In der Lohe bappt’s schon - auf zum Bayreuther Ring 2020-2022

  • Überrascht hat mich, dass auch Okka von der Damerau, die in diesem Ring als Erda und erste Norn sehr gelobt wurde (zurecht!), die Brünnhilde im Repertoire hat. Die Radiomoderatorin hat am Ende der Übertragung gestern beim Schlussapplaus erwähnt, dass Cornelius Meister und Okka von der Damerau sich kennen, weil sie gerade in Stuttgart im "Ring", den er dirigiert, die Brünnhilde singt. Ich habe das für einen Versprecher oder eine Verwechslung gehalten, denn Frau von der Damerau kenne ich nur in ausgesprochenen Altpartien (als Ulrica und Erda) und weiß, dass sie auch Mezzosopranrollen singt (die Brangäne neben Kaufmann und Harteros) - aber die Brünnhilde ist ja nochmal ein ganz anderes Fach. Offenbar strebt sie aber gerade zu diesen hochdramatischen Rollen, die Isolde ist auch schon angekündigt.

    Parallel Erda und Brünnhilde zu singen, das finde ich ein Kuriosum!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Wie wär’s also mit einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Bayreuther Interpretation?

    Vorsicht Gemeinplatz ;) Das ist kein Expertenforum, sondern eines von Liebhabern mit sehr unterschiedlichen ''Musikbiographien''. Selbst tue ich mich auch nach 45jährigen reichlichen Konzert- u. Aufführungsbesuchen sehr schwer damit, (halb-)öffentlich und schriftlich auch nur eine Handvoll Eindrücke und Überlegungen wiederzugeben... -warum das so ist, verstehe ich selbst nicht recht, aber nachgerade deswegen genieren tu ich mich nun auch nicht ;)

    Es ist völlig egal, ob eine Inszenierung in einer traditionellen oder einer avantgardistischen Ästhetik gehalten ist und es ist auch völlig egal, wie sie sich zum Text des Stückes verhält: Um auf lange Sicht zum Klassiker zu werden, muss sie eine gute Idee haben, in sich schlüssig und handwerklich gut gearbeitet sein.

    Und an dieser ''guten Arbeit'' fehlt's ihm nun mal. Vor allem ist ihm scheint's entgangen (dass man auch 'zu Tode proben' kann, weiß ich schon seit meiner Zeit im Schulorchester), dass der geneigte Zuschauer vor Ort diese 'Netflix'-Serie eben nicht auf 'nem TV-Schirm resp. einer Kinoleinwand betrachtet... Ist hier inzwischen wem aufgefallen, dass Siegfried und Brünnhilde auch einen gemeinsamen Sohn hatten, der aber offensichtlich verstorben ist?? Tatsache - achtet mal auf die paar Minütchen auf dem (lt. Libretto) Walkürenfelsen vor dem Eintreffen von Waltraute!. Was ja ein neues Licht auf die offensichtliche Entfremdung zwischen beiden wirft - resp. bei uns zu mehr Empathie für die Beiden führen könnte, woran der Herr Regisseur ja eigentl. ein starkes Interesse haben sollte! Bereits ab Reihe 12, 13 im Festspielhaus (geschätzt von mir, ich war nie dort!) dürfte diese ''Kleinigkeit'' allerdings so manchem eben so entgangen sein wie mir gestern Abend....


    u. was ist mit diesen ''Maskeraden'' (jedenfalls soweit man sie vor Ort in den vorderen Reihen freundlicherweise hat sehen können)?? Was ist das für ein Teil, welches in Akt i in dieses Gibichungen-Wohnzimmer reingetragen und auf der Coach abgestellt wird (kurz vor Hagens Hier sitz' ich zur Wacht, wenn ich mir's recht gemerkt habe!) Und welche Figurine liegt da später als Zeichnung auf dem Schreibtischchen von Siegfrieds/Brünnhildes Tochter? Dass da Papa/Opa Wotan dargestellt ist, glaub' ich nicht recht - denn wieso betrachtet später Waltraute (resp. die doch auch mimisch u. gestisch so 'punktgenaue' Christa Mayer!) diesen Kerl mit einer solchen Mischung aus Erstaunen, Entsetzen und Ekel? Parallel zu Brünnhildes Schlussgesang (evtl. nicht nur dort) dürfen wir dann beides wiedersehen - die mittlere der drei Rheintöchter hantiert mit so einem vermutlich-doch-nicht-Wotan-Teil herum, ihre beiden Kolleginnen mit je einer dieser Masken aus dem Gibichungen-Fundus. Am Ende bekommt das entführte Töchterchen eine dieser Masken direkt vor's Gesicht gehalten, worauf..... -oh ich muss abbrechen :) Jedenfalls, ein bisschen viel Rätselspielchen, Herr Regisseur - und vor Ort, wie beschrieben, wohl auch nur für höchstens ein Drittel des Publikums - - -


    gleich schon wieder Live-Stream, diesmal aus Nürnberg, u. a. mit einer Neu-Orchestrierung der Mussorgsky-Bilder u. a. mit asiatischen Instrumenten - welche Erholung :) :versteck1:

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott'

    Werner Schneyder

    Fleiß ist gefährlich Henning Venske 'Inventur'

    Einmal editiert, zuletzt von wes.walldorff ()

  • Wie wär’s also mit einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Bayreuther Interpretation?

    Vorsicht Gemeinplatz ;) Das ist kein Expertenforum, sondern eines von Liebhabern mit sehr unterschiedlichen ''Musikbiographien''. Selbst tue ich mich auch nach 45jährigen reichlichen Konzert- u. Aufführungsbesuchen sehr schwer damit, (halb-)öffentlich und schriftlich auch nur eine Handvoll Eindrücke und Überlegungen wiederzugeben... -warum das so ist, verstehe ich selbst nicht recht, aber nachgerade genieren tu ich mich nun auch nicht ;)

    Also ich weiß nicht, ob es in einem Expertenforum konstruktiv zugeht, wenn ich dran denke, wie sich in mancher "Kritikerrunde" gegenseitig angezickt wird. Grins1Wobei sich *hier* wiederum die Frage aufdrängt, ob es sich bei Kritikern wirklich um Experten handelt ...... :evil: Und ich halte "konstruktive Auseinandersetzung" durchaus für eine Möglichkeit, für sich und andere gewinnbringend Eindrücke und Erkenntnisse austauschen, ohne dem anderen rechthaberisch um die Ohren zu hauen, wie "fehl er rät". ^^ Aber is eh wurscht alles ..... :S

  • Die Profanisierung des eh fast schon wirr-komplexen mythischen Stoffes macht den Ring nur noch unnötig komplizierter. Das Ding ist vorbei. Schauen wir in die Zukunft. Ich bin für eine Ring-Inszenierung als Komödie. Aber gibt es denn überhaupt noch lebende, intelligente und dabei auch lustige Regisseure, die das flott-fröhlich bewerkstelligen könnten?

  • Es ist völlig egal, ob eine Inszenierung in einer traditionellen oder einer avantgardistischen Ästhetik gehalten ist und es ist auch völlig egal, wie sie sich zum Text des Stückes verhält: Um auf lange Sicht zum Klassiker zu werden, muss sie eine gute Idee haben, in sich schlüssig und handwerklich gut gearbeitet sein.

    Hm, das ist ja eine hehre Forderung ...


    ... ich wage einen (wie immer nicht ganz passenden) Vergleich: Die Forderung, eine Inszenierung müsse, um auf lange Sicht zum Klassiker zu werden, in sich schlüssig sein, scheint mir nahe an der Forderung, eine Sinfonie müsse eine Schlussapotheose aufweisen, in der sich möglichst viele frühere Themen wiederfinden.


    Vielleicht lässt ein Stück keine schlüssige Inszenierung zu? (Die typischen Beispiele bei Verdi kennt jeder ...)


    Jedenfalls gibt es in der Sinfonik seit Jahrzehnten andere Dramaturgien als die große Schlussapotheose, sei sie eine positive oder negative. Was auch daran liegen mag, dass der Glaube an eine große Logik, die allem in der Welt zugrunde liegt, stark beschädigt ist. Das Denken, die Welterfahrung und die Weltdeutung ist eine andere als im 19. Jhd - und das spiegelt sich in der Kunst wider.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Aber gibt es denn überhaupt noch lebende, intelligente und dabei auch lustige Regisseure, die das flott-fröhlich bewerkstelligen könnten?

    Ich wüßte schon so einen, aber ob der den "Ring" inszenieren könnte? Das Oberammergauer Passionsspiel jedenfalls macht er großartig.


    Christian Stückl : Meine große Passion
    Christian Stückl ist ein Wanderer zwischen den Welten. Auf der einen Seite Oberammergau, wo er wohnt und die Passionsspiele inszeniert. Auf der anderen Seite…
    www.br.de

  • Nachdem Herheim gerade in Berlin dran war und Kratzer den nächsten in München macht wäre das ja nicht auszuschließen

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Es fehlt Schwarz an musikalischem Verständnis. Diese Hyperaktivitäten während der Waltrauten-Erzählung zerstören vollkommen die Spannung. Und Theorin kann keine Phrase auf Linie singen. Und man versteht kein Wort.

  • Hagen in Alberichs Boxclub .... "schläfst du, Hagen, mein Sohn?" bekommt eine ganz neue Deutung.


    Hagen boxt sich schon mal warm.


    " ... der kindisch den Reif sich errang ..." - na, da gibt's doch Brücken im Text zur Inszenierung ... da muss man wohl nochmal fragen, wer hier was nicht gelesen hat ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Den Aufzug der Mannen fand ich beeindruckend.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Den Aufzug der Mannen fand ich beeindruckend.

    die Assoziation Ku-Klux-Klan krieg' ich nicht mehr los, auch wenn's farblich nicht passt.....


    (u. diesen ganzen 'Maskeraden-Absatz' da oben hätte ich natürlich so nicht geschrieben,

    wenn ich in Akt ii gestern wenigstens mal reingesehen hätte :pfeif: )

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  • Ich habe heute Abend auf 3Sat nur das Prolog-Duett und die Gibichungen-Halle verfolgt. Dass ich von Frau Theorin kein Wort verstanden hätte (was ja naturgegeben so sein müsste, wenn MAN kein Wort von ihr versteht), kann ich nicht bestätigen.


    Im Übrigen fand ich das sängerische Niveau (v.a. Siegfried, Gunther und Hagen, lediglich die Gutrune fand ich stimmlich enttäuschend) besser als erwartet.

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • die Assoziation Ku-Klux-Klan krieg' ich nicht mehr los, auch wenn's farblich nicht passt.....

    Ich glaub, die waren weiß gekleidet und sind auch nicht in Formation angetreten ... :)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • lediglich die Gutrune fand ich stimmlich enttäuschend)

    Ach. Und Brünnhilde hat Dir gefallen? Dann wundert mich freilich nichts mehr.

    Ja, ja, "kein Wort" - das meiste halt.

    Da hätte ich Dir wirklich gewünscht, daß Du in Erl die "Walküre" gesehen hättest. DAS war ein sängerisches Niveau vom Feinsten.

  • Na, Deine Meinung stand ja schon im Jahre 2019 fest.

    Habe ich das irgendwo geschrieben? Ich habe lediglich geschrieben, daß ich "im Groben schon wußte, auf was man sich einstellen muß". Wie wäre es mit verstehendem Lesen? Du bist immer schnell bei Frechheiten, ohne eine Grundlage dafür zu haben, weil Du einfach nicht liest, was ich schreibe.

    Na, Deine Meinung stand ja schon im Jahre 2019 fest. Dreh Dich weiter in ihrem Laufrad.


    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder dasselbe zu tun, und zu glauben, dass das Ergebnis irgendwann ein anderes sei.

    Du weißt schon, daß das eine justiziable Beleidigung ist?

    Ich bitte die Moderation um Stellungnahme.

    Einmal editiert, zuletzt von ira ()

  • Du weißt schon, daß das eine justiziable Beleidigung ist?

    Wie - kann man sich selbst beleidigen?


    Du hast mich nicht verstanden. Ich empfehle das sogenannte "verstehende Lesen".


    Es wäre Wahnsinn gewesen, hätte ich immer weiter versucht, Dir mit Mitteln des Verstandes eine Brücke zur Inszenierung zu bauen, und zu erwarten, dass dies irgendwann funktioniert.


    Doch dem Wahnsinn möchte ich nicht anheim fallen.

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  • Diese Hyperaktivitäten während der Waltrauten-Erzählung

    nun ja - gemäß dem Regie-Konzept erzählt Waltraute ja nun tatsächlich wirres Zeug - und ist zudem (wie wir seit dem gestrigen Pausengespräch mit der Darstellerin wissen) aus der Psychiatrie ausgebrochen....

    ich stell mir eben vor (den Bruder einer alten Bekannten von mir haben sie auch einweisen müssen - da pädophil mehr als nur ''veranlagt''!), dass so jmd. unvermutet vor einem steht und erstmal beginnt, so 'ne Gespenstergeschichte zu präsentieren - - > > sehr nachvollziehbar, schätz' ich, dass man zunächst mal derart perplex ist, dass man sich in irgend welchen Alltagskram flüchtet!! << - - das im Hinterkopf habend empfinde ich Brünnhildes action keineswegs als hyper ;)

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    Werner Schneyder

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  • ich stell mir eben vor (den Bruder einer alten Bekannten von mir haben sie auch einweisen müssen - da pädophil mehr als nur ''veranlagt''!), dass so jmd. unvermutet vor einem steht und erstmal beginnt, so 'ne Gespenstergeschichte zu präsentieren - - > > sehr nachvollziehbar, schätz' ich, dass man zunächst mal derart perplex ist, dass man sich in irgend welchen Alltagskram flüchtet!!

    Sine ira et studio - ja, man kann das verstehen, wenn man will!

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  • Ich will die Szene nicht kleinreden, aber die Hochstilisierung zu DEM spannenden Kernstück der gut vier Stunden ist schon lächerlich.

    Nein, das ist keineswegs "lächerlich". Wenn Du wirklich zugehört und nicht auf das Kasperltheater nebenbei geachtet hättest dann hättest Du gemerkt, daß diese Szene sehr wohl eine Schlüsselszene ist. Weil nämlich Waltraute in ihr umfassend den desaströsen Zustand ihrer "Familie" erklärt.

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