Eigentlich: Artemis-Quartett + Eckart Runge, Köln

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Eigentlich: Artemis-Quartett + Eckart Runge, Köln

    Und es kam ganz anders: da nicht alle erforderlichen Negativ-Testergebnisse zum Beginn des Konzertes vorlagen, musste der Abend - wenn man ihn denn nicht absagen wollte! - komplett neu konzipiert werden. Die Mitwirkenden zogen kurzerhand einen Pianisten aus dem Kölner Hut: Fabian Müller. Der sich mit den beiden Celli und einer Violine zu folgendem Programm zusammenfand:


    Vineta Sareika Violine
    Harriet Krijgh Violoncello
    Eckart Runge Violoncello
    Fabian Müller Klavier


    Johann Sebastian Bach
    Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007 (1720)


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Sonate für Klavier und Violine e-Moll KV 304 (300c) (1778)
    Allegro
    Tempo di Menuetto


    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Lied ohne Worte op. 109 (1845)
    für Violoncello und Klavier
    Andante


    Ludwig van Beethoven
    Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur Op. 102,2 (1815)
    Allegro con brio
    Adagio con molto sentimento d'affetto
    Allegro - Allegro fugato


    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Andante con moto tranquillo (1839) (6 Min.)
    aus: Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49


    Ich war zu allermeist beeindruckt von der Nervenstärke und dem Improvisationstalent der Künstler, die in allerkürzester Zeit (es war von einer Stunde die Rede) ein gemeinsames Programm auf die Bühne brachten. Natürlich war das kein "eingespieltes Team" - doch der Pianist war im Äußersten zugewandt und spielte mehr mit dem Blick über die rechte Schulter (Anmerkung: unglückliche Sitzordnung!) als auf Noten und Tastatur. Und das Miteinander war gelungen!
    Dass Harriet Krijgh mit der Bach-Suite den schwierigsten Teil übernehmen musste, nämlich den Start aus der allgemeinen Hochspannung, war sicher keine glückliche Entscheidung. Sie blockierte auch "prompt" irgendwann am Anfang und schaffte die souveräne Entschuldigung: "Sorry, das war wohl doch etwas kurzfristig!", um dann wieder voll einzusteigen.


    Wir Publikum waren fasziniert von dem, was uns diese Profis ohne Netz und doppelten Boden zauberten. Es war Musik - vom Feinsten. Und für mich nicht "kritikwürdig" im Sinne von: Vergleich mit .... Denn für so einen Abend gibt es eben kein Vorbild.

  • Dann wurden ja offensichtlich gleich zwei Mitgliedern des Quartetts in seiner heutigen Zusammenstellung die Einreise nach Deutschland verboten. Schade, dass Soyoen Kim nicht dabei war. Sie ist ja die Neue. (Natürlich will ich damit nicht sagen, dass es erfreulicher gewesen wäre, wenn Vineta Sareika am Konzert nicht hätte teilnehmen können). Die beiden Damen, die jetzt die Positionen an den Geigen immer mal tauschen, sind hier in Belgien und in Antwerpen nicht unbekannt. Vineta Sareika war viele Jahre Konzertmeisterin der "Königlichen Philharmonie Flandern", die man idiotischerweise in 'Antwerp Philharmonic Orchestra' umbenannt hat.Und Soyoen Kim ist uns in Erinnerung, weil sie im Finale des Königin Elisabeth Wettbewerbs einen schrecklichen Ausrutscher im Beethoven Konzert hatte. Sie wurde trotzdem als Vierte geehrt. Von mir aus hätte sie trotzdem Platz Eins belegen können. Ein Konzert mit einem Ausrutscher kann hundertmal besser sein, als eines ohne. Kennengelernt habe ich das Artemis Quartett in Antwerpen, als es noch kaum jemand kannte: in einer öffentlichen Masterclass mit dem Emerson Quartett. Vor kurzem waren sie ja noch im "coronaverseuchten" Brüssel (Hab's im Radio mitgeschnitten). Darum die Probleme beim Grenzübertritt. Jedenfalls habt ihr ein recht aussergewöhnliches "Ersatzprogramm" geboten bekommen.

  • Wir Publikum waren fasziniert von dem, was uns diese Profis ohne Netz und doppelten Boden zauberten. Es war Musik - vom Feinsten.

    Vielen Dank für den Bericht, Babayaga, das ist wirklich zu bewundern. Sehr interessant, wie die Musiker mit den neuen Bedingungen umgehen.


    die in allerkürzester Zeit (es war von einer Stunde die Rede) ein gemeinsames Programm auf die Bühne brachten

    Tolle Leistung und tolle Einstellung der Musiker!


    Ich möchte allerdings sagen, dass man als professioneller Musiker, solange man eben sehr fit auf seinem Instrument ist, dann doch so ziemlich einiges "vom Blatt" konzertreif (mit Abstrichen) bieten kann. Man muss natürlich dafür Nerven aus Stahl haben, das ist klar.


    zB hatten unsere Pianisten, die die Geigen-Meisterklasse bei meinem Lehrer an der Guildhall School die ganze Woche lang begeleiteten, sämtliche Sonaten und Konzertstücke der Geigenliteratur konzertreif drauf. Und mussten noch dazu auf jeden Spieler immer neu eingehen. Es ging deshalb auch im Zusammenspiel sehr gut. Einer von ihnen spielte auch in der Bratschenklasse und konnte demnach auch die Brahmssonaten, Rebecca Clarke usw . Wenn ich mich recht erinnere, haben sie auch Kammermusik gekannt und gekonnt.

  • Ich möchte allerdings sagen, dass man als professioneller Musiker, solange man eben sehr fit auf seinem Instrument ist, dann doch so ziemlich einiges "vom Blatt" konzertreif (mit Abstrichen) bieten kann. Man muss natürlich dafür Nerven aus Stahl haben, das ist klar.

    Das ist mir durchaus klar, liebe Rosamunde! Und hindert mich überhaupt nicht daran, eine derartige Leistung rundherum und ohne Einschränkungen zu würdigen!
    Denn was wir erlebt haben, war ein Abend, dem ja (wie man sich unschwer vorstellen kann) einige Stunden intensiver Spannung bereits vorausgegangen sind: neben den üblichen Vorbereitungen auf ein Konzert das Warten, ob die Testergebnisse überhaupt rechtzeitig ankämen - uns wenn ja, mit welchem Befund. Dann die Entscheidungen über die Auftretenden (es waren ja offenbar nicht alle dabei, denen es der Form nach erlaubt gewesen wäre) und die Überlegungen des Alternativprogramms mit passenden Telefonaten, also schlicht Organisatorisches.
    Wenn da am Ende nicht ein einfaches "Wir haben unser Soll erfüllt" rauskommt, sondern ein das Publikum bewegendes Konzert, dann verbeuge ich mich vor dieser Leistung. Die natürlich auch was mit Nerven zu tun hat, aber letztlich vor allem mit dem unbedingten Wunsch und Willen, MUSIK zu spielen.
    Naja - und gekonnt haben sie auch was!

  • Wenn da am Ende nicht ein einfaches "Wir haben unser Soll erfüllt" rauskommt, sondern ein das Publikum bewegendes Konzert, dann verbeuge ich mich vor dieser Leistung. Die natürlich auch was mit Nerven zu tun hat, aber letztlich vor allem mit dem unbedingten Wunsch und Willen, MUSIK zu spielen.
    Naja - und gekonnt haben sie auch was!

    Absolute Zustimmung, Babayaga, sagte ich ja vorab, dass es bewundernswürdig und eine tolle Leistung und Einstellung der Musiker ist/zeigt. Freut mich, dass es so schön war !
    Darum geht es ja nur.

  • Ergänzend zu meinem Anfangsstatement

    Es war Musik - vom Feinsten.

    nun noch eines zum Abschluss (aus meiner Perspektive jedenfalls):


    Erst um 19.00 Uhr stand fest, dass ein Mitglied des Quartetts nicht würde auftreten können. Wir sind den Künstlern überaus dankbar, das Wagnis eines Ersatzkonzerts – quasi aus dem Stehgreif - eingegangen zu sein.


    Das schrieb mir just vor einer Stunde der Intendant der Philharmonie in seiner Reaktion auf meine Bitte, mir das Programm zuzusenden (die ja bereits umgehend erfüllt worden war). Ich hatte dabei meine Anerkennung darüber ausgesprochen, wie sie diesen Abend gemeistert haben. Was offenbar vom allgemeinen "Feedback"-Konto auf das des Chefs weitergeleitet wurde.



    Und ich schlage vor, dass die hier inzwischen noch aufgetauchten Themen von den Interessenten in eigenen Threads weiterbearbeitet werden.

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