Leider soeben verstorben - Der Nekrologthread

  • Pardon, aber ich sehe keinen Grund, sich über den Tod eines Menschen zu mokieren, nur, weil er politisch unterschiedliche Ansichten vertreten haben mochte und zum heute wenig geschätzten Adel gehörte. Auch er konnte schließlich nichts dafür, in welche Familie er geboren wurde.

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • ich wollte mich auch gar nicht mokierend ausdrücken. ich habe ja auch gar keine schlechte Meinung von ihm.

    :wink:

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Da ich mit Ihrer Majestät Kaiserin Zita in Breifwechsel stand, tut mir das Ableben Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit Otto von Habsburg sehr Leid, er war ein außergewöhnlicher Mensch und ein Europäer, der sich keinesfalls nach einer Monarchie in Wien sehnte, sondern für ein Geeintes Europa ein großer Vorreiter war, wenn auch nicht alles so gelungen ist, wie er es sich wünschte. Österreich hat ihm nach 1945 sehr viel zu verdanken, dass es wieder erstehen konnte und nicht in den Warschauer Pakt kam.

    Die Gnadenmutter von Mariazell, die Magna Mater Austria, Hungaria und Bohemia sei ihm gnädig und helfe seiner Familie den Schmerz über einen geliebten Vater, Groß- und Urgroßvater und den Schmerz zu tragen.

    Gott sei seiner Seele gnädig.

    R.I.P +

  • ich wollte mich auch gar nicht mokierend ausdrücken. ich habe ja auch gar keine schlechte Meinung von ihm.

    :wink:

    Die Bemerkung "Da wird aber jemand untröstlich sein" läßt durchaus auf Ironie schließen. Denn daß der Tod eines Menschen einen Hinterbliebenen untröstlich macht, liegt in der Natur der Sache. Wenn man es extra erwähnt, meint man daher in der Regel das genaue Gegenteil. Dabei darf man vor allem nicht in den Fehler verfallen, die ganze Familie Habsburg an Kaiser Franz Josef II. zu messen. Was den Verstorbenen betrifft: Er war ein Gegner Hitlers vom ersten Moment an, und Österreich hätte zu dieser Zeit wohl mehr Persönlichkeiten wie Otto Habsburg gebraucht. Es war und ist nicht automatisch alles immer schlecht, nur, weil es von Seiten der Habsburger kommt.
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • War es nicht auch Otto von Habsburg, der durch seinen endgültigen Verzicht auf den Thron das Ende der Habsburger-Dynastie amtlich machte?

    Die Welt verliert einen Europäer und Kosmopoliten, zudem einen Zeitzeugen für die finstersten Epochen der Welt. Er ruhe in Frieden und dem Gefühl eines langen, erfüllten Lebens.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Lieber Edwin!

    Da hast völlig Recht, denn Dr. Otto von Habsburg hat dem letzten Bundeskanzler der Ersten Republik Dr. Karl Schuschnigg ermahnt, die Volksabstimmung vor dem 13. März 1938 zu machen, doch da war es zu spät, denn an diesen Tag wurde Österreich zur Ostmark und die Gegner Hitlers landeten im KZ.

    Leider, und das muss ich betonen, hat meine Generation lange Jahrzehnte nichts über das Kommende dann gehört, es wurde verschwiegen, aber erst der spätere Bundeskanzler, der Zweiten Republik Dr. Bruno Kreisky, "erlaubte" der Kaiserin, durch eine völlig unbürokratische Weise, in Österreich einzureisen. Du hast wieder Recht, alles kann man dem alten Kaiser vorwerfen, den 1.Weltkrieg wollte er auch nicht. Die Habsburger sind nicht immer an allem gewesen Schuld gewesen und gerade der Sohn des letzten Kaisers Karl I. war mehr Europäer, als es manche österreichischen Politiker, heute, in Brüssel sind - vielleicht weil sie, die Habsburger und Otto von Habsburg, Europa, durch etwa 650 Jahre, im "Blut" haben und hatten.

    Und noch etwas - wir Österreicher haben seit dem 12.11.1918 eine Republik, aber wir machen mit der Monarchie noch das beste Geschäft abgesehen von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph II. und Mayerling, den Wiener Sängerknaben und den Lippizanern, in jedem Souvenierladen sind der alte, oder der junge, Kaiser abgebildet, sei es auf Kaffeehäferln oder Tellern und alles wird verkauft oft zu teuren Preisen.

    Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink:

  • Sach ma, lieber Streifen-Peter, Du kennst och Jott und die Welt, oder? :D (<-- kleine Anspielung auf deine Studien ;))

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Es war und ist nicht automatisch alles immer schlecht, nur, weil es von Seiten der Habsburger kommt.

    Stimmt. Die Marburger Erklärung vom Frühjahr 2009 kam keineswegs von Seiten der Habsburger. Otto hat nur seinen Namen darunter gesetzt. Ist aber nicht so schlimm. Hat mich nur erstaunt. Ebenso wie die merkwürdigen Statements, die er dereinst (muss so 2001 rum gewesen sein) in Interviews mit »rechts-intellektuellen« Zeitungen hat verlauten lassen.

    Kennengelernt hab den Herrn übrigens im Rahmen der Feierlichkeiten zur Verleihung des 1. Franz-Werfel-Menschenrechtspreises 2003 in FFM (keine Sorge: ich habe den Preis nicht bekommen ;+) ) und beim Essen ein bissel mit ihm plaudern können. Sehr nett war das. Und durchaus beeindruckend, mit einem Menschen zu sprechen, der als Akteur durch die Verwerfungen des 20 Jahrhunderts hindurch gegangen ist. I-wie schien er jedenfalls sehr aus der Zeit gefallen zu sein.

    Briefe haben wir danach nicht gewechselt.

    Möge er seinen Frieden finden.

    Klaus Tenfelde ist übrigens auch gestorben. Am vergangenen Samstag schon. Traurig.

    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Dr. Habsburg

    Ich möchte nur daran erinnern, dass die Monarchie - und auch alle Adelstitel - in Österreich bereits 1918 abgeschafft worden sind. :boese: :boese:

    Michael

  • RE: Dr. Habsburg

    Ich möchte nur daran erinnern, dass die Monarchie - und auch alle Adelstitel - in Österreich bereits 1918 abgeschafft worden sind. :boese: :boese:

    Michael


    Daher bei mir auch Otto Habsburg, aber Kasier Franz Joseph II. :D
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • Die Marburger Erklärung vom Frühjahr 2009 kam keineswegs von Seiten der Habsburger. Otto hat nur seinen Namen darunter gesetzt. Ist aber nicht so schlimm. Hat mich nur erstaunt. Ebenso wie die merkwürdigen Statements, die er dereinst (muss so 2001 rum gewesen sein) in Interviews mit »rechts-intellektuellen« Zeitungen hat verlauten lassen.

    Lieber Algabal,
    wer aus solch einer Tradition kommt, denkt nicht in allen gesellschaftspolitischen Fragen so liberal, wie wir es uns im Idealfall erträumen, vor allem dann nicht, wenn es eine starke Verbindung zur katholischen Amtskirche gibt, die Homosexualität nach wie vor als Sünde einstuft und damit impliziert, daß man sich freiwillig entscheidet, ob man homo- oder heterosexuell sein will. Daß Otto Habsburg in vielen Fragen nicht mit meinen eigenen Überzeugungen übereinstimmte, leugne ich dabei gar nicht. Er war nur ein meist klug argumentierender Politiker, der immer wieder über den eigenen Tellerrand hinauszublicken vermochte. Daß ausgerechnet der Sozialist Bruno Kreisky ein gutes Verhältnis zu den Habsburg-Nachfahren entwickelte, kommt nicht von Ungefähr: Man war sich einig in dem Punkt, nicht nur das eigene Land zu sehen, sondern das eigene Land in einem weltweiten Zusammenhang zu platzieren.

    Auch um Tenfelde ist mir leid - hat er nicht ziemlich Erhellendes über Krupp geschrieben?
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • Lieber Michael!

    Es stimmt sehr wohl, dass in Österreich am 12. 11. 1918 die Adelstitel abgeschafft wurden, jedoch Otto von Habsburg nicht in Österreich lebte, sondern in Pöcking am Starnbergersee, in der Hindenburgallee, hat er das Recht auf den Adelstitel. Sein Sohn Karl, der in Österreich auch seinen Militärdienst gemacht hat, fühlt sich zuerst als Salzburger und nicht als Adeliger.

    Liebe Grüße und nichts für ungut. [P.S.: Ich denke kaum, dass es ein Land gibt wo jeder Titel derart oft verwendet, auch der Adelstitel, in einem Land, wo der Adel abgeschafft wurde - und derjenige, der ihn hatte, die Nase rümpft wenn er nicht verwendet wird - von den Gattinnen der Doktoren, die wieder ihren Doktor am Standesamt machten ganz zu schweigen].

    Lieber Wulf!

    Dass ich mit der ehemaligen, letzten, Österreichischen Kaiserin und Königin von Ungarn Zita in Briefverkehr stand, war lange vor meinem Studium, sondern ich fand in ihr eine bemerkenwerte Frau, die mir zu einem runden Geburtstag [ich glaube es war der 90e] ihr Bild mit Dankeswünschen schenkte, hat mich gefreut und dass ich heute noch die Telefonnummer von Pöcking habe, aber schon lange nicht verwendet habe, hat bei mir mit der Geschichte und den Persönlichkeiten zu tun.

    Übrigens am 16.7. ist die Bestattung in der Wiener Kapuzinergruft, gemeinsam mit seiner Gattin Regina, wir haben also wieder eine Art Kaiserbegräbnis, nach dem 1.4.1989, das soll uns eine andere Republik nachmachen.

    Liebe Grüße sendet Peter. :wink:

  • Lieber Peter,
    ich finde, daß man in einem freien Forum auch Monarchist sein kann (es gibt ja noch einige gute Monarchien auf der Welt, siehe Holland usw.), und warum solltest Du nicht Kontakt mit Otto von Habsburg gehabt haben und mit seiner Mutter, Kaiserin Zita? Ist ja auch nicht verboten. Meine Mutter hat sie noch persönlich gesehen und deren Familie waren durchwegs monarchistisch eingestellt, als es die Monarchie noch gab.
    Die Tatsache, daß Otto von Habsburg und sogar seine Gattin in der Wiener Kaisergruft, der Kapuzinergruft beigesetzt werden, scheint mir schon typisch für Wien zu sein, wo wohl doch nicht alle Monarchiefeinde zu sein scheinen, denn anders kann ich mir dies nicht erklären.
    Übrigens ist es, wie gesagt, nicht verboten, lieber Peter, Monarchist zu sein, so weit sind wir noch nicht, aber Otto von Habsburg war wohl vor allem eines: ein übrzeugter Europäer und darin wäre er wohl mehr als modern.
    Herzliche Grüße nach Wien
    Robert aus dem Gebiet der ehemaligen k.u.k Monarchie.

    PS: Otto ist nur in Österreich kein "von", sonst wird er wohl überall auf der Welt so tituliert, wir unterliegen ja nicht diesen rein spezifisch österreichischen Rechtsnormen.

  • Zitat von robert

    ,
    ...ich finde, daß man in einem freien Forum auch Monarchist sein kann...

    ...Übrigens ist es, wie gesagt, nicht verboten, lieber Peter, Monarchist zu sein, so weit sind wir noch nicht,...

    Lieber Robert,

    stört mich nicht übermäßig, aber gem. Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und Bundes-Verfassungsgesetz der Republik Österreich handelt es sich um Republiken. Ein bisschen mehr Verfassungstreue wäre angebracht.

    ..."gute Monarchien"...Holland bzw. Niederlande...Pah!

    ;+)

    Bis dann.

  • ich finde, daß man in einem freien Forum auch Monarchist sein kann

    Na ja und ob, lieber Robert, lieber Peter.

    Selbst wenn wir natürlich in einer Republik leben sind Gedanken und Meinungen zollfrei. Das kann jeder halten wie er will, ich mag unsere Wittelsbacher, die immerhin über 800 Jahre in Bayern das Sagen hatten, auch ganz gern. Was jetzt nicht heißt, daß ich Bayern lieber noch als Königreich sähe.

    Otto von Habsburg war ein großer Europäer und das ehrt ihn sehr. Er möge in Frieden ruhen, von mir aus gern in Wien.


    Liebe Grüße aus München

    Kristin :wink: :wink: :wink:

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Ein Vorfahr meines Mannes legte seinen Adelstitel bereits vor 250 Jahren ab mit der Bemerkung, der Adel des Geistes zähle mehr als der Adel der Geburt - das ist zweifelsohne richtig, aber ich glaube, unser heutiges Bild vom Adel, wo und unter welchen Umständen es ihn denn überhaupt noch gibt, ist eher geprägt von den schwachmatischen Vertretern mit irgendeinem Titel, die sich dem Jet Set zugehörig fühlen und keine Kamera auslassen als von denen, denen ihr Name und ihre Geschichte Verpflichtung zu einem Engagement für das Gemeinwohl sind.

    Ich empfehle zur erheiternden Lektüre Nancy Mitfords Essay "English Nobility" - Mitford behauptet verkürzt gesagt, wirklichen Adel gebe es ohnehin nur in England, und alle anderen Nationen täten nur so. Hat was für sich.

    Grüße!

    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

  • Liebe Honoria!

    Da ich Deinen Mann persönlich kenne, kann ich ihm den Adel des Herzens, auf alle Fälle, zusprechen.

    Und wenn ein Mann, wie Otto von Habsburg adelig war, dann ist nichts entgegenzusetzen, zumal in Deutschland, meines Wissens, der Adel bis heute nicht abgeschafft wurde und auch er und auch seine Gattin Regina hatten den Adel des Herzens, und das weiß ich aus persönlichen Gesprächen mit ihm und mit ihr.

    De Adel des Herzens hat jeder Mensch, schon weil er ein Ebenbild des Schöpfers ist [und da kann man den nennen, wie es einem, religiös oder nicht, ist] und den sollte er sich bewahren, ob in einer Monarchie oder in einer Republik [auch wenn unsere beiden erst seit 1919 bestehen und auch in der Verfassung verankert sind, was ist das schon].

    Liebe Grüße und Handküsse sendet Dir Peter aus Wien und recht liebe Grüße an Deinen lieben Mann. :wink: :wink:

  • Lieber Robert,

    stört mich nicht übermäßig, aber gem. Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und Bundes-Verfassungsgesetz der Republik Österreich handelt es sich um Republiken. Ein bisschen mehr Verfassungstreue wäre angebracht.

    "angebracht"? Wo kümmert mich das denn? Ich bin in einer anderen Republik stolzer Monarchist. Soll man mich anzeigen für. :troest:

    LG
    Tamás
    :wink:

    "Vor dem Essen, nach dem Essen,

    Biber hören nicht vergessen!"


    Fugato

  • Meine Lieben!

    Ich würde der Moderation empfehlen den Thread wegen dem Ableben von Otto von Habsburg zu schließen, es wird zu viel Öl ins Feuer gegossen und das hat ein Musik- und Kulturforum nicht nötig. Wir sind schließlich alle hier um uns auszutauschen und nicht zu politisieren.

    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :wink:

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