In der Lohe bappt’s schon - auf zum Bayreuther Ring 2020-2022

  • Ich bezog mich darauf, dass die Publikumsreaktion allein nicht der absolute Gradmesser sein muss und insofern auf den Chereau-Ring verwiesen, der bei seiner Premiere noch weit heftigere Ablehnungen hervorrief. Mehr nicht.


    Cherubino hat natürlich einen Punkt, wenn er sagt, dass die Ablehnung diesmal einhellig, also auch seitens der professionellen Musik-Kritik ausfällt. Aber das war ja wie gesagt nicht dein Punkt, dir genügte die Publikumsreaktion, und das halte ich für nicht hinreichend/überzeugend.


    Bezüglich der von dir heraufbeschworenen „Trendwende“ hat wiederum Cherubino das Entscheidende angemerkt.


  • Bayreuther Festspiele: „Götterdämmung“, dritter Akt – Applaus und Buhs - WELT
    Es ist vorbei. Wie erwartet mit hysterischen Buhs für Valentin Schwarz. Aber auch mit Bravos. Wie auch von unserem Autor Peter Huth, der eine Woche von den…
    www.welt.de

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Aber das war ja wie gesagt nicht dein Punkt, dir genügte die Publikumsreaktion, und das halte ich für nicht hinreichend/überzeugend

    Nein, das ist nicht richtig. Ich erwähnte noch das Feuilleton, vielleicht liest Du nochmal nach.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Wir haben in Bayreuth doch schon beide Varianten erlebt (oder vielleicht eher darüber gelesen): Avantgardistische Inszenierungen, die erst ausgebuht wurden und später zu Klassikern (wie eben den Chérau-Ring oder Neuenfels´ "Rattengrin") und avantgardistische Inszenierungen, die erst ausgebuht wurden und sich auf lange Sicht tatsächlich als Reinfall erwiesen haben (wie Baumgartens "Tannhäuser" in der Biogasanlage). Die Reaktion des Publikums bei der Premiere ist ein Indikator für die spontane Reaktion im Haus bei der Premiere und für sonst gar nichts, weder dafür, dass die Inszenierung wirklich schlecht ist, noch dafür, dass sie eines Tages zum Klassiker werden wird.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Cherubino , da gebe ich Dir völlig recht, nur habe ich das dumpfe Gefühl, daß sich dieser "Ring" zu dem "Biogas-Tannhäuser" gesellen wird....Nur so ein Bauchgefühl.

    Und ich sage es nochmal: vielleicht hat er ja eine wichtige Funktion. Mich zumindest würde es freuen.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Der neueste Newsletter von Karl Russwurm vom RWVM


    "Starkregen für Valentin Schwarz


    Liebe Mitglieder und Freunde,


    lange Wochen war es trocken, zu trocken und heiss...

    Als wir gestern nach der Götterdämmerung aber aus dem Kino kamen, fühlten wir uns alle wie

    Valentin Schwarz und sein junges Team:

    Wir standen buchstäblich im Starkregen und sehnten uns dennoch nicht wirklich nach Verlängerung.

    Das Regie-Eigentor-Schießen in Bayreuth war ja mit 0:4 beendet.

    Entsprechend lange hatte es gedauert, bis der junge Ringwelten-Createur sich dem Publikum zeigte.

    Dann entluden sich die düsteren Gewitterwolken mit ziemlicher Tendenz zum Wüten.

    Wie eindeutig ablehnend die Stimmung im Parkett aber tatsächlich war, ist in der Übertragung schwer zu beurteilen."

    Zitat Ende

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Was ich mir hier in diesem Thread wünschen würde und bei einigen bis jetzt vermisse, ist insgesamt eine ganz individuelle und durchaus subjektive Beurteilung dessen, was man gesehen und gehört hat (und zwar möglichst in Gänze und nicht bloß zwei oder drei Minuten), und nicht einfach der Verweis auf — die eigene Meinung/das eigene (Vor-)Urteil unterstreichende — externe Kritik oder das Herunterbeten von Gemeinplätzen.

    Also: Was hat Euch/Ihnen gefallen, was nicht und warum? Wie fandet Ihr die Personenregie? Wie fandet Ihr die sängerischen Leistungen? und und und.

    Mich interessiert es echt nicht die Bohne, wie es jemandem missfallen hätte, wäre er denn dabeigewesen (live oder vor Ort), oder Infos aus 2. Hand oder was der Onkel gesagt hat. ;)

    Wie wär’s also mit einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Bayreuther Interpretation?

  • Cherubino , da gebe ich Dir völlig recht, nur habe ich das dumpfe Gefühl, daß sich dieser "Ring" zu dem "Biogas-Tannhäuser" gesellen wird....Nur so ein Bauchgefühl.

    Und ich sage es nochmal: vielleicht hat er ja eine wichtige Funktion. Mich zumindest würde es freuen.

    Nach allem, was ich bisher darüber gelesen habe, kann ich mir das auch gut vorstellen. Es ist völlig egal, ob eine Inszenierung in einer traditionellen oder einer avantgardistischen Ästhetik gehalten ist und es ist auch völlig egal, wie sie sich zum Text des Stückes verhält: Um auf lange Sicht zum Klassiker zu werden, muss sie eine gute Idee haben, in sich schlüssig und handwerklich gut gearbeitet sein. Die Ästhetik der Arbeiten von Chérau oder Neuenfels hat vielen Menschen nicht gefallen, aber niemand hat bezweifelt, dass sie ihr Handwerk verstanden haben, dass das, was sie getan haben, durchdacht, in sich konsequent und präzise umgesetzt war. Und genau das wird an Valentin Schwarz´ Inszenierung jetzt ja in der Hauptsache kritisiert: Dass sie in sich nicht konsequent und schlüssig sei und handwerkliche Schwächen aufweise.


    Die Kritik, dass sie das Stück zu sehr entpolitisiere und zu sehr von der Familien- und Generationenthematik her denke, halte ich dagegen wie geschrieben für unfair: Wenn der Regisseur sich für diesen Zugang entschieden hat und das gut umsetzt, halte ich das für völlig legitim, auch wenn ich den Einwand von professionellen Musikkritikern verstehe, der "Ring" sei nun einmal ein Welterklärungsdrama, da könne man sich nicht drum herum mogeln. Ich verstehe diesen Einwand und sage trotzdem: Doch, man kann. Man kann auch einfach eine gute, spannende Geschichte erzählen. Wenn man es denn kann. Ob Valentin Schwarz es kann, weiß ich nicht, ich habe die Inszenierung nicht gesehen - aber die Meinungen gehen da ja auseinander.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Wie fandet Ihr die sängerischen Leistungen?

    Dazu habe ich ja nach jedem der vier Teile schon Einiges geschrieben. Hast du die Übertragungen auch gehört? Dann würde ich mich freuen, wenn du auf diese Beiträge eingehen würdest! :) Die Beiträge sind da (nicht nur von mir, auch von anderen), du musst sie dir nur herauspicken!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Wenn sich offenbar in diesem Punkt mein Musiktheater-Versrändnis mit seinem deckt, freut mich das.

    Das ist vollkommen in Ordnung, wenn Dich das freut. Allerdings bedeutet das noch lange nicht, daß das, was Argonaut oder Du denken, zur "Allgemeinbildung" gehört.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Wie fandet Ihr die sängerischen Leistungen?

    Dazu habe ich ja nach jedem der vier Teile schon Einiges geschrieben. Hast du die Übertragungen auch gehört? Dann würde ich mich freuen, wenn du auf diese Beiträge eingehen würdest! :)

    Nein, ich habe die Übertragung(en) eben nicht gehört bzw. nicht umfänglich genug, um mir irgendein gründliches Urteil bilden zu können. Schon aus diesem Grunde wünschte ich mir eben mehr fundiertes Feedback. Und natürlich habe ich die hier eingestellten Beiträge gelesen, und mit ganz besonderem Interesse jene, die sich konkret und sachkundig auf Inszenierung und musikalische Ausgestaltung beziehen. Aber um mit jenen mitzudiskutieren, die etwas Relevantes zu erzählen haben, dazu fehlt mir derzeit ein umfangreicher Höreindruck.

  • Wie fandet Ihr die sängerischen Leistungen?

    Dazu habe ich ja nach jedem der vier Teile schon Einiges geschrieben. Hast du die Übertragungen auch gehört? Dann würde ich mich freuen, wenn du auf diese Beiträge eingehen würdest! :)

    Nein, ich habe die Übertragung(en) eben nicht gehört bzw. nicht umfänglich genug, um mir irgendein gründliches Urteil bilden zu können. Schon aus diesem Grunde wünschte ich mir eben mehr fundiertes Feedback. Und natürlich habe ich die hier eingestellten Beiträge gelesen, und mit ganz besonderem Interesse jene, die sich konkret und sachkundig auf Inszenierung und musikalische Ausgestaltung beziehen. Aber um mit jenen mitzudiskutieren, die etwas Relevantes zu erzählen haben, dazu fehlt mir derzeit ein umfangreicher Höreindruck.

    Also hast du die Antwort auf deine Fragen gefunden, mit Interesse gelesen, kannst selber aber nichts dazu sagen, weil du die Übertragungen nicht gehört hast? Dann ist doch alles gut, was vermisst du dann noch? :)

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Reinhard J. Brembeck heute in der SZ über die Natur des Buh.


    Cherubino , Du würdest Dich bestätigt fühlen:


    Zitat:

    "So können die dann in Opernhäusern unvermeidlichen Buhs sowohl einer Verhunzung als auch einer genialen Neudeutung oder gar einer neuen Ästhetik gelten. Das vieldeutige Buh ist besser als sein Ruf." Zitat Ende.


    Der Artikel ist leider "reduced", aber vielleicht hat ja der eine oder die andere die Möglichkeit, sich die Wochenend-SZ zuzulegen. Der Artikel ist wirklich interessant:


    Buh
    Der „Siegfried“ in Bayreuth ist mit lautstarker Kritik vom Publikum abgestraft worden. Warum das so wichtig für die Bühnenkunst ist wie „Bravos“ und Applaus.
    www.sueddeutsche.de

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Wie fandet Ihr die sängerischen Leistungen?

    Dazu habe ich ja nach jedem der vier Teile schon Einiges geschrieben. Hast du die Übertragungen auch gehört? Dann würde ich mich freuen, wenn du auf diese Beiträge eingehen würdest! :)

    Nein, ich habe die Übertragung(en) eben nicht gehört bzw. nicht umfänglich genug, um mir irgendein gründliches Urteil bilden zu können. Schon aus diesem Grunde wünschte ich mir eben mehr fundiertes Feedback. Und natürlich habe ich die hier eingestellten Beiträge gelesen, und mit ganz besonderem Interesse jene, die sich konkret und sachkundig auf Inszenierung und musikalische Ausgestaltung beziehen. Aber um mit jenen mitzudiskutieren, die etwas Relevantes zu erzählen haben, dazu fehlt mir derzeit ein umfangreicher Höreindruck.

    Also hast du die Antwort auf deine Fragen gefunden, mit Interesse gelesen, kannst selber aber nichts dazu sagen, weil du die Übertragungen nicht gehört hast? Dann ist doch alles gut, was vermisst du dann noch? :)

    Vielleicht noch ein paar andere Meinungen? Von anderen Personen? Hm? Grins1

  • Cherubino , Du würdest Dich bestätigt fühlen:


    Zitat:

    "So können die dann in Opernhäusern unvermeidlichen Buhs sowohl einer Verhunzung als auch einer genialen Neudeutung oder gar einer neuen Ästhetik gelten. Das vieldeutige Buh ist besser als sein Ruf." Zitat Ende.

    Ich habe aber auch geschrieben, dass ich das Buhen an und für sich für eine Unart halte. Mein Eindruck ist, dass diese Unart außerhalb von Bayreuth in den deutschen Opernhäusern auch schon ziemlich ausgestorben ist.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Mein Eindruck ist, dass diese Unart außerhalb von Bayreuth in den deutschen Opernhäusern auch schon ziemlich ausgestorben ist.

    Zumindest gegenüber SängerInnen, und diese Buhs finde ich auch nicht in Ordnung. Aber ehrlich gesagt, wenn mann Iréne Theorin 2 "Ring"- Teile ertragen mußte.....

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Cherubino , Du würdest Dich bestätigt fühlen:


    Zitat:

    "So können die dann in Opernhäusern unvermeidlichen Buhs sowohl einer Verhunzung als auch einer genialen Neudeutung oder gar einer neuen Ästhetik gelten. Das vieldeutige Buh ist besser als sein Ruf." Zitat Ende.

    Ich habe aber auch geschrieben, dass ich das Buhen an und für sich für eine Unart halte. Mein Eindruck ist, dass diese Unart außerhalb von Bayreuth in den deutschen Opernhäusern auch schon ziemlich ausgestorben ist.

    Ich empfehle dieses Standardwerk: https://www.amazon.de/Das-Sopr…oprano%2Caps%2C135&sr=8-4

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Das Engagement von Frau Theorin kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Dieser Thread hat ja im September 2019 begonnen, da haben wir uns über die Besetzung des damals für das kommende Jahr geplanten Bayreuther "Rings" unterhalten und auch über die Brünnhilden gesprochen (wer mag, kann ja nochmal auf den ersten Seiten nachlesen). Von Iréne Theorin war damals noch keine Rede, sie ist erst relativ kurzfristig für diese Produktion engagiert worden und zwar ausgerechnet für die beiden langen Brünnhilde-Partien, während die kurze "Siegfried"-Brünnhilde wie von Anfang an geplant bei der auch nicht rundum beglückenden, aber doch jüngeren, frischeren Daniela Köhler blieb. Klar sind alle auf der Suche nach der neuen Hochdramatischen, nach der neuen Birgit Nilsson, aber es ist doch nicht so, dass man diese Rollen nicht besetzen könnte: In den letzten beiden "Ring"-Produktionen hatte Bayreuth mit Linda Watson und Catherine Foster zwei richtig, richtig gute Brünnhilden, das war in beiden Fällen ein sängerischer Höhepunkt der jeweiligen Ringe - dieses Mal haben die Verantwortlichen ziemlich daneben gegriffen.

    (und ich werde auch kein Fan der allseits gelobten Lise Davidsen mehr... auch Elisabeth Teige hat sich für meine Ohren nicht unbedingt für größere Aufgaben empfohlen)


    Das hochdramatische Tenorfach ist eigentlich ja mindestens genauso schwer zu besetzen, da hatten die Festspiele aber das deutlich bessere Händchen: Andreas Schager/l, Stephen Gould, Clay Hilley, Klaus Florian Vogt, Daniel Kirch - allesamt gut oder sogar sehr gut!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • und ich werde auch kein Fan der allseits gelobten Lise Davidsen mehr

    Da bin ich aber froh, daß ich nicht die einzige bin, der es so geht!

    aber es ist doch nicht so, dass man diese Rollen nicht besetzen könnte

    Wir hatten Mitte Juli in Erl in der "Walküre" eine wunderbare Brünnhilde: Christiane Libor (ich hatte kurz berichtet). Ich bin jetzt richtig dankbar, diese Aufführung gesehen zu haben, da hat wirklich alles gestimmt. Die Abschiedsszene zwischen Vater und Tochter war so berührend, wie ich sie noch selten gesehen habe.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

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