John Ford - Irland im Blut

  • John Ford - Irland im Blut

    Orson Welles auf die Frage, welche Regisseure ihn beeinflusst haben: 'Die alten Meister. Und damit meine ich John Ford, John Ford und John Ford.'

    Geboren 01.02.1894 in Maine, gestorben 31.08.1973 in Kaliforniern.

    Ford war das zehnte Kind irischer Einwanderer, kam schon sehr früh (1913) nach Hollywood und wirkte zunächst in Filmen seines Bruders Francis mit. Ab 1917 dann erste Regiearbeiten, 1966 drehte er seinen letzten Film.

    Ford gewann viermal den Oscar als bester Regisseur und zweimal für den besten Dokumentarfilm, allerdings nie für einen Western, einem Genre, mit dem er heutzutage wohl am meisten identifiziert wird.

    Neben dem bereits erwähnten Welles, zählen und zählten sich auch Scorsese oder Kurosawa zu seinen Bewunderern, einzelne Filme auch von Schrader, Wenders, Milius, Leone, Coppola, Lucas, Lean Aldrich. Godard sagte mal, er könne den 'Schwarzen Falke' nie sehen, ohne zu heulen.

    Was genau macht Ford nun zu so einer Größe?

    Um das zu beantworten, muss man wohl noch einmal auf seine Herkunft hinweisen. Ford war irischer Abstammung. Und so finden sich in allen seinen Filmen Merkmale, die man allgemein mit Irland in Verbindung bringt. Alkohol, vordergründig starke Männer, Frauen, denen zwar oftmals eine Beschäftigung im Haushalt zugewiesen wird (also traditionelles Rollenschema), die aber trotzdem 'den Laden schmeißen', Musik, Lieder, Sentimentalität, Humor.

    All das findet sich eigentlich immer in einem typischen Ford-Film, wobei es bei gut 140 Filmen auch Ausnahmen gibt. ^^ Aber zudem findet man immer eine oftmals überwältigende Bildgestaltung, eine durchdachte Komposition. die für die jeweilige Situation absolut richtig erscheint und die gleichzeitig das Geschehen dramatisch und inhaltlich überhöht. Dann war Ford (und ich rede hier nur von seinen Meisterwerken) ein absoluter Könner darin, diese Mixtur aus dem oben Erwähnten und der Dramaturgie der Handlung zu vollbringen. Jedes Teil davon erscheint immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit und steht trotzdem im Dienste des Ganzen. Dann konnte Ford einfach eine Geschichte erzählen, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Aber was für mich in seinen großen Filme eigentlich immer im Vordergrund steht, ist, dass er inklusive seiner vordergründig einfachen Bildkompositionen, seiner spannenden Geschichten, seiner unauffälligen Schauspielerführung hinter dem Dargestellten immer große Themen entwickelt.

    'Vordergründig einfach', 'unauffällig', ich könnte auch noch stringent, logisch, konsequent, selbstverständlich usw. hinzufügen, was die filmische Dramaturgie angeht. Aber so einfach ist die Sache nicht. Sieht man einen Ford-Film, spürt man, dass man etwas Besonderes zu sehen bekommt. Man spürt es, obwohl es zunächst ein Mainstream-Produkt zu sein scheint. Aber lässt man sich nur ein wenig näher auf die Filme ein, erkennt man sofort die unterschiedlichen Bedeutungsschichten, die absolut richtige Komposition, die perfekte Dramaturgie. Ford-Filme haben Wärme, Humor, Gefühl, aber dahinter haben sie auch den klaren Blick und die Analyse.

    Obwohl in Hollywood nie preisgekrönt sind es wohl seine Western, die filmhistorisch seinen wichtigsten Beitrag bilden. Was ungerecht ist, da man dabei so grandiose Filme wie 'Der Verräter', 'Schlagende Wetter', 'Früchte des Zorns' oder 'Der Sieger' unterschlägt. Aber gerade den Western hat er wie kein anderer geprägt. Schon 1924 dreht er mit 'Das eiserne Pferd' eine überlangen Western, der den Bau der Eisenbahnlinie durch die USA thematisiert und dabei eigentlich alle klassische Themen des Genres vorführt. Aber vor allem 1939 gelingt ihm mit 'Ringo' ein Film, der den Western erstmalig wirklich aus dem B-Movie-Bereich herausholt. Vordergründig eine spannenden Handlung erzählend, untersucht er dabei das Verhalten von Menschen, die zufällig auf engstem Raum einer anonymen Gefahr ausgesetzt werden. Und diese Aufladung des klassischen Western mit existenziellen Fragestellungen gibt es in seinen großen Beiträgen zum Genre eigentlich immer. Zu beobachten ist dabei allerdings eine immer stärker werdende Kritik seinerseits am amerikanischen 'Narrativ' vom anständigen Weißen und mordenden Ureinwohner, eine Legende, die er selber einst mit aufgebaut hatte. Zwischen 'Das eiserne Pferd' und 'Cheyenne' liegen diesbezüglich Welten, wobei 'Der schwarze Falke' oder 'Liberty Valance' Zwischenstationen darstellen.

    Ford liebt es übrigens, sich mit einer 'Family' zu umgeben, mit immer gleichen Darsteller und Filmleuten. So einfach kam man nicht in diese hinein, musste man wohl schon ein ganz bestimmter Typ von Mann (oder auch Frau) sein. John Wayne ist da natürlich an erster Stelle zu nennen, aber auch Henry Fonda, Harry Carey und Harry Carey jr., Ben Johnson, Victor McLaglen, Ward Bond gehörten z.B. dazu, aber auch Maureen O'Hara, Linda Darnell oder Jeanette Nolan. Und...und...und...

    Welche Filmempfehlungen?

    Bei den Nichtwestern: Der Verräter, Schlagende Wetter, Früchte des Zorns, Der lange Weg nach Cardiff, Das letzte Hurra.
    Bei den Western wird die Liste länger:
    Das eiserne Pferd, Ringo, Der junge Mr. Lincoln, Trommeln am Mohawk, Faustrecht der Prärie, Spuren im Sand, die Kavallerie-Trilogie, Zwei ritten zusammen, Der Mann der Liberty Valance erschoss, Cheyenne. Auch sein Beitrag für 'Das war der wilde Westen' ist sehenswert, aber vor allem wohl: Der schwarze Falke!!!!
    Für mich der beste Western überhaupt, weil er a) viele Legenden zerstört (und John Wayne macht da wunderbar mit), weil er b) grandios inszeniert ist, weil er c) Weiß und Rot gleichsetzt und weil er d) eine große Abhandlung über Gesellschaftswerdung und Freiheit ist. Und auch hier hat Ford einmal mehr demonstriert, dass der Western in seinen besten Momenten weit, weit mehr ist als nur amerikanische Folklore, als eine mehr oder weniger spannende Geschichte, sondern geradezu die Wucht einer griechischen Tragödie haben kann.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag.

    Ich bin Western-Fan und damit natürlich fast zwangsläufig auch Ford-Fan. Dass er alle seine Oscars für Nicht-Western bekommen hat, war mir gar nicht bewusst, ist aber angesichts seiner unstreitbaren Bedeutung für dieses Genre sehr kurios.

    Mit herzlichen Grüßen

    Mercurio

  • Super, noch ein Western-Fan! :clap:

    'Bester Film' bei den Oscars wurden, wenn ich mich richtig erinnere nur 'Cimarron' (1930), 'Der mit dem Wolf tanzt' (1990) und 'Erbarmungslos' (1992) ausgezeichnet. Hollywood hat sich also mit dem vielleicht ureigendsten amerikanischen Beitrag zum Film immer schwer getan.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Heute geschaut:

    Fords eigene Version des Wyatt-Earp-Mythos aus seiner Zeit in Tombstone. Ford hat selber Wyatt Earp noch persönlich gekannt, was natürlich nicht bedeutet, das die Version, die ihm Earp erzählt hat, auch historisch korrekt ist.

    Aber darauf kommt es Ford auch nicht an. In dieser Phase seines filmischen Schaffens, v.a. auch nach dem II. WK, war ihm die Legende mit ihrer gesellschaftsbildenden Funktion wesentlich wichtiger. Übrigens etwas, was sich in seinen Western danach sehr schnell ändern wird.

    Aber sei es wie es ist, wichtig ist wohl v.a., ob er diese Idee auch filmisch erreicht hat und wie er sie umgesetzt hat.

    'My Darling Clementine' ist zunächst ein unendlich poetischer Western, der wiederum das klassische Thema, den Widerspruch von beginnender Zivilisation und Gesetzlosigkeit in den Vordergrund stellt. Weite Naturräume stehen gegen sich langsam entwickelnde dörfliche Gemeinschaften, der sich dem Neuen, Gebändigten anpassenden Earp gegen die eine Befreiung suchende Person Doc Holidays. Das wird in kleinen Situationen verdeutlicht (Earps entspanntes Spiel mit dem Gleichgewicht, Holidays Griff zum Alkohol), aber auch stark im Filmischen: Earp steht oftmals im Licht, Holiday ist eher ein Nachtmensch.

    Die Familie der Bösewichter, die Clantons, sind eigentlich spiegelverkehrt zu den Earps aufgebaut und auch sie müssen zwangsläufig untergehen, weil sie den vorzivilisatorischen Zustand verkörpern, wie übrigens Holiday und seine Geliebte auch. Gleichzeitig huldigt Ford der 'anständigen' dörflichen Gemeinschaft, die der Hoffnungsträger für die neue Gesellschaft sein wird. In diesem Film verklärt Ford noch einmal die legendenumwobene Entstehung der amerikanischen Gesellschaft.

    Nun kann man sich natürlich fragen, was uns das heute noch sagt, was uns das noch an? Ich finde es einerseits interessant, wie Filmemacher rein technisch ihr Ziel erreichen, das, was sie sagen wollen, auch wirklich mitzuteilen. Auf ganz anderer Ebene ist da der 'Triumph des Willens' auch ein besonderes Beispiel. Aber andererseits ist das immer noch ein grandioser Western, eine tolle Geschichte, beste Unterhaltung und v.a. von Henry Fonda fantastisch gespielt. Zudem wunderbar fotografiert!

    Also unbedingt anschauen!!!

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich gucke gerade auf dem Ergometer "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", in dem Ford einige Klischees des klassischen Western (die er selbst mit etabliert hat) kritisch hinterfragt und auch die Rolle des klassischen Helden eines Westerns ambivalent beantwortet, indem er die beiden Hauptfiguren, dargestellt von James Stewart und John Wayne, sehr gegensätzlich anlegt.

    In meinen Augen ein großartiger Film und einer meiner Lieblingswestern - erstaunlich, dass er seinerzeit bei den Oscars völlig leer ausging, nicht mal eine Nominierung hat er aufzuweisen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Mercurio

  • Welche Filmempfehlungen?

    Bei den Nichtwestern: Der Verräter, Schlagende Wetter, Früchte des Zorns, Der lange Weg nach Cardiff, Das letzte Hurra.
    Bei den Western wird die Liste länger:
    Das eiserne Pferd, Ringo, Der junge Mr. Lincoln, Trommeln am Mohawk, Faustrecht der Prärie, Spuren im Sand, die Kavallerie-Trilogie, Zwei ritten zusammen, Der Mann der Liberty Valance erschoss, Cheyenne. Auch sein Beitrag für 'Das war der wilde Westen' ist sehenswert, aber vor allem wohl: Der schwarze Falke!!!!

    Ich habe jetzt so ca. 10 Filme von ihm intus, aber auf englisch. Insofern kann ich teilweise rätseln, welche Filme Du meinst. Ist "Schlagende Wetter"="The Hurricane" (1937)?

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Nein, 'Schlagende Wetter' ist 'How Green Was My Valley'.

    Genannt habe bei den Nichtwestern:
    The Informer, How Green Was My Valley, The Grapes of Wrath, The Long Voyage Home, The Last Hurrah.

    Und bei den Western:

    The Iron Horse, Stagecoach, The Young Mr Lincoln, Drums Along the Mohawk, My Darling Clementine, Three Godfathers, die Kavallerie-Trilogie: Fort Apache, She Wore a Yellow Ribbon, Two Rode Together, The Man Who Shot Liberty Valance, Cheyenne Autumn, dann sein Beitrag für How The West Was Won und The Searchers.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Nach langer Zeit gestern und heute wieder einmal Ford-Western:

    Wagon Master (Westlich St. Louis) von 1950

    Ben Johnson, Harey Carey jr., Joanne Dru, Ward Bond, Jane Darnell

    Ein vielleicht wenig beachteter Film (im Vergleich mit der etwa zeitgleich entstandenen 'Kavallerie-Trilogie'), ohne die großen Stars auskommend, fast ein Nebenwerk (?). Was aber ungerecht ist, ist er doch ein typischer Ford, inhaltlich wie auch on der Qualität her.

    In einen Mormonen-Treck werden verschiedene Außenseiter, Unpassende und dann zusätzlich auch einige Verbrecher aufgenommen. Gemeinsam steuern sie die neue Heimat an, bis es dann zum endgültigen Showdown mit den Outlaws kommt.

    Der Aufbruch in das Ungewisse, die Konfrontation mit dem Nichtbürgerlichen, Mut und Zivilcourage, familiäre Sicherheit und spießbürgerliche Heuchelei und das alles in Fords geliebter Kulisse, dem Monument Valley.

    Manch ein Regisseur würde es nun lautstark krachen lassen und gleichzeitig in Landschaftsbildern schwelgen. John Ford natürlich nicht. Hier kommt alles eher als Kammerspiel daher, und die Landschaft dient immer nur der dramatischen Unterstützung, ist nie Selbstzweck. Der Film ist sentimental, ja, so wie jeder Ford-Film, es wird viel gesungen und er ist auch ein Hohes Lied auf den unbezwingbaren Pioniergeist. Aber er ist auch menschlich, enthält ganz viel Liebe und Zuwendung des Regisseurs zu diesen Menschen, die er aber nicht unbedingt verklärt. Und seine besondere Hinwendung gilt dabei einmal mehr den Außenseitern und Unangepassten, denjenigen, die wirklich über sich hinauswachsen oder gegen ihre eigentlichen Interessen handeln.

    Und er ist natürlich wieder einmal glänzend fotografiert, komponiert, inszeniert. Wie bei Kurosawa hat man immer das Gefühl, dass eine Einstellung in diesem Moment nur so sein kann, das sie jedenfalls genau richtig ist. Das wirkt zunächst oftmals unaufdringlich, beiläufig, aber auf einen zweiten Blick enthüllt sich sofort die absoluter Meisterschaft. Es bleibt aber zurückhaltend, eher still, wie es dem ganzen Film angemessen erscheint, denn weder der noch der Regisseur scheinen auftrumpfen zu wollen, sondern mehr eine handwerklich gutgemachte Liebeserklärung abgeben zu wollen.

    Die 'John Ford Stock Company', also die Schauspieler, die seine Entourage bildeten, auf die er immer wieder zurückgriff, hier kamen einige der profiliertesten, eher in der zweiten Reihe stehenden, mal so richtig zum Zuge. Und natürlich konnten sie den Film tragen, weil Ford ihnen vertraute so wie sie auch ihm und weil sie einfach gut waren. Das Fehlen der großen Stars - man vermisst es nicht.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

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  • Hier sind nun die Stars dabei:

    Two Rode Together (Zwei ritten zusammen) von 1961

    James Stewart, Richard Widmark, Shirley Jones, John McIntire, Linda Christal

    Aufgefüllt natürlich einmal mehr mit der 'Stock Company'. Auch dieses ein eher weniger bekannter Film, vielleicht auch gar nicht einmal so ein guter.

    Die versuchte Befreiung von durch Indianer verschleppter Kinder wird hier erneut (nach 'The Searchers') zum Thema gemacht. McCabe (James Stewart), ein aus der Distanz das Leben zynisch, aber auch zugewandt betrachtender Sheriff ist aufgefordert, weißen Siedlern ihre entführten Kinder wieder zurückzubringen. Diesen Auftrag kann er teilweise, aber mit katastrophalem Ergebnis erfüllen.

    Ein Gespräch zwischen Widmark und Stewart, in einer einzigen vier Minuten langen Einstellung gedreht, witzig, ernst, enthüllend, glänzend gespielt (!!!), scheint mir nicht nur der Höhepunkt des Films zu sein, sondern auch symptomatisch. Ford 'enthüllt' in diesem Film, er legt bloß, er zeigt Weiße wie Indianer korrumpiert, heuchlerisch, zynisch. Er schwankt dabei aber immer zwischen köstlichem Witz und tiefster Tragik, ohne diese beiden Ebenen wirklich verbinden zu können. Und er lässt viel reden und wenig schießen. Was kein Fehler sein muss, auch wenn ein Western anderes verlangt. Nur braucht es einen JOHN FORD und keinen John Ford so etwas hinzukriegen.

    'Uninterssiert' schrieb Joe Hembus, 'wenig engagiert' andere. Und das scheint mir auch wirklich das Problem dieses Films zu sein. Die durchdringende Meisterschaft und das wirkliche Interesse an diesem Projekt fehlt. Die Zutaten sind alle da, sie gehen auch nicht in einem Brei unter, aber ein Spitzengericht entstand trotzdem nicht. Fehlte das Herzblut, fehlte die Kraft, war er schon bei seinem nächsten Anliegen (Liberty Valance)? Was es auch immer war, der Film leidet ganz entschieden darunter.

    Was nicht heißen soll, dass er schlecht wäre. Er ist nur nicht auf dem Niveau anderer Streifen von ihm. Kein JOHN FORD, halt nur ein John Ford. Aber das kann ja mal passieren.

    :wink:Wolfram

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  • The Searchers (Der Schwarze Falke) von 1956

    John Wayne, Jeffrey Hunter, Ward Bond, Natalie Wood, Vera Miles

    Einmal mehr ist der deutsche Titel nicht gut gewählt. Der Häuptling, um den es geht, heißt im Original 'Scar' und narben spielen durchaus eine Rolle, gerade auch bei seinem 'Bruder im Geiste', bei Ethan Edwards (John Wayne). Zudem verweist der Originaltitel auf ein uraltes Abenteuermotiv hin, den Aufbruch in ein gefährliches, unbekanntes Land und die damit verbundene Suche nach etwas Besonderem.

    Hier geht es um ein von Komantschen verschlepptes kleines Mädchen, Nichte von Ethan, Nennschwester von Martin Pawley (Jeffrey Hunter), die Suche nach ihr und ihr Auffinden.

    Es geht aber natürlich noch um viel mehr. Texas, drei Jahre nach dem Bürgerkrieg. Ein Staat auf der Suche nach sich selbst. Zivilisation wird angestrebt, Normen und Gesetze einer (weißen) bürgerlichen Gesellschaft, Familie, Religion. Dagegen stehend die Außenseiter. Der sich an all diesen Normen vergehende Scar, der 'Rote', aber auch der rassistische Weiße, eben Ethan Edwards. Beide sind mit ihrer Moral, mit ihrer Lebensart, mit ihrer Denkweise zwei völlig freie Menschen, nur nach ihren eigenen Wertvorstellungen lebend. Und beide passen nun nicht mehr in die sich langsam eine Verfassung gebende neue Welt. Freiheit des Seins gegen eine Welt der Gesetze.

    Ob diese neue Welt eine bessere sein wird? Wie so häufig lässt Ford das unbeantwortet. Sicherer, anständiger, gerechter - das Versprechen wird filmisch formuliert. Aber wird es eingelöst werden? Martin und seine Verlobte Laurie (Vera Miles) sind längst nicht frei von rassistischen Anwandlungen und in der legendären Schlussszene wird die heimgebrachte, nicht unbedingt willkommene, Debbie zwar in das sichere Heim der weißen Familie gebracht, aber sie geht in ein Dunkel hinein (während draußen im gleißenden Sonnenlicht Ethan verharrt und ihnen nicht folgt, sich dagegen umwendet und fortgeht).

    Ambivalenz durchzieht den ganzen Film. Nichts ist wirklich so, wie es im ersten Moment erscheint. Ethan ist ein wirklich negativer Charakter, aber auch er hat seine positiven Züge. Scar bringt Familien um und entführt Kinder, aber seine Gründe dafür werden benannt und er behandelt die Weißen nicht besser und schlechter als alle anderen. Die Familien erscheinen als heimelige Keimzellen des künftigen Amerikas, aber schon in der ersten stimmt nicht alles. Die Frau ist unglücklich in der Ehe, liebt hingegen ihren Schwager Ethan. Der Prediger tötet, die Soldaten treiben die Indianer wie Vieh zusammen, die Männer sind unbeherrscht, voreingenommen, mitleidlos und wenn sie sich schon mal prügeln, dann kratzen und beißen sie, entgegen aller Western-Regeln.

    Nein, es ist kein Film, der es einen einfach macht mit einer Interpretation. Und was ihn damit, für mich jedenfalls, schon einmal in den Rang von bedeutender Kunst erhebt. Aber auch die filmische Seite ist nicht nur bester Ford, sondern weist ihn als ein absolutes Meisterwerk des Kinos aus.

    In überwältigend schönen Bildern, gefilmt in VistaVision (in entsprechenden Kinos muss es schlichtweg überwältigend sein), entwickelt sich hier das Geschehen. Und dabei sitzt einmal mehr jede Einstellung. 'Ökonomie des Filmens', wie Peter Bogdanovich es genannt hat, ein Markenzeichen Fords, hier aber noch vollendeter und konsequenter als in den meisten seiner anderen Filme. Man müsste einmal den Film Einstellung für Einstellung 'zerlegen', um die filmische Intelligenz Fords wirklich würdigen zu können. Seine Fähigkeit wichtige Personen durch ihre Stellung im Raum in einer einzigen Einstellung vorzustellen und zu charakterisieren. Der 'ökonomische' Umgang mit Großaufnahmen, die damals nicht nur aufwendig und teuer waren, deren gezielte Anwendung die dramatische Wirkung viel mehr unterstützen kann als ihr inflationärer Gebrauch. Der Blick der Kamera, des Protagonisten, durch Türen und Rahmen in andere Räume, andere Welten, die verschlossen bleiben, in die man nicht eintreten oder eindringen darf. Der dunkle Vordergrund und der helle Hintergrund. Die Andeutung einer Position wenn er Personen nur von hinten filmt. Die Staffelung von Menschen im Raum, die dann scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der Wechsel von dramatischen und komischen Situationen um immer wieder erneut Spannung aufzubauen. Die Doppelungen von Geschehnissen. Die Positionierung, die Komposition der Menschen in der Natur. Und so weiter, und so fort.

    Ford war ein extrem visueller Filmemacher. Storyboards hat er wohl nicht angewendet, aber darüber, wann er die Entscheidung getroffen hat, wie er die Kamera positionieren wollte, hat er ungern gesprochen. Ihm wäre das so gekommen, er hätte es halt gewusst - viel mehr war wohl nicht aus ihm herauszubekommen. Manche Regisseure haben es halt.

    'The Searchers' ist ein langer Western, aber kein actionreicher. Diese findet v.a. in den Menschen statt. Langatmig ist er aber in keiner Sekunde. Im Gegenteil. Er ist eines der großen Meisterwerke des Films überhaupt.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich sehe den vor allem als Film über den Hass. Ethan habe ich immer als besessen und nie als frei wahrgenommen. Wenn er immer wegrennt, rennt er vielleicht eher vor sich selbst weg und nicht, wie Du nahelegst, vor dem Engen der Gesellschaft. Aber ich habe keine Literatur zu dem Film gelesen, wie das alles gedeutet wird.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Ethan habe ich immer als besessen und nie als frei wahrgenommen.

    Er ist besessen und er hasst auch, er ist aber auch verzweifelt, einsam, seine große Liebe (Schwägerin) wurde ermordet usw. Das ändert aber nichts daran, dass er in seinen Handlungen 'frei' ist, weil er für sich die aufkommenden Regeln der entstehenden Gesellschaft nicht gelten lässt, bzw. nichts mit ihnen anfangen kann. Er entscheidet 'frei' nach seinen Maßstäben, ohne sich nach den Vorstellungen der anderen zu richten.

    Wenn er immer wegrennt

    Er rennt nicht weg. Er erkennt, dass er in dieses Haus nicht mehr hineinpasst, macht dann noch diese Armbewegung, mit der er sein Zögern ausdrückt, dreht sich dann langsam um und geht. Und auch vorher rennt er nicht weg. Er begibt sich auf eine Suche, bei der er dann sicherlich nicht nur auf Debbie stößt, sondern auch auf sich.

    Aber ich habe keine Literatur zu dem Film gelesen, wie das alles gedeutet wird.

    So weit ich Einblick habe, gibt es da natürlich verschiedene Ansätze, was bei einem solch vielschichtigen Werk auch nicht verwundert.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Fort Apache (Bis zum letzten Mann) von 1947

    John Wayne, Henry Fonda, Shirley Temple, John Agar

    Der Beginn der berühmten 'Kavallerie-Trilogie' und auch hier wieder bekannte Themen: Staatenwerdung, Opferbereitschaft, Familie, Anstand, Kameraderie, Pflichtbewusstsein, Zusammenhalt, Heldentum, Legendenbildung. Und natürlich wird getanzt, gesungen und dem Whiskey kräftig zugesprochen. Der muss allerdings irisch sein.

    Das klingt alles sehr konservativ und so war John Ford sicherlich vielfach auch. Aber wenn man genau hinschaut, werden alle Themen auch immer wieder 'angekratzt', zeigt sich hier schon eine immer stärker werdende Desillusionierung bei ihm, wobei die Kriegserfahrungen dazu beigetragen haben werden.

    Ein Fort im Grenzgebiet erhält einen neuen Befehlshaber (Henry Fonda). Dieser ist arrogant, ehrgeizig, beharrt auf Klassenschranken, zeichnet sich durch Unbelehrbarkeit aus. In einer an General Custer und die Schlacht am 'Little Big Horn' erinnernden Kampagne führt er sein Regiment in die totale Katastrophe. Sein Nachfolger wird der einzige Soldat, der ihm manchmal noch zu widersprechen wagte (John Wayne), der aber der beginnenden Legendenbildung nichts entgegenzusetzen mag.

    Die 'angekratzten' Themen. - Da ist eben die Staatenbildung, die durch Verrat entsteht, da ist die Familie, die nur bei den 'kleinen' Leuten noch funktioniert, der Zusammenhalt, die Kameraderie, der Anstand, das Pflichtbewusstsein ebenso. Und das Heldentum? Es ist der normale Soldat, der sich aufopfert und dem kein Denkmal gesetzt wird. Das geschieht nur mit denen, deren 'Leistung' lieber nicht genau hinterfragt werden sollte. Wobei der 'Patriot' Ford (damals jedenfalls) die Legende immer noch als wichtiger einschätzte als die blanke Realität.

    Man kann, darf, muss das alles hinterfragen. Aber 'Fort Apache' ist für mich ein wichtiger Schritt in der Entwicklung dieses Regisseurs, hin zu 'The Searchers', hin zu 'Liberty Valance', auch hin zu 'Cheyenne Autumn'. Ich habe das Gefühl, dass Ford die Mythenbildung, die er einst selber mit in Gang gesetzt hatte, nun nach dem II. Weltkrieg immer mehr in Frage stellte. 'Fort Apache' ist ein Beispiel dafür.

    Filmisch ist das wieder einmal bedeutender John Ford. Wenn auch nicht in Farbe gedreht, so bietet er einmal mehr überwältigende Bilder, positioniert die Kamera genau richtig, beherrscht die Abfolge von Aktion und Ruhe, von Drama und Komödie usw. Da zeigt sich ein Meister seines Faches, der zwar noch lange nicht das Ende der künstlerischen Fahnenstange erreicht hatte, der aber jedem Film seinen ganz persönlichen und künstlerischen Stempel aufdrücken konnte.

    Aber man muss die Thematik mögen, sich darauf einlassen, sie als ein wichtiger Bestandteil des amerikanischen Selbstverständnisses akzeptieren (oder vielleicht auch das Allgemeingültige darin sehen), dann wird einen der Film auch jenseits der inhaltlichen Implikationen begeistern. Und damit rede ich von den tollen schauspielerischen Leistungen (ok, Shirley Temple müsste ich jetzt nicht haben), von den wirklichen witzigen Einlagen, von den Charakterstudien, von den rasanten Actionszenen und überhaupt von der Geschichte. Der Film lohnt sich. Es ist beste Western-Unterhaltung und wenn man will so viel mehr.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Fort Apache (Bis zum letzten Mann)

    Kleines Detail am Rande: um den Himmel in diesem schönen grauen Verlauf zeigen zu können, hat Kameramann Archie Stout bei Außenaufnahmen Infarotfilm verwendet; allerdings sind dann die Gesichter der Schauspieler viel zu hell - also mußten sie ein dunkleres Make-Up tragen. Konkret hieß das, sie rannten mit dunkelgrünen Gesichtern herum... Grins1

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Grins2

    Kannte ich noch gar nicht. Das muss ja ein Bild abgegeben haben. Invasion der Außerirdischen im Monument Valley. Wow1

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

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  • Heute der '2. Teil':

    She Wore a Yellow Ribbon (Der Teufelshauptmann) von 1949

    John Wayne, Joanne Dru, Victor McLaglen, Ben Johnson

    Das Monument Valley in Farbe, in überwältig schönen Bildern (Winton C. Hoch). Das alleine macht den Film sehenswert.

    Captain Nathan Brittles (John Wayne) steht kurz vor seinem Abschied aus der Kavallerie. Vorher muss er aber noch einmal Patrouille reiten. Nach einem ersten Scheitern dieses Auftrages, führt er dann, im wahrsten Sinne kurz vor Zwölf, seine Truppe doch noch zu einem unblutigen Erfolg.

    Und wieder einmal geht es um Auseinandersetzungen mit den 'Roten', wieder einmal wird die Existenz der 'Weißen' bedroht, wieder einmal können diese sich erfolgreich durchsetzen. Aber darum geht es in dem Film nur am Rande. Das ist hier halt tägliches Geschäft.

    Eigentlich handelt der Film von Abschied, Einsamkeit, vom wehmütigen Blick in eine (verklärte?) Vergangenheit. Der Witwer Brittles muss aus Altersgründen seine Ersatzfamilie, die Kavallerie aufgeben, verlassen und wendet sich nun gezwungenermaßen 'neuen Ufern' zu, zieht weiter Richtung Westen. Der Gedanke, in die etablierte Welt, in die Städte des Ostens zu gehen, kommt ihm dabei gar nicht. Eher frei, ungebunden, nur mit dem befrachtet, was er auf seinem Pferd mitnehmen kann, wird er selbst als Pensionär noch zum Teil der amerikanischen Idee des Aufbruchs, der Entdeckung, der Verschiebung von Grenzen.

    Vorher aber noch ein wehmütig - schmerzlicher, auch sentimentaler Blick auf das, was er verlassen wird. Die ganze Truppe ist eine einzige Großfamilie, mit ihren unterschiedlichen Typen (großartig einmal mehr dabei Victor McLaglen), ihren kleinen Streitigkeiten und den größeren Bewährungen, mit viel Zuneigung und gegenseitiger Hilfe. Alle weinen irgendwann und selbst John Wayne muss ein paarmal schniefen.

    Kitsch kann man einwenden. Ja, kann man, aber wenn es so ist, dann ist es großartiger Kitsch. Es ist ein Märchen mit ernsthaftem Hintergrund. Es ist eine großangelegte Verklärung, Legende pur. Aber vielleicht steckt darin mehr Wahrheit als in krasser Realität. Fast idealtypisch wird hier eine Situation vorgeführt, die jeder von uns auch kennt und sei es nur die Verklärung von Erlebtem. Und in der jeder seine eigenen Erfahrungen spiegeln kann, mit welchem Resultat auch immer.

    Für mich ist es einer der schönsten Ford-Filme. Ein wenig zum Schwärmen, zum Trauern, zum Schwelgen, zum Mitfühlen (und zum Mitlachen). Ein Märchen für Erwachsene.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • The Sun Shines Bright - John Ford, USA 1952

    Ein eher unbekannter Ford, aber eine Geschichte, die ihm offensichtlich sehr am Herzen lag, handelt es sich doch um eine (erweiterte) Neuauflage seines eigenen 'Judge Priest' von 1934.

    Eine Kleinstadt in Kentucky 1905 in der die Wahl des amtierenden Richters wieder einmal ansteht. Amtsinhaber ist Judge Priest (Charles Winninger), immer noch Anhänger der Konförderierten und (so lässt sich aus Andeutungen schließen) als Demokrat auch Befürworter der Sklaverei. Gegen ihn tritt ein Republikaner an, aus dem Norden kommend, sehr effizient, sehr betont modern.

    Die Welt des Judge Priest ist dagegen ein wenig südstaatenhaft verlottert (viel erinnert an Steinbecks 'Straße der Ölsardinen'), man lässt gerne Fünfe gerade sein, ab und an ein Schluck aus der Pulle (gereicht vom schwarzen Diener) ist notwendig, um das Herz in Gang zu bringen, Gerichtstermine müssen warten, weil erst einmal den weiblichen Honorationen Komplimente gemacht werden müssen. darüber hinaus aber ist alles geordnet, hat jeder seinen festen Platz in der Gesellschaft, oben und unten, d.h. die Position von Weißen und Schwarzen, ist eindeutig festgelegt.

    Was diesen Richter hingegen aber auszeichnet, ist seine Menschlichkeit, sein Glaube an die Gerechtigkeit vor dem Gesetz und auch an ein einiges Amerika ('one country, one flag) und dessen Werte. So riskiert er seine Wiederwahl, weil er einen Schwarzen vor dem Lynchen rettet (eine Episode, die Ford in der ersten Verfilmung nach Druck durch die Fox nicht bringen durfte) und v.a., weil er das Begräbnis einer moralisch als zweifelhaft angesehenen Frau organisiert, als erster hinter ihrem Sarg geht, direkt gefolgt von der Kalesche mit den städtischen Huren.

    Nein, Ford war kein Sozialrevolutionär, beileibe nicht. Rollen sind immer klar verteilt und eigentlich möchte oder konnte er das auch nicht infrage stellen. Wenn die Kutsche mit einer Frau darin durchgeht, dann ist klar, was passieren wird. Bei Hawks hätte sie versucht, die Zügel zu ergreifen, bei Ford fällt sie in Ohnmacht. Das ist alles sehr konservativ und für ein heutiges Publikum vielleicht alles andere als politisch korrekt.

    Aber was diesen Film auszeichnet, ist eine unglaubliche Menschlichkeit und der Glaube an eine bessere Gesellschaft, auch an ein besseres Amerika. Ford, als fast lebenslanger Wähler der Demokraten, bewunderte wiederum den Republikaner Abraham Lincoln für seinen Kampf um die Abschaffung der Sklaverei. Und in der Figur des Judge Priest verbindet er beides. Da geht es noch lange nicht um die rechtliche Gleichstellung, immerhin befinden wir uns noch im Jahre 1952, aber es geht um Gleichheit, Menschenwürde, Toleranz, es geht um Gemeinsamkeit (trotz immer wiederkehrenden, feststehenden Hierarchien), um menschliches Miteinander, um Gerechtigkeit über alle Gesellschaftsschranken hinweg.

    Sein Südstaatenporträt ist natürlich kein historisches. Es bleibt, trotz aller Widerwärtigkeiten, eine herbeigeträumte Idylle, ein Wunschbild, es ist damit auch (s)eine Idee einer menschlichen (amerikanischen) Gesellschaft, in der es immer um Zusammenführung, nicht um Trennung geht. Nein, Sozialrevolutionär war er nicht, aber Humanist mit einem Glauben an das Bessere. Und das macht dieser kleine, liebenswerte Film sehr deutlich.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

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