Welches Musikstück möchtet Ihr zuletzt hören?

  • Welches Musikstück möchtet Ihr zuletzt hören?

    Hallo zusammen,

    ich höre gerade NDRKultur und da wird Roger Willemsen gefragt, welches Stück er zuletzt hören möchte.
    Er antwortet spontan, daß er ein Stück von John Coltrane hören möchte, a la after the rain - reduzierte, abgeklärte Musik.

    Es reizt mich, diese Frage Euch hier einmal zu stellen, sofern es nicht zu persönlich ist.

    Persönlich muß ich sagen, daß ich darüber noch nicht nachgedacht habe, aber ich werde in mich gehen und mich äußern.

    Nein, ich bin nicht in einer Herbstdepression ;+)

    Grüße
    Achim

  • Zu persönlich ist das nicht, aber eine schwierige Frage, die wohl niemand mal eben so beantworten kann.
    Wer weiß wie es mal sein wird, vielleicht befinde ich mich ja auf einem sinkenden Schiff, es gibt noch reichlich Champagner aber keinen Platz mehr im Rettungsboot. Dann könnte es durchaus Offenbachs Can-Can oder Georgette Dees Version von „All of me“ sein. Falls das Sterben etwas konventioneller ausfallen sollte wird es aber wohl Mozart werden. Zur Zeit tendiere ich sehr zum Finale aus „Le nozze di Figaro“. „Contessa perdono“. Ergreifender ist Vergebung nie erbeten und nie gewährt worden, und wenn es mal soweit ist haben wir sie wohl dringend nötig, die Vergebung.


    Ich habe mal eine Liste gemacht welche Musik auf meiner Beerdigung gespielt werden soll. Eigentlich schade, daß ich das nicht mehr mitkriege, das wird ein echt tolles Konzert ;+)

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • Meine Wahl fällt auf: Schubert: Der Tod und das Mädchen gesungen von Gerard Souzay.

    Lg Erni

    Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.

  • Bei mir Johann Christian Bach: Sinfonia concertante in Es für 2 Violinen, zwei Violen, zwei Oboen, zwei Hörner, Violoncello und Streicher.

    Es grüßt Peter
    (Und sollte es noch zu einer Zugabe reichen: Mozart: Sinfonia concertante in Es KV 364, II)

    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)

  • Bei mir wohl die Hl. Danksagung eines Genesenden an die Gottheit (Beethoven op. 132 3. Satz)

    Für mich das intensivste an Musik was ich je gehört habe.

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
    ----------------------------
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

  • Eric-Emanuel Schmitt wünscht sich angeblich "Drei Knäbchen, jung, schön, hold und weise, umschweben euch auf eurer Reise..."
    Falls es stimmt wäre das ganz sicher nicht die dümmste Wahl.

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • Tja, das setzt wohl voraus, daß man noch leidlich gut beisammen ist und sich tatsächlich noch auf die Musik konzentrieren kann. Wenn es in diesem Fall auf mich allein ankäme, wäre es wohl eher etwas Heiteres, aber man muß ein wenig auch die nachzulassende Umwelt und das Dekorum bedenken - also kämen etwa die "Sphärenklänge" von Josef Strauß in Betracht. Aber vermutlich würde ich trotz aller Liebe es vielleicht vorziehen, musikalisch unbegleitet sterben. Denn wenn ich mir vorstelle, ich fühle das Ende und es erklingt eines meiner Lieblingsstücke, dann würde mir der Gedanke, es vielleicht nicht mehr bis zum Ende anhören zu können, das Sterben eher vermiesen und mich womöglich in unwürdige Stimmung versetzen. Angenommen, der Onkel Doktor gibt mir aber, ohne zu lügen, noch ausreichend Zeit, dann wäre ich wahrscheinlich unbescheiden und würde mir, wenn schon nicht eine ganze Oper (Mozart, Verdi oder Wagner) so doch eine Symphonie von ausreichender Länge wünschen, also etwa die Pastorale (mit Furtwängler). ;+) Also sicherheitshalber lege ich mir jetzt gleich die Version von 1952 ein; man kann ja nie wissen in meinem Alter... :angel:

    Liebe Grüße

    Waldi

    ______________________

    Homo sum, ergo inscius.

  • Auch für mich keine Frage, etwas Schlichtes in C-dur:

    2. Satz (Andante) aus: Mozart, Klaviersonate G-dur, KV 283.

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • vermutlich wird vor oder während des Sterbens nicht der Wunsch nach Musik auffkommen (sondern eher nach chemischen Palliativen bzw. Morphium), vor allem da der Vorgang des Krepierens mit körperlichen Schmerzen, Defäkationen, Atemnot und Blutungen (innnere + äußeren) .. und . und .. und ..verbunden ist. Ganz zu schweigen von der - gelinde gesagt - unerfreulichen eigenen mentalen Disposition... => jetzt - vor allem im Zustand der Gesundheit und statistischen Lebenserwartung - ist für diesem Moment der Wunsch nach Musik kaum vorstellbar.. ?( ?( ?( ?( ?( ?( ?(

    :wink:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Hallo Waldi,

    mit der Pastorale liegst Du sicher nicht falsch,
    sie wurde in Soilent green zum Sterben aufgelegt. :thumbup:

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
    ----------------------------
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

  • Hoffentlich passiert danach nicht, was sonst noch in Soilent Green passiert außer die Pastorale hören... :hide:
    Amfortas, danke für die aufmunternden Worte. ;+)

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • stille Variante:
    Schubert, 2. Satz aus dem Streichquintett - danach kann mir alles egal sein

    unbescheidene Variante:
    Bruckner, 8. Sinfonie - nochmal das Mysterium dieser Welt revue passieren lassen

    theatralische Variante
    Janacek, Glagolitische Messe - schmerzstillende Wirkung, und letzte Tränen werden ausgedrückt

    melancholische Variante:
    Berg Violinkonzert - "Es ist genug"

  • Ich kann diese Frage leider nicht ganz unbefangen beantworten, da ich nciht wenige Menschen ins Sterben begleitet habe. Ein ästhetisiertes Sterben mit Konzertprogramm gibt es leider sehr sehr selten.

    Angesichts dieser Erfahrung möchte ich nichts als die Nähe eines mir vertrauten Menschen hören und spüren-nach allen Wahrscheinlichkeiten der Lebenserwartung wird das katastrophalerweise nicht mein Mann sein.

    Wenn Musik in diesem letzten Moment , dann der Schlusschoral aus der Johannespassion "Ach Herr, lass dein lieb Engelein"- das habe ich auch selbst all meinen Toten gesungen, und wenn ich wirklich in einer Situation sein sollte, in der ich titanicmässig bei voller Gesundheit den Tod vor Augen habe: "Qui la voce sua soave" gesungen von Maria Callas.

    F.Q.

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Das ist eine Frage, die man möglicherweise stellt, weil man zuviel im Kino oder in der Oper war. Manches Sterben habe ich begleitet, leider war nur ein Tod so vergleichsweise friedlich, dass man hätte auf die Idee kommen können, im Hintergrund leise Musik abzuspielen.

    ( :stumm: Wenn ich soweit bin, jedenfalls nichts Historisch Informiertes auf Originalinstrumenten. Das Sterben als solches ist schon hart und unangenehm genug :stumm: )

    Henning

    Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
    GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
    Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
    GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.

  • Wir haben an anderer Stelle bereits darüber geredet, welches Musikstück wir als Begleitung zum Weltuntergang hören wollen. Ich nannte damals Schumanns Papillons. Begründung: Die scheinbare Banalität dieser Stücke wird dem Ereignis in seiner Bedeutung gerecht. Dies behalte ich gerne bei, auch wenn in diesem Thread nicht die Welt, sondern nur man selbst untergeht.

    Falstaff

  • So, ich bin ja auch noch eine Antwort schuldig.

    Abgesehen davon, daß es (Amfortas !) nicht passend sein wird, stelle ich mir halt einen "malerischen" Abschied vor.
    Als teilweise unernster Mensch würde ich ein optimistisches Zukunftslied wählen wollen, wie Rudi Carell - wann wirds mal wieder richtig Sommer :D .

    Realistischer sind meine anderen Vorschläge: Ein Bachsches Klavierkonzert oder Bill Evans - Peace Piece.

    Mia schrieb über Musiklisten für ihre Beerdigungsfeier.
    Ich möchte eigentlich nicht, daß da mehr als ein Stück gespielt wird. Zum einen finde ich langdauernde Beerdigungsfeiern furchtbar, zum anderen möchte ich den Trauernden nicht die Musikstücke "ruinieren". Es gibt so manches Stück, daß ich wegen der aufwallenden Erinnerung nicht mehr hören kann.

    Grüße
    achim

  • Bei mir wäre es wohl, obschon ich aus der Kirche ausgetreten bin, die Kantate BWV 95 "Christus der ist mein Leben" (analog zu Henning in einer historisch uninformierten Version, z.b. der unter Rilling).

    Als Alternative käme noch die E-Dur-Fuge aus dem 2. Teil des Wohltemperierten Klaviers in Frage (ebenfalls historisch uninformiert, nämlich mit Edwin Fischer am Flügel).

    Viele Grüße

    Bernd

  • Das ist eine Frage, die man möglicherweise stellt, weil man zuviel im Kino oder in der Oper war. Manches Sterben habe ich begleitet, leider war nur ein Tod so vergleichsweise friedlich, dass man hätte auf die Idee kommen können, im Hintergrund leise Musik abzuspielen.

    Zuviel Kino oder Oper trifft auf mich definitiv nicht zu.
    Hingegen habe ich oft die Erfahrung gemacht, mich in der Musik ganz aufgelöst zu fühlen.
    Aus meiner Familie kenne ich auch eher den friedlichen Tod (zu Hause). Die Verbindung mit Musik drängt sich mir daher, ohne Oper und Kino, ganz von alleine auf (dabei denke ich übrigens gar nicht an reduzierte Lautstärke).

    Der Einwand allerdings, daß man einem Musikstück in der Erinnerung der Hinterbliebenen dauerhaften Schaden zufügen könnte, ist wohl berechtigt. Da werde ich mir vielleicht was ausdenken müssen. Hat hoffentlich noch Zeit...

    :wink: Khampan

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