Zu Unrecht überhört – Interessante amerikanische Komponisten des 20. Jahrhunderts

  • Uhm ... ist das ganze jetzt das übliche, nur in diesem Fall pseudointellektuell verbrämte ...was hier gerade abgeht? Oder soll es das gar nicht sein? Ich kann das nur schwer beurteilen, weil ich sicherlich nicht die notwendigen biographischen Hintergrundinformationen habe.


    Kann mir jemand weiterhelfen?


    Ist es nicht und soll es auch nicht sein.


    Ich hoffe, das hilft.

  • In Zeiten der immer geringeren staatlichen Förderung werden auch in Deutschland Stiftungen und, vielleicht noch eher, Crowdfunding, ein Thema. Könnte sein, dass man durch Letzteres sich nicht zu sehr von gewissen Gruppierungen abhängig macht. Ich bin mal gespannt, wann das erste Orchester/der erste Komponist (auch weiblich) Crowdfunding betreibt. Oder gab's das schon?


    Nun zu US-Komponisten. Oben wurde schon mal kurz Amy Beach angesprochen. Auf YouTube sind einige Werke abrufbar, z. B.:
    - Sinfonie: "https://www.youtube.com/watch?v=VmLU1CfHcJw"
    - Klavierkonzert: "https://www.youtube.com/watch?v=p5ovVrOPdVo"
    - Kammermusik: "https://www.youtube.com/watch?v=I12UDD57P1Q"


    Sonst ist auch in den USA nicht sehr viel über US-Komponistinnen zu erfahren. Wäre schön, wenn Dirigentinnen wie Alsop und Falletta für größere Verbreitung der Werke weiblicher Komponisten sorgten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass nur Männer das "Komponisten-Gen" besitzen.

    2 Mal editiert, zuletzt von opereddie ()

  • RE: Howard Hanson

    Und ich wäre persönlich auch sehr, sehr vorsichtig, wer wirklich "interessant" ist.
    In meiner imaginären Liste käme dann z.B. nach wie vor ein von mir irgendwie gemochter Komponist wie Howard Hanson absolut nicht vor.


    ES ist ja gerade bei einigen amerikanischen Komponisten so, dass man ein TOP-Werk/Sinfonie gehört hat, sich dann natürlich für die weiteren Werke/Sinfonien interessiert (und kauft); dann aber feststellt - die Weiteren sind zwar hörenswert, aber so "doll" sind die anderen dann doch nicht.
    Ein weiteres Beispiel wäre Harris: Sinfonie Nr.3. Die weiteren Sinfonien sind zwar durchaus hörenswert und interessant; aber so ein TOP-Werk, wie die Drei ist es dann doch nicht.


    Bei Howard Hanson ist es ähnlich: Aber schon wegen seiner Sinfonie Nr.6 (1967) würde ich ihn durchaus als "interessant" und ganz und gar nicht unwichtig hier erwähnt wissen wollen.
    Ich hatte die Sinfonie Nr.6 als erstes Werk von Hanson in der Hammeraufnahme mit dem Westchester SO / Sigfried Landau (VOX, C1994, ADD); kein Aufnahmedatum angegeben, kennen gelernt - (die Aufnahme hatte ich früher schon auf TB mitgeschnitten).
    Später wollte ich dann die anderen Sinfonien haben und kaufte mir auf CD die leider sehr lasche und weitgehend viel zu emotionslose GA mit Gerhard Schwarz / Seattle SO (DELOS, 1988-90, DDD).
    Die Sinfonie Nr.6 kann man in dieser Schwarz - GA vergessen = Langeweile pur gegen Landau ! Die anderen Schwarz-Aufnahmen der Sinfonien und sinf.Werke sind zum kennenlernen OK, da teils gar nicht anders verfügbar. Aber auch hier haben sich die Aufnahmen der "zweitwichtigsten" Sinfonien Nr.1 "Nordische" und 2 "Romantic" auf NAXOS mit Schermerhorn / Nashville SO und Hansons Eigene (Mercury) als deutlich ansprechender erwiesen.


    Die Sinfonie Nr.5 "Sinfonia Sacra" (1954) würde ich als ebenso hörenswert und interessant einstufen. Eine Sinfonie in einem Satz (~15Min) - auf der DELOS-CD in 6 Indexe eingeteilt, fand ich (heute nach Jahren wiedergehört) in der Schwarz-Aufnahme gar nicht mal übel.


    Das Klavierkonzert op.36 (1942) mit 4 Sätzen ist auch nicht zu verachten. Hat einen "zackigen" 2.Satz und ein fetziges Allegro-Finale. Dauer 22-23Min.
    Mit Schwarz und mit Carol Roesenberg am Klavier (DELOS) ist durchaus eine anständige Aufnahme gelungen.



    Hier die Abb der VOX - CD mit der ausgezeicheneten Landau-Aufnahme der Sinfonie Nr.6.
    Meine VOX-Doppel-CD mit Sinfonien und Werken von Hanson, Thomson, Rorem, MacDowell und W.Schuman ist leider nicht mehr verfügbar, aber ich habe diese VOX-Einzel-CD gefunden:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/316C95kSppL.jpg]-->
    VOX, ADD

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Von dem früher bereits erwähnten Arthur Foote gibt es eine sehr schöne Gesamtaufnahme seiner Klavierwerke mit der Pianistin Kirsten Johnson.



    Das Klavierschaffen von Foote besteht in erster Linie aus kleineren Charakterstücken, Studien und eingen Suiten. Wie bei Foote allgemein, ist der Stil sehr an der europäischen Romantik orientiert. Da es sich bei der amerikanischen Kultur ja eher um eine Art europäischer Sekundärkultur handelt, ist das auch nicht verwunderlich und trifft auf einen großen Teil der amerikanischen Komponisten zu. Neben seiner Kammermusik verdient die Klaviermusik eine größere Verbreitung.


    Ein weiterer Amerikaner aus der europäischen romantischen Tradition ist Edward McDowell (1860-1908). Er war zeitglich mit Debussy am Conservatoire in Paris und studierte später am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt u.a. bei Joachim Raff. Die Pianistin Teresa Careno machte seine Klaviermusik in den USA populär. Nachdem er sich längere Zeit im Raum Frankfurt aufgehalten hatte (er lebte zeitweilig in Wiesbaden) kehrte er 1888 in die USA zurück. Als Pianist und Interpret seiner eigenen Werke erlangte er einige Berühmtheit und finanzielle Unabhängigkeit. Ab etwa 1905 machte sich eine Geisteskrankheit bei ihm bemerkbar, der er 1908 erlag.


    Neben zahlreichen Klavierwerken schrieb MacDowell 2 Klavierkonzerte, einige Orchesterwerke und zahlreiche Lieder. Naxos hat die schon früher bei Marco Polo erschienenen Klavierwerke mit James Barbagallo in seiner Reihe American Classics wieder veröffentlicht. Von den beiden Klavierkonzerten ist besonders diese Aufnahme zu empfehlen:



    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Na ja, die sogenannten Seilschaften waren bzw. sind ja nichts so spezifisch Amerikanisches.


    Vor allen Dingen kann ich die Empörung über "Seilschaften" nicht so recht verstehen. Als junger Mensch kriegt man gesagt, dass man "Vitamin B" braucht, um voranzukommen. Man braucht Connections, sollte netzwerken. Eine Binsenweisheit. Können allein reicht nicht, man muss auch die richtigen Leute kennen. Und dann gibt es wohl immer wieder Fälle, in denen das Können nicht so im Vordergrund steht.
    Wann wird so eine "Seilschaft" so richtig schlimm gefunden? Wenn sie als groß eingeschätzt wird und man selber nicht dazugehört. Dann kann sie immerhin noch dazu dienen, irgendeine Erklärung dafür zu finden, dass man in der Konkurrenz nicht so gut abschneidet wie man meint, es zu verdienen.


    Zum Thema fällt mir der Messiaen- & Dutilleux-Schüler Jacques Hétu (1938 - 2010) ein. Allerdings kenne ich bislang nur die Klaviervariationen (1964), die Glenn Gould (1967) zum 100. Geburtstag einspielte. Aber sie haben bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • Als junger Mensch kriegt man gesagt, dass man "Vitamin B" braucht, um voranzukommen.

    Ich habe das nicht gesagt gekriegt.


    Christian

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Ich habe das nicht gesagt gekriegt.


    Du hast aber sicher nicht einfach irgendwo bei irgendwem studiert. Worauf ich vor allem hinauswollte, ist, dass man diese seltsame Rede von den "Seilschaften" eigentlich kaum davon unterscheiden kann, was ganz normal z.B. für den Uni-Betrieb ist. Beziehungen, Leute kennen gehört nunmal dazu.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • Samuel Barber

    ..kommt hier noch wenig vor, aber vielleicht, weil er kein "unüberhörter" Komponist ist. Sein "Adagio for Strings" nistet ja im Gehörgang vieler Klassik-Liebhaber auf der ganzen Welt. Manche haben ihn dafür generell unter Kitsch-Verdacht gestellt, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ursprünglich ist das Adagio der Mittelsatz eines Streichquartetts ( b-moll op.11), und wenn man das mal im Zusammenhang hört


    "https://www.youtube.com/watch?v=wPIYytgMvbw"


    dann steht man doch vor einem ziemlich beeindruckenden, ausdrucksstarken, originellen Werk. Wenn man das kennt, kann man auch die vielgespielte Streichorchester-Fassung oder die Chor -Fassung als "Agnus Dei" besser einordnen.
    Neben diversen Filmregisseuren haben selbst japanische Yakuza das Stück für sich entdeckt:


    "https://www.youtube.com/watch?v=BEDQAr0l5jg"


    Mit diesem Stück ist Barber ein wirklicher Wurf gelungen, der viele Menschen anzieht... das muss man erst mal schaffen.


    Und sonst noch?


    Eine der genialsten Klaviersonaten des 20. Jahrhunderts (es-moll, op. 26):

    uraufgeführt von Vladimir Horowitz 1949



    Das Violinkonzert, das es in meinen Augen mühelos schafft, den Frühling von Vivaldi ins 20.Jahrhundert zu übertragen:



    Praktischerweise sind auf dieser CD auch die anderen fabelhaften Solokonzerte von Barber in fantastischen Interpretationen enthalten.


    Während mich die beiden Sinfonien nicht restlos überzeugen, finde ich die "Essays for Orchestra" umso interessanter:




    Schließlich gibt es ein Lied-Schaffen, das in der amerikanischen Musik seinesgleichen sucht:



    Und dann auch noch Opern:


    der Erstling Vanessa wurde 1958 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.


    Diese Aufnahme ist ziemlich gut...



    Die Uraufführung unter Dimitri Mitropoulos an der Met war ein Koproduktion mit den Salzburger Festspielen. Allerdings erlitt die Oper in Salzburg Schiffbruch. Das Stück ist sehr "Camp" im Sinne von Susan Sonntag - diese merkwürdigen, abgehobenen, wohl aus einem schwulen Blickwinkel gezeichneten Frauenfiguren sind wahrscheinlich nicht jedermanns Sache und wurden im konservativen Salzburg offenbar als Provokation empfunden.



    Von der Oper Frankfurt haben wir 2012 ein deutliches Plädoyer für "Vanessa" erlebt - und es war ein großer Erfolg - ich war da und kann es bezeugen...


    http://www.oper-frankfurt.de/de/page851.cfm?stueck=400&stueckdatum=1995“


    One more thing:....


    "Antony and Cleopatra"


    Eine grausame Geschichte. Man stelle sich vor, man erhält als "einer der größten zeitgenössischen Komponisten Amerikas" den Auftrag, die Oper für die Eröffnung der Metropolitan Opera im Jahr 1966 zu schreiben. Man wählt dieses Stück von Shakespeare und komponiert den Originaltext 1:1, was wohl noch nie ein Komponist gewagt hat.
    Die ganze Sache wird ein unglaubliches Desaster. Dafür gibt es wahrscheinlich verschiedene Ursachen. Zum Einen war die Regie von Franco Zefirelli völlig missglückt, und die neue Bühnentechnik des Theaters muss wohl verrückt gespielt haben.


    Also ist das Stück unschuldig? Man sollte es sich mal vorurteilslos anhören:



    schwelgerisch,verschwenderisch, und sehr bewegend.. für mich eine großartige Oper..


    Nachdem die amerikanischen Kritiker "Antony and Cleopatra" in Grund und Boden verdammt hatten, ist Barber auf der Stelle nach Italien geflohen ... würde mich nicht wundern, wenn er um seine Sicherheit besorgt gewesen wäre...


    Aus der Distanz von heute betrachtet, kann man es nicht ganz von der Hand weisen , dass Homophobie bei diesem Geschehen ein Rolle gespielt hat.
    Leider hat es Barber zeitlebens nie geschafft, sich zu seinem Lebensgefährten Gian Carlo Menotti zu bekennen.


    Herzlichst
    ilbravo

    Oper in Hamburg: seit 1678 in 3D

  • Ich höre gerade auf Youtube, im Kanal Wellesz Theatre:


    Aaron Copland (1900-1990)
    Piano Variations (1930)
    Beveridge Webster, pianoforte


    Ich komme auds dem Steunen nicht heraus.


    Danke an Christian Köhn für den Tipp, als nächstes nehme ich mit Samuel Barbers Klaviersonate vor.


    LG, Kermit :wink:

    Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.

  • Eine der genialsten Klaviersonaten des 20. Jahrhunderts (es-moll, op. 26):


    uraufgeführt von Vladimir Horowitz 1949

    Horowitz hat die Barber-Sonate auch selbst eingespielt, erhältlich z.B. hier:



    oder hier:



    Christian

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Schließlich gibt es [bei Barber] ein Lied-Schaffen, das in der amerikanischen Musik seinesgleichen sucht:


    tatsächlich? Verglichen mit Ives?

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Die Lieder von Barber, zumal in der zuvor geposteten Version mit Hampson und Studer, können es mit denen von Ives mühelos aufnehmen. Barber war ja der versiertere Komponist mit einer fundierten Ausbildung, Ives mehr Autodidakt. Aber ich würde hier keine Konkurrenzsituation sehen wollen, denn beide Komponisten haben auf diesem Gebiet etwas ausserordentliches geleistet.
    Zu den Orchesterwerken wäre noch anzumerken, das Marin Alsop sie sämtlich bei Naxos eingespielt hat. Die Box lohnt in jedem Fall, denn man erhält einen wundervollen Überblick zum sinfonischen Schaffen von Barber. Und Marin Alsop ist eine ausgezeichnte Dirigentin (und sehr sympathisch, was man bei den vorletzten Proms in der Royal Albert Hall erleben konnte).


    Bei der Aufnahme der Klaviersonate mit Hamelin hat man den direkten Vergleich zu Ives. Die beiden Werke sind komplett verschieden. Das eine in klassischer Strenge, mit einer Fuge am Schluss, und das andere molto avangardistisch, mit sehr brutalen Episoden. Hamelin liebt diese Sonate, und hat sie nicht nur 2 Mal eingespielt sondern auch häufig aufgeführt. Im Gegensatz zu der Sonate von Barber braucht man etwas länger um mit dem sperrigen Material bei Ives zurechtzukommen. Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit der Sonate gemacht.


    Zu Thema amerikanische Musik möchte ich Euch noch 2 Aufnahmen empfehlen, die ich für aussergewöhnlich gelungen halte:



    Roberto Szidon spielt hier verschiedene Werke amerikanischer Komponisten, u.a. auch die Concord Sonata von Ives, aber auch das Klavierkonzert von Gershwin und das 2. Konzert von MacDowell. Zusätzlich gibt es noch Villa-Lobos, der hinreissend musiziert wird.



    Das famose Duo Genova / Dimitrov spielt Musik von Gershwin, Copland und Bernstein. Besonders die Klavierversion von "El Salon Mexico" von Aaron Copland lohnt die Anschaffung dieser CD.


    Und zum Schluß noch ein Schmankerl:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Oj8VY5vML._SL500_SX355_.jpg]


    Eric Parkin spielt Klavierbearbeitungen zu Musik von Jerome Kern. Jenseits der Musicalproduktion (die übrigens um Klassen besser ist als das was uns hier in Hamburg als angebliche Musicalstadt angeboten wird) hat Kern wirklich unglaublich gute Songs geschrieben. Diese CD macht jedenfalls viel Freude beim anhören.
    (Ein Bild gibt es nicht mehr bei den einschlägigen Anbietern.)


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Barber war ja der versiertere Komponist mit einer fundierten Ausbildung, Ives mehr Autodidakt.

    Ives wurde immerhin von seinem Vater, einem Militärkapellmeister, unterrichtet und studierte Komposition, d. h., er war durchaus professionell ausgebildet. "Autodidakt" trifft es daher m. E. nicht.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Professionalität würde ich Ives auch nicht absprechen wollen, aber er war eben kein Musiker im Hauptberuf, und das unterscheidet ihn von Barber, der sein Leben lang nichts anders gemacht hat als komponieren.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • "Komposition als Beruf" ist jetzt aber ein schwieriges Kapitel. Die Leute waren z.B. mit kirchlichen Pfründen versorgt oder Organisten, Chorleiter, Kapellmeister, Konzertpianisten, Professoren, etc.


    Bezüglich Sinnhaftigkeit des name-dropping - keine Ahnung, ob das so viel bringt. Aber ich kann jedenfalls so meinen Zugang zu dem Thema vermitteln: Ich informiere mich, versuche herauszufinden, "was man kennen sollte" und versuche anschließend, es auch mögen zu lernen. Je berühmter der Komponist, umso mehr Chancen bekommt er im Falle des Nicht-Gefallens. Das Kultivieren eines persönlichen Geschmacks interessiert mich heute nicht mehr so, viel eher gehe ich die nicht-Gemochten nochmal an, da ich mich für lernfähig halte, ihnen etwas abzugewinnen.


    Natürlich kann ich dann zu den Komponisten gezielt nachlesen, oder meine Erinnerungen geben genug Material her, um persönliche Anmerkungen oder unpersönliche Werbetexte zu verfassen. Allerdings könnte ich jetzt würfeln, ob der Text zu Gershwin oder Ruggles verfasst werden soll, ein "Partei-Ergreifen" interessiert mich da nicht mehr.


    Die Sache mit den Seilschaften ist natürlich ein generelles Thema beim Erfolg. Vielleicht waren also ganz andere Leute viel genialer, nur wurden ihre Werke nicht ausreichend gefördert. Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, nicht die Komponisten, die "man kennen sollte", sondern andere anzuhören. Früher habe ich auch stärker in diese Richtung gesammelt (Parteinahme für unbekanntere Namen, wenn mir deren Musik interessant erschien).


    Villa-Lobos gefällt mir allerdings bei zunehmender Kenntnis seiner Werke immer besser. Als ich kürzlich ein paar seiner Streichquartette gehört habe, hat mich das ein wenig an Malipiero erinnert - und ich musste daran denken, dass Michael beide nicht mag.
    :D

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • RE: Howard Hanson - Sinfonie Nr.6

    Und es ist immer noch die Aufnahme mit dem Westfälischen Sinfonieorchester Recklinghausen unter Landau.


    Danke für die Richtigstellung.
    Da haben die Amis bei VOX aber einen dicken Schreibfehler eingebaut, der sich auf meiner VOX-CD-Ausgabe befindet.
    ** Wir hatten das Thema Hanson bereits 2009 in diesem Thread (Beitrag 25-26) - dort hat Frank auch die Abb der VOX-Neuausgabe gelistet, wo der Fehler bereits erkannt und berichtigt wurde: Dort ist korrekt Westfalian Symphony Orchestra angegeben.


    8o Jedenfalls schon interessant, dass erst ein deutsches SO aus der Recklinghausener Provinz kommen muss, um eine anständige Aufnahme der Sinfonie Nr.6 auf CD vorzulegen, die dann auch noch von einem amerikanischen CD-Label vertrieben wird.

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Samuel Barber

    halte ich für so Interessant (auch vom persönlichen Musikgeschmack her), das er selbstverständlich auch hier Erwähnung finden muss. Dank an Ilbravo !


    Barber hat bereits seit 2010 bei Capriccio eigen Thread: Samuel Barber - Der grosse Spätromatiker der neuen Welt
    Dort findet man eine Menge Anregungen zu den wichtigsten Werken und Aufnahmen.


    Um mich hier nicht zu lange wiederholen möchte ich auch auf Barbers Klavierkonzert op.38 (1964) in der referenzwürdigen CBS-Aufnahme mit Browning/Szell (SONY, Januar 1964) aufmerksam machen. Das KK kam mir oben in Ilbravos Beitrag etwas zu kurz.


    Ich zitiere aus dem Barber - Thread Beitrag 16:

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    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Sein "Adagio for Strings" nistet ja im Gehörgang vieler Klassik-Liebhaber auf der ganzen Welt. Manche haben ihn dafür generell unter Kitsch-Verdacht gestellt, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ursprünglich ist das Adagio der Mittelsatz eines Streichquartetts ( b-moll op.11), und wenn man das mal im Zusammenhang hört


    "https://www.youtube.com/watch?v=wPIYytgMvbw"


    dann steht man doch vor einem ziemlich beeindruckenden, ausdrucksstarken, originellen Werk. Wenn man das kennt, kann man auch die vielgespielte Streichorchester-Fassung oder die Chor -Fassung als "Agnus Dei" besser einordnen.

    Die Streichquartettfassung (die ich gerade vom Emerson String Quartett gehört habe) ist in der Tat beeindruckender, weil intimer. Es fehlt die Opulenz, welche die Mehrfachbesetzung der Streicher bringt. Aber eindrücklicher ist die Quartettfassung auch schon deshalb, weil die beiden Ecksätze durchaus mit dem Mittelsatz standhalten können. Das Genie von Barber, seine musikalische Intelligenz und sein Sinn für Proportionen kommen in diesem Quartett m.E. sehr gut zur Geltung.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Leider hat es Barber zeitlebens nie geschafft, sich zu seinem Lebensgefährten Gian Carlo Menotti zu bekennen

    Nicht?
    Sind die wirklichen Fakten bekannt?
    Wohl eher nicht, denn diese Schlussfolgerung ist absurd.


    Daß die beiden ein Paar waren, war hinlänglich bekannt in den 50er Jahren und kein Geheimniss.
    Menotti ist dann leider mit dem Dirigenten Thomas Schippers durchgebrannt.
    Schippers aber ausgerechnet galt damals als der beste Interpret Barbers.....



    Und nicht nur ich sehe es so, daß sich Barber davon niemals mehr erholt hat.
    Das war seine Tragödie.
    Und DAS hat Barber unter den Tisch gekehrt, nicht seine Partnerschaft mit Menotti.
    Nur gab es diese dann halt nicht mehr und somit auch nichts mehr zu bekennen.
    Shit happens.

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