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  • Brahms Doppelkonzert

    Daniel Lozakovich, Violine und Klaus Mäkelä, Cello

    Oslo Philharmonic wird vom Cello aus von Mäkelä nicht dirigiert

    Konzertmitschnitt aus Wien, 6.6.2024.

    So in etwa hatte ich es erwartet nach dem eher mittelmässigen Rachmaninov Trio letztes Jahr in Verbier. Aber ich war neugierig, wie sie mit einem Werk zurechtkommen würden, an dem sich viel grössere Namen mit langjähriger internationaler Bühnenerfahrung die Zähne ausbeissen. Nicht besonders beeindruckend, muss ich sagen. Die Geige klang zu oft verkratzt oder auch steif und das Cello zu oft zittrich und dünn und manchmal konnte man es kaum hören. Meiner Meinung nach sollte Mäkelä das Cello lieber eingepackt lassen. Aber auf mich hört ja keiner.

  • Soeben auch gesehen: Rheingold aus Zürich.

    Das Rheingold habe ich mir angesehen und war - milde formuliert - enttäuscht. So ein unerfreuliches Rheingold habe ich noch nie gesehen oder gehört.

    Loge war besonders unbefriedigend, um nicht zu sagen stimmlich unsauber und schwerfällig und schauspielerisch träge und langweilig. Sollte das etwa Jack Sparrow Pirate of the Carribean sein? Ich hoffe doch nicht. Wotan war stimmlich auch nicht überzeugend. Die Stimme war zu fest. Alberich ging und Mime war gut, ein Glück. Was aus dem Graben kam, war ungenügend, Die Inszenierung? Ja, die war gut gedacht, aber langweilig gespielt. Auch das ständige Zimmerwechseln konnte da nichts retten. Wie Alberich die Nicker über die Betten jagt...,,wie kann das so lahm wirken? Schade drum.

    I beg to differ!

    Die Drehbühne mit den wechselnden Zimmern/Szenerien fand ich zu Anfang (in der Rheintöchter-Szene) unpassend und das ganze etwas albern; sie erwies sich im weiteren Verlauf aber als geniale Idee, nicht nur, was die reinen (Unter-)Szenenwechsel anging, sondern - und vor allem - in Bezug auf die Fokussierung auf bestimmte Personengruppierungen, etwas, was in der Oper durch Libretto plus Musik häufig vorgegeben wird, in Operninszenierungen aber gerne den Bach hinunter geht. So hat man die beiden Riesen in ihrer Diskussion um die Frage "Weib oder Gold" plötzlich alleine auf der Bühne; und kaum wenden sie sich mit dem Ergebnis an die Götter, sind diese wieder anwesend! Überhaupt ist die Inszenierung, was die Verschränkung von Wort/Musik einerseits und deren Präsentation auf der Szene andererseits angeht, absolut herausragend! So etwas im Detail Genaues habe ich, glaube ich, noch nie gesehen! Der Einzug der Götter nach Walhall funktioniert dann in diesem Bühnenbild ähnlich schlecht wie die Anfangsszene, aber das eigentliche Schlussbild, wo die Götter bereits eingezogen sind, ist doch total gelungen! Wotan gibt den erfolgreichen Chef, Fricka sitzt steif daneben, Freia dreht sich verächtlich weg - und Loge tanzt sich selbst aus der Szenerie weg!

    Musikalisch sieht es allerdings nicht so schön aus! Nosedas extrem gedehnte Tempi nerven ziemlich schnell (zumal sie öfters eher zerdehnt und nicht selten verschleppt sind). Da hilft es wenig, dass das Orchester alles in allem sauber spielt. Die Sänger wurschteln sich mit viel unwagnerischem rubato durch diese zähe Brühe, wobei sie gelegentlich auch mal den Dirigenten überholen.

    Christopher Purves hat mir als Alberich weit besser gefallen als neulich aus London; er hatte allerdings enorm viele Textaussetzer, die er mit irgendeinem Kauderwelsch überbrückte. Matthias Klink (Loge) neigte stark dazu, aus der Singstimme zu fallen (insofern vielleicht "unsauber"), obwohl er auch öfter zeigte, dass er das eigentlich nicht müsste. "Schwerfällig" jedoch nicht mehr als die anderen, die sich diesem schwerfälligen Dirigat anpassen mussten. Sängerisch am zufriedenstellendsten wohl Claudia Mahnke (Fricka) und Kiandra Howarth (Freia). Tomasz Konieczny (Wotan) fand ich sängerisch schwach, zum Tremolieren neigende Stimme, viele starke Vokalverfärbungen. Die beiden Riesen klanglich zu harmlos. Szenisch fand ich die Sänger aber ausnahmslos, auch den Loge, sehr, sehr stark!

    Montag dann Walküre. Irgendwie muss ich das ja nächste Woche noch durchkriegen! Die Inszenierung jedenfalls lädt dazu ein!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • I beg to differ

    Nee, ich glaube wir sind schon so etwa einer Meinung.

    Ich fand die Drehbühne an sich auch gut, nur den Zimmerwechsel der Figuren nicht immer passend und manchmal sogar nervend, eben auch wie du sagtest zB zu Beginn bei den Rheintöchtern.

    Insgesamt eine gute Inszenierung, manchmal etwas lahm, unpassend albern und ohne Chemie zwischen den Figuren, aber meine Enttäuschung kam hauptsächlich durch die unbefriedigende musikalische Seite zustande.

  • Eins doch noch....

    Szenisch fand ich die Sänger aber ausnahmslos, auch den Loge, sehr, sehr stark!

    ....auch wenn es Jack Sparrow war? .....Diese Anspielung müsste doch dann irgendwie aufgegriffen werden oder sonstwie stimmig hineinpassen. Ich finde aber nichts derartiges.

  • auch wenn es Jack Sparrow war? .....

    Ich habe eher den Batman-Joker (und ein bißchen The Mad Hatter) assoziiert. Und schön böse ist dieser Loge ja schon!

    den Zimmerwechsel der Figuren nicht immer passend

    Einen solchen Kompromiss muss man bei einem Ring-Bühnenbild wohl meist hinnehmen (jedenfalls, wenn es was anderes werden soll als eine fast leere Bühne à la Wieland Wagner). Der Gesamtrahmen ist ja irgendwie eine großbürgerliche Wohnung; und um den Aufstieg des Bürgertums geht es ja im Ring auch sehr viel. S. auch Pelzmantel und Zylinder, die Alberich ab der 3. Szene trägt. In diese Szenerie bricht dann aber auch immer der Mythos hinein, und etwas Unwirkliches, etwa, wenn die Rheintöchter UND Alberich im Moment des Goldraubs fast zusammenbrechen; oder wenn Wotan den Riesen kaum entgegenzutreten vermag, weil die Runen seines Speeres das verhindern; etc. pp. So wird das Stück nicht auf die Sicht des Perfect Wagnerite (i.e. Kapitalismuskritik) reduziert, sie wird aber auch nicht einfach weggelassen.

    manchmal etwas lahm, unpassend albern und ohne Chemie zwischen den Figuren

    Da sind wir denn doch weit auseinander! Lahm fand ich gar nichts, die durchaus vorhandenen Albernheiten gerade nicht unpassend; und die Chemie zwischen den Figuren so großartig herausgearbeitet, wie ich das noch selten in einer Operninszenierung gesehen habe.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Da sind wir denn doch weit auseinander! Lahm fand ich gar nichts, die durchaus vorhandenen Albernheiten gerade nicht unpassend; und die Chemie zwischen den Figuren so großartig herausgearbeitet, wie ich das noch selten in einer Operninszenierung gesehen habe.

    Ja vielleicht sind wir dabei auseinander, aber eigentlich kommt die fehlende Chemie erst bei dem Wälsungenpaar und bei Siegfried und Brünnhilde.

    Lahm fand ich im Rheingold, wie Alberich die Rheintöchter jagte, das fand ich nicht wirklich engagiert. Es ist ja aber doch wirklich wichtig, wie geil der Typ ist und was dann genau deswegen geschieht. Den Regieführenden war das sicher klar, nur wurde es für mich von den Beteiligten nicht engagiert genug dargestellt. Das gelang bei Kosky neulich sehr viel besser, fand ich. Hier in Zürich war es eher ein kindliches Versteckspiel, wobei das auf die Rheintöchter ja noch passen würde, aber auf Alberich?

    Der Gesamtrahmen ist ja irgendwie eine großbürgerliche Wohnung

    ja, fand ich sehr gelungen. Mir gefiel auch das Drehen. ich glaube es gibt aber immer noch ein Missverständnis, wenn ich von Zimmerwechsel spreche. Ich kritisiere nicht, dass die Bühne gedreht wurde und sich die Figuren teils mitbewegten. Das passte schon alles ziemlich gut, fand ich.

    Aber es gab Momente - aus der Erinnerung heraus bei den Rheintöchtern zb, aber auch dann bei den Wälsungen - zu denen mir nicht klar wurde, warum bei Stillstand der Bühne soviel Bewegung der Figuren zwischen den Zimmern stattfand. Ok, die Rheintöchter sollen ja hin- und herschwimmen und mit dem Alberich ihre Spielchen treiben, aber wie gesagt, es war mir einfach ein zu kindliches Versteckspiel und dabei aber nicht lebendig genug und nicht wirklich geifernd sexuell motiviert von Alberich. Fand ich unpassend. Obwohl ich meine zu verstehen, was das sollte, also das Kindliche.

    Bei den Wälsungen gibt es ja dann wieder so ein kindliches Versteckspiel.....und später dann zwischen Brünnhilde und Siegfried wieder ähnlich. Ich frage mich, warum Liebe oder wie man es nennen will, so kindlich dargestellt wird. Die Antwort findet man eventuell dann später, denn bei Siegfried und Gutrune sieht man nichts Kindliches....warum hier eine Ausnahme gemacht wird, ist mir auch klar, denn es handelt sich nicht um natürlich enstandene Gefühle. So meine Deutung und so gesehen, ist das, was ich vorher als zu kindlich kritisiere verständlich und theoretisch auch völlig stimmig, nur finde ich es im Moment, in dem ich es betrachte zu schwach. Der Dampf entsteht nicht, welcher das Schicksals-Rad ins Rollen bringt. Sondern es war am Ende alles nur ein Sonntagnachmittag Kinderzimmer-spielchen. Und es kann sein, dass es genau das sein sollte. Das steht aber im Gegensatz zur emotional so hoch geladenen und ausdrucksstarken Musik.

    Wenn die Motivationen zu schwach erscheinen, dann erscheinen mir die sich daraus ergebenden Konsquenzen eine Nummer zu gross. Aber vielleicht will diese Inszenierung auch irgendwie darauf hinaus.....

    Insgesamt aber fand ich dies alles nicht wirklich störend, sondern fand die Inszenierung gut. (Was man da sonst alles so zu sehen bekommt.....)

    So sehe ich das nachdem ich alle 4 durchgeschaut habe, aber mal sehen was du dann so meinst.

  • Insgesamt aber fand ich dies alles nicht wirklich störend, sondern fand die Inszenierung gut.

    Ich gehe ja eigentlich immer davon aus, dass Regisseure genau wissen, was sie wollen. ...und 1 Stunde später passen alle meine gedanklichen Puzzelteile aneinander. Ich habe nichts Offizielles zur Inszenierung gelesen, gehe also nur nach dem, was ich selber gesehen habe.

    Vielleicht gibt es andere Deutungen, aber ich erkenne tatsächlich ein Kinderspiel im grossbürgerlichen Haus. Deswegen gibt es auch keinen halbwegs erwachsener Sex oder irgendeine Chemie, bis Siegfried auf Gutrune trifft, wo es ja dann insgesamt in der Handlung nicht mehr so unschuldig zugeht. Aber das ganze beginnt als ein naives, sogar leichtsinniges Kinderspiel, allerdings mit weitreichenden Konsequenzen. Am Ende sitzt Wotan in sich zusammengesunken vor dem abbrennenden Gemälde seiner Villa.....was haben die Kleinen da angerichtet....und er selber ist nicht unschuldig daran.

    Deswegen ist Loge auch Jack Sparrow oder so jemand und Hagen ist der Typ aus Star Wars....Han Solos Sohn oder so jemand in dieser Richtung. Irgendwelche Charaktere aus Filmen für Kinder/Jugendliche oder so gesinnte Erwachsene. Passt also doch.

    Mir sind jetzt alle Details klar, welche ich mit Fragezeichen versehen hatte. Zum Beispiel ist im ersten Aufzug von Siegfried das Haus schwarz, ok, gut, es wird hier ja auch etwas ungemütlich, dieses Spiel. Aber viel wichiger sind die Möbel, die wir schon kennen, nur diesmal völlig ausser Proportion gross im Gegensatz zu den Personen. Hier wird klar, dass die Konsequenzen der Handlungen den kindlichen Personen über den Kopf wachsen.

    Oder auch die gefallen Helden in Nachthemden und mit Spielzeugschwertern im Walkürenritt. Wie sie sich kindisch vorgetäuscht wehren gegen das spielerische Mobben der Walküren!

    So meine Gedanken und so ist die Inszenierung mE wirklich gut und stimmig. Sehr gelungen!

    Was für mich aber leider nichts daran ändert, dass es mich insgesamt gesanglich und musikalisch nicht beeindruckt hat.

  • in Zürich war es eher ein kindliches Versteckspiel, wobei das auf die Rheintöchter ja noch passen würde, aber auf Alberich?

    Da stimme ich zu! Deine zuerst stark abwehrende Haltung speiste sich ja vielleicht aus dieser Anfangsszene; und die war in der Tat nicht so gelungen. Oder aber da kommt noch was in der Rückschau ...

    Keine weiteren Spoiler bitte! ;)

    Heute ist Bruckner-Tag, morgen gibt's Kammermusik! walküre ist am Montag dran!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Giacomo Meyerbeer (1791-1864)
    Dinorah or Le Pardon de Ploërmel

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  • [Ring Zürich]

    So, die Walküre ist auch geschafft! Nach dem ersten Akt hatte ich das Gefühl, dass ich dieses lahme, zähe Dirigat nicht weiter würde ertragen wollen; es wurde dann besser. Von der Inszenierung bin ich inzwischen begeistert! Alles weitere nach der Götterdämmerung.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Nach dem ersten Akt hatte ich das Gefühl, dass ich dieses lahme, zähe Dirigat nicht weiter würde ertragen wollen; es wurde dann besser.

    war das eigentlich sein erster Ring? Kann doch eigentlich nicht sein, oder? Aber wenn man ihn manchmal bei der Tat ertappte, also in den Zwischenspielen usw, kam er mir etwas unsicher vor und auch nicht besonders kommunikativ, er klebte oft so an der Partitur.

  • Vielleicht wurde es schon hier erwähnt, aber bis repetita ....

    Marc-Antoine Charpentier: Médée - Opéra de Paris - Programm in voller Länge | ARTE Concert
    Lea Desandre, William Christie und Les Arts Florissants holen Marc-Antoine Charpentiers Oper Médée in einer Inszenierung von David McVicar an die Pariser…
    www.arte.tv

    Marc-Antoine Charpentier: Médée

    mit Lea Desandre, Reinhoud Van Mechelen, Laurent Naouri, Ana Vieira Leite ...

    Choeur et Orchestre Les Arts Florissants, Leitung William Christie

    Regie: David McVicar

    Aufzeichnung vom 03. und 07.05.2025 in der Pariser Oper (Palais Garnier)

    Ich wollte einfach reinschauen und habe erst beim Abspann 3 Stunden später ausgeschaltet ...

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Wahrscheinlich war ich von Deiner positiven Ankündigung unterschwellig beeinflusst, als ich beim Browsen in Arte Concert darauf geklickt habe ...

    Médée kannte ich nämlich nur dem Namen nach ...

    Zuerst fand ich den Text von Thomas Corneille viel ansprechender als manches Libretto von Quinault & Co. Thomas hat schon etwas von Pierre übernommen :-). Die Inszenierung ist zwar nicht revolutionär aber sie funktioniert. Thomas und McVicar schaffen es, den Mythos zu entstauben, um dieses verbrauchte Wort zu benutzen. Die Ballettszenen wirken nicht als Fremdkörper, die Personenregie war auch gut einstudiert.

    Für Rossinis Zelmira in Pesaro (auch auf der Tube verfügbar) war dem Regisseur tatsächlich "[kaum] mehr dazu eingefallen als die Handlung in die Zeit des 2. Weltkriegs zu verlegen". McVicar hat schon viel mehr gemacht als nur eine "Médée in modernem Outfit".

    Die Sänger sind durch die Bank hervorragend, auch als Schauspieler, und da kann man dafür auch den Regisseur loben, Reinhoud Van Mechelen als Jason vielleicht ein klein bisschen too much, aber nur minimal. Lea Desandre gefiel mir schon vom Anfang an. William Christie und seine Truppe - hier braucht man nichts mehr zu sagen.

    Ich freue mich für Dich, dass Du es live erlebt hast. Wohl wirst Du bei der Aufzeichnung noch viel mehr sehen als ich.

    Aber ich würde ohne zu zögern diese Aufnahme jedem empfehlen, der die französische Oper des grand siècle mag oder mögen möchte.

    Alles, wie immer, IMHO.

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