Ein Tag ohne Beethoven ist möglich...

  • Hier nochmal eine Reminiszenz an "Tochter Zion".


    L. v. Beethoven


    12 Variationen über 'See the conqu'ring hero comes', WoO 45
    Cellosonate Nr. 2 g-Moll op. 5 Nr. 2


    Adrian Brendel, Cello
    Alfred Brendel, Klavier


     


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Und weiter mit dem Jubilar.


    L. v. Beethoven: Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur op. 7


    Ronald Brautigam (Klavier)



    Bei mir ein Kandidat für den Thread "Dieses Stück habe ich nie sonderlich gemocht, aber diese Aufnahme höre ich gerne".


    Gruß
    MB


    :wink:

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  • op.7 habe ich auch nie sonderlich gemocht, aber es ist in meiner Gunst immer nur gestiegen, selbst wenn nicht aufs höchste Niveau. Es eines der wenigen Werke Beethovens, bei dem ich die Mittelsätze eher mehr schätze als die Ecksätze. Der langsame Satz ist schon einer der großartigsten beim frühen Beethoven (wenn auch in meiner Gunst hinter einigen anderen wie op.2/2 oder besonders op.10/3).

    Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
    (B. Pascal)

  • Es fällt mir schwer, dies als Stärke anzuerkennen.

    Mir eigentlich auch. ;)


    Noch etwas Jumppanen. Op. 10, 3



    und Op. 22



    Gefällt mir weiter sehr gut. Er spielt dramatisch und kontrastreich, ohne dass es auf mich irgendwo maniriert oder gesucht wirken würde. Ich bin gespannt, wie es mit den mittleren Sonaten weitergeht.


    Danach Op. 22 nochmal mit Ronald Bräutigam



    Der scheppernd-hallige Klavierklang macht es mir schwer, die eigentliche Interpretationsleistung zu beurteilen (energisch und mit eher zügigen Tempi – das käme meiner Vorstellung eigentlich entgegen). Kommt für mich zum Weiterhören deshalb wohl nicht in Frage...

  • Wo ich schon einen so schönen Lauf hatte: Op. 22 auch noch mit Korstick



    Das Attribut "dramatisch", das ich vorher Jumppanen zugeschrieben hatte, gebührt ihm wohl noch mehr. Trotzdem ziehe ich Jumppanen hier vor. Er scheint mir den spielerischen Charakter der Sonate noch besser zu treffen (sein zügigeres Tempo im langsamen Satz passt für mich auch besser). Korsticks "ausbuchstabiertes" Spiel im 3. und 4. Satz wirkt leicht maniriert auf mich, als ob er dieser immer etwas vernachlässigten Sonate künstlich mehr Gewicht verleihen wollte. Den minimal wärmeren und trockeneren (wirklich ausgezeichneten) Klang von Jumppanens Aufnahme (und Flügel?) ziehe ich ebenfalls vor.


  • Gestern bei mir Jumppanen im Sturm. Aber auch die Nachbarinnen 31/1 und 31/3 fand ich richtig toll. Höre ja selten Soloklavier. Sollte das ändern.


    Heute dann das schöne Op. 32 "An die Hoffnung" mit Werner Güra und Christoph Berner


  • Es ging weiter mit den Bagatellen Op. 33 mit Angelina Ivanov. Scheint es nicht als CD zu geben.


    Dann Op. 34 und die Eroica-Variationen mit Korstick



    Fein.


    Op. 35 gefiel mir dann aber mit Olga Pashchenko am Fortepiano fast noch besser:



  • Zufällig ausgewählt und in den CD-Player getan: Richter mit diversen Beethoven-Sonaten. Und obwohl dies sicher nicht die allerbeste Auswahl in Sachen Richter/Beethoven-Sonaten ist, ist sie immer noch um Längen besser als vieles von dem, was in den letzten Jahren so (von anderen Pianisten) auf den Markt gekommen ist. Das hier hat Stil, Charakter und Klasse.


    Es ist, wie es immer war: Wenn ich nach längerer Auszeit Richter erneut höre, bin ich begeistert, als wäre es das erste Mal. Ich liebe diesen Pianisten. Immer noch, immer wieder. :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

  • Bei mir nach langer Zeit mal wieder die 'Kreutzersonate'.



    Jacques Thibaud und Alfred Cortot in einer Aufnahme von 1929. Das ist sehr eigenwillig, sperrig. Ich habe das Gefühl, hier sind zwei Querköpfe am Werk, die aber wunderbar miteinander können und denen Genauigkeit, korrekte Töne nicht so wichtig sind, sonder Ausdruck, Empfindung und die Lust an vielleicht sogar exzentrischen Einfällen.


    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Nachtrag zu vorhin: Dies oben war nicht die beste Appassionata, die ich von Richter jemals gehört habe (mein Favorit ist - trotz aller technischer Mängel - der Live-Mitschnitt aus der Carnegie-Hall). Dennoch lege ich mich fest: Kein anderer mir bekannter Pianist hat bis heute diese absolut grandiose Beethoven-Klaviersonate derart leidenschaftlich, beseelt und mitreißend gespielt wie Richter. Das ist einfach nur Wahnsinn... unfassbar, wie jemand so fantastisch Klavier spielen konnte... :verbeugung1:

  • Op. 130, eines der letzten Streichquartette.



    In dieser Box gibt es sie die Aufnahme, die ich meine. Das Busch-Quartett eben mit op. 130. Die späten Streichquartette hauen mich wirklich um. Gerade bei einem 'Blindtest' gehört, tippte ich innerlich zunächst auf spätes 19. Jhrdt. Das mag meiner Ahnungslosigkeit geschuldet sein, aber ich glaube eher der Modernität Beethovens. Wobei ich 'Modernität' per se noch nicht als Qualitätsmerkmal gelten lassen würde. Aber dieses SQ ist für mich nicht mehr frühes 19. Jhrdt., sondern weist weit darüber hinaus. Vielleicht gar nicht einmal nur zeitlich, sondern v.a. inhaltlich, geistig, seelisch, wie immer man das nennen möchte. Beethoven bündelt hier so viele menschliche Emotionen, durchkreuzt sie dann wieder mit anderen, stellt sie aber insgesamt auf eine Stufe und hebt sie gleichzeitig, alle kombinierend, in eine andere Sphäre menschlicher Erfahrungen, die mich schier staunen lässt. Das ist Musik, fern jeder offensichtlichen Programmatik, wie z.B. noch in der Neunten, die einfach einen anderen Bereich sich erschlossen hat.


    :wink: Wolfram

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  • Fast heimlich ist vor ein paar Tagen eine Gesamtaufnahme der Streichquartette des russischen "Beethoven Quartetts" wieder veröffentlicht worden, die es in sich hat:


    Der von amazon angebotene MP-3-Download (die Verlinkung gelingt mir nicht) ist absurd teuer; wenn man sich mal bei anderen Streaming-Portalen umschaut, findet man den Download in hochauflösender Qualität für einen Bruchteil des Preises. Ob es auch eine Version auf CD gibt, konnte ich bisher nicht feststellen.


    Die Aufnahmen stammen aus der Zeit von 1969 bis ca. 1972 (genaue Angaben fehlen), als man in der Besetzung Dimitri Tsyganov und Nikolai Zabavnikov (Violinen), Fyodor Druzhinin (Viola) und Sergey Shirinski (Violoncello) spielte. Op.18 ist vor Jahren auf zwei Melodyia-CDs erschienen:


    ,


    Die übrigen wohl seit den ursprünglichen LP-Veröffentlichen nicht mehr. Das Ensemble ist vor allem legendär geworden durch seine zahlreichen Uraufführungen der Quartette von Schostakowitsch, der ihm und einzelnen seiner Musiker eine Reihe seiner Werke gewidmet hat.


    Ich habe bisher op. 18 gehört - Nummer 6 ist heute noch dran. Die Aufnahmequalität ist akzeptabel, sie hat zwar nicht das dynamische Spektrum von zeitgenössischen "westlichen" Aufnahmen und die Bässe wirken unterbelichtet; im Vergleich zur LP und auch zur früheren CD-Ausgabe ist das Remastering aber als erfolgreich anzusehen.


    Entscheidend ist allerdings die interpretatorische Qualität: Außer bei geringen Verlangsamungen in einigen wenigen Satzschlüssen erlauben sich die Musiker keinerlei Freiheiten; Portamenti oder Verschmierungen von kurzen Notenwerten und andere Eigenheiten, die auch gute "alte" Ensembles nicht vermeiden, sucht man vergebens. Alle Wiederholungen (jedenfalls bei op.18) werden strikt beachtet. Die Tempi sind rasant (z.B. letzter Satz von op. 18 Nr. 4 unter 4 min, und damit schneller als alle anderen mir bekannten Aufnahmen, bei denen ich nicht überprüft habe, ob sie tatsächlich alle Wiederholungszeichen beachten). Wichtiger noch: verfolgt man die Interpretation anhand des Notentextes, stellt man fest, wie exakt jedes Vortragszeichen (und Beethoven hat schon bei op. 18 nicht damit gespart) befolgt wird; trotz begrenzter Dynamik der Aufnahmetechnik ist jedes Crescendo und Decrescendo, jedes Fortepiano und jedes Sforzato nachvollziehbar.


    Man kann diese Aufnahmen als im besten Sinne "akademisch" bezeichnen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Beethoven-Quartette immer und ausschließlich so hören möchte, wie sie hier gespielt werden. Die emotionale Qualität, die auch die frühen Beethoven-Quartetten haben, kommt vielleicht etwas zu kurz, selbst wenn man nicht nach der "russischen Seele" sucht. Doch jedenfalls vermittelt das Beethoven Quartett mit größter Sorgfalt, was tatsächlich in den Noten steckt.


    Ich bin gespannt, ob diese Qualität bei den mittleren und späteren Quartetten gehalten wird.

  • Bei der Web-Suche nach "Beethoven String Quartet playing Beethoven String Quartets" ist man leider etwas gehandicapt.
    Daher habe ich nur mal die verlinkte CD reingehört.
    Leider haben es die Mastering-Ingenieure wieder einmal nicht gerafft, die Abspielgeschwindigkeit an eine realistische Stimmtonhöhe anzupassen.
    Hier unerträglich hoch, so um die 2% zu schnell abgespielt.
    :schimpf1: Khampan

  • Gestern diese:



    Anatol Ugorski ist mir hier zu langsam unterwegs, für die Arietta in op.111 nimmt er sich 27 Minuten. Für mein Empfinden tut das dem rhythmischen Gang nicht besonders gut.


    Die Bagatellen op. 126 haben mir sehr gefallen (ich kenne allerdings keine Vergleichseinspielung), und nun habe auch ich mal "Für Elise" auf Tonträger :D so gesehen kein Fehlkauf...



    LG :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • ... hier wieder früher Beethoven auf dem Weg zum Streichquartett:


    Ludwig van Beethoven: Serenade D-Dur op. 8


    Trio Zimmermann
    (Frank Peter Zimmermann, Violine
    Antoine Tamestit, Viola
    Christian Poltéra, Violoncello)



    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Heute 3 x Op. 28 bei mir (allerdings kein ganz konzentrierter Vergleich. Ich war teilweise auch mit anderem beschäftigt nebenbei)



    Gilels liegt diese Sonate nach meinem Eindruck eher nicht: sehr statische Tempi, ein starres Ostinato im 1. Satz und auch wenig Feingefühl im 2.
    Buchbinder gefiel mit schon besser, aber hier störten mich einige m.E. unmotivierte Tempoverzögerungen im 1. und 2. Satz.
    Also doch noch ein Versuch mit Jumppanen – und auch hier gefiel er mir wieder am Besten (wobei es bei diesem Werk sicher noch stärkere Konkurrenz gibt als die beiden Erstgenannten). Er spielt wundebar fließend mit feinfühlig dosierten Akzenten, wobei mir im 2. Satz die dynamischen Kontraste etwas fehlen.

  • Anlässlich des Beethoven-Jahres habe ich gerade damit begonnen, ein länger geplantes Vorhaben umzusetzen, nämlich die vielfach gerühmten Brautigam-Aufnahmen komplett zu hören:



    Ganz zahm beginne ich chronologisch mit der Klaviersonate Nr. 1 f-moll op. 2/1.


    Der Klang des Hammerklaviers ist eine interessante Abwechselung zu so manch anderer (natürlich auch großartigen) Aufnahme der bekannten Klavier-Granden. Brautigam spielt aber auch einfach fantastisch (zumindest bisher :D )... Komischerweise funktioniert der Hammerklavier-Klang hier für mich, was ich bei den Beethoven-Konzerten in HIP nicht behaupten kann.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • zu op 28

    Gilels liegt diese Sonate nach meinem Eindruck eher nicht: sehr statische Tempi, ein starres Ostinato im 1. Satz und auch wenig Feingefühl im 2.

    ich bin mir nicht sicher ob er da nicht etwas ganz spezielles bezwecken wollte. Das ist extrem ohne Pedal gespielt, um den "penetrant" pulsierenden Basston zu verdeutlichen. Eigentlich technisch gar nicht möglich was Gilels da macht, aber er bekommt das gleichmäßig hin. Wobei, etwas habe ich den Verdacht dass die Wiederholung teilweise kopiert ist.
    Mein Geschmack ist es auch nicht unbedingt, aber interessant.


    Gruselig hingegen finde ich op 31/3 mit Gilels, und zwar was die DG da verbrochen hat. Ein völlig knöcherner Klavierklang und unmögliche Schnitte, Wiederholungen im 1. und 2. Satz vermutlich großzügig kopiert, Verspieler dringelassen. Im 2. Satz (brilliant gespielt) einige merkwürdige Phrasierungen bzw. Pedalisierungen, die im Zusammenhang nicht passen. Keine Lust den 3. und 4. Satz zu hören.


    Jumppanen war so toll, und seine Aufnahme klingt auch...

  • Der Klavierklang bei den frühen Digitalaufnahmen (eine Handvoll wurden in den 1970ern analog aufgenommen) Gilels/DG ist nicht ideal, aber wohl in den neueren Auflagen (seit Ende der 90er oder so) etwas besser als bei den Originalausgaben. Gilels ist durchweg sehr "gewichtig". Meine Favoriten sind (aus der Erinnerung) opp.2/2+3, op.10/3, 109+110, die Eroica-Variationen und vielleicht noch op.26 und 81a. Eine Anzahl Sonaten gibt es in Live-Aufnahmen (u.a. bei Brilliant mal erschienen), die sind auch durchwachsen, aber durchweg spontaner.

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    (B. Pascal)

  • Bei mir zur Zeit auch Klavier und zwar aus dieser Box die 'Waldstein'-Sonate op. 53.



    Sehr klares, fast ein wenig sachliches 'Hindurchfegen' durch den 1. Satz, ohne die Nervosität zu sehr zu betonen. Ich mag es auch anders, aber die eher klassisch ausgerichtete Lesart gefällt mir auch sehr.
    Wunderbar zart und ausdrucksvoll/eindrucksvoll dann der 2. Satz, in dem sie die Musik fast zum Stillstand, zum Verstummen bringt.
    Schön dann der Übergang zum 3. Satz, in dem sie dann die Linie des 1. wieder aufnimmt.


    Insgesamt eine Aufnahme, die ich gerne in ihrer Ausgewogenheit, in ihrer Stimmigkeit höre.


    :wink: Wolfram

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