritte Bagatelle (Allegro grazioso), in der ein Ostinato von Instrument zu Instrument wandert. Großartig, dass dieses Werk nun auch auf Tonträger vorliegt.

    Die Summer Music op. 31 von Samuel Barber bringt ein atmosphärisches Stimmungsbild voller ineinander übergehender wechselnder Stimmungen, die die Klangfarben des Bläserquintetts schon wieder spannend anders zur Geltung bringen.

    Den Abschluss macht Júlio Medaglias (*1938) Belle époque en sud America (2003) – Zucker fürs Publikum, schmissig konzertant virtuose, sofort ins Ohr gehende, mitreißende Kammermusik, teilweise an Piazzolla erinnernd. Schmerzlich nur, dass auch dieses Werk nicht Eingang ins Album gefunden hat.

    Mit diesem Programm hat das Dandelion Quintett gleichwohl virtuos und engagiert für die Besetzung und die Werke geworben, an diesem Abend verblüffend kongenial mit einem tollen Fagott-Einspringer, wofür das Publikum herzlich dankt - und mit einer kurzen, lyrisch verträumten Zugabe belohnt wird, dem zweiten Satz aus Iberts „Trios pièces braves“.

    Hier die CD:

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Beitrag von motiaan (25. Februar 2024 um 00:33)

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (25. Februar 2024 um 00:51).

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